Mit extra großem, schnellem und hochauflösendem Sucher

Fujifilm erweitert das X-System mit der Spritzwassergeschützten X-T1

2014-01-28 Bislang orientierte sich das Design der X-Systemkameras von Fujifilm an Messsucherkameras, doch mit der X-T1 ändert sich das, und Fujifilm nimmt die Spiegelreflexkameras der 80er als Designvorbild. Als erste Kamera des X-Systems bietet die X-T1 einen kleinen Handgriff sowie einen Sucherbuckel, der nicht umsonst so groß ausfällt: Darin verbirgt sich mit einer 0,77-fachen Vergrößerung der bisher größte elektronische Sucher, den man in einer spiegellosen Systemkamera finden kann. Doch die X-T1 kann noch mit weiteren Pfunden wuchern.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Die neue Fujifilm X-T1 verfügt über ein Magnesiumgehäuse und ist mit 80 Dichtungen vor Umwelteinflüssen geschützt. [Foto: Fujifilm]

    Die neue Fujifilm X-T1 verfügt über ein Magnesiumgehäuse und ist mit 80 Dichtungen vor Umwelteinflüssen geschützt. [Foto: Fujifilm]

  • Bild Bis es passende spritzwassergeschützte Objektive zur Fujifilm X-T1 gibt, den Anfang soll das XF 18-135mm F3.5-5.6 R OIS WR im Juni 2014 machen, ist das XF 18-55mm F2.8-4 R OIS das Setobjektiv der XT-1, die man aber auch ohne Objektiv kaufen kann. [Foto: Fujifilm]

    Bis es passende spritzwassergeschützte Objektive zur Fujifilm X-T1 gibt, den Anfang soll das XF 18-135mm F3.5-5.6 R OIS WR im Juni 2014 machen, ist das XF 18-55mm F2.8-4 R OIS das Setobjektiv der XT-1, die man aber auch ohne Objektiv kaufen kann. [Foto: Fujifilm]

  • Bild Der X-Trans CMOS II Sensor der Fujifilm X-T1 ist bereits aus der X-E2 bekannt. Der APS-C-Sensor löst rund 16 Megapixel auf und benötigt dank spezieller Farbfilteranordnung keinen auflösungsmindernden Tiefpassfilter. [Foto: Fujifilm]

    Der X-Trans CMOS II Sensor der Fujifilm X-T1 ist bereits aus der X-E2 bekannt. Der APS-C-Sensor löst rund 16 Megapixel auf und benötigt dank spezieller Farbfilteranordnung keinen auflösungsmindernden Tiefpassfilter. [Foto: Fujifilm]

  • Bild Die Fujifilm X-T1 bietet einen 2,36 Mio. Bildpunkte auflösenden OLED-Sucher mit 0,77-facher Vergrößerung und nur 0,005 Sekunden Verzögerung – beides sind neue Rekordwerte. Das Klappdisplay bringt es auf rund eine Million Bildpunkte Auflösung. [Foto: Fujifilm]

    Die Fujifilm X-T1 bietet einen 2,36 Mio. Bildpunkte auflösenden OLED-Sucher mit 0,77-facher Vergrößerung und nur 0,005 Sekunden Verzögerung – beides sind neue Rekordwerte. Das Klappdisplay bringt es auf rund eine Million Bildpunkte Auflösung. [Foto: Fujifilm]

  • Bild Klassische Einstellräder für Belichtungszeit, Belichtungskorrektur und ISO-Empfindlichkeit prägen neben zahlreichen weiteren Knöpfen und Einstellrädern die menüarme Bedienung der Fujifilm X-T1. [Foto: Fujifilm]

    Klassische Einstellräder für Belichtungszeit, Belichtungskorrektur und ISO-Empfindlichkeit prägen neben zahlreichen weiteren Knöpfen und Einstellrädern die menüarme Bedienung der Fujifilm X-T1. [Foto: Fujifilm]

  • Bild Hinter der seitlichen Klappe verbergen sich an der Fujifilm X-T1 die Anschlüsse für USB, Kabelfernauslöser, Mikrofon und HDMI. Auch ein ISO-TTL-Systemblitzschuh sowie eine Blitzsynchronbuchse besitzt die X-T1. [Foto: Fujifilm]

    Hinter der seitlichen Klappe verbergen sich an der Fujifilm X-T1 die Anschlüsse für USB, Kabelfernauslöser, Mikrofon und HDMI. Auch ein ISO-TTL-Systemblitzschuh sowie eine Blitzsynchronbuchse besitzt die X-T1. [Foto: Fujifilm]

  • Bild Der Handgriff der Fujifilm X-T1 lässt sich wesentlich besser greifen als bei den bisherigen X-Systemkameras. Auch die Speicherkarte wird hier entnommen. [Foto: Fujifilm]

    Der Handgriff der Fujifilm X-T1 lässt sich wesentlich besser greifen als bei den bisherigen X-Systemkameras. Auch die Speicherkarte wird hier entnommen. [Foto: Fujifilm]

  • Bild Mit dem Batteriegriff VG-XT1 lässt sich die Fujifilm X-T1 erweitern. Er bietet denselben Spritzwasser-, Staub- und Frostschutz wie die Kamera und beherbergt einen zweiten Akku, der zuerst entleert wird. [Foto: Fujifilm]

    Mit dem Batteriegriff VG-XT1 lässt sich die Fujifilm X-T1 erweitern. Er bietet denselben Spritzwasser-, Staub- und Frostschutz wie die Kamera und beherbergt einen zweiten Akku, der zuerst entleert wird. [Foto: Fujifilm]

  • Bild Der Batteriegriff der Fujifilm X-T1 bietet einen Hochformatauslöser und weitere Bedienelemente. Ob mit oder ohne Hochformatgriff: Die Einblendungen im Sucher drehen sich mit der Ausrichtung der Kamera mit und lassen sich dadurch immer perfekt ablesen. [Foto: Fujifilm]

    Der Batteriegriff der Fujifilm X-T1 bietet einen Hochformatauslöser und weitere Bedienelemente. Ob mit oder ohne Hochformatgriff: Die Einblendungen im Sucher drehen sich mit der Ausrichtung der Kamera mit und lassen sich dadurch immer perfekt ablesen. [Foto: Fujifilm]

  • Bild Der funktionslose Handgriff MHG-XT erweitert nicht nur den Griff der Fujifilm X-T1, sondern rückt auch das Stativgewinde in die optische Achse und erhält durch eine Klappe den Zugriff auf den Akku, ohne den Handgriff abschrauben zu müssen. [Foto: Fujifilm]

    Der funktionslose Handgriff MHG-XT erweitert nicht nur den Griff der Fujifilm X-T1, sondern rückt auch das Stativgewinde in die optische Achse und erhält durch eine Klappe den Zugriff auf den Akku, ohne den Handgriff abschrauben zu müssen. [Foto: Fujifilm]

Mit der X-T1 setzt Fujifilm die Serie von hochwertigen spiegellosen Systemkameras eindrucksvoll fort. Sie ordnet sich etwa zwischen der X-E2 und X-Pro1 ein, funktionell wie preislich. Das Gehäuse besteht aus einer robusten Magnesiumlegierung und ist dank 80 Dichtungen vor Umwelteinflüssen wie Spritzwasser und Staub geschützt. Auch Frost bis -10 °C steckt die Kamera klaglos weg. Nicht nur beim Design setzt Fujifilm auf klassische Elemente, sondern auch bei der Bedienung. So befinden sich auf der Kameraoberseite gleich drei aus dem Vollen gefräste Bedienräder für ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit und Belichtungskorrektur. Die Blende indes wird bei allen Objektiven, die ein "R" im Kürzel tragen, mit dem Blendenring verstellt, bei den anderen über die Bedienräder der Kamera, wovon diese nochmals zwei bietet, eines vorne und eines hinten. Die Einstellräder für ISO-Empfindlichkeit und Belichtungszeit verfügen jeweils über einen Sperrknopf, der beim Drehen am Rad gedrückt gehalten werden muss, was vor versehentlichem Verstellen schützt, sowie über eine Automatikstellung, so dass man die Kamera auch als Vollautomaten, allerdings ohne Motivprogramme, betreiben kann. Unter den Rädern für die ISO-Einstellung und Belichtungszeit befinden sich jeweils ein Verstellhebel, worüber die Aufnahmebetriebsart (Belichtungsreihe, Mehrfachbelichtung, Serienbildfunktion, Panoramafunktion und digitale Filter) sowie die Belichtungsmessmethode verstellen lassen. Hinzu kommen sechs frei belegbare Fn-Knöpfe und ein Fokusmoduswahlschalter, so dass man nur selten ins Kameramenü muss.

Neben der klassischen, knopflastigen Bedienung fällt auch der OLED-Sucher sofort ins Auge. Dieser löst mit 2,36 Millionen Bildpunkten nicht nur äußerst fein auf, sondern bietet mit seiner 0,77-fachen Vergrößerung auch ein äußerst großes Sucherbild, das sich mit Vollformat-Spiegelreflexkameras messen kann. Man blickt auf eine wahre Kinoleinwand, die beim Durchblick mit einer Brille allerdings in den Ecken abschattet. Konkurrenzlos ist aktuell die Sucherverzögerung von nur 0,005 Sekunden, so dass man diesen elektronischen Sucher fast als Echtzeitsucher wahrnimmt. Kein anderer elektronischer Sucher ist aktuell auch nur annähernd so schnell, denn die X-T1 soll nur ein Zehntel der bisher normalen Sucherverzögerung haben. Die Bildwiederholrate liegt bei rund 54 Bildern pro Sekunde – egal ob in hellen oder dunklen Umgebungen, letzteres ist ebenfalls eine deutliche Verbesserung. Das Sucherbild kennt drei Modi: Einmal eine Vollbildansicht, für die das gesamte Display für die Livebildanzeige verwendet wird und die Sucheranzeigen teilweise überlagern, in der zweiten möglichen Ansicht "Normal" ist das Livebild etwas kleiner, dafür liegen sämtliche Sucheranzeigen außerhalb des Livebilds, so dass man dieses ungestört beurteilen kann, Brillenträger sehen nun zumindest im Livebild keine Abschattungen mehr. Praktischerweise werden die Suchereinblendungen in diesen beiden Modi im Hochformat gedreht, so dass man sie gut ablesen kann. Die dritte Ansicht "Dual" lässt sich nur bei manueller Fokussierung aktivieren. Hier liegt das Livebild nun etwas kleiner auf der linken Seite, während rechts der zentrale Bereich in einer Lupendarstellung mitsamt Schnittbildsimulation zur vereinfachten manuellen Fokussierung angezeigt wird. So hat man die Vergrößerung gleichzeitig mit dem gesamten Sucherbild im Blick und muss nicht mehr zwischen Lupe und Vollbildansicht hin und herwechseln. Neben dem digitalen Schnittbildindikator bietet die X-T1 auch Fokus-Peaking als Fokussierhilfe.

Auf der Rückseite verfügt die X-T1 aber auch über einen normalen 1,04 Millionen Bildpunkte auflösenden 7,6-cm-Bildschirm mit einer Beschichtung, die vor Kratzern und Reflexen schützen soll. Für bodennahe oder Über-Kopf-Aufnahmen lässt sich der Bildschirm nach oben und unten klappen. Im Inneren der X-T1 werkelt der bereits aus der X-E2 bekannte X-Trans CMOS II Sensor mit den 100.000 integrierten Phasenmesssensoren, die den Autofokus auf kurze 0,08 Sekunden beschleunigen. Damit soll die X-T1 laut Fujifilm zu den schnellsten spiegellosen Systemkameras gehören. Der Sensor zeichnet sich durch seine besondere Farbfilteranordnung aus, die dem natürlichen Filmkorn näher kommt als die gewöhnliche Bayer-Farbfiltermatrix, wie sie in anderen Kameras zum Einsatz kommt. Dadurch kann der Tiefpassfilter entfallen, was in einer höheren nutzbaren Auflösung resultiert. Zudem bietet der Sensor in jeder Zeile und Spalte sämtliche Farbpixel, was ebenfalls zu einer höheren Bildqualität beitragen soll.

Der EXR Prozessor II arbeitet mit einer sehr hohen Taktfrequenz, was nicht nur eine schnelle Bildverarbeitung und Bildoptimierung mittels Lens Modulation Optimizer zur Reduzierung von Objektivfehlern wie Rand- und Beugungsunschärfen, sondern auch kurze Reaktionszeiten zur Folge hat. Fujifilm gibt eine Einschaltzeit von 0,5 Sekunden an, ebenso kurz ist das Aufnahmeintervall, die Auslöseverzögerung soll sogar nur 0,05 Sekunden betragen. Im Serienbildmodus nimmt die X-T1 8 Bilder pro Sekunde auf, wobei der Tracking-Autofokus die Schärfe trotz der hohen Bildfrequenz ständig nachführen können soll. Als erste Digitalkamera unterstützt die X-T1 sogar den SDXC UHS II Standard, was für besonders kurze Speicherzeiten sorgen soll, etwa doppelt so schnell wie UHS I.

Zwar verfügt die Fujifilm X-T1 über kein eingebautes Blitzgerät, der Kamera liegt aber ein kleiner Aufsteckblitz EX-X8 mit einer Leitzahl von 8 bei, der sich wahlweise auf den Blitzschuh duckt oder hochgeklappt werden kann und sich dadurch von der optischen Achse entfernt. Durch die Grundempfindlichkeit von ISO 200 erhöht sich die Blitzleitzahl sogar auf 11,3. Es können aber auch andere Fujifilm-Systemblitzgeräte verwendet werden, zudem bietet sie noch eine Blitzsynchronbuchse. Zu den weiteren interessanten Funktionen gehört etwa der Intervall-Timer, der über einen längeren Zeitraum Aufnahmen in konstanten Zeitabständen erlaubt. Hierfür sollte man ein Netzteil anschließen, was Fujifilm optional für die X-T1 anbietet. Auch Full-HD-Videos lassen sich mit der X-T1 aufnehmen, wofür diese über einen eigenen Videoauslöser verfügt. Darüber hinaus hat Fujifilm der X-T1 ein eingebautes WLAN-Modul spendiert, über das sich die Kamera nun auch mittels App fernsteuern lässt, was neu bei Fujifilm ist. Die "Fujifilm Camera Remote" App erlaubt die Einstellung zahlreicher Aufnahmeparameter, die Livebildübertragung und selbstverständlich auch das Überspielen von ganzen Fotos von der Speicherkarte auf das Smartphone oder Tablet. Die App gibt es für Android und iOS.

Passend zur X-T1 soll es auch neues Zubehör geben, etwa eine Gehäuse-Ledertasche, die den direkten Zugriff auf das Akkufach erlaubt, die Speicherkarte wird ohnehin seitlich entnommen. Ein funktionsloser Handgriff sorgt für eine bessere Griffigkeit und rückt das Stativgewinde in die optische Achse, auch bei diesem Griff bleibt der einfache Zugriff auf das Akkufach bestehen. Schließlich bietet Fujifilm aber auch einen richtigen Batteriegriff an, der einen Hochformathandgriff samt Auslöser und Bedienelementen bietet. Dieser Griff ist selbstverständlich wie das Kameragehäuse gegen Spritzwasser geschützt und kälteresistent. Er beherbergt einen zweiten Akku, der von der Kamera zuerst geleert wird. Passende Spritzwassergeschützte Objektive will Fujifilm im Laufe des Jahres auf den Markt bringen. Im Juni 2014 soll dies ein Universalzoom Namens XF 18-135mm F3.5-5.6 R OIS WR sein, das Blendenring, Bildstabilisator und Spritzwasserschutz bietet. Im weiteren Verlauf des Jahres folgen dann noch das XF 16-55mm F2.8 R OIS WR und das XF 50-140mm F2.8 R OIS WR, die ebenfalls über Spritzwasserschutz, Blendenring und Bildstabilisator verfügen. Bis dahin wird die X-T1 wahlweise als Gehäuse oder zusammen mit dem XF 18-55mm F2.8-4 R OIS angeboten, ein Set mit dem 18-135mm wird folgen, sobald dieses Objektiv im Sommer auf den Markt kommt.

Der Preis für die X-T1 liegt bei knapp 1.200 EUR, das Set mit dem 18-55 soll bei 1.600 EUR liegen, die Markteinführung ist für März 2014 geplant. Die Ledertasche BLC-XT1 soll bei 80 EUR liegen, der Handgriff MHG-XT bei knapp 110 EUR und der Batteriegriff VG-XT1 bei 230 EUR. Das Zubehör kommt ebenfalls im März 2014 auf den Markt. Bereits erhältlich sind der passende Fernauslöser RR-90 für knapp 35 EUR, der M-Objektivadapter für 180 EUR, die zahlreichen XF- und XC-Objektive sowie die Touit-Objektive von Zeiss und Aufsteckblitzgeräte von Fujifilm.


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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.