Leistungsfähige APS-C-DSLR für anspruchsvolle Amateure

Testbericht: Nikon D7500

Seite 2 von 2, vom 2017-08-02 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Der Kontrast-Autofokus ist mit einem AF-S-Objektiv mit 0,8-1,3 Sekunden recht langsam, auch die Auslöseverzögerung ist bei aktiviertem Live-View mit 0,11 Sekunden doppelt so langsam wie bei Verwendung des Spiegelreflexsuchers. Hier sinkt die Auslöseverzögerung auf für DSLR-Verhältnisse flotte 0,05 Sekunden. Auch die Auslöseverzögerung inklusive Autofokus ist mit 0,2 bis 0,36 Sekunden schnell. Der Autofokus arbeitet mit 51 Sensoren, von denen 15 hochwertige Kreuzsensoren sind. Der mittlere Sensor kann sogar mit einer Objektiv-Anfangslichtstärke von F8 noch fokussieren. Dank der Messfeldgruppensteuerung, die neu in der 7000er-Serie ist, können bewegte Motive noch besser vom Autofokus verfolgt werden. Der neue Belichtungsmesssensor trägt mit seinen 180.000 Bildpunkten einen guten Teil dazu bei, da der Sensor nicht nur die Helligkeit und Farben erfassen kann, sondern auch, wohin sich das Motiv bewegt. Neu ist zudem die äußerst nützliche lichterbetonte Messung. Auf Bildern mit wenig hellen Partien, die zudem nicht in der Bildmitte liegen, verhindert diese Art der Belichtungsmessung ein Ausfressen der Lichter. Das ist beispielsweise bei der Bühnenfotografie sehr praktisch.

Dank des leistungsfähigeren Serienbildmodus taugt die D7500 nun viel besser für Sportfotografie als ihre Vorgängermodelle. Die Serienbildrate ist nicht nur von sechs auf acht Bilder pro Sekunde gestiegen, sondern der Puffer ist auch deutlich größer. Nach wie vor begrenzt Nikon die maximale Anzahl der Serienbilder unnötig, bei der D7500 auf 100 Aufnahmen. In JPEG zieht die Kamera das problemlos mit voller Serienbildrate durch. In 14 Bit Raw sind immerhin 53 Bilder am Stück möglich, das eine deutliche Steigerung zu den 14 Bildern der D7200 darstellt. Nach Erreichen der 53 Bilder sinkt die Serienbildrate auf 3,4 Bilder pro Sekunde, was einer Schreibrate auf die SD-Speicherkarte von gut 80 Megabyte pro Sekunde entspricht. Langsamer sollte die UHS-I-Speicherkarte also nicht sein, um die Kamera nicht unnötig auszubremsen. Der UHS-I-Standard erreicht theoretisch maximal 104 Megabyte pro Sekunde, wird also fast vollständig ausgenutzt. Mit UHS-II, das von der D7500 leider nicht unterstützt wird, währen freilich noch deutlich höhere Schreibraten von an die 300 Megabyte pro Sekunde möglich. Selbstverständlich lässt sich die Kamera während des Speicherns vollständig bedienen.

Die Nikon D7500 verfügt über ein integriertes Blitzgerät mit einer ordentlichen Leitzahl von 12. Dabei lässt der Blitz keinerlei Funktionen vermissen und poppt in den Motivprogrammen und der Vollautomatik sogar bei Bedarf automatisch auf. Zur Reduzierung von roten Augen wird eine weiße LED verwendet, die auch als Autofokus-Hilfslicht fungiert. Die D7500 kann am Ende der Belichtung blitzen, besitzt eine Langzeit-Synchronisation sowie eine Blitzbelichtungskorrektur, sogar bei Belichtungsreihen kann das Verhalten der Blitzbelichtung eingestellt werden. Die kürzeste Blitzsynchronzeit liegt bei 1/320 Sekunde, wobei jedoch nur bis 1/250 Sekunde die volle Blitzleistung zur Verfügung steht. Ohne Blitz erreicht der Verschluss übrigens bis zu 1/8.000 Sekunde kurze Belichtungszeiten. Einen elektronischen Verschluss gibt es zwar nicht, aber ein elektronischer erster Verschlussvorhang zu Reduzierung von Erschütterungen lässt sich unabhängig von der bis zu drei Sekunden langen Spiegelvorauslösung aktivieren. Doch zurück zum Blitz. Wer möchte, regelt dessen Leistung in 22 Stufen manuell, dann entfällt auch der TTL-Messvorblitz. Des Weiteren kann der integrierte Blitz drahtlos Systemblitzgeräte steuern, die Einstellungen erfolgen bequem über das Kameramenü. Auf vier Kanälen können bis zu drei Gruppen, davon zwei externe sowie der integrierte Blitz als dritte "Gruppe" gesteuert werden. Selbstverständlich besitzt die D7500 einen Systemblitzschuh, auf dem sich auch das recht neue Funkblitzsystem von Nikon verwenden lässt.

Die Wiedergabefunktionen der D7500 lassen ebenfalls kaum Wünsche offen. So gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Fotos zu bearbeiten und mit Effekten zu versehen bis hin zur Entwicklung von Raw-Dateien. Bluetooth und WLAN sind ebenfalls eingebaut, wobei Nikon diese Funktionen unter dem Namen "Snapbridge" zusammenfasst. Dank Bluetooth kann energiesparend eine dauerhafte Smartphone-Verbindung aufgebaut werden. Über diese werden die vom Smartphone ermittelten aktuellen Koordinaten an die Kamera übertragen und in den Fotos gespeichert. Es gibt aber auch andere Lösungen zum Geotagging für die D7500, die über die Multifunktionsschnittstelle angeschlossen werden können. Neben den Koordinaten zur Kamera werden aber auch kleine 2-Megapixel-Versionen der Fotos von der Kamera auf das Smartphone übertragen. Für die Übermittlung von Fotos in voller Auflösung muss hingegen WLAN zugeschaltet werden. Dies geschieht zwar automatisch, dauert aber relativ lange. Raw-Fotos werden übrigens nicht übertragen, auch keine JPEG-Versionen davon, die die Kamera ja theoretisch automatisch erstellen könnte. Auch für die Kamerafernbedienung wird automatisch WLAN hinzugeschaltet, was, wie erwähnt, etwas Zeit in Anspruch nimmt. Es gibt zwar eine Livebildübertragung, aber sonst ist die Fernbedienungsfunktion sehr rudimentär, außer dem Selbstauslöser gibt es keine weiteren Einstellungen. Auch eine Fernauslösung ohne Livebildübertragung, quasi mit dem Smartphone als Bluetooth-Funkfernbedienung, ist nicht möglich. Hier besteht noch viel Optimierungspotential seitens Nikon.

Bildqualität

Der 20 Megapixel auflösende APS-C-Sensor der Nikon D7500 verspricht unglaubliche ISO 1.64 Million und mit der gegenüber 24-Megapixel-Modellen leicht reduzierten Auflösung etwas größere Pixel und mithin eine bessere Bildqualität. Um diese genau zu untersuchen, haben wir die D7500 zusammen mit dem hochwertigen Set-Zoom AF-S 16-80 mm 1:2.8-4E ED VR in unserem Labor auf Bildqualität (nur JPEG) getestet. Der gesamte Labortest mit allen Diagrammen und erläuternden Texten kann über die weiterführenden Links gegen eine kleine Gebühr von 1,40 € eingesehen werden. Zudem bieten wir Flatrates ab umgerechnet 2,08 € Monatspreis für den zeitlich beschränkten (kein Abo, also ohne automatische Verlängerung) Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv an, die sich anbietet, um verschiedene Kameras und Objektive miteinander zu vergleichen. Mit einem Kauf werden übrigens auch kostenlose Tests wie dieser hier unterstützt.

Mit dem 16-80 mm erreicht die Nikon D7500 eine gute Auflösung von bis zu 55 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) im Kleinbildäquivalent bei 50 Prozent Kontrast. Diese werden jedoch nur im Weitwinkel auf F4 abgeblendet im Bildzentrum erreicht. Bei Offenblende ist die Auflösung etwas geringer, wohingegen beim weiteren Abblenden die Beugung die Auflösung bereits leicht reduziert. Oberhalb von F11 schlägt die Beugung deutlich stärker zu Buche, so dass man starkes Abblenden vermeiden sollte. Zum Bildrand hin nimmt die Auflösung um bis zu 27 Prozent ab, wobei hier bei F8 und F11 mit jeweils gut 47 lp/mm die höchste Auflösung erreicht wird. Bei diesen Blenden bekommt man zudem eine recht gleichmäßige Auflösung vom Bildzentrum bis zum Bildrand, ideal für Landschafts- und Architekturfotografie. Bei mittlerer Brennweite ist die Auflösung etwas geringer, erreicht aber immer noch sehr gute 51 lp/mm. Auch hier gibt es bei F8 und F11 kaum noch Auflösungsverlust am Bildrand. Insbesondere bei Offenblende ist die Auflösung in Telestellung mit 40 lp/mm deutlich geringer, am Bildrand werden lediglich 30 lp/mm erreicht. Das ist gerade genug für scharfe Fotos in 20 mal 30 Zentimeter Ausgabegröße. Beim Abblenden auf F11 kann die Auflösung auf bis zu 47 lp/mm im Zentrum und 41 lp/mm am Bildrand anziehen.

Die chromatischen Aberrationen des Objektivs sind insgesamt gering, nur im Weitwinkel nahe am Bildrand werden sie mit bis zu zwei Pixeln Ausdehnung leicht sichtbar. Die Verzeichnung ist mit über 3,5 Prozent Tonnenform im Weitwinkel sowie über 1,5 Prozent Kissenform bei mittlerer und über 2 Prozent bei langer Brennweite ebenfalls deutlich sichtbar. Die Randabdunklung fällt nur bei Offenblende mit 1 bis 1,5 Blendenstufen deutlich aus, beim Abblenden nimmt sie stark ab auf unter eine halbe Blendenstufe. Insgesamt liefert das Zoomobjektiv eine gute Bildqualität, die Auflösung ist hoch und die Randabdunklung hält sich in Grenzen.

Der Signal-Rauschabstand bewegt sich bis ISO 200 im guten Bereich von über 40 dB, erreicht jedoch nicht die sehr guten Regionen von über 45 dB. Bis ISO 3.200 bleibt er im akzeptablen Bereich von über 35 dB. Das feinkörnige Rauschen wird erst ab ISO 6.400 in Form von Helligkeitsrauschen leicht sichtbar, schnellt jedoch ab ISO 25.600 kräftig in die Höhe. Vor allem die drei höchsten Empfindlichkeiten von ISO 409.600, 819.200 und 1.638.400 liefern völlig unbrauchbare Bilder ab, so dass diese sich als reine Papiertiger entpuppen. Bei den beiden höchsten Empfindlichkeiten werden die Bilder zudem stark magenta-farbstichig. Ab ISO 51.200 gesellt sich leichtes Farbrauschen zum Helligkeitsrauschen. Die Detailwiedergabe ist insbesondere bei niedrigen Empfindlichkeiten äußerst hoch, was vor allem an der recht kräftigen Nachschärfung liegt, die auch zu leicht sichtbaren Schärfeartefakten führt. Erst oberhalb von ISO 3.200 ist ein tatsächlicher Detailverlust messbar, oberhalb von ISO 6.400 werden die Fotos sichtbar weicher. Vor allem jedoch die ganz hohen Empfindlichkeiten ab ISO 102.400 zeigen kaum noch Details, sondern vor allem verwaschene Fotos, die allenfalls noch für stark verkleinerte Ansichten taugen.

Die Eingangsdynamik bewegt sich bis ISO 6.400 im guten Bereich von mehr als zehn Blendenstufen, bei ISO 100 wird sogar ein Spitzenwert von sehr guten elf Blendenstufen erreicht. Oberhalb von ISO 51.200 bricht der Dynamikumfang deutlich ein. Sind es bei ISO 51.200 noch knapp neun Blendenstufen, sinkt der Wert bereits bei ISO 102.400 auf nur noch knapp über sieben Blendenstufen. Die angesteilte Tonwertkurve sorgt für eine knackige Wiedergabe vor allem von Mittenkontrasten. Der Ausgangs-Tonwertumfang ist bei ISO 50 und 100 nahezu perfekt, die Bilder enthalten fast alle darstellbaren Helligkeitsabstufungen. Bis ISO 1.600 bleibt die Tonwertabstufung mit über 160 von 256 möglichen Helligkeitswerten im guten Bereich, bis ISO 6.400 werden immerhin noch die Hälfte der Stufen ausgenutzt. Auch hier zeigt sich deutlich, wie die Bildqualität bei den ganz hohen Empfindlichkeiten dramatisch einbricht. Ab ISO 204.800 werden weniger als 32 Helligkeitsabstufungen dargestellt. Allein das zeigt schon, wie schlecht die Bilder bei diesen hohen Empfindlichkeiten sind.

Wie schon die D500 zeigt auch die D7500, die eine sehr ähnliche Bildqualität wie ihre große Schwester abliefert, eine relativ schlechte Farbtreue. Die Farben sind vor allem zu stark gesättigt, manche aber auch im Tonwert deutlich verschoben. So ist Cyan viel zu stark blaulastig, was natürlich für ein subjektiv schöneres Himmelblau sorgt. Auch sonst sind die Farben sehr warm und poppig. Wer seine Bilder nicht ohnehin in Raw aufnimmt, sollte sich das genauer anschauen und gegebenenfalls die umfangreichen Möglichkeiten, die die D7500 zur Anpassung bietet, nutzen. Die tatsächliche Farbtiefe jedenfalls ist bis ISO 800 mit über vier Millionen Farbabstufungen sehr gut und bleibt bis ISO 6.400 mit über zwei Millionen Farben gut. Auch hier zeigt sich, was bei hohen Empfindlichkeiten vom Bildinhalt übrigbleibt: Bei ISO 204.800 und höher weniger als 130.000 Farbabstufungen. Die Messwerte werden bei den hohen Empfindlichkeiten teilweise so schlecht, dass wir sie für eine sinnvolle Aufbereitung der Diagramme weglassen mussten. Manches Testchart wurde von der Auswertungssoftware nicht mehr im Rauschen gefunden.

Fazit

Die Nikon D7500 ist eine äußerst umfassend ausgestattete, trotz des Kunststoffgehäuses sehr robuste DSLR mit einer sehr guten Ergonomie und Bedienung. Vor allem ihre Leistungsfähigkeit ist hoch. Nicht nur der Autofokus ist schnell und flexibel (Ausnahme: Im Live-View ist der Autofokus nach wie vor langsam), sondern auch Serienbildrate und Ausdauer hoch. Zudem gelingt der D7500 der Spagat zwischen leistungsfähiger Kamera und Automatikfunktionen, falls sich der Fotograf nicht mit der Technik auseinandersetzen möchte. Mit Bluetooth und WLAN ist die drahtlos-Konnektivität für eine moderne Kamera gut, könnte von Nikon in der Funktionalität hingegen gerne noch deutlich ausgebaut werden. Die eigentlich sehr gute Bildqualität der Nikon D7500, die sich vor allem bis ISO 3.200 zeigt, wird etwas dadurch getrübt, dass sich die ganz hohen Empfindlichkeiten als reine Papiertiger mit völlig unbrauchbarer Bildqualität entpuppen. Mit knapp 1.500 Euro UVP ist die Nikon D7500 zwar nicht gerade billig, aber angesichts der Leistung insgesamt durchaus preiswert, zumal man sie bereits jetzt, kurz nach der Markteinführung, für knapp 1.300 Euro bekommen kann – ohne Objektiv, versteht sich. Das hier getestete Set mit dem 18-80 mm kostet einen knappen Tausender mehr.

Kurzbewertung

  • Robustes (mit Spritzwasser und Staubschutz), gut verarbeitetes und ergonomisches Gehäuse
  • Schnelle und ausdauernde Serienbildfunktion
  • Umfangreiche Ausstattung
  • Sehr gute Bildqualität (bis ISO 3.200)
  • Kein optionaler Multifunktionsgriff erhältlich
  • Ungünstig platzierte Fn1-Taste
  • Suchereinblick für Brillenträger weniger geeignet
  • Höchste ISO-Empfindlichkeiten sind praktisch unbrauchbare Papiertiger

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