Lichtstarkes Normalobjektiv

Testbericht: Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm ASPH.

2018-02-20, aktualisiert 2018-03-07 Mit der inzwischen dritten Kamerageneration, zwei APS-C-Modellen und einer Vollformatkamera nimmt das ursprünglich als "T" gestartete spiegellose Kamerasystem von Leica so langsam Fahrt auf. Mit dem Summilux-TL 1:1,4/35 mm ASPH. bietet Leica eine lichtstarke Normalbrennweite für die APS-C-Kameras T, TL, TL2 und CL an, die wir nun an letztgenannter, recht neuer Kamera ausgiebig testen konnten.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Beim F1,4 lichtstarken Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm ASPH handelt es sich nicht etwa um ein Weitwinkel, sondern um ein Normalobjektiv für APS-C-Kameras mit ca. 53 mm kleinbildäquivalenter Brennweite. [Foto: Leica]

    Beim F1,4 lichtstarken Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm ASPH handelt es sich nicht etwa um ein Weitwinkel, sondern um ein Normalobjektiv für APS-C-Kameras mit ca. 53 mm kleinbildäquivalenter Brennweite. [Foto: Leica]

50mm-Objektive sind der Klassiker schlechthin und waren im DSLR-Sektor selbst mit F1,4 Lichtstärke verhältnismäßig kompakt. An einer spiegellosen APS-C-Kamera muss die Brennweite entsprechend schrumpfen, wobei Leica sich für 35 Millimeter entschieden hat, was knapp 53 Millimetern im Kleinbildäquivalent entspricht. Aufgrund des geringen Auflagemaßes sollte sich das kompakt konstruieren lassen. Doch das schien beim Summilux-TL 1:1,4/35 mm ASPH. nicht auf der Prioritätenliste zu stehen: Mit 425 Gramm übertrifft es das Gewicht der Kamera sogar leicht. Mit einem Durchmesser von sieben und einer Länge von fast acht Zentimetern ist es für ein spiegelloses APS-C-Objektiv schon ein echter Brummer.

Dafür bekommt man für die über 2.000 Euro, die Leica für das Objektiv verlangt, auch einiges an Gegenwert. Nicht nur in Form von Gewicht, sondern auch Verarbeitungsqualität. Das Gehäuse besteht komplett aus Metall und wirkt äußerst solide. Nur zwischen Metallhülle und den Glaslinsen kommt Kunststoff zum Einsatz. Über einen Spritzwasser- und Staubschutz verfügt das Objektiv hingegen leider nicht. Bei der Streulichtblende jedoch rächt sich der Einsatz von Kunststoff. Diese besteht außen aus Metall, in das die Kunststofffassung mit Bajonettaufnahme eingeklebt ist. Unsere Streulichtblende bestand jedoch aus zwei Teilen, was offensichtlich nicht so sein sollte. Da dies auch beim Leica APO-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm der Fall war, wo dieselbe Streulichtblende zum Einsatz kommt, mögen wir nicht mehr an einen Einzelfall glauben. So ein Testobjektiv für Journalisten geht zwar durch viele Hände und wird häufig verschickt, solche Defekte hatten wir jedoch äußerst selten, selbst bei billigsten Objektiven.

Bedienung und Praxis

Viele Bedienelemente hat das Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm ASPH. nicht zu bieten. Es besitzt keinen optischen Bildstabilisator und als Festbrennweite auch kein Zoom. Selbst die Umschaltung vom Autofokus auf manuellen Fokus und zurück erfolgt ausschließlich über die Kamera. So bleibt besonders viel Platz für das einzige Bedienelement: den Fokusring. Dieser misst satte vier Zentimeter in der Breite, wobei drei davon griffig geriffelt sind. Er läuft angenehm stramm und bietet damit einen wunderbaren Widerstand zum manuellen Fokussieren. Dabei arbeitet der Fokusring rein elektronisch, gibt also nur Stellbefehle an den unhörbaren Fokusmotor weiter. Dies funktioniert jedoch hervorragend und vor allem äußerst feinfühlig, sodass man präzise manuell fokussieren kann. Die Lupen- sowie die Peaking-Funktion der Kamera zur farbigen Hervorhebung scharfer Kontrastkanten helfen dabei. Der Autofokus geht, sofern aktiviert, flott und ebenfalls präzise zur Sache.

  • Bild So richtig will das silber-matte Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm Asph. nicht an die schwarze TL passen, zumindest vom optisch-ästhetischen Eindruck. Zum Glück gibt es das Objektiv auch in passendem Schwarz. [Foto: MediaNord]

    So richtig will das silber-matte Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm Asph. nicht an die schwarze TL passen, zumindest vom optisch-ästhetischen Eindruck. Zum Glück gibt es das Objektiv auch in passendem Schwarz. [Foto: MediaNord]

Die optische Konstruktion des Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm ASPH. besteht aus zwölf Linsen, die in acht Gruppen angeordnet sind. Asphärische Linsen sollen dabei optische Fehler korrigieren. Die Blende wird aus neun Lamellen gebildet, elektronisch gesteuert und weist eine nahezu kreisrunde Form auf. Das Bokeh, das dieses Objektiv erzeugt, ist wirklich wunderbar. Selbst Spitzlichter im Hintergrund verlaufen sehr weich. Bisweilen wirken die Bilder sogar regelrecht dreidimensional. Gegenlicht bringt das Objektiv auch nicht so schnell aus dem Tritt, die Kontraste bleiben auch dann sehr hoch. Jedoch kann es je nach Lichtquelle zu leichten Blendenreflexen kommen.

Bildqualität

Im Testlabor zeigt sich an der Leica CL die gute optische Korrektur. Farbsäume bleiben im Mittel äußerst gering und erreichen selbst im Maximum in den Bildecken gerade einmal einen Pixel Breite. Die Verzeichnung hingegen hat einen etwas merkwürdigen Verlauf. Bis 60 Prozent Abstand vom Bildzentrum ist das Objektiv praktisch verzeichnungsfrei. Dann bildet sich eine leicht kissenförmige Verzeichnung von bis zu 0,5 Prozent aus, die bei etwa 90 Prozent radialem Abstand ihr Maximum erreicht und dann in den Bildecken wieder leicht abfällt. Man könnte die Verzeichnung als ganz leicht wellenförmig bezeichnen, wobei dies Kritik auf höchstem Niveau ist, denn insgesamt verzeichnet das Objektiv nur gering. An der Randabdunklung gibt es nicht wirklich etwas auszusetzen. Selbst bei Offenblende beträgt diese gerade einmal 0,6 Blendenstufen, was aufgrund des gleichmäßig sanften Verlaufs kaum ins Auge fällt. Bereits beim Abblenden um eine Stufe halbiert sich die Randabdunklung auf nur noch 0,3 Blendenstufen, was absolut minimales Niveau ist.

  • Bild Wenn Lichtstärke gefragt ist, geht es in der Regel auch bei spiegellosen Kamerasystemen nicht mehr besonders kompakt zu. Das Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm Asph. stellt davon leider keine Ausnahme dar. [Foto: MediaNord]

    Wenn Lichtstärke gefragt ist, geht es in der Regel auch bei spiegellosen Kamerasystemen nicht mehr besonders kompakt zu. Das Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm Asph. stellt davon leider keine Ausnahme dar. [Foto: MediaNord]

Die Auflösung bei 50 Prozent Kontrast erreicht in der Bildmitte ein Maximum von knapp 51 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) im Kleinbildäquivalent, was für einen 24 Megapixel auflösenden Bildsensor nicht gerade ein überragender Wert ist. Das mag zu einem guten Teil aber auch der zurückhaltenden, konservativen Bildaufbereitung geschuldet sein, die uns bei einer Leica nicht wirklich überrascht. Allerdings muss zum Erreichen dieser Auflösung um zwei Stufen auf F2,8 abgeblendet werden. Bei Offenblende ist das Objektiv mit 42 lp/mm etwas weicher. Jenseits von F2,8 beginnt die Auflösung bereits wieder beugungsbedingt zu sinken. Bei F8 wird die Marke von 40 lp/mm erreicht und beim weiteren Abblenden unterschritten.

  • Bild Die mitgelieferte Streulichtblende des Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm ist dieselbe wie beim APO-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm. Bei beiden unserer Exemplare war der innen verklebte Kunststoffteil mit dem Bajonett aus der äußeren Metallblende herausgebrochen. [Foto: Leica]

    Die mitgelieferte Streulichtblende des Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm ist dieselbe wie beim APO-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60 mm. Bei beiden unserer Exemplare war der innen verklebte Kunststoffteil mit dem Bajonett aus der äußeren Metallblende herausgebrochen. [Foto: Leica]

Man sollte meinen, ein so groß konstruiertes Objektiv würde über eine hohe Randauflösung verfügen, aber beim Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm ASPH. irrt man sich diesbezüglich. Die Randauflösung erreicht maximal knapp 30 lp/mm und liegt etwa auf einem Niveau von 60 Prozent der Auflösung im Bildzentrum. Hier bekleckert Leica sich wirklich nicht mit Ruhm. Ob das so beabsichtigt ist, um einen "Leica-Look" herzustellen, sei einmal dahingestellt.

Fazit

Um über 2.000 Euro für eine lichtstarke Normal-Festbrennweite auf den Tisch zu legen, muss man vielleicht schon ein großer Leica-Fan sein. Zwar ist die Verarbeitung des Objektivs selbst dem Preis absolut angemessen, nur muss man sich schon fragen, warum es nicht für einen Spritzwasser- und Staubschutz und eine robustere Streulichtblende gereicht hat. Die Fokussierung hingegen geht wunderbar von der Hand, sowohl automatisch, als auch manuell. Optisch hinterlässt das Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm ASPH. auch ein leichtes Geschmäckle. Der subjektive Bildeindruck mit dem sahnigen Bokeh ist wunderschön, zudem bewegen sich die optischen Fehler auf einem niedrigen Niveau. Höchsten Auflösungsansprüchen wird das Objektiv hingegen, vor allem am Bildrand, absolut nicht gerecht.

Leica Summilux-TL 1:1,4/35 mm Asph. mit Leica CL

Verzeichnung

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Leica
Modell Summilux-TL 1:1,4/35 mm Asph.
Preis (UVP) 2.150,00 EUR
Bajonettanschluss Leica L
Brennweite 35,0 mm
Lichtstärke (größte Blende) F1,4
Kleinste Blendenöffnung F16
KB-Vollformat nein
Linsensystem 12 Linsen in 8 Gruppen
inkl. asphärische Linse(n)
Anzahl Blendenlamellen 9
Naheinstellgrenze 400 mm
Bildstabilisator vorhanden nein
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz nein
Filtergewinde E60 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 70 x 77 mm
Objektivgewicht 428 g

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Objektiv-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Kurzbewertung

  • Hochwertige Verarbeitung
  • Schneller Autofokus
  • Wunderschönes Bokeh
  • Gute manuelle Fokussierbarkeit
  • Kein Spritzwasser- und Staubschutz
  • Randauflösung lässt zu wünschen übrig
  • Hoher Preis

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.