Spiegelloses Systemkamera-Flaggschiff

Testbericht: OM System OM-1

2022-02-15, aktualisiert 2022-02-19 Mit der OM System OM-1 präsentierte OM Digital Solutions seine erste spiegellose Systemkamera nach der Loslösung vom Olympus-Konzern. Der traditionsreiche Firmenname prangt ein letztes Mal am nun noch robusteren Gehäuse mit Schutzklasse IP53. Mit neuem Bildsensor, der 120 Bilder pro Sekunde bei voller Auflösung liefert, sowie dem dreimal so schnellen Bildprozessor TruePic X steckt einiges an Leistung unter der Haube der recht kompakten Systemkamera, was ihr vor ihrer offiziellen Vorstellung den Beinamen "Wow"-Kamera einhandelte. Wie leistungsfähig die OM System OM-1 tatsächlich ist, welche alten Zöpfe abgeschnitten wurden und wie gut die Bildqualität ist, klären wir im ausführlichen Test.  (Benjamin Kirchheim)

OM System OM-1 Testbericht als Premium-VersionDiesen Kameratest gibt es auch als E-Book mit erweitertem Informationsumfang. Das PDF zum Herunterladen enthält gegenüber dieser Online-Version zusätzlich eine übersichtliche Tabelle mit detaillierten Einzelbewertungen sowie zwei Diagramme, in denen die Stärken und Schwächen der Kamera gut vergleichbar visualisiert werden. Zudem stellen wir drei andere Kameras als mögliche Alternativen vor und erklären welche Vor- und Nachteile diese gegenüber der OM System OM-1 haben. mehr …

  • Bild Die OM System OM-1, hier mit dem alten Olympus 12-40 mm F2.8 ED Pro, ist unverkennbar das Nachfolgemodell der Olympus OM-D E-M1 Mark III. Das robustere Gehäuse besitzt die Schutzklasse IP53. [Foto: MediaNord]

    Die OM System OM-1, hier mit dem alten Olympus 12-40 mm F2.8 ED Pro, ist unverkennbar das Nachfolgemodell der Olympus OM-D E-M1 Mark III. Das robustere Gehäuse besitzt die Schutzklasse IP53. [Foto: MediaNord]

Ergonomie und Verarbeitung

Die neue OM System OM-1 ist unverkennbar das Nachfolgemodell der Olympus OM-D E-M1 Mark III. Der erste "alte" Zopf wurde bereits beim sperrigen Produktnamen abgeschnitten, aber nicht ohne einen noch älteren Zopf wieder aufzugreifen, denn OM-1 hieß vor 50 Jahren bereits die erste Spiegelreflexkamera von Olympus im OM-System. Auch OM Digital Solutions kann es sich also nicht verkneifen, auf alten Kameras herumzureiten, die die junge Generation vermutlich höchstens noch von den Großeltern kennt.

Zum Glück stand aber nicht das Design der alten analogen Kameras bei der neuen OM System OM-1 Pate, sondern die Funktion dominiert bei diesem spiegellosen Spitzenmodell. Die Formensprache der OM-D-E-M1-Serie wurde zwar übernommen, aber leicht überarbeitet. Mit einem Gewicht von gut 600 Gramm ohne Objektiv (980 Gramm mit 12-40 F2.8) und Abmessungen von 13,9 mal 9,2 mal 7,3 Zentimetern ist das Gehäuse minimal gewachsen, am meisten in der Tiefe. Das kommt dem gut ausgeformten Handgriff zugute, der aber nicht nur etwas mehr Grifftiefe bietet, sondern auch in der Höhe minimal gewachsen ist. Überhaupt ist die Handgriffseite leicht in der Höhe gewachsen, was auch für den Daumen auf der Rückseite mehr Platz schafft.

In einer mittelgroßen Hand (M-L) liegt die OM System OM-1 wunderbar satt und sicher, wofür nicht zuletzt die genarbte Gummierung sorgt. Der Mittelfinger hakt perfekt unter einem deutlich ausgeformten Vorsprung ein, so dass man mit der Griffhand nicht verkrampft. Sogar der kleine Finger findet knapp noch Platz am Kameragriff.

Vergleicht man die OM-1 mit der E-M1, fallen neben dem vergrößerten Griff drei weitere Dinge ins Auge: Die Einstellräder sind nun in der Kamera integriert und sitzen nicht mehr exponiert obendrauf. Die AF-On-Taste und die AE-L-Taste sind nun getrennt und der Sucher wirkt deutlich wuchtiger. Das alles dürfte vom Grundsatz her Anwendern der E-M1X bekannt vorkommen. Die integrierten Drehräder lassen sich dennoch wunderbar erreichen und der Auslöser sitzt perfekt dort, wo man ihn auch erwartet. Bis zum ersten Druckpunkt ist er sehr leichtgängig, zum zweiten spürbar schwergängiger. Dadurch löst man einerseits nicht versehentlich aus und kann den Auslöser wunderbar beispielsweise zum Fokussieren antippen, aber dennoch lässt sich in einem Zug weich und ohne Verreißen der Kamera auslösen.

Tadeln kann man OM Digital Solutions hingegen dafür, dass man die Kamera immer noch nicht einhändig anschalten und auslösen kann. Der Einschalthebel sitzt nämlich links vom Sucher. Immerhin kann man sich als Notlösung die Einschaltfunktion auf eine der konfigurierbaren Tasten legen. Dennoch würden wir einen um den Auslöser herum angeordneten Einschalthebel bevorzugen, wie er bei Kameras von Pentax und Nikon üblich ist. Der Platz dafür wäre jetzt jedenfalls frei.

Das Thema Robustheit nimmt OM Digital Solutions bei der OM-1 noch ernster als Olympus bei seinen bisherigen Kameras. Zwar waren die Olympus-Kameras nach internen Tests oft etwas robuster als offiziell nach außen kommuniziert, japanische Firmen gehen lieber auf Nummer Sicher, aber bei der OM-1 wird erstmals eine Schutzklasse IP53 offiziell bestätigt. Der Frostschutz bis -10 °C ist ebenfalls mit an Bord, der nicht nur für beispielsweise den Akku wichtig ist, sondern auch für die digitalen Anzeigen, die bei derart niedrigen Temperaturen normalerweise träge werden.

IP53 bedeutet einen Staubschutz nach IP5X, der das Eindringen von für die Funktion schädlichem Staub verhindert. Selbstverständlich ist auch die Ultraschall-Sensor-Reinigungs-Funktion mit an Bord, die den Sensor bei jedem Einschalten mit 35.000 Schwingungen pro Sekunde bewegt und so Staub abschüttelt, falls der sich trotz staubabweisender Beschichtung auf den Sensor gesetzt hat. Der IPX3-Schutz soll Sprühwasser aus bis zu 60 Grad gegenüber der Senkrechten abhalten. Laut unseren Informationen soll die Kamera sogar eine Minute Untertauchen überstehen (ohne Gewähr). Also auch hier haben die japanischen Ingenieure offenbar etwas Sicherheitsreserve eingeplant.

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Um einen solchen Schutz zu gewährleisten, müssen aber auch die verwendeten Objektive entsprechend abgedichtet sein. Das ist sogar bei sieben "Altmodellen" der Fall sowie bei den beiden neuen Modellen OM System 12-40 mm F2.8 ED Pro II und 40-150 mm F4 ED Pro. Bei den Altmodellen sind es das Olympus 8 mm F1.8 ED Pro Fisheye, 7-14 mm F2.8 ED Pro, 8-25 mm F4 ED Pro, 12-100 mm F4 ED Pro, 40-150 mm F2.8 ED Pro, 300 mm F4 ED Pro und 150-400 mm F4.5 ED TC1.25 IS Pro sowie die beiden Telekonverter.

Wie bereits erwähnt, besitzt die OM System OM-1 einen deutlich wuchtigeren Sucherbuckel. Das liegt daran, dass die stark vergrößernde Sucheroptik aus der Olympus OM-D E-M1X übernommen wurde, die eine 1,65-fache Vergrößerung bietet. Im Kleinbildäquivalent entspricht das dann einer 0,83-fachen Vergrößerung. In der Praxis hängt die Vergrößerung vom verwendeten Sucherstil ab, denn man kann wählen, ob die Aufnahmeinformationen im Livebild eingeblendet werden oder – mit dann etwas kleinerem Livebild – darunter.

Leider gibt es keine andere Möglichkeit, die Anzeigegröße zu beeinflussen. So schön ein derart großes Sucherbild ist, so nachteilig ist es für Brillenträger, deren Auge naturgemäß deutlich weiter vom Sucherokular entfernt ist. Trotz der großen Austrittspupille von 21 Millimetern kann man je nach Entfernung der Brille vom Auge das Sucherbild selbst bei Informationsanzeigen unter dem Livebild nicht in Gänze überblicken. Abhilfe mag für manche die Dioptrienkorrektur von -4 bis +2 Dioptrien schaffen. Übrigens kommt eine neue Suchermuschel zum Einsatz, die nun eine Arretierung besitzt und dadurch bombenfest sitzt.

Während man bei der E-M1X noch auf ein recht pixeliges Bild mit nur 2,36 Millionen Bildpunkten blickte – die starke Suchervergrößerung war dabei nicht gerade förderlich – kommt in der OM-1 endlich ein OLED mit einer hohen Auflösung von 5,76 Millionen Bildpunkten zum Einsatz. Damit ist das Livebild sehr fein aufgelöst. Das gilt aber nicht für alle Sucheranzeigen, an deren Kanten sich teilweise leichte Treppchen zeigen.

Mit optional 120 Bildern pro Sekunde ist das Sucherbild zudem äußerst flüssig. OM Digital Solutions verspricht außerdem eine Verzögerung von nur 0,005 Sekunden, also weniger als 1/10 der Auslöseverzögerung. Zum Vergleich: Ein Wimpernschlag dauert etwa 0,15 Sekunden, also 30 mal so lange. Innerhalb dieses Wimpernschlags kann die OM-1 18 Bilder im Sucher darstellen – oder aufnehmen und auf die Speicherkarte bannen.

Auch der rückwärtige Bildschirm löst nun höher auf, wenn auch nur gut 60 Prozent mehr als bisher. 1,62 Millionen Bildpunkte verteilen sich auf den in der Diagonale 7,5 Zentimeter großen Bildschirm, der mit 3:2 ein etwas ungewöhnliches Seitenverhältnis für den 4:3-Bildsensor besitzt. Der horizontale Platz wird aber für Einblendungen genutzt, die dadurch weniger das Livebild abdecken. Zudem wird dadurch das 16:9- oder 17:9-Videobild nicht allzu klein dargestellt, wie es bei einem 4:3-Bildschirm der Fall wäre. Dank einer maximalen Leuchtdichte von 670 cd/m² lässt sich der Bildschirm auch im Sonnenlicht noch einigermaßen ablesen, auch wenn es deutlich hellere Displays gibt.

Der Bildschirm lässt sich seitlich um 180 Grad schwenken und um 270 Grad drehen, womit er sich sowohl im Querformat als auch bei Hochformat-Aufnahmen aus allen Perspektiven betrachten lässt. Selbst Selfies sind damit kein Problem. Zudem kann der Bildschirm zum Schutz verkehrt herum an die Kamera geklappt werden. Sogar an eine schicke Belederung mit genarbtem Gummi hat OM Digital Solutions auf der Monitorrückseite gedacht.

Im Livebild auf dem Bildschirm oder im Sucher lassen sich zahlreiche Informationen einblenden. Dazu gehören nicht nur Aufnahmeparameter, sondern auch diverse Gitterlinien, eine digitale 3D-Wasserwaage, ein Live-Histogramm und neu eine Indikatoranzeige für den Sensor-Shift-Bildstabilisator. Zudem kann auf Wunsch das Livebild mit oder ohne Belichtungssimulation angezeigt werden.

  • Bild Die OM System OM-1 bietet nicht nur einen hochauflösenden, schwenk- und drehbaren Touchscreen samt neuem, übersichtlicherem Menü, sondern auch einen äußerst großen und hochauflösenden elektronischen Sucher mit 120 Bildern pro Sekunde. [Foto: MediaNord]

    Die OM System OM-1 bietet nicht nur einen hochauflösenden, schwenk- und drehbaren Touchscreen samt neuem, übersichtlicherem Menü, sondern auch einen äußerst großen und hochauflösenden elektronischen Sucher mit 120 Bildern pro Sekunde. [Foto: MediaNord]

Beim Bildschirm handelt es sich um einen Touchscreen. Per Fingertipper kann auf ein Motivdetail fokussiert und auf Wunsch auch ausgelöst werden. Ansonsten ist die Touchintegration eher suboptimal. Das Menü bietet überhaupt keine Touchfunktionalität und im Super Control Panel gibt es nur wenige Touchfunktionen. So lässt sich beispielsweise die Gesichtserkennung per Touch wählen, aber nur mit Tasten verstellen. Die Belichtungszeit kann hingegen über das Super Control Panel, das selbst per Tastendruck aufgerufen werden muss, per Touch verstellt werden.

Insgesamt ist die OM System OM-1 aber eine Kamera, die über die Tasten, den Vierwegewähler, das Fokus-Pad und die Einstellräder bedient werden will. Das wiederum funktioniert hervorragend, zumal sich viele der Funktionen umprogrammieren lassen und dank Umschalthebel sogar mehrere Funktionssätze abgerufen werden können. Der einfachen Bedienung ist das Individualisieren hingegen weniger förderlich, man sollte sich also gut merken, welche Standardfunktionen man verstellt. Dank ISO- und Belichtungskorrekturtaste sowie dedizierten Tasten für die Aufnahmebetriebsart und die AF-Feldwahl lassen sich alle wichtigen Aufnahmeparameter aber ohne große Rätsel perfekt einstellen.

Apropos große Rätsel: Die warf bei vielen das bisherige Olympus-Menü auf. Diesen alten Zopf hat OM Digital Solutions endlich abgeschnitten, wenn auch nicht konsequent. Die fehlende Touchbedienung wurde bereits erwähnt, aber auch in den Einstellungen selbst finden sich noch immer Relikte aus der Olympus-Zeit. So wählt man nicht etwa die Auflösung und die JPEG-Komprimierung in eigenen Menüpunkten, sondern stattdessen stehen vier Einstellungen mit Abkürzungen zur Verfügung, die immer eine Auflösung und Komprimierung kombinieren.

Zwar kann man die Belegung der vier Einstellungen nun auf derselben Menüseite ändern statt tief im Konfigurationsmenü versteckt, aber OM Digital Solutions könnte im Menü noch viel mehr aufräumen und vereinfachen. Die komplizierte Auflösungs-Kompressionswahl ist übrigens auch im Videomenü zu finden. Immerhin lassen sich bei Videoaufnahmen aber im Super-Control-Panel die Auflösung und Bildwechselfrequenz schnell anpassen.

Bei aller Kritik muss man die große Umstellung, für Olympus-Verhältnisse ist sie geradezu mutig, dennoch loben. Das Menü ist wesentlich klarer strukturiert und wirkt übersichtlicher. Alle Funktionen sind in horizontalen Reitern angeordnet, durch die man mit den Drehrädern schnell springen kann. Wer das Menü des Marktführers Canon kennt, wird hier gewisse Ähnlichkeiten erkennen, wie eine "billige Kopie" wirkt das neue Menü aber keinesfalls, sondern im Gegenteil sehr durchdacht. Wichtige, zusammengehörige Funktionen sind jeweils gut zusammengefasst und ein Drücken der Info-Taste blendet (zumeist hilfreiche) Erklärungstexte ein. Navigiert man auf einen ausgegrauten Menüpunkt, kann mit dem Drücken der OK-Taste sogar eine Information eingeblendet werden, warum der Menüpunkt aktuell nicht ausgewählt werden kann. Das ist besonders praktisch, wenn man das Handbuch nicht dabeihat.

Üppig ist die Schnittstellenausstattung der OM System OM-1. Hinter mehreren Gummiklappen und einem Schraubdeckel verbergen sich die verschiedenen Anschlüsse, so dass man nur die öffnen muss, die man tatsächlich verwendet, schließlich entfällt bei Öffnung der IP53-Schutz. Sowohl der 3,5 mm Klinken-Mikrofonanschluss als auch der 3,5 mm Klinken-Kopfhöreranschluss verbergen sich an der linken Gehäuseseite unter eigenen Abdeckungen. Die Blitzsynchronbuchse sitzt unter einem kleinen Schraubdeckel auf der Vorderseite. Den Verschluss sollte man ruhig schön fest anziehen, damit er sich nicht irgendwann löst.

Unter einer gemeinsamen Abdeckung sitzen hingegen der USB-C-Anschluss und die HDMI-Buchse, wobei leider der kleine Micro-Anschluss zum Einsatz kommt. Immerhin liegt der Kamera ein Knickschutz für diese beiden Schnittstellen bei, den man fest verschrauben kann. Die USB-C-Schnittstelle unterstützt Power Delivery mit bis zu 27 Watt (9 Volt und 3 Ampere). Ein passendes Netzteil gehört zum Lieferumfang. Darüber kann nicht nur der Akku in der Kamera geladen werden, sondern auch eine Dauerstromversorgung ist möglich, wobei der Akku währenddessen sogar aufgeladen wird. Mit einem einfachen USB-Netzteil lässt sich der Akku zumindest bei ausgeschalteter Kamera aufladen (ausprobiert mit 5 V 2 A).

Dank des USB-C-Standards kann man unterwegs auch eine Powerbank zum Betrieb der Kamera oder zum Nachladen nutzen. Allerdings liegt der Kamera keine externe Ladeschale mehr bei, sondern diese muss bei Bedarf als Zubehör gekauft werden. Immerhin handelt es sich dabei dann um ein Doppel-Ladegerät, das ebenfalls mit USB-C Power Delivery (27 W) arbeitet und zwei Akkus gleichzeitig innerhalb von 150 Minuten aufladen kann.

  • Bild Die Multifunktionsräder sitzen bei der OM System OM-1 nicht mehr oben auf dem Gehäuse, sondern sind vorne und hinten versenkt. Dadurch bietet sie etwas mehr Griffhöhe. [Foto: MediaNord]

    Die Multifunktionsräder sitzen bei der OM System OM-1 nicht mehr oben auf dem Gehäuse, sondern sind vorne und hinten versenkt. Dadurch bietet sie etwas mehr Griffhöhe. [Foto: MediaNord]

Apropos Akku: Hier kommt mit dem BLX-1 ein neues Format zum Einsatz. Er bietet eine deutlich höhere Kapazität (+33 Prozent), wodurch sich trotz gestiegenem Energiebedarf die Akkulaufzeit auf 520 Aufnahmen erhöht. Dank asymmetrischer Form kann er auch nicht mehr verkehrt herum eingelegt werden. Wer möchte, kann die Laufzeit mit Hilfe des Multifunktionsgriffs HLD-10 auf über 1.000 Aufnahmen erhöhen. Videoaufnahmen sind mit einem Akku für 90 Minuten am Stück möglich. Die Akkufachklappe ist selbstverständlich mit einer Dichtung versehen und befindet sich weit genug entfernt vom in der optischen Achse angeordneten Stativgewinde, so dass man auch bei Verwendung einer Schnellwechselplatte ans Akkufach kommt.

Das Speicherkartenfach sitzt ohnehin auf der rechten Seite der Kamera, ist also auch im Stativbetrieb problemlos zugänglich. Wird die selbstverständlich ebenfalls mit Dichtungen versehene Klappe nach hinten gezogen, springt sie dank Federlagerung automatisch auf. Die beiden SD-Speicherkarten sitzen übereinander und lassen sich bequem entnehmen. Beide Fächer sind zu SDHC, SDXC, UHS I sowie zum schnelleren UHS II kompatibel. Wir haben eine Speichergeschwindigkeit von bis zu rund 180 MByte pro Sekunde gemessen. Möchte man die leistungsfähige Serienbildfunktion ausnutzen, sollten man entsprechend schnelle Karten wählen. Für Videoaufnahmen reicht hingegen sogar eine V30-Karte aus, denn mehr als 202 Mbit/s, was etwas über 25 MByte pro Sekunde sind, werden bei Videos intern nicht gespeichert.

Ebenfalls auf der rechten Kameraseite ist die Abdeckung der 2,5 mm kleinen Klinken-Fernauslösebuchse zu finden. Benutzt man hingegen die neue Fernbedienung RM-WR1, benötigt man dank Bluetooth kein Kabel mehr, zumindest bis fünf Meter Entfernung. Neben Bluetooth beherrscht die OM-1 zudem WLAN.

Ausstattung

Auf dem Programmwählrad der OM System OM-1 findet man nur die klassischen Aufnahmeprogramme P, A, S und M, in denen wahlweise Blende, Belichtungszeit, ISO-Empfindlichkeit und auch alles andere manuell eingestellt werden kann oder von der Automatik übernommen wird. Statt Motivprogrammen oder einer Motiverkennung wurde aber der weitere Platz auf dem Programmwählrad für die vier Benutzerspeicher vorgesehen. Zudem hat der Videomodus einen Platz auf dem Programmwählrad gefunden. In diesem Modus hat man viele Einflussmöglichkeiten auf die Videoeinstellungen, dazu später mehr. Die Videoaufnahmetaste ist im Fotomodus indes anders belegt. Die von Olympus bekannten Art-Filter sind übrigens auch bei der OM-1 vorhanden und lassen sich in jedem Modus als Bildstil verwenden.

Der Autofokus der OM System OM-1 wurde gegenüber den Olympus-Kameras deutlich weiterentwickelt. Die nötige Basis dafür legt einerseits der Bildsensor. Jedes Pixel ist für den Phasen-Autofokus in vier Subpixel aufgeteilt, so dass theoretisch 20 Millionen Phasen-AF-Kreuzsensoren zur Verfügung stehen, die sowohl auf horizontale als auch auf vertikale Motivdetails reagieren. Die Kamera fasst diese zu 1.053 Fokuspunkten zusammen, die bis in die Bildecken reichen. Mit einem F1,2 lichtstarken Objektiv kann bereits ab -8 EV fokussiert werden. Von den Autofokusfeldern lassen sich verschieden große Bereiche mit 9, 39, 63 oder 165 Feldern auswählen und auf dem Bildfeld platzieren.

Die zweite Komponente für den leistungsfähigen Autofokus ist der dreimal leistungsfähigere Bildprozessor TruePic X. Mit ihm erhält die Objekterkennung der Olympus OM-D E-M1X endlich Einzug in die "kleinere" Kameraklasse und wird von Algorithmen mit künstlicher Intelligenz (statt dem bisherigen Deep Learning) unterstützt. Die OM-1 erkennt selbstverständlich Gesichter und Augen, die Objekterkennung erlaubt die Auswahl von 1. Autos und Motorrädern, 2. Flugzeugen und Hubschraubern, 3. Zügen und Lokomotiven (moderne und historische), 4. Vögeln sowie 5. Hunden und Katzen (auch andere ähnliche Tiere sollen erkannt werden).

Sämtliche Erkennungsfunktionen arbeiten um den Faktor Drei schneller und den Faktor Zwei genauer, verspricht zumindest OM Digital Solutions. Das große Aber: Im Gegensatz zu manch anderem Hersteller muss der Fotograf wählen, welche der fünf Motiv-Kategorien die Kamera erkennen soll, eine intelligente Automatik gibt es nicht. Messen lässt sich das im Labor indes nicht. Stattdessen messen wir einheitlich, wie lange die Kamera für die Auslösung inklusive Fokussierung von unendlich auf zwei Meter bei kürzester und längster Brennweite des Objektivs inklusive leichtem Abblenden benötigt.

  • Bild Ein letztes Mal prangt der Olympus-Schriftzug auf einer Kamera, die indes schlicht OM System OM-1 heißt. [Foto: MediaNord]

    Ein letztes Mal prangt der Olympus-Schriftzug auf einer Kamera, die indes schlicht OM System OM-1 heißt. [Foto: MediaNord]

Je nach Brennweite löst die OM System OM-1 innerhalb von 0,13 bis 0,16 Sekunden aus, wobei sie im Tele von 40 Millimetern sogar etwas schneller ist als im Weitwinkel von 12 Millimeter (Kleinbildäquivalent 80 beziehungsweise 24 Millimeter). Die reine Auslöseverzögerung ohne Fokussierung beträgt 0,06 Sekunden. Damit ist die OM-1 eine schnell auslösende Kamera mit sehr schnellem Autofokus.

Fotografiert man mit AF-C, stehen diverse weitere Kontrollfunktionen zur Verfügung. So kann etwa die Empfindlichkeit im Menü angepasst werden, auch die bevorzugten AF-Felder lassen sich festlegen, beispielsweise in der Mitte. Auch die Einstellung einer AF-Bereichs-Begrenzung ist per Kameramenü möglich. So lässt sich ein bestimmter Entfernungsbereich ausblenden beziehungsweise die Kamera arbeitet nur im vorgegebenen Bereich, so dass Objekte im Vorder- oder Hintergrund den Autofokus nicht ablenken. Die Einstellung dieser Funktionen erfordert aber auch Einarbeitungszeit und Erfahrung, was man nicht unterschätzen sollte.

Übrigens kann die OM System OM-1 selbstverständlich – wie schon einige Olympus-Kameras vor ihr – Fokusreihenaufnahmen mit bis zu 999 Fotos anfertigen. Deren Bilder muss man aber selbst am PC verrechnen (lassen), beispielsweise mit Adobe Photoshop oder Helicon Focus. Alternativ kann die Kamera mit der Fokus-Stacking-Funktion bis zu 15 Fotos direkt in der Kamera zu einem Foto mit größerer Schärfentiefe verarbeiten. Dank des schnelleren Prozessors werden die bis zu 15 Aufnahmen in fünf statt bisher zehn Sekunden verrechnet.

Der neue Bildsensor liefert 120 Bilder pro Sekunde bei voller Auflösung von 20 Megapixeln, was die OM-1 auch in der Serienbildfunktion zu nutzen weiß. Mit AF-S und fester Belichtung nimmt sie 96 JPEG- oder 91-Raw-Bilder in dieser schnellen Folge auf. Dabei wird das Livebild unterbrechungsfrei weiter im Sucher angezeigt. Der Verschluss arbeitet selbstverständlich elektronisch.

Auch der Pro-Capture-Modus, der bereits vor dem Drücken des Auslösers mit der Aufnahme beginnt und so die vielleicht entscheidenden Bilder ebenfalls mit abspeichert, ist mit an Bord. Hier lässt sich einstellen, wie viele Bilder insgesamt (bis zu 99) aufgenommen werden und wie viele davon bereits vor dem Drücken des Auslösers gespeichert werden sollen. Wem die 120 Bilder pro Sekunde zu schnell sind, der kann auch auf 60 Bilder pro Sekunde herunterschalten. Dann werden auch die maximal möglichen 99 Fotos am Stück in schneller Folge erreicht.

Aber nicht nur mit AF-S weiß die Serienbildfunktion zu beeindrucken, sondern auch mit AF-C und Belichtungsnachführung: Hier sind mit kompatiblen Objektiven 50 Serienbilder pro Sekunde möglich. Dazu gehören die beiden neuen OM-System-Objektive 12-40 mm F2.8 ED Pro II und 40-150 mm F4 ED Pro sowie die fünf Olympus-Objektive 12-40 mm F2.8 ED Pro, 12-100 mm F4 ED IS Pro, 40-150 mm F2.8 ED Pro, 300 mm F4 ED Pro und 150-400 mm F4.5 ED TC1.25 IS Pro. Alle anderen Objektive unterstützen 25 Bilder pro Sekunde mit AF-C, wobei auf Wunsch auch die schnellen Objektive mit reduzierter Geschwindigkeit von 25 Bildern pro Sekunde arbeiten.

Dabei wird zwar ebenfalls das Sucherbild unterbrechungsfrei angezeigt, allerdings gibt es eine Einschränkung bei der längsten Belichtungszeit: 1/640 Sekunde bei 50 Bildern pro Sekunde und 1/320 Sekunde bei 25 Bildern pro Sekunde. Gemessen haben wir bei 50 Bildern pro Sekunde 117 JPEG-Bilder in Folge, danach wurden dauerhaft 12,5 Bilder pro Sekunde aufgenommen. In Raw haben wir 103 Bilder in Folge gemessen und anschließend dauerhaft etwa 8,3 Bilder pro Sekunde.

Fortsetzung auf Seite 2

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 44, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.