Günstiger als mancher Kleinbildbolide

Fujifilm GFX100S bietet 100 Megapixel im geschrumpften Gehäuse

2021-01-27 Mit der GFX100S pflanzt Fujifilm seinen 100-Megapixel-Sensor der GFX100 in ein 500 Gramm leichteres und 30 Prozent kleineres Gehäuse. Sogar der Sensor-Shift-Bildstabilisator ist mit an Bord und wurde ohne Einbußen bei der Effektivität ebenfalls verkleinert – im Gegenteil steigt die Effektivität dank verbesserter Algorithmen sogar noch minimal. Die größte Reduzierung ist aber die erfreulichste: Den Preis hat Fujifilm gegenüber der GFX100 sogar um 45 Prozent geschrumpft – damit kostet die 100 Megapixel auflösende Mittelformatkamera sogar weniger als so mancher Kleinbild-Bolide.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Nicht einmal 6.000 Euro kostet die verhältnismäßig kompakte Fujifilm GFX100S, obwohl sie einen großen, hochauflösenden Mittelformat-Bildsensor in BSI-CMOS-Bauweise besitzt. [Foto: Fujifilm]

    Nicht einmal 6.000 Euro kostet die verhältnismäßig kompakte Fujifilm GFX100S, obwohl sie einen großen, hochauflösenden Mittelformat-Bildsensor in BSI-CMOS-Bauweise besitzt. [Foto: Fujifilm]

Der "kleine" Mittelformatsensor der Fujifilm GFX100S misst 55 Millimeter in der Diagonale und ist 43,8 mal 32,9 Millimeter groß (das Kleinbildformat hat "nur" 36 mal 24 Millimeter und besitzt eine Diagonale von 43,3 Millimeter). Gigantische 102 Megapixel tummeln sich auf diesem in rückwärtig belichteter CMOS-Bauweise (BSI) gefertigten Sensor, der einen Empfindlichkeitsbereich von ISO 100 bis 102.400 abdeckt. Obwohl der Bildsensor so groß ist, kommt ein Sensor-Shift-Bildstabilisator zum Einsatz, den die Fujifilm-Ingenieure gegenüber der GFX100 um 20 Prozent verkleinern und 10 Prozent erleichtern konnten.

Dank verbesserter Algorithmen und eines neuen Gyro-Sensors büßt er jedoch nicht an Effektivität ein, sondern gewinnt im Gegenteil je nach Objektiv sogar bis zu eine halbe Blendenstufe. Fünf bis sechs Blendenstufen längere Belichtungszeiten sind je nach Objektiv möglich. Auch die Pixel-Shift-Multi-Shot-Funktion hat es in die GFX100S geschafft, was 400 Megapixel Auflösung ermöglicht – ideal zum Digitalisieren beispielsweise von Kunstwerken in Museen oder hochauflösende Studioaufnahmen.

  • Bild Der rückwärtige 8,1 Zentimeter große Touchscreen der Fujifilm GFX100S löst 2,36 Millionen Bildpunkte auf. Er lässt sich nach oben und unten sowie seitlich klappen. [Foto: Fujifilm]

    Der rückwärtige 8,1 Zentimeter große Touchscreen der Fujifilm GFX100S löst 2,36 Millionen Bildpunkte auf. Er lässt sich nach oben und unten sowie seitlich klappen. [Foto: Fujifilm]

Doch nicht nur den Bildstabilisator konnten die Fujifilm-Ingenieure erfolgreich verkleinern, sondern auch den mechanischen Verschluss. Dieser ist in der GFX100S um 22 Prozent kleiner und 16 Prozent leichter. Insgesamt misst das wetterfeste Magnesiumgehäuse 150 x 104 x 44 Millimeter, das Gewicht liegt bei 900 Gramm. Damit löst die GFX100S nicht nur höher auf als alle Kleinbildkameras, sondern ist sogar noch kompakter und leichter als manches Modell, ohne dass man auf Ergonomie verzichten muss. Auf Robustheit muss man ebenfalls nicht verzichten, das Material im Bereich des Bajonetts wurde um einen Millimeter verstärkt und neben den Spritzwasser- und Staubschutz besitzt die Kamera auch einen Frostschutz bis -10 °C. Optional gibt es einen Handgriff, der allerdings keine zusätzlichen Funktionen bietet, außer eine Arca-Swiss-Stativplatte.

Die Ergonomie hat Fujifilm in einigen Punkten überarbeitet und verbessert. Das Programmwählrad bietet neben den klassischen Belichtungsprogrammen PASM gleich sechs Custom-Positionen, über die individuelle Aufnahmeeinstellungen mit einem Dreh abgerufen werden können. Dank eines dedizierten Foto-Video-Umschalters werden diese beiden Modi klar getrennt, was auch für übersichtlichere Menüs sorgt. Ebenfalls überarbeitet wurde der Fokus-Joystick, der nun flacher ausfällt und eine griffigere Oberfläche bietet.

  • Bild Satte 102 Megapixel löst der 43,8 mal 32,9 Millimeter große Mittelformatsensor der Fujifilm GFX100S auf. Er ist sogar zur Bildstabilisierung beweglich gelagert und ermöglicht einen 400-Megapixel-Multi-Shot-Modus. [Foto: Fujifilm]

    Satte 102 Megapixel löst der 43,8 mal 32,9 Millimeter große Mittelformatsensor der Fujifilm GFX100S auf. Er ist sogar zur Bildstabilisierung beweglich gelagert und ermöglicht einen 400-Megapixel-Multi-Shot-Modus. [Foto: Fujifilm]

Der elektronische Sucher ist fest verbaut und löst bei einer kleinbildäquivalenten 0,77-fachen Vergrößerung 3,69 Millionen Bildpunkte auf. Der rückwärtige Bildschirm lässt sich nach oben, unten und seitlich klappen, aber nicht in Selfie-Position bringen. Es handelt sich um einen 8,1 Zentimeter großen Touchscreen, dessen Farb-LCD 2,36 Millionen Bildpunkte auflöst. Zudem gibt es ein 4,6 Zentimeter großes Status-LC-Display auf der Kameraoberseite, das 303 mal 230 Pixel (Schwarzweiß) auflöst.

Im Inneren kommt ein X Prozessor 4 mit Quad-Core-CPU zum Einsatz. Auf dem Bildsensor sitzen 3,78 Millionen Phasen-Detektions-Pixel, die für einen 0,18 Sekunden schnellen Autofokus sorgen sollen, der auch bei bis zu -5,5 EV (mit dem neuen GF 80 mm F1,7) noch arbeitet. Durch eine höhere Analyse-Frequenz sollen die Genauigkeit der Gesichts- und Augenerkennung verbessert worden sein. Gleiches gilt für den Tracking-AF, die Serienbildgeschwindigkeit liegt bei fünf Bildern pro Sekunde (hier ist das Kleinbildformat dem Mittelformat klar überlegen).

  • Bild Das Programmwählrad der Fujifilm GFX100S bietet sechs Custom-Positionen. Zudem sitzt hier ein großer Statusbildschirm. [Foto: Fujifilm]

    Das Programmwählrad der Fujifilm GFX100S bietet sechs Custom-Positionen. Zudem sitzt hier ein großer Statusbildschirm. [Foto: Fujifilm]

Zu den bisherigen 18 Filmsimulationsmodi, die laut Fujifilm bei vielen Fotografen sehr beliebt sind, gesellt sich ein 19. Modus hinzu: "Nostalgisches Negativ" ist eine Reminiszenz an die American New Color der 1970er Jahre. Er zeichnet sich durch eine Bernsteintönung in den Highlights, eine hohe Farbsättigung in den Tiefen, Zinnober-Rottöne und einen cyan-blauen Himmel aus. Die Filmsimulationsmodi können übrigens auch gut als Ausgangsbasis für die Raw-Bildbearbeitung dienen, die Kooperation zwischen Fujifilm und Capture One besteht mit der kostenlosen Express-Version der Raw-Bildbearbeitung weiter (siehe auch Fototipp in den weiterführenden Links).

Videos zeichnet die Fujifilm GFX100S maximal in 4K-Auflösung (DCI mit 17:9 oder UHD mit 16:9) bei maximal 30 Bildern pro Sekunde auf, in Full-HD sind 60 Bilder pro Sekunde möglich. Beide Modi arbeiten wahlweise ohne oder mit 1,1-fachem Crop. In 4K erfolgt die Aufzeichnung maximal mit 400 mbps, in Full-HD mit 200 mbps, als Formate stehen MOV mit H.265- oder H.264-Kompression sowie MP4 mit H.264-Kompression zur Verfügung. F-Log, HLG und auch eine externe Raw-Aufzeichnung mit 12 Bit sind ebenfalls möglich.

  • Bild Die Schnittstellen der Fujifilm GFX100S umfassen einen Mikrofonanschluss, eine Kopfhörerbuchse, einen USB-C-Anschluss mit Power-Delivery, eine Micro-HDMI-Buchse und eine Blitzsynchronbuchse. [Foto: Fujifilm]

    Die Schnittstellen der Fujifilm GFX100S umfassen einen Mikrofonanschluss, eine Kopfhörerbuchse, einen USB-C-Anschluss mit Power-Delivery, eine Micro-HDMI-Buchse und eine Blitzsynchronbuchse. [Foto: Fujifilm]

  • Bild Zwei Speicherkarten nimmt die Fujifilm GFX100S übereinander auf. Beide SD-Kartenschächte sind zu SDHC, SDXC, UHS I und UHS II kompatibel. [Foto: Fujifilm]

    Zwei Speicherkarten nimmt die Fujifilm GFX100S übereinander auf. Beide SD-Kartenschächte sind zu SDHC, SDXC, UHS I und UHS II kompatibel. [Foto: Fujifilm]

Auch die Schnittstellenausstattung der Fujifilm GFX100S ist reichhaltig. Die Blitzsynchronbuchse ist von der Kameravorderseite an die Seite zu den anderen Schnittstellen gewandert. Diese umfassen Micro-HDMI, USB-C (mit PD-Lade- und Dauerstrom, Netzteil im Lieferumfang), einen 2,5mm-Kabelfernauslöseanschluss sowie eine Kopfhörer- und eine Mikrofonbuchse je in 3,5 mm Klinke. Eine Kabel-Zugentlastung gehört ebenfalls zum Lieferumfang. Das verbaute WLAN-Modul unterstützt die Standards b/g/n, ac-WLAN bleibt hingegen der GFX100 vorbehalten.

Als Akku kommt der aus der X-T4 bekannte Typ NP-W123S zum Einsatz, der für 460 Aufnahmen nach CIPA-Standard reicht. Das Speicherkartenfach bietet zwei übereinander liegende SD-Kartenslots, die mit SDHC, SDXC, UHS I und UHS II kompatibel sind. Ab Ende Februar 2021 soll die Fujifilm GFX100S zu einem Preis von knapp 6.000 Euro erhältlich sein. Die bisherigen GFX-Modelle werden zudem weiterhin produziert und vorerst zu unveränderten Preisen angeboten.


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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 43, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.