Spiegellose Systemkamera, Systemkamera

Testbericht: Sony Alpha 7R II

2015-09-29 Die Alpha 7R II stellt das neue Topmodell in Sonys Vollformat-Systemkamera-Line-Up dar. Sie verbindet dank neuester Sensortechnologie eine hohe Auflösung mit hohen ISO-Empfindlichkeiten und bietet zudem eine 4K-Videofunktion mit allerlei Einstellmöglichkeiten. Allerdings verlangt Sony für die Systemkamera auch einen stolzen Preis. Ob dafür die Versprechen auf eine hohe Bildqualität bei niedrigen wie hohen ISO-Empfindlichkeiten eingehalten werden und wie sich die spiegellose Systemkamera in der Praxis schlägt, verrät der ausführliche Test.  (Benjamin Kirchheim)

Ergonomie und Verarbeitung

Wie die Alpha 7 II besitzt auch die Alpha 7R II das verbesserte Gehäusedesign mit vergrößertem, ergonomischerem Handgriff. Trotzdem fällt sie für eine Vollformatkamera recht kompakt aus. Leicht ist sie mit ihren knapp 625 Gramm aber keineswegs, was angesichts der geringen Gehäuseabmessungen sogar zu einem gefühlt noch robusteren Gehäuse führt. Einen echten Schutz mittels Dichtungen gegen Spritzwasser und Staub besitzt die Alpha 7R II indes nicht, was sie in ihrer Preisklasse im negativen Sinne einzigartig macht. Lediglich ein nicht näher beschriebener Feuchtigkeitsschutz soll verbaut sein. Ob des kleinen Gehäuses kommt leider auch nur ein recht kleiner Lithium-Ionen-Akku zum Einsatz, der für nicht einmal 300 Aufnahmen ausreichend Saft liefert. Optional lässt sich die Alpha jedoch mit einem zweiten Akku bestücken, wenn der optional erhältliche Vertikalgriff angeschraubt wird. Sony macht aus der Not eine Tugend und legt gleich einen zweiten Wechselakku bei. Es lassen sich sogar beide Akkus gleichzeitig laden, da sowohl eine externe Ladeschale beiliegt als auch der Micro-USB-Anschluss eine Aufladung in der Kamera ermöglicht. Apropos Anschlüsse: Die beiden Kunststoffklappen mit Gummischarnier wirken nicht gerade hochwertig. Auch auf eine Beschriftung hat Sony verzichtet. Hinter der vorderen verbergen sich zwei 3,5-mm-Stereoklinken-Anschlüsse in Form eines Mikrofonein- und eines Kopfhörerausgangs. Hinter der zweiten Klappe ist neben dem Micro-USB-Anschluss auch die Micro-HDMI-Schnittstelle zu finden, die auch eine Livebildausgabe beherrscht und im Videomodus eine externe Bildaufzeichnung ohne Einblendungen erlaubt. Die Micro-USB-Schnittstelle erlaubt nicht nur die Ladung des eingelegten Akkus, sondern auch die Datenübertragung sowie die Fernauslösung der Alpha 7R II.

  • Bild Die Sony Alpha 7R II wird nur ohne Setobjektiv verkauft. Daher diente das Normalobjektiv 55 mm 1.8 als Testobjektiv. [Foto: MediaNord]

    Die Sony Alpha 7R II wird nur ohne Setobjektiv verkauft. Daher diente das Normalobjektiv 55 mm 1.8 als Testobjektiv. [Foto: MediaNord]

Mit Drehrädern und Knöpfen geizt Sony trotz der kleinen Gehäuseabmessungen nicht, sie lassen sich zudem gut bedienen. Ausgerechnet der Auslöser besitzt jedoch einen viel zu schwammigen ersten Druckpunkt, sodass man im Eifer des Gefechts schonmal versehentlich auslöst, statt nur zu fokussieren und den Fokus bis zum richtigen Auslösemoment zu halten. Die Gummierung des Griffs wirkt indes etwas billig, doch gut festhalten und bedienen lässt sich die spiegellose Systemkamera allemal. Neben dem vorderen Einstellrad gibt es auch ein hinteres. Zusätzlich ist die Vierwegewippe mit einem griffigen dritten Wählrad versehen, das sich individuell belegen lässt. Des Weiteren befindet sich in Reichweite des Daumens das Belichtungskorrekturrad, das, obwohl es recht schwergängig ist, im Testbetrieb zuweilen unbeabsichtigt eine Belichtungskorrektur vornahm. Das fünfte Rad am Wagen, Pardon, der Kamera, ist das Programmwählrad, auf dem sich, trotz des "professionellen" Preises von knapp 3.500 Euro, auch ein Automatikmodus sowie Motivprogramme befinden (dazu später mehr). Dazu gesellen sich zwei individuelle Speicherplätze auf dem Programmwählrad und vier offensichtlich programmierbare Tasten. Zusätzlich lassen sich aber auch weitere Bedienelemente den eigenen Bedürfnissen anpassen.

Sogar das Schnellmenü, das den einen oder anderen Gang ins üppige Kameramenü erspart, kann individuell angepasst werden. Letztlich bedient sich dadurch aber auch jede Alpha 7R II anders und es ist schwer, den Überblick zu behalten. Das etwas chaotisch sortierte Menü trägt seinen Teil dazu bei. So sind etwa die Einstellungen für den Fokus auf diverse Menüseiten weit verstreut. Der Fokusmodus wird im Aufnahmemenü 3 gewählt, die Fokushilfe hingegen im Einstellungsmenü 1 und die Farbe der Kantenanhebungsstufe wiederum im Einstellungsmenü 2. Ob mit dem Auslöser oder einer gesonderten Taste fokussiert werden soll, wird dann wieder im Einstellungsmenü 5 festgelegt, wobei sich im Einstellungsmenü 7 wählen lässt, welche Taste diese Funktion übernimmt. Es gibt aber noch zahlreiche weitere Einstellungen den Fokus betreffend, die sich auf noch anderen Menüseiten befinden. Und das ist nur ein Beispiel. Immerhin muss in den Menüs nicht auch noch vertikal gescrollt werden, die sechs Hauptkategorien unterweilen sich in jeweils bis zu neun einseitige, nummerierte Registerkarten.

Bei aller Kritik an der Bedienung: Hat man sich die Kamera erstmal auf die eigenen fotografischen Vorzüge maßgeschneidert, lässt sie sich schnell und ergonomisch bedienen, das Hauptmenü wird man dann auch kaum noch benötigen. Der Bildschirm ist nach oben und unten klappbar, er bleibt dabei hinter der Kamera. Nur für das Querformat oder Selfies wäre ein Schwenk-Drehbildschirm noch besser geeignet. Der Monitor kann aber auch als reines Info-Display dienen. Eine Touchfunktion fehlt hingegen. Nimmt man den Sucher ans Auge, so aktiviert sich dieser dank Näherungssensor automatisch, der Bildschirm wird ausgestellt. Wie es sich für eine Kamera mit Kleinbildsensor gehört, ist der OLED-Sucher mit einem 0,78-fachen Vergrößerungsfaktor ordentlich groß – und das obwohl die absolute Suchergröße beim elektronischen Sucher nicht mehr abhängig vom Sensorformat ist. Mit knapp 2,4 Millionen Bildpunkten löst das OLED sehr fein auf und bietet einen hohen Kontrastumfang und gute Dynamik. Allerdings können empfindliche Naturen in hellen Bildbereichen ein leichtes Flimmern wahrnehmen. Brillenträger, denen die große Dioptrienkorrektur nicht ausreicht und daher mit Brille in den Sucher blicken, müssen mit leichten Abschattungen in den Ecken leben.

Ausstattung

Obschon die Sony Alpha 7R II mit 3.500 Euro einen sportlich-professionellen Preis besitzt, bietet sie auch absoluten Einsteigern die nötigen Automatikfunktionen. Wer sich mit Aufnahmeparametern nicht beschäftigen möchte, bekommt auf Knopfdruck in der Vollautomatik oder den Motivprogrammen trotzdem eine technisch hohe Bildqualität. Doch auch für Profis kann das praktisch sein, falls es einmal schnell gehen muss und die Kamera gerade etwas verkonfiguriert ist. Selbst das Belichtungskorrekturrad ist in der Vollautomatik wirkungslos. Zudem verfügt die A7R II über den bekannten Schwenkpanoramamodus von Sony. Man sollte die Kamera dabei nicht zu langsam bewegen. Anhand des "Radaus" ist dieser Modus unüberhörbar. Es wird der Serienbildmodus mit seinen rund fünf Bildern pro Sekunde verwendet – und das obwohl die Alpha 7R II einen elektronischen Verschluss bietet, nur lässt er sich im Schwenkpanoramamodus nicht aktivieren. Der mechanische Verschluss arbeitet wie der elektronische mit bis zu 1/8.000 Sekunde kurzen Verschlusszeiten. Auch beim mechanischen Verschluss, der zur Verhinderung des Rolling-Shutter-Effekts unabdingbar ist, lässt sich ein elektronischer erster Verschlussvorhang aktivieren. Dieser ist auch empfehlenswert, verhindert er doch Erschütterungen durch den Verschluss schon vor der Auslösung. Gab es beim Vorgängermodell Alpha 7R dadurch noch Mikrounschärfen im Bild, so wird dies jetzt recht effektiv verhindert. Etwas leiser wird die Auslösung dadurch obendrein.

Versierte Fotografen haben in den Kreativprogrammen vollen Zugriff auf die Einstellung aller Kameraparameter. Dazu gehört beispielsweise auch die Anpassung der automatischen ISO-Empfindlichkeit nicht nur im Regelbereich, sondern auch die minimale Verschlusszeit lässt sich anpassen, um beispielweise längere oder kürzere Belichtungszeiten zu erreichen, bevor die Empfindlichkeit raufschaltet. Auch bei manueller Belichtung steht die ISO-Automatik zur Verfügung, sogar das Belichtungskorrekturrad behält seine Funktion. Ein echtes Plus der Sony Alpha 7R II ist ihr beweglich gelagerter Bildsensor. Dank Fünf-Achsen-Messung arbeitet der Bildstabilisator mit jedem angesetzten Objektiv äußerst effektiv. Zusätzlich lassen sich ein optischer Bildstabilisator und die interne Stabilisierung kombinieren, was vor allem bei langen Telebrennweiten zu Vorteilen führt. Das Sucherbild indes wird selbst bei stabilisierten Objektiven erst bei halb gedrücktem Auslöser stabilisiert.

  • Bild Laut Sony soll die Alpha 7R II einen Feuchtigkeitsschutz bieten. Richtige Dichtungen gegen das Eindringen von Staub und Feuchtigkeit bietet sie im Gegensatz zu anderen Kameras ihrer Preisklasse aber nicht. [Foto: MediaNord]

    Laut Sony soll die Alpha 7R II einen Feuchtigkeitsschutz bieten. Richtige Dichtungen gegen das Eindringen von Staub und Feuchtigkeit bietet sie im Gegensatz zu anderen Kameras ihrer Preisklasse aber nicht. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der rückwärtige Bildschirm der Sony Alpha 7R II lässt sich nach oben und unten klappen. Dank Augsensor aktiviert sich der elektronische Sucher automatisch. [Foto: MediaNord]

    Der rückwärtige Bildschirm der Sony Alpha 7R II lässt sich nach oben und unten klappen. Dank Augsensor aktiviert sich der elektronische Sucher automatisch. [Foto: MediaNord]

  • Bild Neben drei Einstellrädern besitzt die Sony Alpha 7R II auch noch ein Programmwählrad sowie ein Belichtungskorrekturrad. [Foto: MediaNord]

    Neben drei Einstellrädern besitzt die Sony Alpha 7R II auch noch ein Programmwählrad sowie ein Belichtungskorrekturrad. [Foto: MediaNord]

Auch bei Videoaufnahmen ist der mechanische Bildstabilisator aktiv und verhindert so einen Bildbeschnitt eines elektronischen Stabilisators. Die Videoaufnahmetaste erlaubt jederzeit Bewegtbildaufnahmen mit Ton. Auch wenn die Alpha 7R II einen Mikrofonanschluss besitzt, verfügt sie zusätzlich über ein integriertes Stereomikrofon. Dreht man das Programmwählrad auf den Videomodus, so erlaubt die Alpha 7R II deutlich mehr Einstellmöglichkeiten inklusive manueller Tonpegelaussteuerung und manueller Belichtung. Als Speicherformat stehen AVCHD (bis Full-HD mit 50p und 24 Mbit/s), MP4 (bis Full-HD mit 50p und 28 Mbit/s), XAVC S HD (bis Full-HD mit 100p und 50 Mbit/s) sowie XAVC S 4K (bis 4K mit 25 p und 100 Mbit/s) zur Verfügung. Bei der Einstellung PAL statt NTCS lassen sich sogar noch etwas höhere Bildraten aktivieren. Die Videobildqualität macht einen sehr scharfen und hochauflösenden Eindruck, auch die Fokusnachführung funktioniert dank der Phasen-AF-Sensoren auf dem Bildsensor gut. Überhaupt: Gegenüber dem Vorgängermodell fokussiert die Alpha 7R II dank ihrer 399 Phasen-AF-Sensoren recht schnell und vor allem zielsicher. Obschon mit 0,45 Sekunden vom Drücken des Auslösers bis zum aufgenommenen Foto bei der Alpha 7R II immer noch mehr als doppelt so viel Zeit vergeht wie bei den schnellsten spiegellosen Systemkameras. Im Vollformat müssen jedoch größere Glasmassen bewegt werden – und das bei 42 Megapixeln Auflösung auch noch sehr präzise.

Ganz professionell gibt sich die Sony Alpha 7R II auch beim Blitz – im positiven wie im negativen Sinne. Einen eingebauten Blitz besitzt sie nicht, auch ein kleiner Aufsteckblitz gehört nicht zum Lieferumfang. Dank des Multi-Interface-Zubehörschuhs lassen sich aber externe TTL-Systemblitze anschließen. Diese erlauben dann sogar die Drahtlosblitzsteuerung. Schade, mit einem Bordblitz hätte man diese ohne "schweren Klotz" auf der Kamera mit Bordmitteln steuern können. Die kürzeste Synchronzeit liegt bei 1/250 Sekunde, aber auch eine Highspeed-Synchronisation ist mit entsprechenden Blitzen möglich. Blitzbelichtungskorrektur, Blitzen am Ende der Belichtung und eine Langzeit-Synchronisation sind selbstverständlich ebenfalls vorhanden.

Im Serienbildmodus ist es interessanterweise egal, ob man in Raw oder in bester JPEG-Qualität fotografiert. Im Raw-Modus ist die Sony Alpha 7R II sogar minimal leistungsfähiger. Es kann ein Bild mehr in der "schnellen" Serie mit fünf Bildern pro Sekunde aufgenommen werden und im folgenden, behäbigen Dauerlauf ist die 7R II bei Raw auch minimal schneller als in JPEG. Sehr wahrscheinlich dürfte sich das aber beim unkomprimierten Raw, das demnächst per Firmwareupdate nachgeliefert werden soll, umkehren. Denn momentan komprimiert die Sony trotz Rohdatenformat verlustbehaftet. So oder so braucht die Kamera nach Ende der Aufnahmeserie eine längere Schreibpause, bis die Datenmengen auf der Speicherkarte gelandet sind. Vorher kann man sich die Bilder nicht anschauen. In der Wiedergabe gibt es übrigens keine Bearbeitungsmöglichkeiten. Nur eine Bildvergrößerung sowie das Anzeigen überbelichteter Bildpartien ist möglich.

Dank eingebautem WLAN können Bilder direkt an Smartphones oder Tablets mit iOS oder Android gesendet werden. Durch den verbauten NFC-Chip kann die Verbindung mit Android-Geräten besonders einfach hergestellt werden. Die passende App von Sony erlaubt auch die Fernsteuerung der Kamera inklusive Livebildübertragung. Für professionelle Aufnahmen ist allerdings eher die USB-Fernsteuermöglichkeit vom Computer aus gedacht. Apropos Apps: Auch die Kamera selbst kann mittels Apps erweitert werden, auch wenn teilweise der Eindruck entsteht, dass man hier für Funktionen extra zahlen muss, die andere Kamerahersteller bereits im Standardmenü bieten. Einige der Apps von Sony sind jedoch auch kostenlos. Wer Spezialfunktionen in der Kamera vermisst, sollte also unbedingt einen Blick auf die Apps werfen.

Bildqualität

Sony will bei der Alpha 7R II durch den neuen, rückwärtig belichteten Vollformat-CMOS-Sensor der Spagat gelingen, hohe Auflösung mit einem geringen Rauschen auch bei höheren ISO-Empfindlichkeiten zu kombinieren. Ob dies der Alpha 7R II gelingt, musste sie nicht nur in der Praxis, sondern auch im digitalkamera.de-Testlabor unter Beweis stellen. Der vollständige Labortest, auf dem die folgenden Betrachtungen beruhen, kann gegen ein kleines Entgelt eingesehen werden. Er beinhaltet verständliche Diagramme mit den Messwerten und entsprechende Erklärungen zu deren Interpretation. Mit dem Kauf wird übrigens auch die Redaktion bei ihrer Arbeit unterstützt und etwas unabhängiger von den Werbeeinnahmen.

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  • Bild 42 Megapixel löst der Kleinbildsensor der Sony Alpha 7R II auf. Im ursprünglich für APS-C-Sensoren designten Bajonett wirkt er riesig. [Foto: MediaNord]

    42 Megapixel löst der Kleinbildsensor der Sony Alpha 7R II auf. Im ursprünglich für APS-C-Sensoren designten Bajonett wirkt er riesig. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Stativgewinde sitzt bei der Sony Alpha 7R II weit genug vom Akkufach entfernt und befindet sich selbstverständlich in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde sitzt bei der Sony Alpha 7R II weit genug vom Akkufach entfernt und befindet sich selbstverständlich in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die SD-Speicherkarte oder wahlweise der MemoryStick wird bei der Sony Alpha 7R II seitlich entnommen. [Foto: MediaNord]

    Die SD-Speicherkarte oder wahlweise der MemoryStick wird bei der Sony Alpha 7R II seitlich entnommen. [Foto: MediaNord]

Da die Sony Alpha 7R II ohne Setobjektiv verkauft wird, kam im Testlabor die Festbrennweite FE 1,8 55 mm ZA mit Zeiss-Label zum Einsatz, das bisher zweitbeste Sony-Objektiv, das wir in unserem Testlabor am Vorgängermodell Alpha 7R messen konnten. Das bisher beste Objektiv, das Sony 90 mm Makro, stand uns hingegen leider nicht zum Test zur Verfügung. Tatsächlich erreicht das 55er an der Alpha 7R II im Zentrum eine noch höhere Auflösung als an der Alpha 7R, auch wenn der Unterschied bei weniger als zehn Prozent liegt. An der 7R II wird bei F4 eine maximale Auflösung von 79,4 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) bei der MTF50-Messung, also bei 50 Prozent Kantenkontrast, erreicht. Die 7R erreichte bei F8 ein Maximum von 73,3 lp/mm mit diesem Objektiv.

Ein ebenfalls interessanter Unterschied: Da die Messung in JPEG erfolgt, spielt die Bildaufbereitung eine wesentliche Rolle, wobei die Alpha 7R und Alpha 7R II eine blendenabhängige Bildaufbereitung verwenden, etwa um Beugungseffekte zu minimieren. Sony spielt dabei keine Ausnahme, bei Fujifilm etwa nennt sich diese Technologie Lens Modulation Optimizer, kurz LMO. Bei der Alpha 7R führte dies zu einer bei F5,6 im Vergleich zu F4 steigenden Auflösung, während bei F4 im Vergleich zu F2,8 die Auflösung sank. Dieser "Knick" in der Auflösungskurve tritt bei der Alpha 7R II nicht mehr auf. Hier steigert sich die Auflösung im Bildzentrum bis F4 und beginnt beim weiteren Schließen der Blende dann zu fallen, bis F16 sanft, darüber stärker. Am Bildrand hingegen steigert sich die Auflösung sogar bis F11, wo sie ein Maximum von 66,1 lp/mm erreicht. Bei Offenblende hingegen ist das 55er an der Alpha 7R II am Bildrand sehr enttäuschend, 32,8 lp/mm sind gerade einmal knapp die Hälfte der 65,9 lp/mm im Bildzentrum. Der Auflösungsvorteil des 42-Megapixel-Sensors gegenüber dem 36-Megapixel-Sensor ist also marginal, ein gutes Objektiv gibt hier den größeren Ausschlag als die Kamera. Und obwohl Sony ein komplett neues Objektivsystem aufbaut, gibt es kaum Objektive, die den Sensor wirklich ausreizen. Wer gerne Landschaften fotografiert, sollte übrigens einen Blick auf das Zeiss Batis 2/25 mm werfen, das beispielsweise eine deutlich bessere Randauflösung als das hier zum Test verwendete Sony-Objektiv liefert (siehe Objektivtest in den weiterführenden Links).

Das soll nicht heißen, dass das 55er Zeiss F1,8 ein schlechtes Objektiv wäre: Es ist an der Alpha 7R II verzeichnungsfrei, auch chromatische Aberrationen sind minimal, selbst das Maximum erreicht nur etwa einen Pixel. Die Randabdunklung liegt mit 0,4 bis 0,8 EV (23 bis 44 Prozent) auf einem niedrigen Niveau. Dabei sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass die Alpha 7R II alle diese optischen Fehler defaultmäßig in JPEG korrigiert.

Im Testlabor stellte sich ein weiterer interessanter Effekt heraus: Bei der Messung von Dynamik, Rauschen und Tonwerten ist immer exakt dieselbe Belichtung vonnöten. Im Vergleich zur Alpha 7R und Alpha 7 II jedoch musste die Blende des Objektivs an der Alpha 7R II bei gleicher ISO-Empfindlichkeit und Belichtungszeit um 1/3 EV weiter geöffnet werden, um dieselbe Bildhelligkeit zu erreichen. Faktisch ist die ISO-Empfindlichkeit der Alpha 7R II durchweg etwas niedriger als der eingestellte Wert. Dies trifft zwar auch auf die 7R zu, aber bei der 7R II ist dieser Effekt stärker ausgeprägt und sollte beim Low-Light-Vergleich der beiden Kameras nicht außer Acht gelassen werden.

Beim Signal-Rauschabstand legt die Alpha 7R vor: Bis ISO 800 liegt dieser über 40 dB, bis zur höchsten Empfindlichkeit von ISO 25.600 über der kritischen Marke von 35 dB. Damit schlägt sie bei hohen ISO sogar die Alpha 7 II, die bis ISO 1.600 zwar mit über 40 dB die Nase vorne hat, aber nur bis ISO 6.400 über der Marke von 35 dB bleibt. Die Alpha 7R II liegt bis ISO 800 bei über 40 dB und bis ISO 1.600 bei über 35 dB. In dieser Disziplin kann der höher integrierte Sensor also keinen Blumentopf gewinnen. Helligkeitsrauschen wird bei der 7R II ab ISO 3.200 leicht und ab ISO 25.600 stark sichtbar, das Farbrauschen ist jedoch auf niedrigem Niveau. Bei der 7R hingegen treten weder Farb- noch Helligkeitsrauschen dominant in Erscheinung. Die Alpha 7 II zeigt lediglich bei ISO 25.600 etwas stärker sichtbares Helligkeitsrauschen, es ist aber geringer als bei der 7R II bei ISO 25.600.

Entscheidend sind diese Parameter aber nicht alleine, denn mit einer starken Rauschunterdrückung lassen sich Signal-Rauschabstand und Rauschen auf ein sehr gutes Niveau bringen, während die Texturen feiner Details sichtbar darunter leiden können, wenn die Kameras mit dem Rauschen auch diese beseitigen. Die Alpha 7R II liefert bis ISO 3.200 ein verlustfreies Bild, bis ISO 12.800 bleibt der Einfluss der Rauschunterdrückung auf feine Details gering. Bis ISO 12.800 liefert die Alpha 7R II also eine mehr als brauchbare Bildqualität, wie auch die Praxisbilder zeigen, selbst wenn hier der Messwert des Signal-Rauschabstands nicht besonders gut ist. Die Alpha 7R kann mithalten: Bis ISO 3.200 gibt es praktisch keinen Texturverlust, bis ISO 12.800 bleibt dieser gering. Bei der Alpha 7 II liegen die Grenzen hingegen bei ISO 1.600 und 3.200. Dabei sollte als Randnotiz nicht unerwähnt bleiben, dass sich die Texturmessung auf dieselbe Ausgabegröße mit demselben Betrachtungsabstand bezieht. Hier können die hochauflösenden Kleinbildsensoren tatsächlich von ihrer höheren Auflösung profitieren und trotz kleinerer Pixel bei hohen ISO mehr Details bei gleicher Ausgabegröße darstellen.

Zurück zur Alpha 7R II: Die Labormessungen zeigen von ISO 100 bis 6.400 einen sehr hohen Dynamikumfang von über zehn Blendenstufen, von ISO 100 bis 800 sind es sogar fast elf. Bei ISO 50 findet eine Signaldämpfung statt, die nahezu eine Blendenstufe Dynamikumfang kostet. Selbst bis ISO 51.200 bleibt der Dynamikumfang mit über neun Blendenstufen im grünen Bereich. Bei ISO 102.400 sind die Einflüsse der Bildaufbereitung auf die Tonwerte so stark, dass der DxO Analyzer weder Tonwertkurve noch Dynamikumfang berechnen konnte. Apropos Tonwertkurve: Mit Ausnahme der gedämpften ISO 50 mit flacherer Tonwertkurve verläuft diese knackig angesteilt. Schärfeartefakte hingegen bleiben auf niedrigem Niveau, steigen aber durch die eingangs bereits erwähnte blendenabhängige Bildaufbereitung zur Kompensation der Beugungsverluste bis F16 an, wo sie ihr Maximum erreichen, das aber unterhalb von zehn Prozent völlig unkritisch ist.

  • Bild Hinter zwei unscheinbaren, unbeschrifteten Plastikklappen mit Gummischarnier verbergen sich die Schnittstellen der Sony Alpha 7R: Mikrofoneingang, Kopfhörerausgang, USB-Anschluss und Micro-HDMI-Buchse. [Foto: MediaNord]

    Hinter zwei unscheinbaren, unbeschrifteten Plastikklappen mit Gummischarnier verbergen sich die Schnittstellen der Sony Alpha 7R: Mikrofoneingang, Kopfhörerausgang, USB-Anschluss und Micro-HDMI-Buchse. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Lithium-Ionen-Akku reicht bei der Sony Alpha 7R II nur für weniger als 300 Aufnahmen. Konsequenterweise liefert Sony einen zweiten Akku mit. [Foto: MediaNord]

    Der Lithium-Ionen-Akku reicht bei der Sony Alpha 7R II nur für weniger als 300 Aufnahmen. Konsequenterweise liefert Sony einen zweiten Akku mit. [Foto: MediaNord]

Der Ausgangs-Tonwertumfang ist bis ISO 400 sehr gut und erreicht dabei mit 256 von 256 möglichen Abstufungen Höchstniveau. Ab ISO 800 fällt der Ausgangs-Tonwertumfang rapide ab, bleibt bis ISO 1.600 mit über 160 Stufen aber auf gutem Niveau. Kritisch wird es erst über ISO 12.800 mit weniger als 96 Helligkeitsstufen. Die Farbtiefe ist bis ISO 12.800 mit über zwei Millionen Farben gut. Die beiden höchsten ISO-Empfindlichkeiten hingegen unterscheiden weniger als eine Million Farben, was etwas wenig ist. Während der manuelle Weißabgleich erwartungsgemäß exakt arbeitet, weichen einige Farben etwas stärker von der Vorlage ab. Dies betrifft aber im Wesentlichen die zu hohe Farbsättigung von Rot-, Orange-, Magenta- und Violetttönen.

Insgesamt erreicht die Sony Alpha 7R II bis ISO 400 eine Bildqualität auf allerhöchstem Niveau, bis ISO 3.200 ist sie sehr gut und erst oberhalb von ISO 12.800 treten deutliche Verluste auf. Trotz der gesteigerten Auflösung lassen sich also hohe ISO-Empfindlichkeiten bedenkenlos nutzen, auch wenn die ISO-Erweiterung, die Sony bei der 7R II im Vergleich zu den niedriger auflösenden Sensoren freigeschaltet hat, eine ziemlich bescheidene Bildqualität liefert. ISO 12.800 mit einem hohen Bildqualitätsniveau sind jedoch auf jeden Fall eine Ansage! Um hingegen die enorm hohe Auflösung auch nutzen zu können, bedarf es noch mehr als beim 36-Megapixel-Sensor nicht nur sehr guter Objektive, sondern auch einer hohen Präzision des Fotografen bei seinem Handwerk, was Verwackelungen und Fokusgenauigkeit angeht.

Fazit

Die Sony Alpha 7R II ist eine sehr gut ausgestattete, hochwertig verarbeitete, derzeit konkurrenzlose Vollformatkamera, aber von einem perfekten Fotoapparat noch ein gutes Stück entfernt. Bei ihrem sportlichen Preis könnte man etwa einen Staub- und Spritzwasserschutz erwarten. Auch bei der Menüstruktur dürfte Sony gerne noch etwas Hand anlegen und beispielsweise die C1-C4-Knöpfe beschriften und vorbelegen, sodass man werksseitig eine sinnvolle Bedienung mit entsprechend beschrifteten Tasten erhält. Trotz des professionellen Preises hat Sony die Konsumer-Herkunft nicht völlig abgeschüttelt. Die Bildqualität aber ist vor allem im Fotobereich, jedoch auch bei den Videos, über jeden Zweifel erhaben. Die Alpha 7R II liefert bis in durchaus hohe ISO-Regionen eine beachtliche Auflösung, vor allem bis ISO 400 ist die Bildqualität nahezu perfekt. Dabei sollte man aber nicht außer Acht lassen, dass es zur Ausnutzung entsprechender Objektive bedarf und selbst das 55 mm 1.8 am Bildrand erst abgeblendet überzeugen kann.

Hinweis Wir arbeiten aktuell noch an der technischen Umsetzung für die Anzeige unseres neuen Bewertungsschemas, das bei diesem Kameratest erstmals zur Anwendung kam. Daher werden wir die Testnoten demnächst nachreichen.


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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
Hersteller Sony
Modell Alpha 7R II
Sensor CMOS Kleinbild 36,0 x 24,0 mm (Cropfaktor 1,0)
42,4 Megapixel (physikalisch)
43,6 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch 4,5 µm
Auflösung (max.) 7.952 x 5.304 (3:2)
Video (max.) 3.840 x 2.160 30p
Objektiv Sony FE 55 mm 1.8 Sonnar T* ZA (SEL-55F18Z) (Objektiv mit fester Brennweite)
Videosucher EVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 2.359.296 Bildpunkte Auflösung, 0,78-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,78-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 3,0 dpt)
Monitor 3,0" (7,5 cm)
  Auflösung 1.228.800 Bildpunkte
  kippbar ja
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreen
AV-Anschlüsse
Audio Stereo (3,5 mm Klinke (Stereo, 3-polig))
Audio-Eingang (Stereo) (3,5 mm Stereomikrofon-Klinke)
PAL/NTSC-Videoausgang (umschaltbar) (HDMI-Ausgang Micro (Typ D))
Vollautomatik ja
Motivautomatik ja
Motivprogramme 9
Programmautomatik ja
Programmshift ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
Manuell ja
Bulb-Langzeitbelichtung ja
HDR-Funktion ja
Panoramafunktion ja, Schwenkpanorama
Belichtungsmessung Matrix/Mehrfeld-Messung (1.200 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit 1/8.000 s
Blitz
  Synchronzeit 1/250 s
  Blitzanschluss Standard Mittenkontakt, Sony Multi Interface Blitzschuh
WLAN ja
NFC ja
GPS
Fernauslöser ja, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme
Speichermedium
Memory Stick (Duo, Duo Pro)
SD (SDHC, SDXC, UHS I)
Empfindlichkeit
  automatisch ISO 100-25.600
  manuell ISO 50-102.400
Weißabgleich
  automatisch ja
  manuelle Messung ja
  manuelle Farbtemp. ja
  Feinkorrektur ja
Autofokus ja
  Anzahl Messfelder 399 Kreuzsensoren
25 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit 0,45 s
  AF-Hilfslicht LED
Abmessungen 127 x 96 x 60 mm
Gewicht (betriebsbereit) 625 g (nur Gehäuse)
905 g (mit Objektiv)
Stativgewinde in optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellung manuell am Objektiv
Akkulaufzeit 290 (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Sehr hohe Auflösung
  • Selbst bei hohen ISO-Empfindlichkeiten noch gute Bildqualität
  • Sehr gute Videoqualität mit vielen Einstellmöglichkeiten
  • Gut funktionierender Sensor-Shift-Bildstabilisator
  • Hoch auflösender, großer elektronischer Sucher
  • Schwammiger erster Druckpunkt des Auslösers
  • Nur sehr wenige Objektive reizen die Auflösung überhaupt aus
  • Mit 3.500 Euro ziemlich hoher Preis

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 40, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.