Hochauslösende, spiegellose Vollformat-Systemkamera

Testbericht: Nikon Z 7II

Seite 2 von 2, vom 2021-01-01 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Der Autofokus arbeitet bei der Verfolgung von Motiven allerdings besser als noch bei der Z 7. Zudem gibt es eine Gesichts-, Tier- und Augenerkennung, die bei Porträts äußerst hilfreich ist. Die Präzision des Fokus ist gut. In dunkleren Umgebungen kommt der Autofokus zwar nicht ins Schleudern, wird aber teilweise langsamer. Mit einem F2 lichtstarken Objektiv arbeitet der Autofokus laut Nikon bis -3 EV, aktiviert man den Low-Light-AF, soll es sogar bei bis zu -4 EV noch funktionieren.

Mit den nativen Z-Objektiven arbeitet der Autofokus am schnellsten, aber über den FTZ-Adapter angeschlossene Objektive fokussieren ebenfalls flott, im AF-S nicht langsamer als an einer DSLR. Uneingeschränkt funktionieren AI-, AF-S- und AF-P-Objektive. Der Adapter macht praktisch nichts anderes, als etwas Luft zu umbauen, dunkel abzuschirmen sowie den Unterschied der Bajonettauflagemaße (F und Z) anzupassen und natürlich den Anschluss selbst.

Die Serienaufnahmefunktion soll theoretisch bis zu 10 JPEG-Bilder pro Sekunde erreichen, was sich auch in unserer Messung bestätigte. Mit 14 Bit Raw-Aufnahmen (komprimiert) maßen wir neun Bilder pro Sekunde. Dabei kam jeweils der mechanische Verschluss zum Einsatz, womit die Z 7II einiges schneller ist als die Z 7. Auch das Manko des zu klein geratenen Puffers der Z 7 wird von der Z 7 II zumindest teilweise behoben, die immerhin über zwei Expeed-6-Bildprozessoren verfügt, die jeweils einen eigenen Puffer mitbringen.

In höchster JPEG-Qualität hält die Z 7II die hohe Serienbildgeschwindigkeit für 108 Bilder durch, das ist für viele Situationen mehr als ausreichend, wenn auch nicht die versprochenen 200 Bilder erreicht werden. Die letzten 92 Bilder bis zum Erreichen der 200-Serienbild-Grenze, die Nikon nach wie vor unnötigerweise implementiert, werden mit nur noch 3,5 Bildern pro Sekunde aufgenommen. In Raw (14 Bit verlustfrei komprimiert) hält die Z 7II die neun Serienbilder pro Sekunde für 56 Aufnahmen durch, danach geht es mit 3,2 Bildern pro Sekunde weiter, bis die 200-Aufnahmen-Grenze erreicht ist.

  • Bild Das Stativgewinde der Nikon Z 7II liegt vorbildlich in der optischen Achse, sogar ein Videopin ist als Verdrehsicherung vorhanden. Auch der Abstand zum Akkufach ist trotz der kompaktem Kameraabmessungen komfortabel groß. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde der Nikon Z 7II liegt vorbildlich in der optischen Achse, sogar ein Videopin ist als Verdrehsicherung vorhanden. Auch der Abstand zum Akkufach ist trotz der kompaktem Kameraabmessungen komfortabel groß. [Foto: MediaNord]

Diese Werte haben wir mit einer CFexpress-Speicherkarte ermittelt, die 1.440 MB/s Schreibgeschwindigkeit verspricht. Tatsächlich entsprechen 3,2 Raw-Serienbilder pro Sekunde bei vollem Puffer aber nur einer Schreibrate von knapp über 200 MB/s. Mit einer 299 MB/s schnellen SDHC-UHS-II-Karte war die Z 7II bei unserem Test kaum langsamer, nach 77 JPEG-Bildern pro Sekunde sank die Bildrate auf 3,5 Bilder pro Sekunde, nach 44 Raw-Bildern pro Sekunde ging es mit 3,1 Bildern pro Sekunde weiter. Die Unterschiede lagen hier in der zweiten Nachkommastelle, so dass sich auf die SD-Karte eine nur 10 MB/s langsamere Schreibrate ergibt. Sowohl in Raw als auch in JPEG war der Puffer übrigens bei beiden Speicherkarten nach weniger als zwei Sekunden wieder leer, bis die Kamera wieder voll aufnahmebereit war.

Der Performancegewinn gegenüber der Z 7 ist also trotz praktisch identischer Schreibrate deutlich und die Z 7II damit sport- und actiontauglicher als das Vorgängermodell. Hinzu kommt, dass auch bei 10 Bildern pro Sekunde Belichtung und Autofokus nachgeführt werden. Nur ein Livebild gibt es dann nicht mehr, stattdessen wird die jeweils letzte Aufnahme als Sucherbild angezeigt. Erst bei Reduzierung auf 5,5 Bilder pro Sekunde gibt es auch wieder ein Livebild.

Dass das CFexpress-Speicherkarteninterface aber so deutlich hinter den Möglichkeiten zurückbleibt, muss Nikon sich ankreiden lassen. Die Canon EOS R5 erreicht mit identischer CFexpress-Speicherkarte Beispielsweise mehr als die doppelte Schreibgeschwindigkeit. Auf schnelle SD-Karten kann sich die Schreibgeschwindigkeit hingegen relativ betrachtet sehen lassen, auch wenn es hier ebenfalls etwas schnellere Kameras gibt.

Dank des beweglich gelagerten Bildsensors sind mit der Nikon Z 7II theoretisch und auch praktisch bis zu fünf Blendenstufen längere Belichtungszeiten ohne Stativ möglich als ohne Stabilisator. Der Sensor wird auf drei Achsen verschoben (horizontal, vertikal und in der Rotation), ausgeglichen werden fünf Achsen: Neben der Rotation sind das horizontale und vertikale Verschwenkungen sowie Verschiebungen der Kamera. Je nach Aufnahmedistanz ist mal das eine, mal das andere stärker. Bei weit entfernten Motiven sind die Verschwenkungen ein Problem, bei den nahen eher Verschiebungen.

Der Bildstabilisator macht sich durch ein sehr leises akustisches Rauschen bemerkbar, vor allem aber mit seiner effektiven Arbeit. Auch mit adaptierten Objektiven funktioniert er. Besitzt das Objektiv selbst einen optischen Bildstabilisator, so übernimmt das Objektiv den Ausgleich der Verschwenkungen. Das ist vor allem bei Teleobjektiven äußerst nützlich und viel effektiver. Die verbliebenen drei Achsen gleicht der Kamera-Bildstabilisator aus. Sonderfunktionen wie eine Pixel-Shift-Auflösungssteigerung gibt es bei Nikon nicht, auch die Effektivität bleibt bei der Kombination aus Objektiv- und Sensor-Shift-Stabilisator im Gegensatz zu anderen Kameraherstellern mit maximal 5 EV identisch.

Videos zeichnet die Z 7II maximal in 4K-Auflösung (3.840 mal 2.160 Pixel) bei bis zu 60 Bildern pro Sekunde auf. In Full-HD (1.920 x 1.080) sind bis zu 120 Bilder pro Sekunde für Zeitlupeneffekte oder besonders flüssige Bewegungsabläufe möglich. Der Sensor-Shift-Bildstabilisator bleibt dabei aktiv und so kann die gesamte Sensorbreite für die Filmaufnahme verwendet werden. Dennoch gibt es, zusätzlich zum Beschnitt vom 3:2-Sensorformat auf das 16:9-Videoseitenverhältnis, einen, wenn auch nur kleinen, zusätzlichen Bildwinkelverlust.

  • Bild Das Speicherkartenfach der Nikon Z 7II bietet zwei Schächte. Einer ist zu XQD und CFexpress kompatibel, der andere zu SD, SDHC und SDXC samt UHS I und UHS II. [Foto: MediaNord]

    Das Speicherkartenfach der Nikon Z 7II bietet zwei Schächte. Einer ist zu XQD und CFexpress kompatibel, der andere zu SD, SDHC und SDXC samt UHS I und UHS II. [Foto: MediaNord]

Allerdings erfolgt die Videoaufnahme im Lineskippingverfahren, es kommen also nicht alle Bildsensorzellen zum Einsatz. Wer möchte, kann einen elektronischen Bildstabilisator zuschalten, der das Bild nochmals deutlich beruhigt, allerdings etwas Bildbeschnitt mit sich bringt. Den Autofokus führt die Z 7II sanft und recht sicher nach. Dabei werden nun auch Gesichter, Augen und Tiere erkannt. Der Ton wird wahlweise über das integrierte oder ein extern angeschlossenes Stereomikrofon aufzeichnet. Eine Pegelanzeige samt Aussteuermöglichkeit fehlt ebenfalls nicht und über Kopfhörer lässt sich der Ton live kontrollieren.

Intern werden Videos mit 8 Bit aufgezeichnet. HDR-Videos nach HLG-Standard werden ebenso unterstützt wie N-Log als flache Tonwertkurve und Timecode. Die maximale Aufnahmelänge beträgt knapp 30 Minuten, zudem kommt ein Temperaturmanagement zum Einsatz, das die Aufnahme gegebenenfalls vorher abbricht. Dank des Magnesiumgehäuses ist die Wärmeableitung aber gut, so dass es unter normalen Raumtemperaturbedingungen keine Hitzeprobleme gibt. Auch das Webcam-Utility funktioniert mit der Nikon Z 7II, zudem bietet sie Clean-HDMI für externe Aufzeichnungen. Diese erfolgen maximal mit 10 Bit. Für externe 12-Bit-Raw-Videoaufzeichnungen ist hingegen eine kostenpflichtige Hardware-Modifikation nötig.

Nikon verbaut in der Z 7II sowohl Bluetooth als auch WLAN, die im von Nikon Snapbridge genannten System zusammenarbeiten. Dank Bluetooth kann relativ energiesparend eine dauerhafte Verbindung zum Smartphone aufrechterhalten werden, so dass zum Beispiel Geoinformationen des Smartphones zum Geotagging der Bilder direkt beim Speichern in den EXIF-Daten abgelegt werden können. Wer möchte, kann aber auch Ansteck-GPS-Lösungen von Nikon und anderen Herstellern verwenden.

Auch eine Hintergrundübertragung kleiner Vorschaubilder ermöglicht Snapbridge. Für alles, was eine höhere Datentransferrate benötigt, wird WLAN zugeschaltet. Es dient nicht nur der Übertragung hochauflösender Bilder auf das Smartphone, sondern auch zur Kamerafernsteuerung via App samt Livebildübertragung. Seit der zweiten Generation von Snapbridge sind dabei umfangreichere Kameraeinstellungen möglich. Mehr Details zu Snapbridge und dem Thema Geotagging mit der Z 7II sowie dem Webcam-Utility sind in den über die weiterführenden Links erreichbaren Fototipps beschrieben.

Im Gegensatz zu früheren Snapbridge-Versionen – das war ein großer Kritikpunkt – ist die WLAN-Schnittstelle nicht mehr an Snapbridge gebunden, sondern kann unabhängig arbeiten. Das ermöglicht das drahtlose Übertragen der Fotos an Computer. Auch im Studio ist eine drahtlose Fernbedienung der Nikon Z 7II vom Computer aus möglich, was selbstverständlich auch kabelgebunden funktioniert (so genanntes Tethering). Ganz neu bei der Z 7II ist zudem die Möglichkeit, Firmwareupdates via Snapbridge vorzunehmen. Eine entsprechende Benachrichtigungsfunktion für Firmwareupdates bot die Snapbridge-App bisher schon, nur musste man das Update früher umständlich via Speicherkarte vornehmen, Das sollte nun deutlich einfacher und intuitiver gehen.

Bildqualität

Die Nikon Z 7II ist mit einem 45,7 Megapixel auflösenden Kleinbildsensor (36 mal 24 mm) ausgestattet. Es handelt sich um einen rückwärtig belichteten CMOS-Sensor, sodass die lichtempfindliche Fläche gegenüber herkömmlichen CMOS-Sensoren, bei denen die Leiterbahnen über der lichtempfindlichen Fläche liegen, größer ist. Als Nebeneffekt kann der Sensor auch Licht, das nicht ganz senkrecht einfällt, besser verarbeiten. Das sorgt für weniger Farbsäume, Vignettierung und Randunschärfe.

  • Bild Großer Vollformatsensor, noch größeres Bajonett: Das ermöglicht bei der Z 7II laut Nikon besonders lichtstarke Objektive und senkrechte Lichtstrahlen bis in die Bildecken. [Foto: MediaNord]

    Großer Vollformatsensor, noch größeres Bajonett: Das ermöglicht bei der Z 7II laut Nikon besonders lichtstarke Objektive und senkrechte Lichtstrahlen bis in die Bildecken. [Foto: MediaNord]

Um die Bildqualität der Nikon Z 7II genau zu analysieren, haben wir sie nicht nur in der Praxis getestet, sondern auch in unserem Testlabor. Dabei kam das Nikon Z 24-70 mm F4 S zum Einsatz, wobei die Z 7II Nikon-typisch eine etwas dunkle Belichtung zeigte, wie auch an den Testbildern aus unserem Labor zu sehen ist. Sowohl die Testbilder (eine ISO-Reihe in Raw und JPEG) als auch der Labortest der Z 7II, auf dem die folgenden Betrachtungen beruhen, sind über die weiterführenden Links gegen ein kleines Entgelt abrufbar. Der Labortest enthält zahlreiche Diagramme mit allen Messwerten und Erklärungen zu den Diagrammen. Zudem bieten wir eine Prepaid-Labortest-Flatrate für den zeitlich begrenzten Zugriff auf das gesamte Archiv mit über 1.800 Labortests, Testbildpaketen von über 200 Kameras und über 50 Premium-Kameratests mit erweitertem Informationsgehalt im PDF-Format an.

Das Nikon Z 24-70 mm F4 S zeigt bereits bei Offenblende eine hohe Auflösung im Bildzentrum. Über 80 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) bei 50 Prozent Kontrast werden im Weitwinkel erreicht. Beim Abblenden bleibt die Auflösung bis F11 auf diesem Niveau, danach reduziert Beugung die Auflösung trotz Beugungskorrektur seitens der Kamera etwas. Bei mittlerer und langer Brennweite sind es rund 75 lp/mm bei Offenblende, die sich beim Abblenden ebenfalls bis F11 auf diesem Niveau halten.

Am Bildrand löst das Zoom bei kurzer Brennweite bei Offenblende 60 lp/mm auf und bei mittlerer Brennweite 54 lp/mm, die sich beim Abblenden auf F11 sogar noch auf über 65 lp/mm steigern lassen. In Telestellung muss das Objektiv auf F5,6 abgeblendet werden, um die Marke von 50 lp/mm zu knacken (bei F4 sind es nur 39 lp/mm) und erreicht bei F11 sogar einen Bestwert von 70 lp/mm, womit hier die höchste Randauflösung aller Brennweiten erreicht wird.

Optische Fehler zeigt das Z 24-70 mm F4 S kaum. Die Verzeichnung wird von der Kamera nahezu perfekt auskorrigiert, auch Farbsäume in Form chromatischer Aberrationen waren nicht messbar. Anders sieht es bei der Randabdunklung aus. Im Weitwinkel und im Tele ist diese bei Offenblende mit bis zu rund einer Blendenstufe Lichtverlust in den Bildecken deutlich sichtbar. Abblenden auf F5,6 hilft, hier ist die Randabdunklung mit rund einer halben Blendenstufe vernachlässigbar gering.

Die Nikon Z 7II bietet eine ISO-Empfindlichkeit von 64 bis 25.600, die sich auf ISO 32 und bis zu 102.400 erweitern lässt. Diese Erweiterungen gehen allerdings mit diversen Einbußen bei der Bildqualität einher. Der Signal-Rauschabstand bewegt sich bis knapp unter ISO 200 auf einem guten Niveau von über 40 dB, bis ISO 1.600 bleibt dieser mit über 35 dB akzeptabel, oberhalb von ISO 6.400 sinkt er deutlich ab. Dabei bleibt das Rauschen stets feinkörnig, zeigt sich ab ISO 3.200 aber mit leichtem Helligkeitsrauschen, das oberhalb von ISO 6.400 stark zunimmt (alle Messungen im JPEG-Format). Farbrauschen spielt hingegen praktisch keine Rolle. Bis ISO 3.200 zeigt die Z 7II eine hohe Texturschärfe, die dann aber stark abnimmt. Während bei ISO 6.400 noch leidlich ausreichend Details vorhanden sind, zeigen die Bilder spätestens ab ISO 25.600 deutliche Verluste feiner Strukturen.

  • Bild Der mitgelieferte Akku Nikon EN-EL15c kann (wie auch der kompatible EN-EL15b) direkt in der Kamera geladen werden. Die älteren Typen EN-EL15 und EN-EL15a passen auch, können aber nur in der mitgelieferten Ladeschale geladen werden. [Foto: MediaNord]

    Der mitgelieferte Akku Nikon EN-EL15c kann (wie auch der kompatible EN-EL15b) direkt in der Kamera geladen werden. Die älteren Typen EN-EL15 und EN-EL15a passen auch, können aber nur in der mitgelieferten Ladeschale geladen werden. [Foto: MediaNord]

Während die Eingangsdynamik bei ISO 32 aufgrund der Signaldämpfung nur gut zehn Blendenstufen beträgt, erreicht diese bei ISO 100 elf Blendenstufen. Bis ISO 1.600 nimmt die Eingangsdynamik nur minimal ab, jedoch unterschreitet sie erst bei ISO 6.400 ganz knapp zehn Blendenstufen. Die Tonwertübertragung zeigt, mit Ausnahme der signalgedämpften ISO 32 mit einem flacheren Verlauf, eine deutliche Steigerung der Kontraste vor allem im mittleren Helligkeitsbereich, was zu einer knackigen Bilddarstellung führt. Schärfeartefakte durch die Bildaufbereitung halten sich aber in Grenzen.

Der Ausgangs-Tonwertumfang ist bis ISO 100 mit gut 256 von 256 möglichen Helligkeitsabstufungen ausgesprochen gut und sinkt dann bis ISO 1.600 recht gleichmäßig mit der ansteigenden Empfindlichkeit auf 160 Helligkeitsstufen ab. Bei ISO 3.200 sind es nur noch 128 Stufen, bei ISO 12.800 sogar deutlich unter 96, was stark sichtbare Abstufungen in Helligkeitsverläufen bedeutet.

Die Farbabweichung der Nikon Z 7II ist bei einigen Farbtönen ungewöhnlich hoch für eine Profikamera. Die Farben sind im Rot- bis Magentabereich recht poppig. Cyantöne sind deutlich Richtung Blau verschoben. Das sorgt für einen subjektiv schönen, farbenfrohen Bildeindruck, ist aber alles andere als neutral. Dabei kann man sich über die vielfältigen Weißabgleichseinstellmöglichkeiten inklusive einer konfigurierbaren Automatik eigentlich nicht beschweren, zumal der manuelle Weißabgleich äußerst exakt arbeitet. Auch die tatsächliche Farbtiefe ist gut, bis ISO 800 werden über vier Millionen Farbtöne differenziert, selbst bei ISO 6.400 ist der Wert mit zwei Millionen Farben noch gut (entspricht etwa der Farbauflösung des durchschnittlichen menschlichen Auges).

Wie bereits eingangs erwähnt, belichtet die Nikon Z 7II äußerst konservativ-vorsichtig. Man könnte sagen, sie meidet die Lichter wie der Teufel das Weihwasser. Sorgt man nicht bereits vor der Aufnahme für eine leichte Belichtungskorrektur, je nach Motiv von +0,3 bis +0,7 Blendenstufen, so wirken die Bilder etwas dunkel, bieten aber eine gute Tiefenzeichnung, sobald man sie mit der Bildbearbeitung herausarbeitet. Vor allem bei JPEG-Aufnahmen, die man eigentlich nicht bearbeiten möchte, sollte man das beachten. Im Raw-Format hingegen ist die vorsichtige Belichtung durchaus von Vorteil, kann man die nötige Zeichnung doch perfekt herausarbeiten, zumal eine viel höhere Farbtiefe von bis zu 14 statt 8 Bit pro Farbkanal zur Verfügung steht.

Alles in Allem bietet die Nikon Z 7II vor allem bei niedrigen Empfindlichkeiten bis ISO 100 eine exzellente Bildqualität, was nicht zuletzt dem sehr guten Zoomobjektiv Z 24-70 mm F4 S zu verdanken ist. Bis ISO 800 gibt es kaum Einschränkungen bei der Bildqualität, aber auch bis ISO 3.200 halten sie sich völlig im Rahmen. Jenseits von ISO 6.400 bricht die Bildqualität deutlich ein. Hier kann die Z 7II nicht zaubern und man muss deutliche Einbußen hinnehmen. Dass die Unterschiede zur Z 7 marginal sind, verwundert angesichts des identischen Bildsensors kaum.

Fazit

Nikon ist mit der Z 7II eine sehr gute spiegellose Systemkamera und Produktpflege der Z 7 gelungen. Sie stellt nicht alles bisher Dagewesene in den Schatten und ist auch nicht perfekt, macht aber vieles richtig. So ist das Gehäuse sehr robust und ergonomisch, im direkten Vergleich besser als die etablierte Konkurrenz. Bei der Bedienung gibt es den einen oder anderen kleineren Fallstrick, der aber genauso bei den Nikon-DSLRs zu finden ist und damit zur den Nikon-Traditionen gehört. Der elektronische Sucher ist eine wahre Wonne, das Sucherbild ist nicht nur groß, sondern auch hochauflösend, kontrastreich und scharf. Auch der große Klapp-Touchscreen weiß trotz fehlender Selfie-/Vlogger-Kontrollmonitor-Eignung zu beeindrucken.

  • Bild Der FTZ Adapter erlaubt den Betrieb von Nikon F-Objektiven, bei AF-I-, AF-S- und AF-P-Objektiven auch mit Autofokus. [Foto: Nikon]

    Der FTZ Adapter erlaubt den Betrieb von Nikon F-Objektiven, bei AF-I-, AF-S- und AF-P-Objektiven auch mit Autofokus. [Foto: Nikon]

Insgesamt bietet die Kamera zudem eine sehr gute Performance: Autofokus und Speicherzeiten sind schnell, auch wenn letztere weit hinter den Möglichkeiten der CFexpress-Speicherkarten zurückbleiben. Die Serienbildrate angesichts der enormen Auflösung hoch. Die Akkulaufzeit geht in Ordnung, zumal sie sich dank USB-C-Ladefunktion und Dauerstromversorgung sowie dem optionalen Multifunktionsgriff ausbauen lässt.

Nicht mehr missen möchte man zudem den Sensor-Shift-Bildstabilisator, der jedes angesetzte Objektiv, egal ob nativ oder adaptiert, stabilisiert. Auch Videografen werden an der leisen und mit vielen Schnittstellen ausgestatteten Z 7II ihren Gefallen finden, zumal die 4K-Videofunktion nahezu ohne horizontalen Crop auskommt.

Bei der Bildqualität als wichtigster Disziplin einer Kamera kann die Z 7II vollends überzeugen. Sie löst auch effektiv sehr hoch auf, was nicht zuletzt an den sehr guten S-Line-Objektiven liegt. Für DSLR-Umsteiger ist das Set mit dem FTZ-Adapter für die uneingeschränkte Verwendung fast aller Nikon-F-Objektive sicherlich am attraktivsten, das es auch zusätzlich mit dem Z 24-70 mm F4 S für weniger als 4.000 Euro gibt.


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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
HerstellerNikon
ModellZ 7II
SensorCMOS Kleinbild 36,0 x 24,0 mm (Cropfaktor 1,0)
46,9 Megapixel (physikalisch)
45,7 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch4,3 µm
Auflösung (max.)8.256 x 5.504 (3:2)
Video (max.)3.840 x 2.160 60p
ObjektivNikon Z 24-70 mm F4 S (Zoom-Objektiv)
VideosucherEVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 3.690.000 Bildpunkte Auflösung, 0,80-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 2,0 dpt)
Monitor3,2" (8,0 cm)
  Auflösung2.100.000 Bildpunkte
  kippbarja
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Mini (Typ C)
Vollautomatikja
Motivautomatik
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionnein
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung, Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/8.000 s
Blitz
  Synchronzeit1/200 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Nikon, Standard-Mittenkontakt
WLANja
NFC
GPSextern, dauerhafte Smartphone Verbindung, kabelgebunden oder Aufsteck-Empfänger
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
CFexpress Typ B
XQD
  Slot 2
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
Empfindlichkeit
  automatischISO 64-25.600
  manuellISO 32-102.400
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder493
  Geschwindigkeit0,16 s bis 0,23 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen134 x 101 x 70 mm
Gewicht (betriebsbereit)701 g (nur Gehäuse)
1.199 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit420 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

DXOMARK Logo

Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Robustes, spritzwassergeschütztes, hochwertig verarbeitetes Gehäuse
  • Großer, reaktionsschneller und hochauflösender elektronischer Sucher
  • Sehr gute Bildqualität bis ISO 3.200
  • Hohe Geschwindigkeit (Autofokus, Speicherzeit, Serienbilder)
  • Effektiver Sensor-Shift-Bildstabilisator
  • Teilweise etwas umständliche, nicht selbsterklärende Bedienung
  • Bildschirm nicht in Selfie-/ Video-Kontrollmonitor-Position klappbar
  • Externes 12-Bit-Raw-Video nur mit kostenpflichtiger Hardwaremodifikation