Spiegellose Highend-Vollformat-Systemkamera

Die Sony Alpha 7R III vereint hohe Auflösung und schnelle Serienbilder

2017-10-25, aktualisiert 2017-10-27 Während die Alpha 9 im Sommer 2017 mit extrem schnellen Serienbildern beeindruckte, legt die neue Alpha 7R III den Fokus auf eine hohe Auflösung und Dynamikumfang. Dabei verliert Sony jedoch nicht eine hohe Serienbildgeschwindigkeit aus den Augen: Zehn Serienbilder pro Sekunde nimmt sie inklusive Fokusnachführung auf. Der 42 Megapixel auflösende Kleinbildsensor ist zur Bildstabilisierung beweglich gelagert und soll bis zu 15 Blendenstufen Dynamikumfang erreichen.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Die gegen Spritzwasser und Staub geschützte Sony Alpha 7R III vereint eine hohe Serienbildgeschwindigkeit von zehn Bildern pro Sekunde inklusive Autofokus-Nachführung mit einer hohen Auflösung von 42 Megapixeln. [Foto: Sony]

    Die gegen Spritzwasser und Staub geschützte Sony Alpha 7R III vereint eine hohe Serienbildgeschwindigkeit von zehn Bildern pro Sekunde inklusive Autofokus-Nachführung mit einer hohen Auflösung von 42 Megapixeln. [Foto: Sony]

Herzstück der Sony Alpha 7R III ist der weiterentwickelte rückwärtig belichtete Exmor R CMOS Sensor in Kleinbildgröße, der 42 Megapixel auflöst. Der Sensor verfügt nicht nur über ein lückenloses Mikrolinsensystem zur besseren Lichtausbeute, sondern erstmals auch über eine Nanovergütung, die durch reduzierte Reflektionen eine deutlich effizientere Lichterfassung gewährleisten soll. Dies minimiert nicht nur das Bildrauschen, sondern erhöht auch den Dynamikumfang. Bis zu 15 Blendenstufen verspricht Sony bei niedrigen Empfindlichkeiten. Möglicht macht das die 16-Bit-Datenerfassung und Verarbeitung im ersten Schritt. Der reguläre Empfindlichkeitsbereich geht von ISO 100 bis 32.000 und lässt sich auf ISO 50 bis 102.400 erweitern. Um eine höchstmögliche Auflösung zu garantieren, verzichtet Sony auf einen Tiefpassfilter.

Um die Daten auch mit schneller Auslesung bei zehn Serienbildern pro Sekunde verarbeiten zu können, verfügt die Alpha 7R III über einen Front-End-LSI, der einen großen Zwischenspeicher bietet und die Bildverarbeitung des Bionz X Bildprozessors unterstützt. Er verarbeitet die 16 Bit Bilder und reduziert die Farbtiefe je nach Anforderung auf 14 oder 12 Bit (so viel zum Thema Raw-Bilder wären unbehandelte Sensor-Rohdaten, das ist schon seit Jahren nicht mehr der Fall oder war es nie). Gegenüber dem Vorgängermodell konnte die Verarbeitungsgeschwindigkeit dank des Front-End-LSIs um das 5,5-fache gesteigert werden. Doch damit nicht genug: Der Sensor ist zur Bildstabilisierung beweglich gelagert und soll damit bis zu 5,5 Blendenstufen längere Belichtungszeiten ohne Verwackelung erlauben, was einen neuen Rekordwert darstellt. Auch an eine Vibrationsminderung beim bis zu 1/8.000 Sekunde schnellen Verschluss hat Sony gedacht. Dieser arbeitet selbst bei zehn Serienbildern pro Sekunde noch. Die Blitzsynchronzeit liegt bei 1/250 Sekunde. Mit Hilfe des Bildstabilisators ermöglicht Sony zudem analog zu Ricoh/Pentax und Olympus eine Pixel-Shift-Funktion zur Auflösungssteigerung. Dabei werden vier Bilder mit jeweils um einen Pixel verschobenem Bildsensor aufgenommen und zu einem knapp 170 Megapixel auflösenden Foto weiterverarbeitet.

  • Bild Auf der Rückseite bietet die Sony Alpha 7R III einen nach oben und unten klappbaren 7,5-cm-Bildschirm mit 1,44 Millionen Bildpunkten Auflösung und einen OLED-Sucher mit 3,7 Millionen Bildpunkten. [Foto: Sony]

    Auf der Rückseite bietet die Sony Alpha 7R III einen nach oben und unten klappbaren 7,5-cm-Bildschirm mit 1,44 Millionen Bildpunkten Auflösung und einen OLED-Sucher mit 3,7 Millionen Bildpunkten. [Foto: Sony]

Für den Autofokus stellt der Bildsensor ebenfalls das zentrale Element dar. Hier hat Sony 399 Phasen-Sensoren auf 68 Prozent der Sensorfläche integriert, die bei bis zu -3 EV noch arbeiten. Hinzu kommen 425 Phasen-Autofokus-Messpunkte und ein um den Faktor 1,8 schnellerer Augen-Autofokus. In dunklen Umgebungen soll der Autofokus sogar doppelt so schnell wie noch beim Vorgängermodell arbeiten, auch die Motivverfolgung ist nun doppelt so präzise. Für die Autofokussteuerung stehen nun zudem eine AF-On-Taste, ein Joystick und eine Touchscreensteuerung für maximale Flexibilität bereit.

Die Serienbildfunktion erreicht maximal zehn Bilder pro Sekunde und führt dabei die Schärfe und die Belichtung nach. Dabei hat der Fotograf die freie Wahl zwischen dem mechanischen Verschluss und dem lautlosen elektronischen. 28 unkomprimierte Raw-Dateien mit 14 Bit Farbtiefe können bei höchster Serienbildgeschwindigkeit aufgenommen werden. Im JPEG- oder komprimierten Rohdatenformat sind es sogar 76 Bilder am Stück. Voraussetzung ist eine schnelle SDHC- oder SDXC-Speicherkarte mit UHS II. Jedoch unterstützt nur einer der beiden Speicherkartenslots diesen schnellen Standard, der zweite Slot ist ein kombinierter SD- und MemoryStick-Steckplatz, der SDHC und SDXC nur mit UHS-I-Standard unterstützt. Die zehn Serienbilder pro Sekunde funktionieren allerdings nicht zusammen mit der Livebildanzeige im Sucher oder auf dem Bildschirm. Um diese mit minimaler Verzögerung nutzen zu können, muss man auf acht Serienbilder pro Sekunde herunterschalten.

  • Bild 42,4 Megapixel löst der Vollformatsensor der Sony Alpha 7R III auf. Dank lückenloser Mikrolinsen und einer Nano-Vergütung soll die Lichtausbeute besonders gut sein und der Dynamikumfang 15 Blendenstufen betragen. [Foto: Sony]

    42,4 Megapixel löst der Vollformatsensor der Sony Alpha 7R III auf. Dank lückenloser Mikrolinsen und einer Nano-Vergütung soll die Lichtausbeute besonders gut sein und der Dynamikumfang 15 Blendenstufen betragen. [Foto: Sony]

Während des Schreibens von Serienbildern auf die Speicherkarte stehen die Kamerafunktionen zwar nur eingeschränkt zur Verfügung. Sony betont aber, dass die wichtigsten Kamerafunktionen weiterhin zur Verfügung stehen. Dazu sollen die Fn-Taste, die Menü-Taste, die Bildwiedergabe samt Bildbewertungsfunktion und noch einige andere Funktionen gehören. Äußerst nützlich bei Serienbildaufnahmen ist zudem die Anti-Flimmer-Funktion, die in Kunstlichtsituationen automatisch Flimmern mit 100 und 120 Hz erkennt und die Belichtungszeit entsprechend für korrekt belichtete Fotos anpasst.

Auch Videografen kommen bei der Alpha 7R III nicht zu kurz, denn sie zeichnet selbstverständlich in 4K-Auflösung auf. Dabei wird der Bildsensor in voller Breite genutzt. Auf Wunsch kann aber auch auf das Super 35-mm-Format zurückgegriffen werden, das mit 5K-Auslesung arbeitet (und damit jeden Pixel 1:1 ausliest) und daraus 4K-Bilder mit besonderer Tiefe und Genauigkeit berechnet. Neu ist die HLG (Hybrid Log-Gamma) Aufnahmefunktion, die den direkten HDR-Workflow unterstützt und eine 4K-HDR-Wiedergabe auf entsprechenden Fernsehern ermöglicht. Auch S-Log 2 und S-Log 3 für eine hohe Flexibilität bei Farbverläufen werden unterstützt. In Full-HD erlauben zudem bis zu 120 Bilder pro Sekunde Zeitlupenaufnahmen mit vier- bis fünffachem Zeitlupeneffekt.

  • Bild Mit Schnittstellen geizt die Sony Alpha 7R III nicht: Blitzsynchronbuche, Stereomikrofon, Kopfhörer, Micro-HDMI, USB-C und zusätzlich Micro-USB gibt es. [Foto: Sony]

    Mit Schnittstellen geizt die Sony Alpha 7R III nicht: Blitzsynchronbuche, Stereomikrofon, Kopfhörer, Micro-HDMI, USB-C und zusätzlich Micro-USB gibt es. [Foto: Sony]

Der elektronische OLED-Sucher arbeitet mit einer Quad-VGA-Auflösung von 3,7 Millionen Bildpunkten. Es handelt sich um dasselbe Modell wie in der Alpha 9. Die Bildwiederholrate liegt wahlweise bei 60 oder besonders flüssigen 120 Bildern pro Sekunde. Mit einem 0,78-fachen Vergrößerungsfaktor bietet der Sucher ein großes Bild, dank T*-Vergütung soll es sehr klar sein und die Fluor-Vergütung der Austrittslinse sorgt für eine leichtere Reinigung. Beim rückwärtigen Bildschirm handelt es sich um einen Touchscreen mit 1,44 Millionen Bildpunkten Auflösung. Dabei sollen weiße Pixel für eine verbesserte Helligkeit sorgen. Der Bildschirm lässt sich um 107 Grad nach oben und 41 Grad nach unten klappen.

Das robuste und gegen Staub und Spritzwasser abgedichtete Metallgehäuse unterstreicht den professionellen Anspruch der Kamera, die mit 650 Gramm betriebsbereitem Gewicht relativ leicht ausfällt. Außerdem ist die Kamera gewohnt kompakt geraten. Für eine verlängerte Aufnahmedauer kommt nun der NP-FZ100 Akku mit Info-Lithium-Technologie zum Einsatz, der gegenüber dem bisherigen NP-FW50 eine 2,2-fache Leistung besitzt. Mit elektronischem Sucher sind 530 Aufnahmen nach CIPA-Standard möglich, mit dem rückwärtigen Bildschirm sogar 650. Der optionale Hochformatgriff VG-C3EM nimmt zudem zwei der Akkus auf. Des Weiteren sorgt die USB-C-Schnittstelle nicht nur für eine hohe Datenübertragungsrate, sondern erlaubt auch die Stromversorgung, bspw. unterwegs mittels externen Akkus. NFC, Bluetooth und WLAN sind für die Drahtloskommunikation an Bord, darüber lassen sich nicht nur Bilder übertragen, sondern auch die Kamera fernsteuern. Apropos Fernsteuerung: Eine entsprechende PC-Software bietet Sony kostenlos als Download an. Allerdings hat die Sony Alpha 7R III mit 3.500 Euro auch einen stolzen Preis. 


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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.