Spiegellose Vollformat-Systemkamera

Testbericht: Nikon Z 6

2018-11-22 Mit der Z 6 bringt Nikon Ende November 2018 seine zweite spiegellose Vollformat-Systemkamera heraus. Mit identischem Gehäuse und mit Ausnahme des "nur" 24 Megapixel auflösenden Sensors praktisch identischer Ausstattung wird sie zu einem erheblich geringeren Preis (1.400 Euro weniger) erhältlich sein als die Z 7 und verspricht damit, breitere Käuferschichten anzusprechen. Ob die Auflösung das einzige ist, worauf man verzichten muss und ob der Bildsensor vielleicht sogar Vorteile bei der Bildqualität verspricht, verrät unser ausführlicher Testbericht.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Das Nikkor Z 24-70 mm F4 S ist ein "expandable". Bereits für die Weitwinkelstellung muss es ein Stück weit ausgefahren werden. Zum Transport wird es eingefahren, sodass es dann möglichst kompakt ist. [Foto: MediaNord]

    Das Nikkor Z 24-70 mm F4 S ist ein "expandable". Bereits für die Weitwinkelstellung muss es ein Stück weit ausgefahren werden. Zum Transport wird es eingefahren, sodass es dann möglichst kompakt ist. [Foto: MediaNord]

Die Nikon Z 6 und Z 7 sind mit Ausnahme des Bildsensor und damit einhergehend der Auflösung, der Anzahl der Autofokussensoren und der Serienbildgeschwindigkeit absolut identisch. Daher basiert dieser Test der Z 6, die wir nur eine Woche lang testen konnten, weitgehend auf dem der Z 7. Die Z 6 kostet jedoch "nur" knapp 2.450 Euro mit beiliegendem FTZ-Adapter, das von uns getestete Set der Z 6 mit dem Standardzoom 24-70 mm F4 S kostet rund 2.900 Euro. Auch das neue 50 mm F1.8 S konnten wir an der neuen Z 6 testen, werden den ausführlichen Test des Objektivs jedoch mit der Z 7 machen, sobald uns Nikon diese Kombination zur Verfügung stellen kann.

Ergonomie und Verarbeitung

Nikons Ziel mit dem neuen System war es nicht, die kleinsten Vollformat-Systemkameras zu bauen, sondern besonders ergonomische, ohne den kompakten Aspekt völlig über Bord zu werfen. Mit dem knapp 13,5 mal zehn mal sieben Zentimeter großen Gehäuse ist es Nikon gelungen, in der Größenklasse der aktuell dritten Generation der Vollformat-Systemkameras der Alpha-7-Familie von Sony mitzuhalten, aber gleichzeitig ein robusteres Gehäuse zu liefern. Mit Ausnahme der Bodenplatte und der linken Gehäuseseite, auf der sich neben den Anschlüssen auch die drahtlosen Schnittstellen befinden, besteht das Gehäuse der Z 6 aus einer robusten Magnesiumlegierung. Zudem sollen zahlreiche Dichtungen vor dem Eindringen von Staub und Spritzwasser in das Gehäuse schützen, und zwar auf dem Niveau der Nikon-DSLRs, etwa einer D850. Apropos D850: Die Z 6 ist etwa einen Zentimeter schmaler, fast drei Zentimeter niedriger und einen Zentimeter weniger tief. Da auch das Gewicht der Z 6 mit unter 670 Gramm betriebsbereit gut ein Drittel unterhalb dem der D850 liegt, kann man definitiv festhalten, dass die spiegellose Z 6 gegenüber einer vergleichbaren DSLR um einiges kleiner und leichter ist, auch wenn sie absolut gesehen keine kleine und leichte Kamera ist, relativ aber eben schon, und das zählt in diesem Fall.

Das tut der Ergonomie jedoch keinerlei Abbruch. Der Griff ist sehr gut ausgeformt und bietet bei einer mittelgroßen Hand sogar dem kleinen Finger noch leidlich guten Halt. Dank der großzügigen, rutschfesten, genarbten Gummierung, der rückseitigen Daumenmulde und dem Einschnitt für den Mittelfinger liegt die Z 6 sicher und fest in der Hand. Die Kamera ist sogar so gut ausbalanciert, dass man sie recht locker in der Hand schlendernd halten kann, ohne dass sie einem entgleitet. Mit dem Setobjektiv Z 24-70 mm F4 S knackt die Z 6 übrigens locker die Marke von einem Kilogramm. Dennoch ist Nikon hier, nicht zuletzt aufgrund des Einzugsmechanismus, ein kompaktes, gut zur Z 6 passendes Setobjektiv gelungen. Gegen einen leichten Widerstand lässt es sich mechanisch ausfahren und mit einer Achtel-Umdrehung zoomen. Sogar über einen Spritzwasser- und Staubschutz verfügt es.

  • Bild Der rückwärtige Touchscreen der Nikon Z 6 lässt sich nach oben und unten klappen, die Menüs sind altbekannt. Beeindruckend groß und hochauflösend zeigt sich der elektronische Sucher. [Foto: MediaNord]

    Der rückwärtige Touchscreen der Nikon Z 6 lässt sich nach oben und unten klappen, die Menüs sind altbekannt. Beeindruckend groß und hochauflösend zeigt sich der elektronische Sucher. [Foto: MediaNord]

Mit Ausnahme des Programmwählrads liegen alle für die Aufnahme wichtigen Bedienelemente in Reichweite der rechten Hand. Dazu gehören die beiden optimal positionierten und angenehm laufenden Multifunktionsräder, der Vierwegewähler sowie der Fokusjoystick und sogar der Einschalthebel, der wie bei Nikon gewohnt rund um den Auslöser angeordnet ist. Der Auslöser bietet einen gut tastbaren, wenn auch recht weichen ersten Druckpunkt und lässt sich damit sanft durchdrücken, ohne die Kamera dabei zu verreißen.

Das Programmwählrad links neben dem Sucher muss mit der ganzen linken Hand bedient werden. Während der Zeigefinger den Verriegelungsknopf zum Entriegeln gedrückt halten muss, lässt sich das Rad mit dem Daumen oder Mittelfinger oder beiden gemeinsam drehen. Eine versehentliche Bedienung ist damit ausgeschlossen. Ansonsten sitzen links vom Sucher nur die Wiedergabe- sowie die Löschentaste, die beide während der Aufnahme nicht benötigt werden. Die AF-On-Funktion, die ISO-Empfindlichkeit, die Videoaufnahme, die Belichtungskorrektur, die Serienbildfunktion und die Vergrößerungstasten besitzen feste Belegungen. Hinzu kommen zwei Funktionstasten zwischen Handgriff und Bajonett. Sie liegen nicht direkt unter den Fingerkuppen, sodass man sie nicht versehentlich drückt. Dafür muss man die Griffhand etwas lösen, um sie zu betätigen. Gut, wenn die zweite Hand die Kamera beziehungsweise das Objektiv dabei von unten stützt. Die obere Fn1-Taste ist mit dem Weißabgleich vorbelegt, die untere Fn2-Taste mit dem Fokusmodus, denn einen Umschalter für die Wahl zwischen Single- und Continuous-Autofokus sowie manuellem Fokus besitzt die Z 6 leider nicht. Übrigens lässt sich auch der Objektivring alternativ zur manuellen Fokussierung mit einer anderen Funktion belegen, etwa der Blende, der ISO-Empfindlichkeit oder der Belichtungskorrektur. Dann sind diese Funktionen allerdings nicht mehr gegen versehentliches Verstellen gesichert.

Solche vorbelegten, aber änderbaren Tastenfunktionen sind für die Individualisierung von Vorteil, machen die Bedienung aber nicht selbsterklärender. Ansonsten ähnelt das Bedienkonzept dem der hochpreisigen Nikon-DSLRs. Das Schnellmenü oder auch das in sieben Bereiche gegliederte Hauptmenü geben Nikon-Kennern keine Rätsel auf. Hier und da gibt es spezifische, teilweise neue Funktionen, aber im Großen und Ganzen findet man sich gut zurecht. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Menü besonders übersichtlich ist. Acht Menüpunkte passen maximal auf den Bildschirm, bis zu fünf Menüseiten gehören zu einer Kategorie. Da ist es nicht immer einfach, direkt das zu finden, was man sucht. Das Individualmenü umfasst sogar sieben Seiten, wobei eine Zwischenebene etwas Ordnung durch die farbliche Kategorisierung in dieses Untermenü bringt. Zum Glück lassen sich favorisierte Menüpunkte in einem individuell zusammenstellbaren Menü ablegen, um sie schneller auffinden zu können. Oder aber man schaltet es um auf ein Menü mit den zuletzt verwendeten Menüpunkten. So findet man schneller Einstellungen wieder, die man zuletzt geändert hat.

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Wie bei einer DSLR ist der Sucher eines der zentralen Elemente einer spiegellosen Systemkamera, auch in der Mittelklasse, zu der man die fast 2.500 Euro teure Z 6 zählen kann. Der 0,8-fach vergrößernde und damit enorm große Sucher löst feine 3,7 Millionen Bildpunkte auf. Damit ist es kaum noch möglich, die einzelnen Pixel auszumachen, obschon einem der Unterschied zu einem klassischen Spiegelreflexsucher sofort ins Auge sticht. Schließlich leuchtet der Sucher von selbst und zeigt alle Aufnahmeparameter, den Weißabgleich und vieles mehr mit seinem Livebild an. Der Sucher bietet eine weitreichende Dioptrienkorrektur, wobei das Verstellrad wie bei einer analogen Armbanduhr erst herausgezogen werden muss, um den Wert verstellen zu können. An sich bietet der Sucher eine große Eintrittspupille, aber durch die starke Vergrößerung, die übrigens rein subjektiv recht verzeichnungsfrei wirkt, hat man mit aufgesetzter Brille trotzdem keinen optimalen Überblick.

  • Bild Die Z 6 ist die zweite erhältliche spiegellose Vollformat-Systemkamera von Nikon. Der Bildsensor löst moderate 24,5 Megapixel auf und beherrscht auch 4K-Videoaufnahmen. Zudem ist er zur Bildstabilisierung beweglich gelagert. [Foto: MediaNord]

    Die Z 6 ist die zweite erhältliche spiegellose Vollformat-Systemkamera von Nikon. Der Bildsensor löst moderate 24,5 Megapixel auf und beherrscht auch 4K-Videoaufnahmen. Zudem ist er zur Bildstabilisierung beweglich gelagert. [Foto: MediaNord]

Dank des Näherungssensors aktiviert sich der Sucher von selbst, sobald man die Kamera ans Auge nimmt. Die Taste links vom Sucher steuert dabei, ob eine automatische Umschaltung erfolgt, nur der rückwärtige Bildschirm zum Einsatz kommt oder letzterer deaktiviert bleibt. Das spart am meisten Strom, denn das Livebild muss nur angezeigt werden, sobald man die Kamera ans Auge nimmt. Das Livebild beherrscht, egal ob im Sucher oder auf dem Bildschirm, die Einblendung von Gitterlinien, einer 3D-Wasserwaage, eines Livehistogramms und eine Belichtungsvorschau. Das Sucherbild löst sogar fein genug auf, um ohne Vergrößerungslupe oder Fokuspeaking (beides selbstverständlich vorhanden) eine Beurteilung der Schärfe zu erlauben. Außerdem sorgt die Lichtverstärkung dafür, dass man selbst dann noch etwas im Sucher erkennt, wenn es für das Auge schon längst zu dunkel ist. Lichtstarke Objektive sind hier natürlich trotzdem im Vorteil.

Mit einer Diagonale von acht Zentimetern und einer Auflösung von über zwei Millionen Bildpunkten steht der rückwärtige Bildschirm dem Sucher kaum nach. Es handelt sich um einen um 40 Grad nach unten und 90 Grad nach oben neigbaren Touchscreen. Das erlaubt zumindest im Querformat Aufnahmen aus Frosch- und Vogelperspektiven am ausgestreckten Arm und ersetzt quasi einen "Lichtschachtsucher", sodass man auch unauffällig vor der Brust mit Bildschirm hinter der Kamera fotografieren und sogar darüber per Fingertipper auslösen kann. Mit einer Helligkeit von knapp 750 cd/m² leuchtet er zudem mühelos gegen die helle Sonne an. Die Touchfunktion beschränkt sich nicht nur auf die Wahl des Autofokusfelds oder die Auslösung, sondern erstreckt sich auch auf eingeblendete Parameter und sogar das Hauptmenü. Wäre die Z 6 nicht so wunderbar über Tasten bedienbar, würde man davon sicher öfter Gebrauch machen. Wer das Tippen auf dem Bildschirm bevorzugt, wird sich darüber jedenfalls freuen. Das Sucherokular liegt übrigens so weit hinten, dass die Nase nicht auf dem Bildschirm "klebt". Eine Touchpad-Funktion während des Blicks durch den Sucher gibt es dennoch nicht, schließlich bietet die Z 6 einen Fokusjoystick, den viele konservative Fotografen ohnehin bevorzugen.

Zusätzlich zum rückwärtigen Bildschirm besitzt die Z 6 noch ein Informationsdisplay auf der Kameraoberseite. Es zeigt in weißer, leuchtender Schrift die wichtigsten Aufnahmeparameter an. Die Beleuchtung lässt sich nicht abschalten, im ausgeschalteten Zustand allerdings ist auch dieses Display dunkel und nicht mehr ablesbar.

  • Bild Die Nikon Z 6 bietet zahlreiche Schnittstellen. So lassen sich ein Stereomikrofon sowie ein Kopfhörer anschließen, aber auch Mini-HDMI und das moderne USB-C zum Akkuladen sind verbaut. Eine Nikon-Zubehörbuchse fehlt auch nicht. [Foto: MediaNord]

    Die Nikon Z 6 bietet zahlreiche Schnittstellen. So lassen sich ein Stereomikrofon sowie ein Kopfhörer anschließen, aber auch Mini-HDMI und das moderne USB-C zum Akkuladen sind verbaut. Eine Nikon-Zubehörbuchse fehlt auch nicht. [Foto: MediaNord]

Bei den Schnittstellen war Nikon spendabel und hat fast alles verbaut, was das Fotografenherz begehrt. Die Gummiabdeckungen wirken zwar nicht allzu hochwertig, aber sie funktionieren. Der Mikrofon- sowie der Kopfhöreranschluss dürften sogar Videografen begeistern. Die HDMI-Schnittstelle des Typs C (Mini-HDMI) ist klein genug, aber mechanisch nicht so anfällig wie die Mikro-Variante Typ D, auch beim USB-Anschluss hat Nikon sich für den modernen Typ C entschieden, den man nicht mehr verkehrt herum einstecken kann. Über die USB-C-Schnittstelle kann der Akku vom Typ EN-EL15b auf Wunsch direkt in der Kamera geladen werden, und zwar mit bis zu drei Ampere und damit genauso schnell wie im externen Ladegerät. Die Akkus EN-EL15 und 15a passen zwar ebenfalls, lassen sich aber nicht in der Kamera aufladen, sondern nur über die mitgelieferte Ladeschale. Das passende USB-Kabel liefert Nikon mit, das passende USB-Ladegerät hingegen anders als bei der Z 7 nicht. Leider lädt die Nikon den Akku nicht mit jedem beliebigen USB-Ladegerät. Wir konnten kein Muster erkennen (beispielsweise eine Mindestleistung) und so bleibt nur Ausprobieren übrig. Des Weiteren besitzt die Z 6 einen Multifunktionsanschluss, beispielsweise für ein Ansteck-GPS (siehe Fototipp in den weiterführenden Links) oder ein Fernauslösekabel.

Was der Z 6 hingegen fehlt, ist eine Blitzsynchronbuchse. Einen Standard-Blitzschuh mit Mittenkontakt und TTL-Kontakten bietet die Z 6 selbstverständlich, aber dafür keinen internen Blitz. Auch ein Anschluss für einen Funktions-Hochformatgriff fehlt. Ein reiner Akkugriff hingegen soll in Arbeit sein. Das wäre auch nicht verkehrt, denn obwohl der große EN-EL15b im Schacht steckt, sind damit nur 310 Aufnahmen nach CIPA-Standard möglich. Die Zahl der Bilder hängt ohnehin stark von der Verwendung ab, mit Serienbildfunktion sind es mehr, wer viel mit dem Sucher arbeitet, wird ein paar Bilder weniger aufnehmen können als bei Bildschirmverwendung. Auch Bluetooth beziehungsweise Snapbridge braucht Energie, wenn auch nicht viel. Immerhin sitzt der Akkuschacht sehr weit vom Metallstativgewinde entfernt, das sich in der optischen Achse befindet, sodass sich der Akku auch mit recht großer montierter Stativ-Schnellwechselplatte wechseln lässt.

Beim Speicherkartenschacht dürften sich aus mehrerlei Gründen die Geister scheiden. Die Klappe wird mitsamt der Daumenmulde geöffnet und legt damit großzügig den Schacht frei. Einzahl. Ein zweiter Speicherkartenschacht fehlt der Z 6 leider. Doch auch das gewählte Speicherkartenformat XQD hat nicht viele Freunde. Es gilt noch als exotisch, die Speicherkarten und Lesegeräte sind im Vergleich zu SD deutlich teurer. Dafür sind die Karten robuster und theoretisch auch schneller als aktuelle SD-Speicherkarten. Zwar bietet die Z 6 mit fast 220 MByte pro Sekunde die bisher schnellste Schreibrate, die wir messen konnten (sogar die Z 7 wird knapp geschlagen), aber dies wäre auch locker mit schnellen SD-Karten möglich gewesen, schließlich gibt es von diesen auch knapp 300 MB/s schnelle Modelle. Ärgerlich ist zudem, dass ein Kartenlesegerät praktisch Pflicht ist, denn trotz theoretisch schneller USB-3-Superspeed-Schnittstelle kriecht die Datentransferrate übers USB-Kabel in unserer Redaktion an drei verschiedenen Rechnern mit unter 40 MB/s vor sich hin (eine zur Gegenprobe stattdessen angeschlossene externe SSD bringt es auf satte 280 MB/s, eine Sony Alpha 7 III schafft immerhin knapp 80 MB/s). Die Z 6 wird nicht als Massenspeicher, sondern als Kamera vom Computer erkannt, entsprechend wird über ein langsames Protokoll (MTP) zugegriffen. Etliche 45 Megabyte große Raw-Dateien auf diese Weise zu übertragen, wird zur Qual.

Ausstattung

Das Programmwählrad der Nikon Z 6 umfasst insgesamt acht Positionen. Es gibt sogar einen Vollautomatikmodus, in dem die Kamera alle Aufnahmeeinstellungen vornimmt. Auf Motivproramme hat Nikon hingegen verzichtet, und das ist in dieser Preisklasse auch in Ordnung. Stattdessen befinden sich neben den klassischen Kreativprogrammen P, A, S und M noch drei Benutzerprogramme auf dem Wählrad, sodass der Fotograf drei verschiedene Konfigurationen direkt abrufen kann. Die ISO-Automatik und die Belichtungskorrektur funktionieren auch im manuellen Modus, sodass man Aufnahmen mit Belichtungsautomatik, aber fester Belichtungszeit und Blende anfertigen kann.

  • Bild Die Nikon Z 6 bietet einen sehr gut ausgeformten und damit ergonomischen Handgriff. Praktisch ist auch das Schulterdisplay, das über die wichtigsten Aufnahmeparameter informiert. [Foto: MediaNord]

    Die Nikon Z 6 bietet einen sehr gut ausgeformten und damit ergonomischen Handgriff. Praktisch ist auch das Schulterdisplay, das über die wichtigsten Aufnahmeparameter informiert. [Foto: MediaNord]

Der mechanische Verschluss bietet bis zu 1/8.000 Sekunde kurze Belichtungszeiten und arbeitet recht leise. Es ist zudem möglich, zur Reduzierung von Erschütterungen in den Individualfunktionen einen elektronischen ersten Verschlussvorhang zu aktivieren, was jedoch die kürzeste mögliche Verschlusszeit auf 1/2.000 Sekunde erhöht. Außerdem bietet die Z 6 eine leise Auslösung mit rein elektronischem Verschluss. Dann sind zwar wieder 1/8.000 Sekunde kurze Belichtungszeiten möglich, erschließt aber keine kürzeren Belichtungszeiten wie bei anderen Kameraherstellern und schränkt zudem einige Kamerafunktionen ein. Die Aufnahmereihenfunktionen umfassen neben klassischen Belichtungsreihen auch Weißabgleichsreihenaufnahmen und sogar Fokusreihen. Die maximale Anzahl an Aufnahmen einer Belichtungsreihe hängt von der Schrittweite ab. Bei 0,3 bis 1 EV sind bis zu neun Aufnahmen möglich, bei 2 und 3 EV Belichtungsabstand sind es maximal fünf Aufnahmen. Das reicht locker für HDR-Aufnahmen aus. Zudem ist die Nikon in der Lage, HDR-Bilder direkt aufzunehmen und zusammenzusetzen. Dabei lassen sich die Belichtungsdifferenz und die Glättung einstellen, auch die Einzelbilder können neben dem Endergebnis separat gespeichert werden.

Die Fokusreihenaufnahmefunktion ist in einem separaten Menüpunkt zu finden und bietet vielfältige Einstellungen von der Anzahl der Aufnahmen bis hin zur Schrittweite der Fokusverlagerung, dem Zeitintervall, dem Speicherordner und noch vielem mehr. Nur zusammensetzen kann die Nikon die Aufnahmen nicht selbstständig, das muss man an einem PC mit geeigneter Software machen.

Das Autofokussystem der Z 6 arbeitet mit 273 Phasenautofokussensoren, die bis weit an den Randbereich den Bildaufnahmesensors verteilt sind. Von unendlich auf zwei Meter fokussiert die Z 6 mit dem Setobjektiv innerhalb von weniger als 0,2 Sekunden, was sehr schnell ist. Die Auslöseverzögerung liegt bei 0,07 Sekunden, was schnell, aber nicht rekordverdächtig ist. Dieses Niveau erreichen auch DSLRs, manche spiegellose Systemkamera hingegen ist da nochmal deutlich flotter. Insgesamt beträgt die Auslöseverzögerung inklusive Fokussierung damit 0,17 bis 0,24 Sekunden, was ein sehr guter Wert ist und genauso schnell wie die Z 7. Der Autofokus arbeitet bei der Verfolgung von Motiven allerdings auch bei der Z 6 nur leidlich gut. Immerhin gibt es auch eine Gesichts-, aber keine Augenerkennung, die bei Porträts äußerst hilfreich gewesen wäre. Die Präzision des Fokus ist immerhin gut. In dunkleren Umgebungen kommt der Autofokus zwar nicht ins Schleudern, wird aber teilweise spürbar langsamer. Mit den nativen Z-Objektiven funktioniert der Autofokus am schnellsten, aber über den FTZ-Adapter angeschlossene Objektive fokussieren ebenfalls flott, im AF-S nicht langsamer als an einer DSLR. Uneingeschränkt funktionieren AI-, AF-S- und AF-P-Objektive. Der Adapter macht praktisch nichts anderes, als etwas Luft zu umbauen, dunkel abzuschirmen sowie den Unterschied der Bajonettauflagemaße (F und Z) anzupassen und natürlich den Anschluss selbst.

  • Bild Das Stativgewinde der Nikon Z 6 liegt vorbildlich in der optischen Achse. Auch der Abstand zum Akkufach ist trotz der kompaktem Kameraabmessungen komfortabel groß. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde der Nikon Z 6 liegt vorbildlich in der optischen Achse. Auch der Abstand zum Akkufach ist trotz der kompaktem Kameraabmessungen komfortabel groß. [Foto: MediaNord]

Die Serienaufnahmefunktion soll theoretisch bis zu zwölf Bilder pro Sekunde erreichen. Praktisch war das bei uns aber nur in JPEG der Fall. Mit 14 Bit Raw-Aufnahmen (komprimiert) maßen wir nur neun Bilder pro Sekunde. Dabei kam jeweils der mechanische Verschluss zum Einsatz, womit die Z 6 durchaus einiges schneller ist als die Z 7. Das größte Manko ist jedoch der viel zu klein geratene Puffer. Während Sony riesige Puffer und langsame Speicherkarteninterfaces in seine Kameras einbaut, macht Nikon es genau umgekehrt. In JPEG hält die Z 6 die hohe Serienbildgeschwindigkeit für immerhin 42 Bilder durch, das ist für viele Situationen ausreichend. Mit vollem Puffer sind kontinuierlich immerhin knapp sieben Serienbilder pro Sekunde möglich, allerdings ist nach spätestens 200 Aufnahmen definitiv Schluss, das gibt die Kamera per Menüeinstellung als Maximum vor, was sich auf Wunsch lediglich reduzieren, aber nicht erweitern lässt. In Raw hingegen ist der Puffer nach 31 Aufnahmen voll, danach geht es mit respektablen 5,3 Serienbildern pro Sekunde weiter. Bei etwas unter 45 Megabyte pro verlustfrei komprimiertem 14-Bit-Raw sind das knapp 220 Megabyte pro Sekunde Schreibgeschwindigkeit und damit ein neuer Rekord in unseren Messungen. Ein Livebild sowie eine Belichtungsnachführung während der Serienbildaufnahmen gibt es nur bei auf 5,5 Bilder pro Sekunde reduzierter Bildrate. Bei schnellerer Bildfolge wird das zuletzt aufgenommene Foto im Sucher angezeigt, was bis auf wenige Ausnahmen ein echter Nachteil vieler spiegelloser Systemkameras ist.

Dank des beweglich gelagerten Bildsensors sind mit der Nikon Z 6 theoretisch und auch praktisch bis zu fünf Blendenstufen längere Belichtungszeiten ohne Stativ möglich als ohne Stabilisator. Der Sensor wird auf drei Achsen verschoben (horizontal, vertikal und in der Rotation), ausgeglichen werden fünf Achsen: Neben der Rotation sind das horizontale und vertikale Verschwenkungen sowie Verschiebungen der Kamera. Je nach Aufnahmedistanz ist mal das eine, mal das andere stärker. Bei weit entfernten Motiven sind die Verschwenkungen ein Problem, bei den Nahen eher Verschiebungen. Der Bildstabilisator macht sich durch ein sehr leises akustisches Rauschen bemerkbar, vor allem aber mit seiner effektiven Arbeit. Auch mit adaptierten Objektiven funktioniert er. Besitzt das Objektiv selbst einen optischen Bildstabilisator, so übernimmt das Objektiv den Ausgleich der Verschwenkungen. Das ist vor allem bei Teleobjektiven äußerst nützlich und viel effektiver. Die verbliebenen drei Achsen gleicht der Kamera-Bildstabilisator aus. Sonderfunktionen wie eine Pixel-Shift-Auflösungssteigerung gibt es bei Nikon nicht.

Videos zeichnet die Z 6 maximal in 4K-Auflösung (3.840 mal 2.160 Pixel) bei bis zu 30 Bildern pro Sekunde auf. In Full-HD (1.920 x 1.080) sind sogar bis zu 120 Bilder pro Sekunde für Zeitlupeneffekte oder besonders flüssige Bewegungsabläufe möglich. Der Sensor-Shift-Bildstabilisator bleibt dabei aktiv und so kann die gesamte Sensorbreite für die Filmaufnahme verwendet werden. Es gibt also, mit Ausnahme des Beschnitts vom 3:2-Sensorformat auf das 16:9-Videoseitenverhältnis, keinen Bildwinkelverlust. Im Gegensatz zur Z 7 erfolgt die Videoaufnahme nicht im Lineskippingverfahren, es kommen also alle Bildsensorzellen zum Einsatz, was für eine etwas bessere Bildqualität sorgt, gerade bei höheren ISO-Empfindlichkeiten. Wer möchte, kann einen elektronischen Bildstabilisator zuschalten, der das Bild nochmals deutlich beruhigt, allerdings etwas Bildbeschnitt mit sich bringt. Den Autofokus führt die Z 6 sanft und recht sicher nach. Der Ton wird wahlweise über das integrierte oder ein extern angeschlossenes Stereomikrofon aufzeichnet. Eine Pegelanzeige samt Aussteuermöglichkeit fehlt ebenfalls nicht und über Kopfhörer lässt sich der Ton live kontrollieren.

Nikon verbaut in der Z 6 sowohl Bluetooth als auch WLAN, die im von Nikon Snapbridge genannten System zusammenarbeiten. Dank Bluetooth kann relativ energiesparend eine dauerhafte Verbindung zum Smartphone aufrechterhalten werden, sodass zum Beispiel Geoinformationen des Smartphones zum Geotagging der Bilder direkt beim Speichern in den EXIF-Daten abgelegt werden können. Auch eine Hintergrundübertragung kleiner Vorschaubilder ermöglicht Snapbridge. Für alles, was eine höhere Datentransferrate benötigt, wird WLAN zugeschaltet. Es dient nicht nur der Übertragung hochauflösender Bilder auf das Smartphone, sondern auch zur Kamerafernsteuerung via App samt Livebildübertragung. Seit der zweiten Generation von Snapbridge sind dabei umfangreichere Kameraeinstellungen möglich. Mehr Details zu Snapbridge und dem Thema Geotagging mit der Z 6 sind in den über die weiterführenden Links erreichbaren Fototipps beschrieben.

  • Bild Das Speicherkartenfach der Nikon Z 6 nimmt nur eine Karte im exotischen XQD-Formfaktor auf. Die Karten sind teurer als beim SD-Standard, dafür aber theoretisch etwas schneller und auch robuster. [Foto: MediaNord]

    Das Speicherkartenfach der Nikon Z 6 nimmt nur eine Karte im exotischen XQD-Formfaktor auf. Die Karten sind teurer als beim SD-Standard, dafür aber theoretisch etwas schneller und auch robuster. [Foto: MediaNord]

Im Gegensatz zu früheren Snapbridge-Versionen – das war ein großer Kritikpunkt – ist die WLAN-Schnittstelle nicht mehr an Snapbridge gebunden, sondern kann unabhängig arbeiten. Das ermöglicht das drahtlose Übertragen der Fotos an Computer. Auch im Studio ist nun eine drahtlose Fernbedienung der Nikon Z 6 vom Computer aus möglich, was selbstverständlich auch kabelgebunden funktioniert (so genanntes Tethering).

Bildqualität

Die Nikon Z 6 ist mit einem 24,5 Megapixel auflösenden Kleinbildsensor (36 mal 24 mm) ausgestattet. Es handelt sich um einen rückwärtig belichteten CMOS-Sensor, sodass die lichtempfindliche Fläche gegenüber herkömmlichen CMOS-Sensoren, bei denen die Leiterbahnen über der lichtempfindlichen Fläche liegen, größer ist. Als Nebeneffekt kann der Sensor auch Licht, das nicht ganz senkrecht einfällt, besser verarbeiten. Das sorgt für weniger Farbsäume, Vignettierung und Randunschärfe. Auch auf einen auflösungsmindernden Tiefpassfilter wurde verzichtet. Laut Nikon wurde der Sensor selbst entwickelt, wird aber im Auftrag bei einem anderen Hersteller gefertigt, der in der Fertigung wiederum Nikon-Equipment zur Chipherstellung einsetzt. Auch wenn Nikon ihn nicht selbst herstellt, steckt also viel Nikon-Technik drin.

Um die Bildqualität der Nikon Z 6 genau zu analysieren, haben wir sie nicht nur in der Praxis getestet, wobei die Z 6, wie bereits die Z 7, eine etwas dunkle Belichtung zeigte, sondern auch in unserem Testlabor. Neben dem Nikon Z 24-70 mm F4 S kam dabei auch das Nikon Z 50 mm F1.8 S zum Einsatz, dessen Testbericht aber erst erfolgt, sobald wir es an der höher auflösenden Z 7 testen konnten. Die Ergebnisse des Labortests an der Z 6 gibt es für 50 Cent über die weiterführenden Links. Der kostenpflichtige Labortest der Z 6, auf dem die folgenden Betrachtungen beruhen, ist ebenfalls über die weiterführenden Links erreichbar. Er enthält zahlreiche Diagramme mit allen Messwerten und Erklärungen zu den Diagrammen. Der Kauf des Labortests oder einer Prepaid-Labortest-Flatrate für den zeitlich begrenzten Zugriff auf das gesamte Archiv mit über 1.700 Labortests unterstützt uns übrigens auch bei der Arbeit an kostenlosen und ausführlichen Kameratestberichten wie diesem. Vielen Dank dafür.

  • Bild Großer Vollformatsensor, noch größeres Bajonett: Das ermöglicht bei der Z 6 laut Nikon besonders lichtstarke Objektive, auf die man aber noch etwas warten muss. [Foto: MediaNord]

    Großer Vollformatsensor, noch größeres Bajonett: Das ermöglicht bei der Z 6 laut Nikon besonders lichtstarke Objektive, auf die man aber noch etwas warten muss. [Foto: MediaNord]

Das Nikon Z 24-70 mm F4 S zeigt bereits bei Offenblende eine hohe Auflösung im Bildzentrum. Fast 58 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) bei 50 Prozent Kontrast werden im Weitwinkel erreicht. Beim Abblenden kann die Auflösung bis F11 teilweise noch im Bildzentrum minimal auf 59,4 lp/mm zulegen, danach reduziert Beugung die Auflösung trotz Beugungskorrektur seitens der Kamera etwas. Mit dem Z 50 mm F1.8 S haben wir übrigens exakt dieselbe Maximalauflösung von 59,4 lp/mm im Bildzentrum erreichen können, das heißt für die Frage, wo das Auflösungsmaximum liegt, bringt das 50er keinen Vorteil, wohl aber bietet es insgesamt eine höhere Bildqualität (beispielsweise bei der Randauflösung oder den geringeren optischen Fehlern). Am Bildrand löst das Zoom überraschenderweise in Telestellung am schwächsten auf. Während bei kurzer Brennweite bereits bei Offenblende gute 51 lp/mm anliegen und bei mittlerer Brennweite immerhin 44 lp/mm, die sich beim Abblenden auf F11 sogar noch auf rund 52 lp/mm steigern lassen, muss das Objektiv in Telestellung auf mindestens F8 abgeblendet werden, um die Marke von 50 lp/mm überhaupt zu knacken (bei F4 sind es nur 33 und bei F5,6 gut 41 lp/mm) und erreicht bei F11 sogar einen Bestwert von 54 lp/mm, womit hier die höchste Randauflösung aller Brennweiten erreicht wird.

Optische Fehler zeigt das Z 24-70 mm F4 S kaum. Die Verzeichnung wird von der Kamera perfekt auskorrigiert, auch Farbsäume in Form chromatischer Aberrationen waren nicht messbar. Anders sieht es bei der Randabdunklung aus. Im Weitwinkel und im Tele ist diese bei Offenblende mit bis zu 1,3 Blendenstufen Lichtverlust in den Bildecken deutlich sichtbar, auch wenn ihr Verlauf sich mit sanfter Natürlichkeit zeigt. Abblenden auf F5,6 hilft, ab F8 ist die Randabdunklung mit unter einer halben Blendenstufe vernachlässigbar gering.

Die Nikon Z 6 bietet eine ISO-Empfindlichkeit von 100 bis 51.200, die sich auf ISO 50 und bis zu 204.800 erweitern lässt. Diese Erweiterungen gehen allerdings mit diversen Einbußen bei der Bildqualität einher. Der Signal-Rauschabstand bewegt sich bis ISO 400 auf einem guten Niveau von über 40 dB, bis ISO 6.400 bleibt dieser mit über 35 dB akzeptabel, oberhalb von ISO 12.800 sinkt er dramatisch ab. Dabei bleibt das Rauschen stets feinkörnig, zeigt sich ab ISO 25.600 aber mit leichtem Helligkeitsrauschen, das oberhalb von ISO 51.200 stark zunimmt (alle Messungen im JPEG-Format). Farbrauschen spielt hingegen praktisch keine Rolle. Bis ISO 6.400 zeigt die Z 6 eine sehr hohe Texturschärfe, die dann aber stark abnimmt. Während bei ISO 12.800 noch leidlich ausreichend Details vorhanden sind, zeigen die Bilder spätestens ab ISO 25.600 deutlich Verluste feiner Strukturen. Bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten hingegen gibt es sogar eine leichte Überschärfung, wobei sich die Schärfeartefakte im Rahmen halten.

Während die Eingangsdynamik bei ISO 50 aufgrund der Signaldämpfung nur gut 10,4 Blendenstufen beträgt, erreicht diese bei ISO 100 knapp elf Blendenstufen. Bis ISO 800 nimmt die Eingangsdynamik nur minimal ab, jedoch bleibt sie bis ISO 12.800 auf einem hohen Niveau von über zehn Blendenstufen. Bis ISO 102.400 nimmt sie auf immer noch beachtliche knapp über neun Blendenstufen ab, knickt aber bei ISO 204.800 auf sieben Blendenstufen ein. Die Tonwertübertragung zeigt, mit Ausnahme der signalgedämpften ISO 50 mit einem flacheren Verlauf, eine deutliche Steigerung der Kontraste vor allem im mittleren Helligkeitsbereich, was zu einer knackigen Bilddarstellung führt. Der Ausgangs-Tonwertumfang ist bis ISO 200 mit gut 250 von 256 möglichen Helligkeitsabstufungen ausgesprochen gut und sinkt dann bis ISO 6.400 recht linear mit der ansteigenden Empfindlichkeit, darüber hingegen etwas stärker. Bis ISO 400 ist der Wert mit über 224 Helligkeitsabstufungen sehr gut, bei ISO 1.600 sind es gute bis sehr gute 192 Abstufungen und bei ISO 6.400 noch knapp gute 160 Abstufungen. Darüber nimmt der Ausgangs-Tonwertumfang stärker ab, bei ISO 25.600 wird der Wert von 128 Stufen bereits deutlich unterschritten. Die Werte von weniger als 96 Abstufungen bei allen höheren Empfindlichkeiten liegen nicht mehr im akzeptablen Bereich.

  • Bild Der mitgelieferte Akku Nikon EN-EL15b kann direkt in der Kamera geladen werden. Die älteren Typen EN-EL15 und EN-EL15a passen auch, können aber nur in der bei der Kamera mitgelieferten Ladeschale geladen werden. [Foto: MediaNord]

    Der mitgelieferte Akku Nikon EN-EL15b kann direkt in der Kamera geladen werden. Die älteren Typen EN-EL15 und EN-EL15a passen auch, können aber nur in der bei der Kamera mitgelieferten Ladeschale geladen werden. [Foto: MediaNord]

Die Farbabweichung der Nikon Z 6 ist ungewöhnlich hoch für eine Profikamera. Die Farben sind recht poppig, vor allem im Bereich von Grün, Orange, Rot, Magenta und Lila. Cyantöne sind deutlich Richtung Blau verschoben. Das sorgt für einen subjektiv schönen, farbenfrohen Bildeindruck, ist aber alles andere als neutral. Dabei kann man sich über die vielfältigen Weißabgleichseinstellmöglichkeiten inklusive einer konfigurierbaren Automatik eigentlich nicht beschweren, zumal der manuelle Weißabgleich äußerst exakt arbeitet. Im Gegensatz zur Z 7 zeigen sich bei keiner Empfindlichkeit stärker werdende Farbstiche im Bild.

Wie bereits eingangs erwähnt, belichtet die Nikon Z 6 äußerst konservativ-vorsichtig. Man könnte sagen, sie meidet die Lichter wie der Teufel das Weihwasser. Sorgt man nicht bereits vor der Aufnahme für eine leichte Belichtungskorrektur, je nach Motiv von +0,3 bis +0,7 Blendenstufen, so wirken die Bilder etwas dunkel, bieten aber eine gute Tiefenzeichnung, sobald man sie mit der Bildbearbeitung herausarbeitet. Vor allem bei JPEG-Aufnahmen, die man eigentlich nicht bearbeiten möchte, sollte man das beachten. Im Raw-Format hingegen ist die vorsichtige Belichtung durchaus von Vorteil, kann man die nötige Zeichnung doch perfekt herausarbeiten, zumal eine viel höhere Farbtiefe von bis zu 14 statt 8 Bit pro Farbkanal zur Verfügung steht.

Alles in Allem bietet die Nikon Z 6 vor allem bei niedrigen Empfindlichkeiten bis ISO 200 eine exzellente Bildqualität, was nicht zuletzt dem sehr guten Zoomobjektiv Z 24-70 mm F4 S zu verdanken ist. Bis ISO 800 gibt es kaum Einschränkungen bei der Bildqualität, aber auch bis ISO 6.400 halten sie sich völlig im Rahmen. Je nach Messwert ist die Z 6 um ein bis zwei, manchmal sogar drei ISO-Stufen besser als die Z 7 und zeigt damit deutliche Vorteile des geringer auflösenden Bildsensors mit seinen größeren und damit lichtempfindlicheren Pixeln.  Ab ISO 6.400 bricht die Bildqualität deutlich ein, ab ISO 25.600 kann die Z 6 nicht zaubern und man muss deutliche Einbußen hinnehmen. Dennoch ist die Z 6 die klar bessere Available-Light-Kamera als die Z 7.

Fazit

Nikon ist mit der Z 6 eine sehr gute spiegellose Systemkamera gelungen, die dank des niedrigeren Preises im Vergleich zur Z 7 bei etwas Auflösungsverzicht breitere Käuferschichten ansprechen dürfte. Durch die geringere Auflösung ist sie zudem die bessere Available-Light- und auch Sport-Kamera, auch wenn ihr etwas kleiner Serienbildpuffer verhindert, sie als echte Sportskanone zu bezeichnen. Das Gehäuse ist sehr robust und ergonomisch, im direkten Vergleich sogar besser als die etablierte Konkurrenz. Der elektronische Sucher ist eine wahre Wonne, das Sucherbild ist nicht nur groß, sondern auch hochauflösend, kontrastreich und scharf. Auch der große Klapp-Touchscreen weiß zu beeindrucken. Insgesamt bietet die Kamera zudem eine sehr gute Performance: Autofokus und Speicherzeiten sind schnell, die Serienbildrate hoch, wenn auch aufgrund der etwas knauserigen Pufferkapazität nicht allzu ausdauernd, was übrigens auch auf die Akkulaufzeit zutrifft. Nicht mehr missen möchte man den Sensor-Shift-Bildstabilisator, der jedes angesetzte Objektiv, egal ob nativ oder adaptiert, stabilisiert. Auch Videografen werden an der leisen und mit vielen Schnittstellen ausgestatteten Z 6 ihren Gefallen finden, zumal die 4K-Videofunktion ohne horizontalen Crop auskommt und qualitätsmäßig gegenüber der Z 7 sogar noch ein kleines Schippchen drauflegt. Bei der Foto-Bildqualität als wichtigster Disziplin einer Kamera kann die Z 6 vollends überzeugen. Sie löst hoch auf, was nicht zuletzt an den sehr guten S-Line-Objektiven liegt, und bietet auch bei höheren Empfindlichkeiten eine noch gute Bildqualität. Allerdings gibt es noch viel zu wenig direkt passende Objektive, sodass das Set mit dem FTZ-Adapter für die uneingeschränkte Verwendung fast aller Nikon-F-Objektive und dem Z 24-70 mm F4 S am attraktivsten erscheint, das allerdings die 3.000-Euro-Schallmauer knapp reißt.

  • Bild Der FTZ Adapter erlaubt den Betrieb von Nikon F-Objektiven, bei AF-I-, AF-S- und AF-P-Objektiven auch mit Autofokus. [Foto: Nikon]

    Der FTZ Adapter erlaubt den Betrieb von Nikon F-Objektiven, bei AF-I-, AF-S- und AF-P-Objektiven auch mit Autofokus. [Foto: Nikon]


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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
HerstellerNikon
ModellZ 6
SensorCMOS Kleinbild 36,0 x 24,0 mm (Cropfaktor 1,0)
25,3 Megapixel (physikalisch)
24,5 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch5,9 µm
Auflösung (max.)6.048 x 4.024 (3:2)
Video (max.)3.840 x 2.160 30p
ObjektivNikon Z 24-70 mm F4 S (Zoom-Objektiv)
VideosucherEVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 3.690.000 Bildpunkte Auflösung, 0,80-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,80-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 2,0 dpt)
Monitor3,2" (8,0 cm)
  Auflösung2.100.000 Bildpunkte
  kippbarja
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Mini (Typ C)
Vollautomatikja
Motivautomatik
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionk. A.
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung, Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/8.000 s
Blitz
  Synchronzeit1/200 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Nikon, Standard-Mittenkontakt
WLANja
NFC
GPSextern, dauerhafte Smartphone Verbindung|kabelgebunden oder Aufsteck-Empfänger
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
XQD
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-25.600
  manuellISO 50-204.800
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder273
  Geschwindigkeit0,17 s bis 0,24 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen134 x 101 x 68 mm
Gewicht (betriebsbereit)664 g (nur Gehäuse)
1.158 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit310 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Robustes, spritzwassergeschütztes, hochwertig verarbeitetes Gehäuse
  • Exzellenter elektronischer Sucher (groß, reaktionsschnell und hochauflösend)
  • Sehr gute Bildqualität bis ISO 6.400
  • Hohe Geschwindigkeit (Autofokus, Speicherzeit, Serienbilder)
  • Kleiner Serienbild-Puffer
  • Keine Augenerkennung
  • Elend langsame Datenübertragung via USB-3-Schnittstelle
  • Nur ein, dazu exotisches XQD-Speicherkartenfach

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 40, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.