Großer APS-C-Sensor plus Zoom im Taschenformat

Canon PowerShot G1 X Mark III im Vergleichstest

2023-03-01 Kompaktkameras mit großem APS-C-Sensor gibt es ohnehin nur wenige und die Canon PowerShot G1 X Mark III ist die einzige davon, die ein Zoom-Objektiv hat. Ihr 3-fach-Zoom bietet einerseits die Flexibilität hinsichtlich des Bildwinkels, die viele Anwender erwarten. Andererseits liefert diese Kompaktkamera mit ihrem großen Sensor eine Bildqualität, die einer Systemkamera in nichts nachsteht. Auch beim Gehäuse liefert die Kamera gediegene Qualität und sie hat alle Ausstattungsmerkmale, die man zum Fotografieren braucht. Deutlich schlechter sieht es allerdings bei den Videofunktionen aus.  (digitalkamera.de Redaktion)

Die Canon PowerShot G1 X Mark III ist die einzige Kompaktkamera mit großem APS-C-Sensor und Zoomobjektiv. Sie kam bereits Ende 2017 auf den Markt und der Hersteller versprach bei ihrer Vorstellung DSLR-Bildqualität im Hosentaschenformat. Dafür wurde die Kamera auch umfangreich ausgestattet, wie zum Beispiel mit einem schnellen Dual-Pixel-Autofokus-System.

Das sehr hochwertige, sogar mit einem Spritzwasser- und Staubschutz versehene Gehäuse besteht aus Metall und Kunststoff. Dank einer griffigen Gummierung liegt die G1 X III für die kleine Größe gut und sicher in der Hand. Dadurch, dass das Zoomobjektiv nach dem Einschalten, wie bei vielen Kompaktkameras üblich, motorisch ein gutes Stück aus dem Gehäuse herausfährt, sollte man dennoch keine allzu große Robustheit erwarten. Sandkörner in der Objektiv-Mechanik sind auf jeden Fall der Feind solcher Konstruktionen.

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Dafür lässt sich die Kamera ausgeschaltet, nachdem sich das Objektiv ins Gehäuse zurückgezogen hat und man von Hand den Objektivdeckel aufgesetzt hat, wunderbar in einer Jackentasche verstauen. So klein und leicht (nur 400 Gramm) ist dann keine Systemkamera mit Zoomobjektiv und so großem Sensor!

Das optische Dreifachzoom hat eine Lichtstärke von F2,8 bis F5,6 und entspricht einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 24 bis 72 Millimeter. Zusätzlich verfügt das Objektiv über einen optischen Bildstabilisator, sodass auch längere Belichtungszeiten verwackelungsfrei aus der Hand gehalten werden können.

Dank einer Ringwippe um den Auslöser und eines Objektiv-Einstellrings gibt es mehrere Möglichkeiten, das Zoom zu bedienen. Statt einer stufenlosen Funktion lässt sich eine der Verstellmöglichkeit auch auf Stufen umschalten, die dann klassischen Brennweiten wie 24, 28, 35 oder 50 mm entsprechen.

Dank des 37mm-Filtergewindes können beispielsweise Polfilter problemlos verwendet werden. Einen Neutraldichtefilter bietet die Kamera sogar ohne Zubehör an, er lässt sich per Schnellmenü aktivieren und schluckt drei Blendenstufen Licht. Das erweitert den kreativen Spielraum enorm. Auch die Möglichkeit, bis F16 abzublenden, gibt einiges an kreativem Spielraum, zumal dabei die Beugung noch nicht zu stark ist.

Neben dem etwas unglücklich platzierten Bedienrad am Griff gibt es auf der Rückseite ein Daumenrad, kombiniert mit einer etwas klein geratenen Vierwegewippe. Die anderen Tasten auf der Rückseite sind größer und erlauben den direkten Zugriff auf viele wichtige Aufnahmeeinstellungen. Die Bedienung der Kamera ist insgesamt gut durchdacht. Das Menü ist übersichtlich und zur Navigation kann neben den Einstellräder oder dem Vierwegekreuz auch der Touchscreen verwendet werden.

Der 7,5 Zentimeter große Touchscreen löst lediglich 1,04 Millionen Bildpunkte auf, bietet mit einer Leuchtdichte von über 700 cd/m² aber eine knapp gute Helligkeit. Dank des Schwenk- und Drehmechanismus lässt sich der Bildschirm aus allen Perspektiven einsehen, auch bei Selfies von vor der Kamera. Zudem lässt er sich zum Schutz verkehrt herum anklappen. Dann hat man quasi eine reine Sucherkamera.

Der elektronische Sucher besitzt einen praktischen Näherungssensor. Er löst mit 2,36 Millionen Bildpunkten fein genug auf, ist aber nicht allzu groß. Leider gibt Canon den Vergrößerungsfaktor nicht an, er dürfte bei oder knapp über 0,5-fach im Vergleich zum Kleinbild liegen. Zudem haben Brillenträger Mühe, den Sucher ohne Abschattungen zu überblicken. Hier hilft gegebenenfalls die Dioptrienkorrektur von -3 bis +1 dpt.

Die Canon PowerShot G1 X Mark III bietet einen für Kompaktkameras typischen integrierten Blitz. Er ist mit einer Leitzahl von knapp über sechs jedoch etwas schwachbrüstig. Eine gute Reichweiten erzielt er nur mit deutlich erhöhter ISO-Empfindlichkeit. Zudem muss der Blitz manuell aufgeklappt werden.

Der Blitz bietet immerhin eine Langzeitsynchronisation, eine optionale Zündung am Ende statt am Anfang der Belichtung sowie eine Belichtungskorrektur, manuell bietet er jedoch nur drei Leistungsstufen. Dank des Zentralverschlusses blitzt er auch noch bei kürzester Belichtungszeit von 1/2.000 Sekunde. Der TTL-Systemblitzschuh ermöglich die Verwendung großer Speedlite-Blitzgeräte von Canon direkt auf der Kamera. Drahtlosblitzen ist jedoch nur mit entsprechendem Steuergerät auf der Kamera möglich, der interne Blitz ist dazu nicht in der Lage.

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Das Programmwählrad ist gegen versehentliches Verstellen verriegelt. Hier gibt es einen Vollautomatikmodus mit Motiverkennung, einige wählbare Motivprogramme sowie Kreativfiltereffekte. Sowohl die Schwenkpanorama- als auch die HDR-Funktion sind nur über Motivprogramme abrufbar. Die Belichtungsreihenfunktion in den Kreativprogrammen P, A, S und M, in denen man volle Kontrolle über die Belichtungsparameter erhält, nimmt lediglich drei Bilder mit maximal zwei EV Belichtungsabstand auf.

Der Autofokus besitzt 49 Messpunkte, die dank des Dual-Pixel-Sensors als Hybrid-Messpunkte arbeiten. Eine Verfolgungs-Funktion bietet der Autofokus genauso wie eine Gesichtserkennung. Die Kamera findet den Fokus in 0,28 Sekunden im Weitwinkel, im tele ist sie mit 0,23 Sekunden sogar noch etwas schneller. Die Auslöseverzögerung beträgt nur 0,06 Sekunden.

Dem Hybridautofokus sei Dank kann die Canon mit sieben Bildern pro Sekunden inklusive Fokusnachführung fotografieren. Ohne gibt Canon sogar neun Serienbilder pro Sekunde an. Allerdings ist der Puffer sehr kleinen, wodurch nur 25 JPEG- oder 16 Raw-Bilder am Stück möglich sind. Eine Sport- und Action-Kamera ist die Canon damit insgesamt nicht.

Auch die Full-HD-Videofunktion lockt niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. 4K gibt es genauso wenig wie einen Mikrofonanschluss oder Clean-HDMI. Mindestens das grüne Kästchen für die Autofokus-Position bleibt immer sichtbar. Immerhin kann sie mit der entsprechenden Canon-Treibersoftware mit niedriger Auflösung von 1.024 x 576 Pixel als Webcam genutzt werden und liefert dann ein schönes Bild mit der oft gewünschten relativ geringen Schärfentiefe. Den Ton reicht die Canon dabei jedoch nicht an den Computer weiter.

Die Akkulaufzeit ist mit etwa 200 Aufnahmen pro Ladung etwas schwach und verlangt für längere Touren einen zweiten Akku. Alternativ kann sie aber zwischendurch per Micro-USB aufgeladen werden. Darüber hinaus stehen NFC, Bluetooth und WLAN als drahtlose Verbindungsoptionen zur Verfügung, beispielsweise zum Geotagging per Smartphone oder zur Fernsteuerung per App sowie zur Bildübertragung.

Der APS-C-Sensor hat das übliche 3:2-Seitenverhältnis und löst 24 Megapixel auf. Seine Daten werden vom Bildprozessor Digic 7 zügig verarbeitet. Bei der Bildqualität zeigt die Canon bei allen Brennweiten eine hohe Auflösung von 56-58 lp/mm mit geringem Verlust zum Bildrand. Er beträgt weniger als 25 Prozent im Weitwinkel, 20 Prozent bei mittlerer Brennweite und sogar unter zehn Prozent im Tele. Optische Fehler wie Randabdunklung, Farbsäume oder Verzeichnung sind minimal.

Bis ISO 1.600 ist die Bildqualität gut. Das Rauschen ist gering und feine Details werden gut aufgelöst. Der Dynamikumfang ist hoch und die Kontraste sind knackig. Auch bei den Farben legt die Bildaufbereitung Hand an, was jedoch zu eher "schönen" statt präzisen Farben führt. Oberhalb von ISO 1.600 wird Rauschen sichtbar und die Details wirken verwaschener.

Kommentar

(Von Jan-Markus Rupprecht, digitalkamera.de-Herausgeber.)

Die Canon PowerShot G1 X Mark III habe ich mir 2019 als Zweit- und Taschenkamera gekauft. Ich liebe kleine Kameras und mag meist keine große Ausrüstung herumschleppen. Gleichzeitig sind meine Qualitätsansprüche in den letzten Jahren enorm gestiegen. Da schien mir diese kleine Kamera mit ihrem großen Sensor genau richtig.

Das Gehäuse selbst ist sehr robust, durch die sehr griffige Gummierung jedoch auch etwas schmutzanfällig. Das herausfahrende Objektiv ist ziemlich filigran und wurde bei meinem Exemplar auch schon auf Garantie ausgetauscht (Blockade der Mechanik). Nur durch diesen mechanischen Trick mit dem ins Gehäuse einfahrenden Objektiv ist die Kamera jedoch insgesamt so Jackentaschen-tauglich. Diesen Kompromiss muss man also eingehen und darf die Kleine nicht zu hart rannehmen.

Was die Canon in JPEG oder Raw abliefert, ist sehr "ehrlich" und technisch tadellos, selbst wenn man auf 100 Prozent ins Bild hineinzoomt. Meine Frau würde sich oft "gefälligere" Fotos wünschen, ihr Smartphone macht das scheinbar besser, was aber letztlich nur Bildbearbeitung ist. Die Videos in FullHD sehen ebenfalls toll aus (schade, dass die Kamera kein 4K-Video beherrscht).

Fazit

Die Canon PowerShot G1 X Mark III ist eine rundum gelungene, wenn auch nicht perfekte Kamera, die man bedenkenlos empfehlen kann. Sie ist kompakt und hochwertig gebaut, ohne dabei zu klein für eine ordentliche Ergonomie geraten zu sein. Sie arbeitet flott und hat alles Nötige an Bord. Die Videofunktion ist gut, allerdings ohne 4K-Auflösung und ohne CleanHDMI. Die Bildqualität überzeugt nicht nur mit dem guten APS-C-Sensor mit hoher Auflösung, sondern vor allem mit dem sehr guten Objektiv, das über einen großen Blendenbereich hoch auflöst und auch am Bildrand nur wenig Auflösung verliert.

Kurzbewertung

  • Kompaktes, robustes Gehäuse
  • Gute Bedienung über Touchscreen und Tasten
  • Gute Bildqualität bis ISO 1.600
  • Hochauflösendes Objektiv
  • Geringe Akkulaufzeit
  • Kein 4K-Video
  • Sucher schlecht für Brillenträger geeignet

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