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Mit der Webcam Utility Beta Nikon Kameras als Webcam einsetzen

2020-09-08, aktualisiert 2020-11-04 Webcams wurden im Jahr 2020 zu einem gefragten technischen Hilfsmittel für das Homeoffice und waren im Frühling 2020 auch fast nicht mehr zu bekommen. Grund genug also für die Kamera-Hersteller, Software-Tools zu entwickeln, mit denen sich Fotokameras als Webcam verwenden lassen. In diesem Fototipp erklären wir Ihnen, wie Sie mit Hilfe der Nikon Webcam Utility Beta (v0.9) DSLRs und spiegellose Systemkameras zu Webcams machen.  (Harm-Diercks Gronewold)

Die erste Hürde, die Sie nehmen müssen, ist die Ermittlung, ob Ihre Kamera mit der Software kompatibel ist. Zur Zeit kann die Nikon Webcam Utility Beta folgende Kameras zur Webcam machen (Stand 09/2020): Z 7, Z 6, Z 5, Z 50, D6, D850, D780, D500, D7500 und D5600. Wir haben die Einrichtung und Funktion der Beta-Software mit der Systemkamera Z 5 geprüft.

Wie es der Name schon verrät, handelt es sich bei dem Webcam Utility um eine Software im Beta-Stadium. Nikon gibt also keine Garantie auf die Stabilität, Kompatibilität und Funktionalität der Software. Den Link zum Download der Beta finden Sie unter diesem Fototipp bei den weiterführenden Links. Die Nikon Webcam Utility Beta ist zur Zeit (Stand 08/2020) nur für Windows 10 mit 64 Bit erhältlich und kostenlos. Nach der kinderleichten Installation, bei der Sie lediglich zwei Endanwender-Nutzungsbedingungen akzeptieren müssen, sind Sie auch schon startbereit.

Nikon veröffentlichte am 04.11.2020 die Version 1.0.0 für Windows beziehungsweise 1.0.1 für Mac, die folgende weitere Kameramodelle unterstützt: Nikon Z 6II, Z 7II, D5, D810, D750, D7200, D5500, D5300 und D3500. Leider unterstützt die Mac-Version 1.0.1 kein Microsoft Teams mehr, die Windows-Version 1.0.0 hingegen schon.

Wenn Sie sich dafür interessieren, wo sich die Beta installiert, dann finden Sie diese in Laufwerk C, Verzeichnis Programme unter Nikon im Unterordner Webcam Utility. Da finden Sie allerlei Bibliotheks-Dateien (DLL) und zwei "Readme"-RTF-Dateien sowie einige MD3-Dateien. Installiert ist die Webcam Utility Beta etwa 34 Megabyte groß. Einstellungsoptionen gibt es in der installierten Software nicht.

Direkt nach der Installation können Sie die kompatible Kamera, in unserem Fall die Nikon Z 5, über die USB-Schnittstelle mit dem Rechner verbinden und einschalten. Wenn das System alle notwendigen Einrichtungen automatisch vorgenommen hat, können Sie starten.

Deinstallation Wenn Sie die Beta deinstallieren wollen, dann rufen Sie den Dialog "Apps & Features" Ihres Windows-Systems auf und tippen in das Suchfeld "Webcam Utility" ein. Schon beim Eintippen sucht das System die zum eingetippten Namen passenden Einträge. Haben Sie den richtigen Eintrag gefunden, dann sind Sie nur noch zwei Klicks vom Deinstallieren entfernt. Mit dem ersten Klick auf den Eintrag öffnen sich zwei Schaltfelder. Dort klicken Sie dann auf "Deinstallieren" und beim Popup nochmals auf "deinstallieren". Je nach Systemeinstellung werden Sie vielleicht nochmal gefragt, ob die Software Änderungen auf der Festplatte vornehmen darf, das bestätigen Sie dann einfach und nach kurzer Zeit ist das Webcam Utility von Nikon von der Festplatte verschwunden.

Wir haben einige Kommunikationsprogramme mit der Webcam Utility Beta getestet. Die Integration der Nikon Webcam Utility Beta in Microsoft Teams funktionierte ohne Probleme. Die Software wurde unter den Einstellungen gefunden, konnte ausgewählt werden und präsentierte ein Bild.

Die Discord-App funktionierte noch nicht gut mit der Nikon Webcam Utility Beta. So konnte zwar die Beta als Signalquelle ausgewählt werden und präsentierte ein Bild – allerdings nur für kurze Zeit (15-30 Sekunden), dann wurde die Verbindung getrennt. Das Verhalten konnten wir mehrfach reproduzieren. Die Kombination von Nikon Webcam Utility und Discord ist damit derzeit noch zu unsicher.

Bei Zoom lief es in der Webanwendung (also Zoom „ohne Installation“) nicht, da die Nikon Webcam Utility Beta als Signalquelle nicht angezeigt wurde. Das änderte sich aber, als wir die App regulär installiert (d. h. nicht nur aus dem Browser heraus temporär gestartet) haben. Diese Version zeigte alle verfügbaren Signalquellen an, darunter auch die Nikon Webcam Utility Beta. Die tatsächliche Bildübertragung funktionierte ebenfalls einwandfrei. Die Kombination aus Zoom-App und Webcam Utility Beta funktioniert.

Bei den getesteten Anwendungen wurde das Vorschaufenster des Kamerabildes seitenverkehrt angezeigt. Damit können Sie sich leichter vor der Kamera vor und während der Aufnahme positionieren. Das übertragende Bild wird selbstverständlich seitenrichtig angezeigt.

Für bestmögliche Funktion schalten Sie die Kamera am besten gleich in den Videomodus. Der Fotomodus ist für die Anwendung als Webcam aufgrund der fehlenden Dauer-AF-Funktion quasi nicht zu gebrauchen, denn diese setzt einen permanent halb betätigten Auslöser voraus. Eine manuelle Fokussierung würde natürlich funktionieren, allerdings ist dabei die Gefahr, dass man aus dem Fokusbereich gerät, wenn man sich vor der Kamera bewegt, recht groß. Unsere Empfehlung ist deshalb die Videofunktion mit dauerhaftem Verfolgungs-AF. Das hat bei uns gut funktioniert. Den AF-Messpunkt haben wir auf den Kopf der aufgenommenen Person gesetzt. Exzessives "pumpen" des AF-Systems haben wir bei unserer Büro-Arbeitsplatz-Beleuchtung nicht beobachtet.

Während die Kamera als Webcam aktiv ist, können Sie lediglich einige wenige Aufnahmeparameter anpassen. Unter den angebotenen Parametern befinden sich beispielsweise der Weißabgleich, die Blende und die Belichtungskorrektur. Ein Zugriff auf das Hauptmenü der Kamera ist nicht möglich.

Im Foto-Modus könnten Sie die ISO Empfindlichkeit während des Betriebs ändern, auch wenn die Kamera mit dem Computer verbunden ist. Das funktioniert im Videomodus nicht so leicht. Hier arbeitet die Kamera mit der ISO-Automatik. Diese können Sie "überlisten", sofern Ihre Kamera es zulässt, den maximalen ISO-Wert im Videomodus zu begrenzen. Dazu gehen Sie ins Hauptmenü, wofür Sie die Kamera vom Computer abstöpseln müssen. Dann navigieren Sie zu den Videoeinstellungen und suchen sich die Funktion, mit der sich die maximale ISO-Empfindlichkeit begrenzen lässt. Setzen Sie den Wert nicht zu gering an. Wir haben einen maximalen Wert von etwa ISO 1.000 benutzt und damit konnte die Kamera die Lichtbedingungen von wechselhaftem Wetter und der künstlichen Beleuchtung gut ausgleichen.

Die Stromversorgung ist bei den meisten Nikon-Kameras kein Problem. Während sich die Z 5 mit dem Strom über die USB-C-Schnittstelle versorgen ließ, bieten andere Nikon-Kameras entweder einen Netzteilanschluss an oder können über eine Netzteil-Dummy-Akku-Kombination mit Dauerstrom versorgt werden. So steht dem uneingeschränkten Einsatz der eigenen Kamera als Webcam nichts mehr im Wege, auch wenn es in einigen Fällen mit einer zusätzlichen Investition verbunden ist.

Alternative: HDMI-zu-USB-Konverter Wenn Sie noch mehr Auflösung bei einer Web-Konferenz wollen oder gar einen hochqualitativen Stream eröffnen möchten, dann könnten Sie alternativ den HDMI-Anschluss der Kamera über einen entsprechenden Hardware-Konverter mit dem USB-Anschluss Ihres Computers verbinden. Wie das geht und was es dabei alles zu beachten ist, zeigen wir in einem späteren Fototipp.


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