Spiegelloses Systemkamera-Flaggschiff

OM System OM-1 Mark II im Test

2024-01-30 Bei der OM System OM-1 Mark II handelt es sich um eine leichte Produktpflege der OM-1. Der einzige äußerlich offensichtliche Unterschied ist der Wegfall des Olympus-Logos, vorne auf dem Sucherbuckel steht nun OM System. Auch bei der Hardware hat sich kaum etwas geändert, lediglich der Pufferspeicher wurde verdoppelt. Doch das hat nicht nur Auswirkungen auf den Serienbildpuffer, sondern auf sämtliche Rechenfunktionen. So wurden der Autofokus und die digitalen Graufilterfunktionen deutlich verbessert. Wir konnten bereits ein Serienmodell testen und uns die Unterschiede anschauen. Wie es um die Bildqualität bestellt ist, klären wir ebenfalls im ausführlichen Test.  (Benjamin Kirchheim)

OM System OM-1 Mark II Testbericht als Premium-VersionDiesen Kameratest gibt es auch als E-Book mit erweitertem Informationsumfang. Das PDF zum Herunterladen enthält gegenüber dieser Online-Version zusätzlich eine übersichtliche Tabelle mit detaillierten Einzelbewertungen sowie zwei Diagramme, in denen die Stärken und Schwächen der Kamera gut vergleichbar visualisiert werden. Zudem stellen wir drei andere Kameras als mögliche Alternativen vor und erklären welche Vor- und Nachteile diese gegenüber der OM System OM-1 Mark II haben. mehr …

Die OM System OM-1 Mark II wurde gegenüber der OM-1 nur leicht überarbeitet, zu über 95 Prozent sind die Kameras identisch. Daher haben wir hier unseren Test der OM-1 genommen und an den entscheidenden Punkten überarbeitet. Die Messergebnisse sind selbstverständlich alle mit dem neuen Modell und neuen Objektiv gemacht worden.

Die wesentlichen Hardware-Neuerungen der OM-1 Mark II sind der verdoppelte Pufferspeicher und die nun gummierten Multifunktionsräder. Deutlich mehr hat sich bei der Software getan. Der Autofokus wurde bei der Genauigkeit, Motiverkennung sowie Motiv-Verfolgung verbessert. Der Bildstabilisator schafft nun bis zu 8,5 Blendenstufen nach CIPA-Standard und die Live-ND-Funktion wurde um einen Grauverlaufsfilter bis ND8 erweitert, während der normale Live-ND nun ND128 statt ND64 schafft.

Die High-Res-Shot-Funktion arbeitet nun wahlweise mit 14 Bit Raw statt 12 Bit und via USB-C kann die OM-1 Mark II nun als Webcam verwendet werden, wenn auch nur in 720p. Darüber hinaus gibt es noch ein paar Detailverbesserungen, die wir an entsprechender Stelle im Test erwähnen. Geschrumpft ist dagegen die Akkulaufzeit von 520 auf 500 Aufnahmen, während der Preis der Kamera um 200 Euro auf nunmehr knapp 2.400 gestiegen ist.

Ergonomie und Verarbeitung

Die OM System OM-1 Mark II ist unverkennbar das Nachfolgemodell der OM-1, denn das Gehäuse ist bis auf winzige Details wie etwa den Schriftzug oder die nun gummierten Multifunktionsräder identisch. Mit einem Gewicht von gut 600 Gramm ohne Objektiv (980 Gramm mit 12-40 F2.8) und Abmessungen von 13,9 mal 9,2 mal 7,3 Zentimetern ist das Gehäuse weder winzig, noch riesig, sondern genau richtig.

Vor allem dem ausgeformten Handgriff mit seiner ordentlichen Grifftiefe und für eine L-Hand sogar ausreichend Platz für den kleinen Finger ist es zu verdanken, dass die OM-1 II wie angegossen in der Hand liegt. Der Mittelfinger hakt perfekt unter einem deutlich ausgeformten Vorsprung ein, so dass man mit der Griffhand nicht verkrampft. Die gut ausgeformte Daumenmulde auf der Rückseite trägt ihr Übriges dazu bei.

Im Vergleich zur OM-1 sind die Einstellräder nun mit einem Gummiüberzug versehen, was sie noch griffiger macht, selbst mit Handschuhen lassen sie sich gut drehen. Dabei handelt es sich wie bei den restlichen Gummierungen um richtig aufgebrachtes Material und nicht bloß um eine Beschichtung, die sich früher oder später lösen würde.

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Der Auslöser sitzt perfekt dort, wo man ihn auch erwartet. Bis zum ersten Druckpunkt ist er sehr leichtgängig, zum zweiten spürbar schwergängiger. Dadurch löst man nicht versehentlich aus und kann den Auslöser wunderbar beispielsweise zum Fokussieren antippen, aber dennoch lässt sich in einem Zug weich und ohne Verreißen der Kamera auslösen.

Verbessert hat OM Digital Solutions die Einhandbedienungsfunktion der OM-1 Mark II. Brauchte man bisher die linke Hand, um die Menütaste zu drücken, kann man sie nun auf die mit der rechten Hand erreichbare Löschen-Taste programmieren. Der Einschalthebel sitzt weiterhin links vom Sucher, aber auch seine Funktion lässt sich auf eine der konfigurierbaren Tasten legen. Dennoch würden wir einen um den Auslöser herum angeordneten Einschalthebel bevorzugen, wie er bei Kameras von Pentax und Nikon üblich ist. Der Platz dafür wäre jedenfalls frei.

Das Thema Robustheit nimmt OM Digital Solutions auch bei der OM-1 Mark II ernst, sie bietet wie das Vorgängermodell die Schutzklasse IP53. Der Frostschutz bis -10 °C ist ebenfalls mit an Bord, der nicht nur für beispielsweise den Akku wichtig ist, sondern auch für die digitalen Anzeigen, die bei derart niedrigen Temperaturen normalerweise träge werden. Der IPX3-Schutz soll Sprühwasser aus bis zu 60 Grad gegenüber der Senkrechten abhalten. Laut unseren Informationen soll die Kamera sogar eine Minute Untertauchen überstehen (ohne Gewähr).

IP5X bedeutet einen Staubschutz, der das Eindringen von für die Funktion schädlichem Staub verhindert. Selbstverständlich ist auch die Ultraschall-Sensor-Reinigungs-Funktion mit an Bord, die den Sensor bei jedem Einschalten mit 35.000 Schwingungen pro Sekunde bewegt und so Staub abschüttelt, falls der sich trotz staubabweisender Beschichtung auf den Sensor gesetzt hat. Ein Klebestreifen unterhalb des Sensors hält herunterfallenden Staub fest. Er wird bei jedem Serviceaufenthalt der Kamera routinemäßig und kostenlos erneuert.

Um einen solchen Schutz zu gewährleisten, müssen aber auch die verwendeten Objektive entsprechend abgedichtet sein. Das ist sogar bei sieben "Altmodellen" der Fall sowie bei den beiden neuen Modellen OM System 12-40 mm F2.8 ED Pro II und 40-150 mm F4 ED Pro. Bei den Altmodellen sind es das Olympus 8 mm F1.8 ED Pro Fisheye, 7-14 mm F2.8 ED Pro, 8-25 mm F4 ED Pro, 12-100 mm F4 ED Pro, 40-150 mm F2.8 ED Pro, 300 mm F4 ED Pro und 150-400 mm F4.5 ED TC1.25 IS Pro sowie die beiden Telekonverter.

Die OM System OM-1 Mark II besitzt einen wuchtigen Sucherbuckel, der Platz für eine mit einem Faktor von 1,65 stark vergrößernde Sucheroptik bietet. Im Kleinbildäquivalent entspricht das dann einer 0,83-fachen Vergrößerung. In der Praxis hängt die Vergrößerung vom verwendeten Sucherstil ab, denn man kann wählen, ob die Aufnahmeinformationen im Livebild eingeblendet werden oder – mit dann etwas kleinerem Livebild – darunter.

Leider gibt es keine andere Möglichkeit, die Anzeigegröße zu beeinflussen. So schön ein derart großes Sucherbild ist, so nachteilig ist es für Brillenträger, deren Auge naturgemäß deutlich weiter vom Sucherokular entfernt ist. Trotz der großen Austrittspupille von 21 Millimetern kann man je nach Entfernung der Brille vom Auge das Sucherbild selbst bei Informationsanzeigen unter dem Livebild nicht in Gänze überblicken. Abhilfe mag für manche die Dioptrienkorrektur von -4 bis +2 Dioptrien schaffen.

Dank eines OLEDs mit einer hohen Auflösung von 5,76 Millionen Bildpunkten löst das Livebild im Sucher sehr fein auf. Das gilt aber nicht für alle Sucheranzeigen, an deren Kanten sich teilweise leichte Treppchen zeigen. Mit optional 120 Bildern pro Sekunde ist das Sucherbild zudem äußerst flüssig. OM Digital Solutions verspricht außerdem eine Verzögerung von nur 0,005 Sekunden, also weniger als 1/10 der Auslöseverzögerung. Zum Vergleich: Ein Wimpernschlag dauert etwa 0,15 Sekunden, also 30 mal so lange. Innerhalb dieses Wimpernschlags kann die OM-1 Mark II 18 Bilder im Sucher darstellen – oder aufnehmen und auf die Speicherkarte bannen.

Auch der rückwärtige Bildschirm löst mit 1,62 Millionen Bildpunkten auf, die sich auf den in der Diagonale 7,5 Zentimeter großen Bildschirm verteilen. Dieser besitzt mit 3:2 ein etwas ungewöhnliches Seitenverhältnis für den 4:3-Bildsensor. Der horizontale Platz wird für Einblendungen genutzt, die dadurch weniger das Livebild abdecken. Zudem wird dadurch das 16:9- oder 17:9-Videobild nicht allzu klein dargestellt, wie es bei einem 4:3-Bildschirm der Fall wäre. Dank einer maximalen Leuchtdichte von 660 cd/m² lässt sich der Bildschirm auch im Sonnenlicht noch einigermaßen ablesen, auch wenn es deutlich hellere Displays gibt.

Der Bildschirm lässt sich seitlich um 180 Grad schwenken und um 270 Grad drehen, womit er sich sowohl im Querformat als auch bei Hochformat-Aufnahmen aus allen Perspektiven betrachten lässt. Selbst Selfies sind damit kein Problem. Zudem kann der Bildschirm zum Schutz verkehrt herum an die Kamera geklappt werden. Sogar an eine schicke Belederung mit genarbtem Gummi hat OM Digital Solutions auf der Monitorrückseite gedacht.

Im Livebild auf dem Bildschirm oder im Sucher lassen sich zahlreiche Informationen einblenden. Dazu gehören nicht nur Aufnahmeparameter, sondern auch diverse Gitterlinien, eine digitale 3D-Wasserwaage, ein Live-Histogramm und eine Indikatoranzeige für den Sensor-Shift-Bildstabilisator, die dabei hilft, die Kamera während einer längeren Belichtung nicht vom Motiv wegzubewegen. Zudem kann auf Wunsch das Livebild mit oder ohne Belichtungssimulation angezeigt werden.

Beim Bildschirm handelt es sich um einen Touchscreen. Per Fingertipper kann auf ein Motivdetail fokussiert und auf Wunsch auch ausgelöst werden. Ansonsten ist die Touchintegration nach wie vor eher suboptimal. Das Menü bietet überhaupt keine Touchfunktionalität und im Super Control Panel gibt es nur wenige Touchfunktionen. So lässt sich beispielsweise die Gesichtserkennung per Touch wählen, aber nur mit Tasten verstellen. Die Belichtungszeit kann hingegen über das Super Control Panel, das selbst per Tastendruck aufgerufen werden muss, per Touch verstellt werden.

Insgesamt ist die OM System OM-1 Mark II aber eine Kamera, die über die Tasten, den Vierwegewähler, das Fokus-Pad und die Einstellräder bedient werden will. Das wiederum funktioniert hervorragend, zumal sich viele der Funktionen umprogrammieren lassen und dank Umschalthebel sogar mehrere Funktionssätze abgerufen werden können. Der einfachen Bedienung ist das Individualisieren hingegen weniger förderlich, man sollte sich also gut merken, welche Standardfunktionen man verstellt. Dank ISO- und Belichtungskorrekturtaste sowie dedizierten Tasten für die Aufnahmebetriebsart und die AF-Feldwahl lassen sich alle wichtigen Aufnahmeparameter aber ohne große Rätsel perfekt einstellen.

Wie bereits das Vorgängermodell besitzt die OM System OM-1 Mark II ein gegenüber den alten Olympus-Kameras überarbeitetes, übersichtlicheres Menü. Allerdings finden sich in den Einstellungen noch immer Relikte aus der Olympus-Zeit. So wählt man nicht etwa die Auflösung und die JPEG-Komprimierung in eigenen Menüpunkten, sondern stattdessen stehen vier Einstellungen mit Abkürzungen zur Verfügung, die immer eine Auflösung und Komprimierung kombinieren.

Zwar kann man die Belegung der vier Einstellungen auf derselben Menüseite ändern statt tief im Konfigurationsmenü versteckt, aber OM Digital Solutions könnte im Menü noch viel mehr aufräumen und vereinfachen. Die komplizierte Auflösungs-Kompressionswahl ist übrigens auch im Videomenü zu finden. Immerhin lassen sich bei Videoaufnahmen aber im Super-Control-Panel die Auflösung und Bildwechselfrequenz schnell anpassen.

Trotz aller Kritik ist das Menü klar strukturiert und übersichtlich. Alle Funktionen sind in horizontalen Reitern angeordnet, durch die man mit den Drehrädern schnell springen kann. Wer das Menü des Marktführers Canon kennt, wird hier gewisse Ähnlichkeiten erkennen, wie eine "billige Kopie" wirkt das neue Menü aber keinesfalls, sondern im Gegenteil sehr durchdacht. Wichtige, zusammengehörige Funktionen sind jeweils gut zusammengefasst und ein Drücken der Info-Taste blendet (zumeist hilfreiche) Erklärungstexte ein. Navigiert man auf einen ausgegrauten Menüpunkt, kann mit dem Drücken der OK-Taste sogar eine Information eingeblendet werden, warum der Menüpunkt aktuell nicht ausgewählt werden kann. Das ist besonders praktisch, wenn man das Handbuch nicht dabeihat.

Üppig ist die Schnittstellenausstattung der OM System OM-1 II. Hinter mehreren Gummiklappen und einem Schraubdeckel verbergen sich die verschiedenen Anschlüsse, so dass man nur die öffnen muss, die man tatsächlich verwendet, schließlich entfällt bei Öffnung der IP53-Schutz. Sowohl der 3,5 mm Klinken-Mikrofonanschluss als auch der 3,5 mm Klinken-Kopfhöreranschluss verbergen sich an der linken Gehäuseseite unter eigenen Abdeckungen. Der Mikrofonanschluss sitzt sogar so weit oben, dass ein dort eingestecktes Kabel den Bildschirm nicht verdeckt, wenn man diesen nach vorne gedreht als Kontrollmonitor verwendet.

Die Blitzsynchronbuchse sitzt unter einem kleinen Schraubdeckel auf der Vorderseite. Den Verschluss sollte man ruhig schön fest anziehen, damit er sich nicht irgendwann löst. Unter einer gemeinsamen Abdeckung sitzen hingegen der USB-C-Anschluss und die HDMI-Buchse, wobei leider der kleine Micro-Anschluss zum Einsatz kommt. Immerhin liegt der Kamera ein Knickschutz für diese beiden Schnittstellen bei, den man fest verschrauben kann.

Die USB-C-Schnittstelle unterstützt Power Delivery mit bis zu 27 Watt (9 Volt und 3 Ampere). Ein passendes Netzteil gehört zum Lieferumfang. Darüber kann nicht nur der Akku in der Kamera geladen werden, sondern auch eine Dauerstromversorgung ist möglich, wobei der Akku währenddessen sogar aufgeladen wird. Mit einem einfachen USB-Netzteil lässt sich der Akku zumindest bei ausgeschalteter Kamera aufladen (ausprobiert mit 5 V 2 A). Auch bei Verwendung als USB-Webcam ist die Stromversorgung aktiv.

Dank des USB-C-Standards kann man unterwegs auch eine Powerbank zum Betrieb der Kamera oder zum Nachladen nutzen. Allerdings liegt der Kamera keine externe Ladeschale bei, sondern diese muss bei Bedarf als Zubehör gekauft werden. Immerhin handelt es sich dabei dann um ein Doppel-Ladegerät, das ebenfalls mit USB-C Power Delivery (27 W) arbeitet und zwei Akkus gleichzeitig innerhalb von 150 Minuten aufladen kann.

Apropos Akku: Hier kommt mit dem BLX-1 zum Einsatz, der eine Akkulaufzeit von 500 Aufnahmen nach CIPA-Standard ermöglicht. Dank asymmetrischer Form kann er nicht verkehrt herum eingelegt werden. Wer möchte, kann die Laufzeit mit Hilfe des Multifunktionsgriffs HLD-10 auf 1.000 Aufnahmen erhöhen. Die Akkufachklappe ist selbstverständlich mit einer Dichtung versehen und befindet sich weit genug entfernt vom in der optischen Achse angeordneten Stativgewinde, so dass man auch bei Verwendung einer Schnellwechselplatte ans Akkufach kommt.

Das Speicherkartenfach sitzt ohnehin auf der rechten Seite der Kamera, ist also auch im Stativbetrieb problemlos zugänglich. Wird die selbstverständlich ebenfalls mit Dichtungen versehene Klappe nach hinten gezogen, springt sie dank Federlagerung automatisch auf. Die beiden SD-Speicherkarten sitzen übereinander und lassen sich bequem entnehmen. Beide Fächer sind zu SDHC, SDXC, UHS I sowie zum schnelleren UHS II kompatibel.

Wir haben eine Speichergeschwindigkeit von bis zu etwas über 180 MByte pro Sekunde gemessen. Möchte man die leistungsfähige Serienbildfunktion ausnutzen, sollten man entsprechend schnelle Karten wählen. Für Videoaufnahmen reicht hingegen sogar eine V30-Karte aus, denn mehr als 202 Mbit/s, was etwas über 25 MByte pro Sekunde sind, werden bei Videos intern nicht gespeichert.

Ebenfalls auf der rechten Kameraseite ist die Abdeckung der 2,5 mm kleinen Klinken-Fernauslösebuchse zu finden. Benutzt man hingegen die neue Fernbedienung RM-WR1, benötigt man dank Bluetooth kein Kabel mehr, zumindest bis fünf Meter Entfernung. Neben Bluetooth beherrscht die OM-1 Mark II zudem WLAN.

Ausstattung

Auf dem Programmwählrad der OM System OM-1 Mark II findet man nur die klassischen Aufnahmeprogramme P, A, S und M, in denen wahlweise Blende, Belichtungszeit, ISO-Empfindlichkeit und auch alles andere manuell eingestellt werden kann oder von der Automatik übernommen wird. Statt Motivprogrammen oder einer Motiverkennung wurde der weitere Platz auf dem Programmwählrad für die vier Benutzerspeicher vorgesehen. Zudem hat der Videomodus einen Platz auf dem Programmwählrad. In diesem Modus hat man viele Einflussmöglichkeiten auf die Videoeinstellungen, dazu später mehr. Die Videoaufnahmetaste ist im Fotomodus indes anders belegt. Die von Olympus bekannten Art-Filter sind übrigens auch bei der OM-1 Mark II vorhanden und lassen sich in jedem Modus als Bildstil verwenden.

Der Autofokus der OM System OM-1 Mark II wurde gegenüber dem Vorgängermodell nochmals weiterentwickelt. Die nötige Basis dafür legt einerseits der Bildsensor. Jedes Pixel ist für den Phasen-Autofokus in vier Subpixel aufgeteilt, so dass theoretisch 20 Millionen Phasen-AF-Kreuzsensoren zur Verfügung stehen, die sowohl auf horizontale als auch auf vertikale Motivdetails reagieren. Die Kamera fasst diese zu 1.053 Fokuspunkten zusammen, die bis in die Bildecken reichen. Mit einem F1,2 lichtstarken Objektiv kann bereits ab -8 EV fokussiert werden. Von den Autofokusfeldern lassen sich verschieden große Bereiche mit 9, 39, 63 oder 165 Feldern auswählen und auf dem Bildfeld platzieren.

Die zweite Komponente für den leistungsfähigen Autofokus ist der leistungsfähige Bildprozessor TruePic X. Dank verbesserter Algorithmen arbeitet die Objekterkennung nun noch präziser, so werden nun auch Menschen erkannt und Köpfe, deren Gesicht nicht zur Kamera schauen. Die Algorithmen basieren auf künstlicher Intelligenz. Neben Menschen, Gesichtern und Augen erkennt die OM-1 II auch Autos und Motorräder, Flugzeuge und Hubschrauber, Zügen und Lokomotiven (moderne und historische), Vögel sowie Hunden und Katzen (auch andere ähnliche Tiere sollen erkannt werden).

Im Gegensatz zu manch anderem Hersteller muss man allerdings wählen, welche der fünf Motiv-Kategorien die Kamera erkennen soll, eine intelligente Automatik gibt es nicht. Verbessert gegenüber dem Vorgängermodell wurde auch die Verfolgung dieser Motive. So lässt sich der Autofokus nicht mehr so leicht von zusätzlich erkannten Motiven verwirren, sondern "klebt" besser am Hauptmotiv. Dieses kann man einfach gezielt per Tastendruck wechseln, wenn man möchte.

Messen lässt sich das im Labor indes nicht. Stattdessen messen wir einheitlich, wie lange die Kamera für die Auslösung inklusive Fokussierung von unendlich auf zwei Meter bei kürzester und längster Brennweite des Objektivs inklusive leichtem Abblenden benötigt. Je nach Brennweite löst die OM System OM-1 Mark II innerhalb von 0,11 bis 0,12 Sekunden aus, wobei sie im Tele von 40 Millimetern sogar etwas schneller ist als im Weitwinkel von 12 Millimeter (Kleinbildäquivalent 80 beziehungsweise 24 Millimeter). Das ist nochmals schneller als beim Vorgängermodell und eine der kürzesten Fokuszeiten, die wir bisher im Labor gemessen haben. Die reine Auslöseverzögerung ohne Fokussierung beträgt 0,05 Sekunden, was ebenfalls minimal kürzer ist als beim Vorgängermodell.

Fotografiert man mit AF-C, stehen diverse weitere Kontrollfunktionen zur Verfügung. So kann etwa die Empfindlichkeit im Menü angepasst werden, auch die bevorzugten AF-Felder lassen sich festlegen, beispielsweise in der Mitte. Sogar die Einstellung einer AF-Bereichs-Begrenzung ist per Kameramenü möglich. So lässt sich ein bestimmter Entfernungsbereich ausblenden beziehungsweise die Kamera arbeitet nur im vorgegebenen Bereich, so dass Objekte im Vorder- oder Hintergrund den Autofokus nicht ablenken. Die Einstellung dieser Funktionen erfordert aber auch Einarbeitungszeit und Erfahrung, was man nicht unterschätzen sollte.

Fortsetzung auf Seite 2

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Steckbrief

Hersteller OM System
Modell OM-1 Mark II
Sensor CMOS 4/3" 17,3 x 13,0 mm (Cropfaktor 2,0)
21,8 Megapixel (physikalisch)
20,4 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch 3,3 µm
Auflösung (max.) 5.184 x 3.888 (4:3)
Video (max.) 4.096 x 2.160 60p
Objektiv OM System 12-40 mm F2.8 ED Pro II (EZ-M1240II) (Zoom-Objektiv)
Videosucher EVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 5.760.000 Bildpunkte Auflösung, 1,65-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,83-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 2,0 dpt)
Monitor 3,0" (7,6 cm)
  Auflösung 1.620.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbar ja
  schwenkbar ja
  Touchscreen ja
AV-Anschluss HDMI-Ausgang Micro (Typ D)
Vollautomatik
Motivautomatik
Programmautomatik ja
Programmshift ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
Manuell ja
Bulb-Langzeitbelichtung ja
HDR-Funktion ja
Panoramafunktion nein
Belichtungsmessung Matrix/Mehrfeld-Messung (324 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit 1/8.000 s
Blitz
  Synchronzeit 1/250 s
  Blitzanschluss Blitzschuh: Olympus/Panasonic (auch Leica-Kompaktkamera), Standard-Mittenkontakt
WLAN ja
NFC
GPS extern, dauerhafte Smartphone Verbindung
Fernauslöser ja, Kabelauslöser, Bluetooth-Auslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme ja
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
  Slot 2
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
  automatisch ISO 80-25.600
  manuell ISO 80-102.400
  automatisch ja
  manuelle Messung ja
  Kelvin-Eingabe ja
  Feinkorrektur ja
Autofokus ja
  Anzahl Messfelder 1.053 Kreuzsensoren
1.053 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit 0,11 s bis 0,12 s
  AF-Hilfslicht LED
Abmessungen 135 x 92 x 73 mm
Gewicht (betriebsbereit) 600 g (nur Gehäuse)
980 g (mit Objektiv)
Stativgewinde in optischer Achse
  Zoomverstellung manuell am Objektiv
Akkulaufzeit 500 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 45, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.