Lichtstarkes Ultraweitwinkel-Zoom

Testbericht: Sony FE 16-35 mm 2.8 GM (SEL1635GM)

2017-12-01 Mit dem zur hochwertigen G-Master-Serie gehörenden FE 16-35 mm 2.8 GM (SEL1635GM) will Sony eine hohe Bildqualität mit großem Bildwinkel und hoher Lichtstärke kombinieren. Das Ganze hat mit über 2.500 Euro allerdings auch einen stolzen Preis, das FE 16-35 F4 Vario-Tessar ZA OSS (SEL-1635Z) kostet weniger als die Hälfte, bietet trotzdem ein Zeiss-Label, ist jedoch eine Blende lichtschwächer. Was das Sony FE 16-35 mm 2.8 GM zu leisten vermag und ob sich der Kauf lohnt, zeigt unser Test.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Das Sony FE 16-35 mm 2.8 GM (SEL1635GM) besitzt ein robustes Metallgehäuse, das gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet ist. [Foto: Sony]

    Das Sony FE 16-35 mm 2.8 GM (SEL1635GM) besitzt ein robustes Metallgehäuse, das gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet ist. [Foto: Sony]

Über zwölf Zentimeter misst das Sony FE 16-35 mm 2.8 GM bei einem Durchmesser von knapp neun Zentimetern in der Länge und drückt dabei fast 700 Gramm auf die Waage. Zusammen mit der Testkamera, einer Alpha 7R II, zerren gut 1,3 Kilogramm am Kameragurt. Es ist zwei Zentimeter länger, einen Zentimeter dicker, 160 Gramm schwerer und mehr als doppelt so teuer wie das FE 16-35 F4 Vario-Tessar ZA OSS (SEL-1635Z). Für ein lichtstarkes Ultraweitwinkelzoom an einer Vollformatkamera muss der Fotograf also auch im spiegellosen Segment mächtig buckeln – und das gleich in doppelter Hinsicht: Nicht nur beim Tragen, sondern auch beim Arbeiten, um sich diese über 5.500 Euro teure Kombi leisten zu können. Dafür gibt es ein absolut hochwertig verarbeitetes Objektiv. Das Gehäuse besteht inklusive Bajonett und des 82 Millimeter messenden Filtergewindes (noch ein Preistreiber, große Filter sind teuer) aus Metall.

Sowohl der Zoom-, als auch der Fokusring sind mit einem griffig geriffelten Gummi überzogen. Des Weiteren findet sich am Bajonett ein Gummiring, der die Verbindung von Objektiv und Kamera gegen das Eindringen von Staub und Spritzwasser abdichten soll. Auch das Objektiv ist an den entsprechenden neuralgischen Punkten mit Dichtungen versehen. Dennoch gibt sich Sony vorsichtig in der Formulierung: Das Objektiv sei zwar feuchtigkeits- und staubabweisend, jedoch nicht gänzlich dicht. Man will sich wohl gegen Regressforderungen schützen. Zum Lieferumfang gehört übrigens neben der tulpenförmigen Streulichtblende auch eine schöne Objektivtasche, die sich dank Schlaufe am Gürtel befestigen oder mittels des Schultergurts umhängen lässt. Ob tatsächlich Fotografen mit diversen Kamera- und Objektivtaschen behangen wie ein Weihnachtsbaum herumlaufen, entzieht sich derweil unserer Kenntnis.

Ausstattung und Ergonomie

Das Objektiv ist im Bajonettbereich relativ schlank, sodass die Finger nicht zwischen Objektiv und Bajonett eingeklemmt werden. In zwei Stufen wächst der Durchmesser bis zum gut zwei Zentimeter breiten Zoomring an, der sehr geschmeidig läuft. Er besitzt Markierungen bei 16, 20, 24, 28 und 35 Millimetern Brennweite. Beim Zoomen von 35 auf 16 Millimeter fährt der Objektivtubus um etwa 1,5 Zentimeter heraus – auch dieser besteht aus Metall! Der 1,5 Zentimeter breite Fokusring sitzt ganz vorne und arbeitet rein elektronisch. Die Stellbefehle werden äußerst feinfühlig an den präzisen wie lautlosen Fokusmotor weitergegeben, sodass sich mit den Einstellhilfen der Kamera sauber fokussieren lässt. Aber auch der Autofokus weiß zu überzeugen.

  • Bild An der Alpha 7R II liefert das Sony FE 16-35 mm 2.8 GM eine sehr gute, wenn auch nicht makellose Bildqualität ab. Die Auflösung ist hoch, am Bildrand aber nur abgeblendet und die starke, teilweise wellenförmige Verzeichnung ist auch nicht zu übersehen. [Foto: MediaNord]

    An der Alpha 7R II liefert das Sony FE 16-35 mm 2.8 GM eine sehr gute, wenn auch nicht makellose Bildqualität ab. Die Auflösung ist hoch, am Bildrand aber nur abgeblendet und die starke, teilweise wellenförmige Verzeichnung ist auch nicht zu übersehen. [Foto: MediaNord]

Das etwas komische Geräusch, das man in sehr ruhigen Umgebungen beim Fokussieren vernimmt, stammt übrigens von der Blende. Sie besitzt stolze elf Lamellen und ist immer auf den Wert geschlossen, den man an der Kamera eingestellt hat. Zum Fokussieren wird jedoch kurz die Blende geöffnet und anschließend wieder geschlossen, was zu den Geräuschen führt. Das hat übrigens gleich zwei Vorteile: Zum einen wird mit Offenblende und damit präziser fokussiert, zum anderen steht mehr Licht zur Fokussierung zur Verfügung. Beides beschleunigt die automatische Fokussierung.

Die Umschaltung zwischen manuellem und automatischem Autofokus erfolgt ganz einfach über den Schiebeschalter an der Objektivseite, der hinter dem Zoomring zu finden ist und sich somit sehr gut erreichten lässt. Des Weiteren befindet sich, ebenfalls an der linken Seite, eine Taste zwischen Zoom- und Fokusring. Diese ist standardmäßig mit der Fokus-Stop-Funktion belegt, lässt sich aber problemlos über das Kameramenü auf eine beliebige andere Funktion umprogrammieren.

Bildqualität

Die elflamellige Blende sorgt für eine nahezu kreisrunde und sehr gleichmäßige Öffnung, was für runde Unschärfescheibchen im Bokeh führt. Insgesamt macht das Bokeh einen sehr schönen Eindruck, jedoch sind die Unschärfekreise bei einzelnen Spitzlichtern recht scharf abgegrenzt, sodass manchmal ein leicht unruhiges Bokeh entsteht. In Gegenlichtsituationen reagiert das Objektiv je nach Situation nicht immer ganz souverän. Zwar sind die Kontraste hoch, jedoch zeigen sich mitunter leichte Blendenreflexe im Bildfeld. Am vielleicht störendsten fällt jedoch die Verzeichnung auf, die bei allen Brennweiten deutlich sichtbar ist. Insbesondere bei 24 Millimetern stellt sich eine wellenförmige Verzeichnung ein (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). So entsteht vom Bildzentrum zum Bildrand hin erst eine Tonnen- und dann eine Kissenform. Sowohl bei kurzer als auch bei "langer" Brennweite stellt sich eine zweiprozentige Verzeichnung ein, bei 16 mm tonnenförmig, bei 35 mm kissenförmig. Letzteres fällt deutlicher ins Auge, weil eine solche Verzeichnung unnatürlicher wirkt.

  • Bild Mit über zwölf Zentimetern Länge und knapp neun Zentimetern Durchmesser ist das Sony FE 16-35 mm 2.8 GM deutlich größer als die Alpha 7R II. Die Kombi drückt stolze 1,3 Kilogramm auf die Waage. [Foto: MediaNord]

    Mit über zwölf Zentimetern Länge und knapp neun Zentimetern Durchmesser ist das Sony FE 16-35 mm 2.8 GM deutlich größer als die Alpha 7R II. Die Kombi drückt stolze 1,3 Kilogramm auf die Waage. [Foto: MediaNord]

Bei anderen Labormesswerten kann das Sony FE 16-35 mm 2.8 GM an der Alpha 7R II mehr überzeugen. So bleibt die Randabdunklung stets unter einer Blendenstufe und zeigt einen sehr sanften Verlauf, ein guter Wert für ein so weitwinkliges Objektiv. Auch chromatische Aberrationen spielen kaum eine Rolle, selbst im Maximum erreichen sie gerade einmal einen Pixel Breite, was angesichts der hohen Auflösung von 42 Megapixeln wenig ist.

Im Bildzentrum zeigt das FE 16-35 mm 2.8 GM bereits ab Offenblende eine hohe Auflösung – und zwar bei allen drei gemessenen Brennweiten. Bei 16 Millimetern sind es gut 70 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) bei 50 Prozent Kontrast, bei mittlerer und langer Brennweite sogar bis zu gut 80 lp/mm. Der Bildrand ist überraschenderweise bei Offenblende bei 16 Millimetern am höchstauflösendsten, hier werden deutlich über 50 lp/mm erreicht. Blendet man etwas ab, sind auch über 60 lp/mm kein Problem. Halb oder voll gezoomt schwächeln die Bildränder etwas bei Offenblende, sie erreichen nur gut 40 lp/mm, was ein etwas hoher Randabfall von gut 40 Prozent ist. Bereits ab F4 sind es jedoch über 50 lp/mm und beim weiteren Abblenden nähern sich die Randauflösungswerte denen bei kurzer Brennweite an. Im empfehlenswerten Blendenbereich bis F11 sinkt die Randauflösung jedoch nie unter rund 15 Prozent, das liegt einfach in der Natur der Sache bei Ultraweitwinkelzooms. Jenseits von F8 fällt die Auflösung im Bildzentrum wieder, jenseits von F11 stärker. Die Randauflösung bleibt jedoch noch etwas darüber hinaus auf konstantem Niveau, bei F16 fällt nur bei 16 Millimetern die Randauflösung bereits deutlich. Wer also Landschaftsaufnahmen anfertigen möchte, kann ruhigen Gewissens auf F11, teilweise sogar auf F16 abblenden, wenn die Schärfentiefe maximiert werden soll.

Fazit

Das Sony FE 16-35 mm 2.8 GM ist ein Weitwinkelzoom auf höchstem Niveau. Die Verarbeitung ist exzellent und die optische Qualität sehr gut, auch wenn sie nicht perfekt ist. Bei so extremen Brennweiten und hohen Lichtstärken gibt es immer das eine oder andere Manko, wie etwa hier die Verzeichnung oder die nicht ganz so hohe Randauflösung bei etwas gezoomter Brennweite und Offenblende. Ein weiteres Manko ist natürlich der hohe Preis, auch das Gewicht und die Größe sind im Vergleich zum weniger als halb so teuren FE 16-35 F4 Vario-Tessar ZA OSS nicht zu verachten. Dafür sind jedoch Verarbeitung, Lichtstärke und Bildqualität beim Sony FE 16-35 mm 2.8 GM (SEL1635GM) auf einem nochmals höheren Niveau.

Sony FE 16-35 mm 2.8 GM (SEL1635GM) mit Sony Alpha 7R II

Verzeichnung

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Sony
Modell FE 16-35 mm 2.8 GM (SEL1635GM)
Preis (UVP) 2.699,00 EUR
Bajonett
Sony E
Brennweitenbereich 16-35 mm
Lichtstärke (größte Blende) F2,8 (durchgängig)
Kleinste Blendenöffnung F22
Linsensystem 16 Linsen in 13 Gruppen
inkl. ED und asphärische Linsen
KB-Vollformat ja
Anzahl Blendenlamellen 11
Naheinstellgrenze 280 mm
Bildstabilisator vorhanden nein
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz ja
Filtergewinde 82 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 89 x 122 mm
Objektivgewicht 680 g

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 39, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

Kurzbewertung

  • Hohe Auflösung, etwas abgeblendet auch am Bildrand
  • Robuste Konstruktion (Metallgehäuse mit Spritzwasserschutz)
  • Streulichtblende und Tasche im Lieferumfang
  • Hohe Lichtstärke kombiniert mit großem Bildwinkel
  • Schneller und leiser Autofokus
  • Starke, teilweise wellenförmige Verzeichnung
  • Sehr groß, schwer und teuer
  • Blendenschließung mit etwas merkwürdiger Geräuschkulisse