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Graufilter-Simulation: Der praktische Olympus LiveND-Filter erklärt

2020-03-21, aktualisiert 2020-03-22 Die Fotografie mit Neutraldichte-Filtern (ND- oder auch Graufiltern) erlebte in den letzten Jahren, vor allem in der Landschaftsfotografie, ein kleines Revival. Doch die Anschaffung der Filter ist nicht gerade günstig und der Umgang will gelernt sein, da die TTL-Belichtungsmessung in der Kamera nur bedingt einsatzfähig ist. Olympus hat der OM-D E-M1 X und jetzt auch der E-M1 Mark III eine pfiffige Funktion verpasst, mit der es möglich ist, Neutraldichte-Filter realistisch zu simulieren. Wir kommen auch auf die Einschränkungen des Systems zu sprechen.  (Harm-Diercks Gronewold)

  • Bild Die Olympus E-M1 Mark III kann ND-Stärken von ND2 bis ND32 direkt in der Kamera simulieren. [Foto: Olympus]

    Die Olympus E-M1 Mark III kann ND-Stärken von ND2 bis ND32 direkt in der Kamera simulieren. [Foto: Olympus]

Die Hauptaufgabe von ND-Filtern ist es, die Lichtmenge zu reduzieren, die den Sensor erreicht. So kann ein ND-Filter zum Beispiel für Porträtaufnahmen bei starkem Licht eingesetzt werden, damit die Blende für eine geringe Schärfentiefe geöffnet bleiben kann. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Langzeitbelichtung bei Landschaftsaufnahmen, um einen träumerischen Eindruck des Wolkenzuges oder von Wasserbewegungen zu erreichen. Wie pyhsikalische ND-Filter eingesetzt werden haben wir in einem Fototipp genauer erklärt (siehe weiterführende Links).

Die LiveND-Funktion von Olympus ist etwas leichter in der Anwendung und kommt ohne zusätzliche Hardware aus. Voraussetzung ist natürlich eine Kamera, die diese Funktion bietet. Stand März 2020 sind das die Olympus OM-D E-M1X sowie die E-M1 Mark III. Die LiveND-Funktion ist im manuellen Modus und der Blendenautomatik verfügbar. Die maximale Belichtungszeit beträgt 60 Sekunden. Der Bereich des ND-Filter reicht von ND2 (1 EV) bis zu ND32 (5 EV) Lichtreduktion. Ein weiterer Vorteil der Funktion ist die Möglichkeit, den Autofokus weiterhin einsetzen zu können, das geht bei starken pysikalischen ND-Filtern nämlich nicht.

  • Bild Wasserfall ohne lange Belichtungszeit und ohne LiveND-Filter. [Foto: Medianord]

    Wasserfall ohne lange Belichtungszeit und ohne LiveND-Filter. [Foto: Medianord]

Das Vorgehen beim Einsatz der Funktion ist denkbar einfach. Bitte denken Sie aber daran, ein Stativ zu verwenden, wenn die Gefahr besteht, zu verwackeln.

Die Faustregel für die sichere verwackelungsfreie Belichtungszeit für MFT-Kameras lautet: 1/(Brennweite x2) Sekunden. Zusätzlich können Sie die Stabilisierungsleistung der Kamera mit in die Berechnung einbeziehen. Auch sollten Sie bei der Belichtungszeit nicht eine eventuelle Bewegung des Motivs vergessen.

  • Bild Mit LiveND-Filter leicht verlängerte Belichtungszeit. [Foto: Medianord]

    Mit LiveND-Filter leicht verlängerte Belichtungszeit. [Foto: Medianord]

Der erste Schritt zum Einsatz der LiveND-Filterfunktion ist die Aktivierung. Zu finden ist die Funktion auf im zweiten Aufnamemenü (E-M1 Mark III) als unterster Eintrag. Sie wählen die Funktion einfach an und drücken die Steuertaste nach rechts. Dann tauchen zwei Auswahlmöglichkeiten auf. Der erste Eintrag ist die Stärke des ND-Filters. Hier können Sie eine ND-Filterstärke wählen. Je höher der Wert ist, desto länger wird am Ende die Belichtungszeit.

Haben Sie die Filterstärke gewählt, dann können Sie wählen, ob das Display eine grobe Vorschau des Fotos geben soll oder nicht. Dabei ist zu beachten, dass die Vorschau nur einen ungefähren Eindruck vermittelt, wie das Bild am Ende aussehen wird. Der Bildschirm beziehungsweise Sucher bleibt bei der eigentlichen Aufnahme nämlich dunkel.

  • Bild Olympus LiveND-Filter mit maximaler Einstellung. [Foto: Medianord]

    Olympus LiveND-Filter mit maximaler Einstellung. [Foto: Medianord]

Danach richten Sie die Kamera auf das Motiv, stellen die gewünschte Belichtungszeit, Blende oder beides ein, fokussieren wie gewohnt und betätigen dann den Auslöser. Leider ist die LiveND-Funktion nicht mit dem Selbstauslöser der Kamera kombinierbar und auch die App kann nicht zur Fernsteuerung herangezogen werden. Möchten Sie also Verwacklungen bei längerer Belichtungszeit vermeiden, müssen Sie entweder die Anti-Schock-Funktion der Kamera nutzen oder Sie setzen ganz einfach den Fernauslöser über die Smartphone-App ein. Dabei ist aber zu beachten, dass diese zunächst von der Live-View-Fernsteuerung auf die einfache Fernbedienung umgestellt werden muss. Die Umschaltung finden Sie in den Einstellungsoptionen der App. Es ist zudem möglich, Aufnahmen aus der Hand zu halten, auch wenn die Aufnahme an sich schon einige Zeit in Anspruch nimmt. So können Aufnahmen mit großer Blendenöffnung bei hellem Umgebungslicht problemlos aus der Hand realisiert werden.

Nachdem der Auslöser betätigt wurde, macht die Kamera eine Folge von Bildern, die dann von einem ausgeklügelten Algorithmus in der Kamera verrechnet werden. Das Ergebnis wird als JPEG oder sogar als Raw-Datei gespeichert, um eine optimale Verarbeitungsqualität in der nachfolgenden Bildbearbeitung zu erreichen.

Nachtrag vom 22.03.2020, 16:45 Uhr: Ein Leser wies uns freundlicherweise darauf hin, dass die Sony PlayMemories Camera App "Glatte Reflexion" (siehe weiterführende Links) eine ähnliche Funktionalität bietet. Die App läuft allerdings nur auf 24 älteren, aber teilweise durchaus noch erhältlichen Sony-Kameras und kostet 4,99 Euro.


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Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 49, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.