Kleinste Kompaktkamera mit Bildsensor in APS-C-Größe

Ricoh GR IIIx im Vergleichstest

2023-03-01 Die Ricoh GR IIIx ist ein edler Handschmeichler und (zusammen mit ihrem Schwestermodell GR III) die zur Zeit kleinste APS-C-Sensor-Kamera auf den Markt. Die lichtstarke Festbrennweite liefert eine hervorragende Bildqualität. Dazu kommen noch die hervorragende Makro-Funktion und moderne Konnektivität. Damit wird die Kamera ein idealer Begleiter für anspruchsvolle Fotografen, die sich auch bei festlichen Anlässen auf eine dezente kleine Kamera verlassen wollen.  (digitalkamera.de Redaktion)

Die Ricoh GR IIIx wurde im September 2021 als Schwestermodell der zu dem Zeitpunkt bereits drei Jahre alten GR III vorgestellt. Dabei sind die Unterschiede gar nicht groß: Die GR IIIx besitzt lediglich ein anderes Objektiv und eine aktuellere Firmware, wobei jedoch auch die GR III heute dank kostenloser Updates auf demselben Funktionsstand ist.

Die GR IIIx besitzt eine F2,8 lichtstarke Festbrennweite mit einem Kleinbildäquivalent von 40 Millimetern (GR III: 28 Millimeter), das sich beim Ausschalten ins Gehäuse zurückzieht. Praktischerweise wird dabei auch gleich die Frontlinse mit einem integrierten Lamellenvorhang schützt. Darüber hinaus besitzt das Objektiv einen für kreative Zwecke einschwenkbaren Neutraldichtefilter, der die Belichtungszeit um zwei Blendenstufen verlängert.

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Um das Objektiv herum befindet sich ein feiner, eher schon zu leicht abnehmbar Ring, unter dem sich ein Bajonett mit elektronischen Kontakten verbirgt. Hier kann der Vorsatztubus GA-2 montiert werden, der wiederum den optionalen 1,5-fachen Telekonverter GT-2 aufnimmt, der die Brennweite auf ein Kleinbildäquivalent von 60 Millimeter verlängert. Dank der Kontakte erkennt die Kamera, dass der GT-2 montiert wurde und passt den Bildstabilisator sowie die EXIF-Daten an. Alternativ kann der GA-2 als Halter für 49mm-Filter verwendet werden.

Der zur optischen Bildstabilisierung beweglich gelagerte APS-C-Sensor ist eines der Ausstattungshighlights der Ricoh GR IIIx. Der Bildstabilisator soll laut Ricoh bis zu vier Belichtungsstufen längere Belichtungszeiten ermöglichen. Im praktischen Test konnten wir diese ebenfalls erreichen und somit 0,4 Sekunden lang ohne sichtbare Verwackelungen freihändig belichten.

Mit einem Gewicht von lediglich 260 Gramm und einer Größe von nur 10,9 x 6,2 x 3,6 Zentimetern ist die GR IIIx die zweitkleinste APS-C-Kamera – nur die GR III ist noch drei Millimeter flacher. Dank des geringen Gewichts, des angenehm gerundeten und rutschfest belederten Handgriffs sowie der kleinen rückseitigen Daumenmulde lässt sich die Kamera erstaunlich bequem fassen und sicher halten.

Der 7,5 Zentimeter große Touchscreen löst 1,04 Millionen Bildpunkte auf. Zwar ist er fest verbaut, bietet dafür aber immerhin einen großen Betrachtungswinkel. Die maximale Leuchtkraft des Displays ist mit über 1.200 Candela pro Quadratmeter hervorragend, womit es sich auch in hellem Sonnenlicht gut ablesen lässt.

Die Touchfunktion ist gut in die Bedienung eingebunden und kann überall, selbst im Menü, verwendet werden. Das ist aber keine Pflicht, alle Funktionen können genauso gut über Tasten gesteuert werden. Die Ricoh GR IIIx bietet weder einen Sucher, noch einen Blitz. Dafür gibt es einen zu Pentax kompatiblen TTL-Systemblitzschuh, auf den der optionale optische Sucher GV-3 geschoben werden kann.

Die Bedienelemente sind ergonomisch sinnvoll angeordnet. Mit dem Daumen erreicht man alle rückseitigen Bedienelemente wie das Steuerkreuz und das umgebende Drehrad sowie die mit einer Druckfunktion ausgestattete Multifunktionswippe. Auf der Oberseite gibt es ein Drehrad vor dem Auslöser und ein gegen versehentliches Verstellen gesichertes Programmwählrad.

Dort sind lediglich die klassischen Belichtungsprogramme von der Programmautomatik über die Halbautomatiken bis zum manuellen Modus zu finden. Zudem gibt es drei Speicherplätze für individuelle Kamerakonfigurationen. Das Menü der Ricoh GR IIIx ist übersichtlich gestaltet. Praktisch ist die Hilfefunktion mit kleinen Zahlen in den Menüs, die auf die Bedienungsanleitung referenzieren.

Eine Motivautomatik oder Motivprogramme bietet die GR IIIx nicht, der "automatischste" Modus ist die Programmautomatik, wenn man sie mit ISO-Automatik und Weißabgleichs-Automatik betreibt. Immerhin gibt es individualisierbare Effekte, um die Bildanmutung zu beeinflussen, etwa Schwarzweiß, Bleach Bypass, Retro und Crossentwicklung.

Die Belichtungsreihenfunktion nimmt maximal drei Aufnahmen im Abstand von maximal fünf Blendenstufen auf, was sich für HDR-Fotos eignet. Zudem stehen zwei Intervallfunktionen zur Verfügung. Die erste nimmt ganz normal alle eine Sekunde bis 60 Minuten Fotos auf. Die zweite ist eine Intervall-Kompositionsbelichtung, die die Aufnahmen so verrechnet, dass nur Helligkeitsänderungen aufgenommen werden. So lassen sich die beliebten Gestirnsbewegungen (Star Trails) oder andere Motive mit sich bewegenden Lichtern ohne viel Aufwand realisieren.

Mit maximal 4,2 Serienbildern pro Sekunde für 169 JPEG- oder 14 DNG-Rohdatenbilder ist die Ricoh GR IIIx hingegen keine Sportskanone. Auch die Videofunktion ist eher rudimentär und ziemlich unspannend für eine Kamera dieses Preissegments. Auf der linken Seite der GR IIIx wird mit einer Modustaste zwischen dem Foto- und Videomodus umschaltet.

Die maximale Videoauflösung beträgt lediglich Full-HD mit 60 Bildern pro Sekunde. Zwar stehen die Farbeffekte des Fotomodus auch im Videomodus zur Verfügung, aber die Belichtung kann nicht halbautomatisch oder manuell eingestellt werden. Auch der Pegel des integrierten Stereomikrofons wird weder angezeigt, noch lässt er sich anpassen. Von der Möglichkeit, ein externes Mikrofon oder einen HDMI-Recorder anzuschließen, kann man nur träumen.

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Der Hybrid-Autofokus der Ricoh GR IIIx arbeitet mit auf dem Bildsensor integrierten Phasen-AF-Sensoren und einer Kontrasterkennung. Die Fokussierung erledigt ein leiser, nicht besonders schneller Schrittmotor, der die Frontlinse innerhalb des Objektivtubus vor und zurück fährt. Inklusive Auslöseverzögerung benötigt er knapp über 0,4 Sekunden, um von unendlich auf zwei Meter zu fokussieren, was nicht sonderlich schnell ist. Die reine Auslöseverzögerung ohne Fokussierung ist mit 0,05 Sekunden hingegen kurz.

Der AF kann sich automatisch sein Ziel suchen oder man gibt einen Bereich oder einen Punkt vor. Das funktioniert nicht nur über die Richtungstasten, sondern auch via Touchscreen. Zudem erkennt der Autofokus Gesichter und Augen. Einen modernen Tracking-AF gibt es ebenfalls. Dieser ist intuitiv bedienbar und verfolgt Objekte zielsicher und schnell.

Der Lithium-Ionen-Akku DB-110 ist mit 4,9 Wh recht klein. Lediglich für gut 200 Aufnahmen nach CIPA-Standard reicht er, was man auch in der Praxis deutlich merkt. Ein zweiter Akku ist somit eine gute Investition. Immerhin kann der Akku über die USB-C-Schnittstelle geladen werden, zudem ist eine Dauerstromversorgung mittels Power Delivery möglich. Eine externe Ladeschalte für den Akku gibt es nur optional.

Das SD-Speicherkartenfach unterstützt die Standards SDHC und SDXC sowie UHS I. Zudem verfügt die Ricoh GR IIIx über einen immerhin zwei Gigabyte großen internen Speicher, was für 50 DNG-Rohdatenbilder oder rund 150 JPEG-Fotos reicht. Via WLAN lässt sich die Kamera fernbedienen, auch das Livebild wird auf dem Smartphone angezeigt. Eine Bildübertragung ist selbstverständlich ebenfalls möglich. Über Bluetooth lassen sich die Positionsdaten des Smartphones bei der Aufnahme in die EXIF-Informationen der Fotos schreiben.

Das Objektiv besitzt eine sehr hohe optische Qualität und liegt auch deutlich über dem, was man mit (günstigen) Zoomobjektiven erreichen kann. Die Auflösung fällt kaum zum Bildrand ab. Zudem zeigt es nur sehr geringe optische Fehler wie etwa eine schwach kissenförmige Verzeichnung. Bei der Bildaufbereitung sind die Ricohs allerdings etwas zurückhaltend abgestimmt, wodurch die Bilder zwar neutral wirken und sich auch in JPEG gut nachbearbeiten lassen, aber sie sind ohne Bearbeitung nicht so knackig. Entsprechend niedrig fällt die Auflösung aus. Trotz 24 Megapixeln sind es maximal 45 Linienpaare pro Millimeter.

Dank des großen APS-C-Sensors ist die Bildqualität bis in höhere ISO-Empfindlichkeiten gut. Bis ISO 1.600 ist das Rauschen gering und die Detailzeichnung gut. Allerdings fällt die Eingangs- und Ausgangsdynamik bereits oberhalb von ISO 400 ab, was auf die zurückhaltende Bildaufbereitung zurückzuführen ist. Mit dem DNG-Rohdatenformat lässt sich hier deutlich mehr Bildqualität aus der kleinen Kamera herausholen. Recht gut und neutral ist die Farbwiedergabe der JPEG-Bilder.

Kommentar

(Von digitalkamera.de-Herausgeber Jan-Markus Rupprecht.)

Ich hatte das Vergnügen das Schwestermodell Ricoh GR III (mit dem 28mm-Objektiv) für einige Tage auf einer Reise verwenden zu können. Die winzige Kamera hat mich dabei sehr fasziniert. Die Bildqualität ist beeindruckend – und das bei dieser geringen Baugröße! Den richtigen Aha-Effekt erlebt mal erst, wenn man die Fotos durch die Bildbearbeitung jagt, vorzugsweise natürlich die Raw-Dateien (praktischerweise in der Kamera als DNG-Dateien gespeichert). Die JPEGs sind zwar technisch ebenfalls sehr gut, ich hätte sie mir aber "knackiger" und "gefälliger" gewünscht. Dies ließe sich sicherlich in der Kamera einstellen, denn die Justage-Möglichkeiten in den Menüs sind äußerst vielfältig (dazu fehlte mir auf der kurzen Reise allerdings die Zeit).

Vermisst habe ich eigentlich nur einen integrierten Sucher. Dieser würde das Gehäuse allerdings wohl zu sehr vergrößern. So passt die schön flache Kamera locker in die Gesäßtasche einer Jeans – das geht mit keiner anderen APS-C-Kamera, außer eben dem Schwestermodell GR IIIx. Wenn ich mich heute zwischen beiden Modellen entscheiden sollte, würde ich wahrscheinlich zur 40mm-Version GR IIIx greifen. Natürlich ist ein 28mm-Weitwinkel oft praktisch, eignet sich aber eher schlecht bis gar nicht für Sachaufnahmen oder Porträts. Die 40 mm sind dagegen in der Praxis für viele Fotografen vermutlich der perfekte Kompromiss.

Fazit

Die Ricoh GR IIIx ist eine beeindruckend kleine Kompaktkamera, wenn man bedenkt, dass in ihr ein großer APS-C-Sensor sitzt, der sogar zur Bildstabilisierung beweglich gelagert ist. Dabei ist die Kamera ein ausgesprochener Fotospezialist, die Videofunktion erfüllt hingegen keinerlei moderne Ansprüche. Autofokus und Serienbildfunktion sind wenig performant, mit der ohnehin geringen Akkuenergie geht die Kamera dennoch nicht effektiv um. Neben der geringen Größe ist aber vor allem die Bildqualität, nicht zuletzt dank des hervorragenden Objektivs, ein echter Trumpf der Ricoh GR IIIx.

Kurzbewertung

  • Kleines und hochwertiges Gehäuse
  • Sensor-Shift-Bildstabilisator
  • Sehr gute Bildqualität bis ISO 400, gut bis ISO 1.600
  • Gute Menüführung
  • Kein Sucher
  • Kein 4K-Video
  • Geringe Akkulaufzeit
  • Langsame Serienbildfunktion

Alternative

Ricoh GR III

Die Ricoh GR III ist ein noch etwas flacheres Schwestermodell der GR IIIx. Der eigentliche Unterschied liegt bei der Brennweite, denn die GR III hat ein 28mm-Objektiv (Kleinbildäquivalent). Ihr Funktionsumfang entspricht indes dank mehrerer Firmwareupdates, die sie im Laufe der Jahre bekommen hat, dem der neueren GR IIIx. Mit Abmessungen von 10,9 x 6,2 x 3,3 Zentimetern ist die GR III die kleinste APS-C-Kamera, die es gibt und drei Millimeter flacher als die GR IIIx.

Alle Details zur Ricoh GR III
Unser Premium-Test zu dieser Kamera


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