Spiegellose Systemkamera, Systemkamera

Testbericht: Samsung NX1

Seite 2 von 2, vom 2014-12-17 (Autor: Martin Vieten)Zur Seite 1 wechseln

In der Videopraxis besticht die NX1 vor allem durch ihren sehr schnellen und treffsicheren Autofokus (mehr dazu im Abschnitt „Objektiv“). Er führt bei Schwenks die Schärfe absolut treffsicher und ohne jegliches Pumpen nach. Schön ist ferner, dass die NX1 Zeitraffer und Zeitlupen aufzeichnen kann und optional jedes Video über Schwarz ein- beziehungsweise ausblendet.

In Sachen Konnektivität zwischen Kamera und Mobilgerät zählt Samsung zu den Pionieren. Kein Wunder also, dass auch die NX1 hier einiges zu bieten hat. Alles, was man dazu benötigt, ist die App „Samsung Camera Manager“ (für Android und iOS erhältlich) auf dem Mobilgerät. Besitzer eines Android-Handys sind dabei fein raus, denn zu diesen Geräten stellt die NX1 eine Verbindung via NFC her. Steht die Verbindung, lässt sich die NX1 vom Mobilgerät aus fernsteuern, überträgt die Aufnahmen nahtlos und zeigt das Sucherbild auf dem Display des Smartphones oder Tablets an. Sogar als GPS-Logger kann das Mobilgerät dienen, dazu braucht man es lediglich via Bluetooth mit der Kamera zu verbinden.

Großzügig gibt sich die Samsung NX1 im Wiedergabemodus. Hier stehen nicht nur die üblichen Funktionen wie Bilder drehen oder löschen zu Verfügung, die Kamera bietet darüber hinaus eine Vielzahl an Bearbeitungsfunktionen zur Anpassung von Helligkeit, Kontrast, Farbanmutung etc. Hinzu kommt die Möglichkeit, Raw-Dateien als JPEG-Kopien speichern zu können.

Objektiv Hierzulande wird die Samsung NX1 derzeit im Set mit verschiedenen Objektiven angeboten. Wir haben die Kamera mit dem 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS iFunction getestet, das brandneue Telezoom 50-150 mm 2.8 S ED OIS kam ebenfalls zum Einsatz. Das „S“ in der Typenbezeichnung beider Objektive weist darauf hin, dass sie staub- und spritzwassergeschützt sind. OIS kennzeichnet den optischen Bildstabilisator, der Sensor der Kamera ist nicht stabilisiert. Das sehr lichtstarke Standardzoom 16-50/F2-2.8 deckt bezogen auf Kleinbild an der NX1 einen Brennweitenbereich von 24 bis 75 Millimeter ab. Es ist aufwändig konstruiert, sowohl mechanisch wie auch optisch. Die Optik besteht aus 18 Linsen (davon einige ED- und Asphärische-Linsen) in zwölf Gruppen, neun Blendenlamellen sorgen für ein weiches Bokeh.

In der Praxis machte die Samsung NX1 sowohl mit dem Standard- wie auch mit dem Telezoom durch ihren rasanten Autofokus auf sich aufmerksam. Bei 24 Millimeter Brennweite (bezogen auf Kleinbild) brauchte sie lediglich 0,25 Sekunden, um von unendlich auf zwei Meter Entfernung zu fokussieren. Am langen Ende des Standardzooms war der AF mit 0,29 Sekunden kaum langsamer. Derart schnell stellen heute indes viele Systemkameras auf statische Motive scharf. Wie aber verhält es sich, wenn die NX1 mit ihrer atemberaubenden Serienbildrate die Fokus bei Reihenaufnahmen nachführen soll?

  • Bild Das Gehäuse der NX1 besteht aus einer leichten aber robusten Magnesiumlegierung ... [Foto: MediaNord]

    Das Gehäuse der NX1 besteht aus einer leichten aber robusten Magnesiumlegierung ... [Foto: MediaNord]

  • Bild ... dennoch drückt die Kamera bestückt mit dem Objektiv 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS iFunction gut 1,2 Kilo auf die Waage. [Foto: MediaNord]

    ... dennoch drückt die Kamera bestückt mit dem Objektiv 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS iFunction gut 1,2 Kilo auf die Waage. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Anfassqualität der NX1 ist hervorragend, auch das Objektiv wirkt wie für die Ewigkeit gebaut. [Foto: MediaNord]

    Die Anfassqualität der NX1 ist hervorragend, auch das Objektiv wirkt wie für die Ewigkeit gebaut. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Anschlussterminal der Samsung NX1 verbirgt sich auf der linken Seite unter spritzwassergeschützten Klappen. [Foto: MediaNord]

    Das Anschlussterminal der Samsung NX1 verbirgt sich auf der linken Seite unter spritzwassergeschützten Klappen. [Foto: MediaNord]

Samsung setzt bei der NX1 auf einen Hybrid-AF, bei dem die Entfernungsermittlung per Kontrastmessung durch gleich 205 Phasen-AF-Sensoren auf dem Bildwandler unterstützt wird. Deren Aufgabe ist es, die Bewegungsrichtung des Motivs zu bestimmen – was Systemen, die rein auf Kontrastmessung basieren, nicht möglich ist. 153 der Phasen-AF-Sensoren sind übrigens als besonders empfindliche Kreuzsensoren ausgeführt. Ganz gleich wie Samsung die Technik aufbaut – sie funktioniert. Einen Hund, der schnell auf die Kamera zuläuft, hält sie selbst bei höchster Serienbildrate zuverlässig im Fokus. Ist der Nachführ-AF auf „Fokuspriorität“ gestellt, löst die NX1 einfach solange nicht aus, bis sie das Motiv wieder „gepackt“ hat.

Um dem AF-System die Arbeit zu erleichtern, ist die NX1 mit einem programmierbaren Fokuslimiter ausgestattet, der sich beim Objektiv 50-150 mm 2.8 S ED OIS besonders einfach einrichten lässt. Dabei legt man den Entfernungsbereich fest, innerhalb dessen die NX1 scharf stellen soll. Drängelt sich dann zum Beispiel ein Passant in den Bildvordergrund, ignoriert die NX1 diesen einfach – eine Funktion, die man schnell nicht mehr missen mag. Ob der AF bei Serienaufnahmen bevorzugt auf einem erstmals gespeicherten Motiv verweilen soll oder sich eher einem neuen Motiv zuwendet, lässt sich jedoch bei der NX1 nicht vorgeben.

Praktisch ist hingegen, dass die NX1 einen Fokusmodus AF-A bietet, bei dem sie selbständig entscheidet, ob eine einmal ermittelte Entfernungseinstellung beibehalten wird (AF-S) oder der Fokus mit dem Motiv nachgeführt werden soll (AF-C). Selbstredend, dass die NX1 eine elektronische Gesichtserkennung an Bord hat, die dem AF ebenfalls assistiert. Praktische Assistenten gibt es auch fürs manuelle Fokussieren. Zum einen kann die NX1 Kontrastkanten, die in der Fokusebene liegen, farbig markieren (Fokuspeaking). Und zum anderen bietet sie eine einstellbare Fokuslupe, die automatisch anspringt, sobald der Fokusring am Objektiv gedreht wird.

Bildqualität Herzstück der Samsung NX1 ist ein Bildwandler im APS-C-Format, der mit einer Bruttoauflösung von 30,7 Megapixel sehr hoch integriert ist. Daraus ergibt sich ein Pixelpitch von lediglich 3,5 µm, die einzelnen Sensorzellen sind entsprechend unempfindlich. Um die Lichtausbeute zu erhöhen, führt Samsung den Sensor in BSI-Technologie aus. Dabei liegt die Verdrahtung nicht wie üblich vor der lichtempfindlichen Schicht, sondern dahinter. Doch grau ist alle Theorie, am Ende zählt nur das Ergebnis. Wie es um die Bildqualität der NX1 bestellt ist, hat digitalkamera.de im hauseigenen Testlabor ermittelt. Das detaillierte und ausführlich erklärte Laborprotokoll gibt es wie stets gegen ein kleines Entgelt zur Einsicht und als PDF-Download (siehe weiterführende Links am Ende dieses Testberichts).

Dass die BSI-Technik keine Wunder vollbringen kann, zeigt die Messung des Signal-Rauschabstands. Er nimmt ab der Basisempfindlichkeit ISO 100 kontinuierlich ab und unterschreitet bereits bei ISO 1.600 die kritische Grenze von 35 dB. Das Luminanzrauschen bleibt bis etwa ISO 6.400 unkritisch, ab ISO 12.800 nimmt es dann sprunghaft zu. Das meist besonders lästige Farbrauschen bleibt hingegen über den gesamten Empfindlichkeitsbereich unauffällig. Ein wenig schade ist, dass die Rauschunterdrückung der NX1 in den Standardvorgaben sehr engagiert zupackt und so mit dem Rauschen auch unnötig viele Details wegbügelt. Glücklicherweise lässt sich die Rauschreduzierung anpassen – oder man zeichnet gleich im Raw-Format auf und entrauscht nachträglich im Raw-Konverter. Nicht wegdiskutieren lässt sich allerdings, dass die Eingangsdynamik der NX1 mit knapp 11 Lichtwertstufen (EV) nur bis ISO 800 hervorragend ist. Mit jeder höheren ISO-Stufe geht sie dann um 0,5 bis 1 EV zurück, bei ISO 6.400 differenziert sie lediglich gerade noch akzeptable 8,8 EV. Das schlägt sich übrigens auch beim Ausgabe-Tonwertumfang nieder, der bis ISO 200 exzellent ist, zwischen ISO 1.600 und ISO 6.400 aber nur noch befriedigend. Verbesserungspotential gibt es ferner bei der Farbtreue. Im Mittel ist die Farbabweichung so gerade noch gut, in der Spitze jedoch unter Durchschnitt. In der Praxis bereitete zudem der automatische Weißabgleich unter Kunstlicht Probleme, weil ein zu starkes Faible für Rot zeigte.

Sieht man einmal davon ab, dass die Dynamik der NX1 jenseits der ISO 1.600 sichtbar einbricht, ist die Kamera für DIN-A4-Prints bis ISO 6.400 gut zu gebrauchen. Bei dieser Ausgabegröße wird nur eine Auflösung von rund 8,5 Megapixel benötigt, was mögliche Probleme durch Bildrauschen oder Detailverlust dank der immensen Sensorauflösung der NX1 sicher aus dem Weg räumt. Wer jedoch die hohe Auflösung (bei niedrigen ISO-Werten) möglichst ausschöpfen möchte, ist auch auf eine entsprechende Leistung des Objektivs angewiesen. Ist das 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS ein adäquater Partner für die NX1? Sehr gut korrigiert hat Samsung dessen Randabdunklung, sie ist praktisch nicht messbar. Auch bei der Messung der Verzeichnung gibt sich das Standardzoom keine Blöße, sieht man einmal von einer etwas stark ausgeprägten Tonnenform am Weitwinkelende ab. Doch auch bei der wichtigen Auflösungsmessung macht das 16-50 mm eine gute Figur. Im Bildzentrum löst es bei allen Brennweiten bis Blende F11 mindestens 50 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) auf. Das ist angesichts der hohen Sensorauflösung zwar keine Spitzenleistung, insgesamt aber beachtlich. Dass bei noch kleineren Blenden die Auflösung rapide sinkt, ist Beugungseffekten geschuldet, die sich nun einmal nicht vermeiden lassen.  Für das Objektiv spricht auch, dass zwischen F5.6 und F11 der Auflösungsverlust zu den Bildrändern hin im Rahmen bleibt. Stark ausgeprägt sind hingegen in den Bildecken Farbsäume, die durch chromatische Aberration hervorgerufen werden. Glücklicherweise können heutige Raw-Konverter derartige Fehler sicher beheben, in der Praxis trat er zudem nur bei geringen bis mittleren Fokusentfernungen störend in Erscheinung.

Fazit Atemberaubende Serienbildraten und ein blitzschneller Autofokus – mit der NX1 legt Samsung eine echte Sportskanone vor. Von der sehr schnellen Signalverarbeitung profitieren auch Videofilmer; und natürlich davon, dass die NX1 bei Bedarf sogar 4K-Videos dreht. Sehr gelungen ist zudem das Bedienkonzept, egal, ob man die Kamera bevorzugt über Fingergesten oder klassisch mit den vielen Schaltern und Einstellrädern bedient. Die Bildqualität ist bis ISO 1.600 gut, A4-Prints sehen aber auch bei ISO 6.400 noch ansehnlich aus. Überdurchschnittlich sind Anfass- und Verarbeitungsqualität – das gilt auch für die „S“-Objektive. Bei der NX1 hat Samsung also nicht gekleckert, sondern geklotzt – das gilt ausdrücklich auch für den formidablen EVF. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Masse und Gewicht der NX1 näher bei einer DSLR als bei einer spiegellosen Systemkamera liegen. Wen das nicht stört, bekommt mit der NX1 eine Kamera, die wenige Wünsche übrig lässt. Bleibt nur zu hoffen, dass Samsung das Angebot an Objektiven und Systemzubehör rasch weiter ausbaut.

Kommentare

2 Kommentare aus dem alten Forum anzeigen

auchkeineahnung 2015-04-07

Ich habe in einigen anderen Tests gelesen, dass mit verschiedenen Objektiven Probleme beim AF auftraten mit erheblichem Pumpen und auch komplett versagendem AF.

Hattet ihr diese Probleme nicht?

Benjamin Kirchheim 2015-04-08

Soweit mir bekannt nein.


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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 97 %
Ausstattung 12,5 % 99 %
Handhabung 12,5 % 94 %
Geschwindigkeit 12,5 % 95 %
Bildqualität 50,0 % 90 %
Gesamtnote 93 %

Steckbrief

Steckbrief
Hersteller Samsung
Modell NX1
Preis ca. 2.600 EUR**
Sensor Auflösung 30,7 Megapixel
Max. Bildauflösung 6.480 x 4.320
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv NX Lens 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS iFunction
Filtergewinde 72 mm
Sucher elektronisch (OLED)
  Sichtfeld 100%
  Vergrößerung 1,04-fach
  Auflösung 2,36 Mio
  Dioptrienausgleich -4 bis +2 dpt.
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 1.040.000
  drehbar
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme  
  Porträt ja
  Kinder/Baby ja
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 8
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 10,5 (Messung)
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser Kabel, WLAN
Intervallaufnahme ja
Speichermedium SD/SDHC/SDXC
Videomodus ja
  Format AVI oder MP4
  Codec Motion-JPEG oder H.265
  Auflösung (max.) 4.096 x 2.160
  bei Bildfrequenz 60p
Empfindlichkeit  
  automatisch 125-25.600 (Obergrenze einstellbar)
  manuell ISO 100-51.200
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl, WB-Feinkorrektur
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
209
  AF-Hilfslicht grüne LED
  Geschwindigkeit ca. 0,3 s
Sprachen Deutsch
  weitere 29
Einschaltzeit < 0,2 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
637 g (nur Gehäuse)
1.277 g (mit Objektiv**)
Serienbildfunktion*  
  Serienbildanzahl 84 (JPEG)
19 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
15,1 (JPEG)
14,4 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
4,3 (JPEG)
2,0 (RAW)
  mit Blitz ja (bei verringerter Bildfrequenz)
Zoom  
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten*
 
  JPEG 0,2 s (9,7 MByte)
  RAW 0,4 s (38,2 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 500 Bilder (lt. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit SanDisk 16 GB Class 10 UHS U3 SDHC-Speicherkarte
** mit Objektiv Samsung NX Lens 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS iFunction

DXOMARK Logo

Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Extrem hohe Serienbildrate, auch bei Nachführ-AF
  • Wertiges und stabiles Kameragehäuse
  • Hervorragendes (Touch-) Bedienkonzept
  • Hohe Sensorauflösung mit ordentlicher Bildqualität
  • Etwas wenige Konfigurationsmöglichkeiten des AF-Systems
  • Bildqualität bricht bei hohen ISO-Stufen ein
  • Groß und schwer (für eine spiegellose Systemkamera)
  • Einige Bedienelemente zu leichtgängig