Lichtstarkes Standardzoom

Testbericht: Nikon Z 24-70 mm 1:2,8 S

2019-05-09 Nur knapp über ein halbes Jahr nach der Markteinführung des neuen spiegellosen Z-Kamerasystems mit der Z 6 und Z 7 bringt Nikon mit dem Z 24-70 mm 1:2,8 S ein wichtiges Standardzoom auf den Markt, das die Messlatte bei der Bildqualität trotz kompakterer Abmessungen als sein DSLR-Pendant AF-S 24-70 mm 2.8E ED VR deutlich höher legen will. Ob Nikon das gelungen ist und welche Vorzüge das Objektiv noch bietet, zeigt unser Test.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Drei EInstellringe, zwei Knöpfe, einen Schalter sowie ein Status-OLED besitzt das Nikon Z 24–70 mm 2,8 S. [Foto: Nikon]

    Drei EInstellringe, zwei Knöpfe, einen Schalter sowie ein Status-OLED besitzt das Nikon Z 24–70 mm 2,8 S. [Foto: Nikon]

Mit einer Länge von knapp über 12,5 und einem Durchmesser von fast neun Zentimetern sowie einem Gewicht von knapp über 800 Gramm erscheint das Nikon Z 24-70 mm 1:2,8 S zunächst alles andere als klein und leicht. An der kompakten Nikon Z 7 wirkt es recht groß, samt Streulichtblende zerren dann gut 1,5 Kilogramm am Kameragurt. Tatsächlich aber ist das Objektiv verglichen mit seinem DSLR-Pendant AF-S 24-70 mm 2.8E ED VR drei Zentimeter kürzer und 265 Gramm leichter. Während also ein anderes spiegelloses 24-70mm sogar länger als ein entsprechendes DSLR-Objektiv ist, und zwar oft genau um den Unterschied des Auflagemaßes, ist Nikon das Gegenteil gelungen, was man nur loben kann.

Das Gehäuse des Z 24-70 mm 1:2,8 S wirkt hochwertig verarbeitet, wobei die Abdichtung gegen das Eindringen von Spritzwasser und Staub in diesem Segment (immerhin kostet das Objektiv fast 2.500 Euro) fast schon als Selbstverständlichkeit anzusehen sind. Beim Anfassen merkt man dann, dass doch ein guter Teil des Objektivs aus Kunststoff besteht, etwa der mittlere Tubusteil hinter dem Zoomring oder aber der ausfahrende Tubus samt Objektivfront, die ein üppiges 82mm-Filtergewinde und ein Bajonett für die Streulichtblende aufweist. Der Kunststoff mag zwar objektiv äußerst widerstandsfähig sein, Metall würde sich aber angesichts des Preissegments subjektiv einfach noch hochwertiger anfühlen.

Ausstattung und Ergonomie

Drei Einstellringe, zwei Knöpfe, ein Schalter und ein Status-OLED verteilen sich am Gehäuse. Traditionell ganz hinten sitzt der "Blendenring". Er besteht aus griffig geriffeltem Metall und ist etwas unter einem Zentimeter breit. Dabei setzt Nikon leider sogar die Tradition fort, dass dieser am schlankeren Teil des Objektivs sitzt und es sich direkt danach verbreitert, was zwar das blinde Auffinden erleichtert, aber die Ergonomie ist doch etwas suboptimal. Theoretisch könnte man den Ring gut mit dem kleinen Finger der linken Hand bedienen, würde er sich nicht so schwergängig drehen. Es handelt sich übrigens um einen rein elektronischen Ring, der völlig stufenlos und damit auch lautlos arbeitet. Alternativ erlaubt der Ring die Einstellung der Belichtungskorrektur oder er bleibt auf Wunsch völlig funktionslos. Hier hätten die Nikon-Ingenieure gerne eine größere Palette an Funktionen in der Menüeinstellung vorsehen können. Bei manueller Fokussierung könnte man hier beispielsweise den Vergrößerungsfaktor der Fokuslupe einstellen.

  • Bild Das Nikon Z 24-70 mm 1:2,8 S besitzt ein stattliches 82mm-Filtergewinde und besitzt eine hervorragende Linsenvergütung, so dass es an der Nikon Z 7 sehr hohe Kontraste ohne Störungen überträgt. [Foto: MediaNord]

    Das Nikon Z 24-70 mm 1:2,8 S besitzt ein stattliches 82mm-Filtergewinde und besitzt eine hervorragende Linsenvergütung, so dass es an der Nikon Z 7 sehr hohe Kontraste ohne Störungen überträgt. [Foto: MediaNord]

Der Mittlere Ring kontrolliert die Brennweite mechanisch. Er besteht aus Kunststoff und ist mit einer zwei Zentimeter breiten, griffigen und gummierten Riffelung versehen. Beim Zoomen von 24 auf 70 Millimeter fährt der Objektivtubus um knapp über drei Zentimeter heraus. Der mechanische Ring läuft absolut sauber und gleichmäßig sowie mit einem angenehmen Widerstand. Die Brennweiten 24, 28, 35, 50 und 70 Millimeter sind gut lesbar markiert.

Ganz vorne am Objektiv sitzt der nicht ganz 1,5 Zentimeter breite Fokusring, der wie der Blendenring aus geriffeltem Metall besteht. Er arbeitet wiederum rein elektronisch und gibt Stellbefehle an den Fokusmotor weiter. Das funktioniert, wie bei allen modernen Objektiven, hervorragend. Man kann damit äußerst feinfühlig und völlig lautlos fokussieren. Dabei wird der Fotograf von der aktivierbaren Fokuslupe sowie einer Peakingfunktion unterstützt. Der Autofokus arbeitet rein intern und stellt äußerst schnell und präzise auf das Ziel scharf. Dabei beträgt die minimale Fokusdistanz 38 Zentimeter ab Sensorebene, was bei maximaler Zoomstellung einem minimalen Arbeitsabstand von 21 Zentimetern entspricht. Dabei erreicht das Objektiv einen maximalen Vergrößerungsfaktor von lediglich 1:4,5, das minimale Bildfeld beträgt damit etwa 16 mal elf Zentimeter. Das reicht zwar für manche Nahaufnahme, aber starke Vergrößerungen wollen damit nicht gelingen.

Umgeschaltet zwischen manuellem und Autofokus wird mit dem Schiebeschalter links am Objektiv. Etwas weiter davor befinden sich eine umprogrammierbare Funktionstaste sowie eine OLED-Statusanzeige samt dazugehöriger Taste. Das Display passt sich leider nicht der Rundung des Objektivs an, obwohl dies heutzutage problemlos möglich wäre, gerade bei OLEDs. Dafür passt das Display exakt zum Design der Statusanzeige der Nikon Z 6 und Z 7. Die Anzeige muss mit der Taste aktiviert werden und geht leider nach kurzer Zeit wieder aus, auch wenn man sie noch weiter brauchen würde, beispielsweise beim manuellen Fokussieren, hier könnte es gerne automatisch anspringen.

  • Bild Das Display des Nikon Z 24-70 mm 1:2,8 S zeigt auf Wunsch eine Entfernungsskala samt zur aktuell eingestellten Entfernung und Blende passender Schärfentiefe. [Foto: MediaNord]

    Das Display des Nikon Z 24-70 mm 1:2,8 S zeigt auf Wunsch eine Entfernungsskala samt zur aktuell eingestellten Entfernung und Blende passender Schärfentiefe. [Foto: MediaNord]

  • Bild Alternativ zeigt das OLED des Nikon Z 24-70 mm 1:2,8 S die eingestellte Brennweite an, im Bereich unter 35 Millimeter sogar auf einen halben Millimeter genau. [Foto: MediaNord]

    Alternativ zeigt das OLED des Nikon Z 24-70 mm 1:2,8 S die eingestellte Brennweite an, im Bereich unter 35 Millimeter sogar auf einen halben Millimeter genau. [Foto: MediaNord]

  • Bild Zudem lässt sich die Blende auf dem Display des Nikon Z 24-70 mm 1:2,8 S anzeigen, die kann man allerdings genauso gut auf dem Top-Status-Display der Z 6 oder Z 7 ablesen. [Foto: MediaNord]

    Zudem lässt sich die Blende auf dem Display des Nikon Z 24-70 mm 1:2,8 S anzeigen, die kann man allerdings genauso gut auf dem Top-Status-Display der Z 6 oder Z 7 ablesen. [Foto: MediaNord]

Mit der Taste lassen sich drei Anzeigemodi durchschalten: Brennweite, Blende und Entfernung samt Schärfentiefe. Damit gelingt beispielsweise die präzise Einstellung einer gewünschten Brennweite auf den Millimeter genau, unterhalb von 35 Millimetern Brennweite sogar auf einen halben Millimeter genau. Die Blendenanzeige ist hingegen eine reine Doppelung mit der Anzeige auf dem Kamera-OLED und wirkt damit etwas redundant beziehungsweise überflüssig. Am nützlichsten erweist sich hingegen die Entfernungsanzeige. Statt konkreter Entfernung wandert hier allerdings eine Skala von links nach rechts beziehungsweise je nach Drehrichtung in umgekehrter Richtung über das Display. Statt also die digitalen Möglichkeiten voll auszuschöpfen, wird hier eine analoge Anzeige nachgeahmt. Immerhin gibt es auch eine Anzeige der Schärfentiefe abhängig von Brennweite und Blende. Aber auch diese beschränkt sich auf einen schmaler und breiter werdenden Balken, die Lösung der Batis-Objektivserie von Zeiss wirkt hier mit seinen konkreten Zahlenwerten doch noch etwas nützlicher. Hält man die Display-Taste gedrückt, lassen sich übrigens die Displayhelligkeit und die Maßeinheit der Anzeige (metrisch oder angloamerikanisch) einstellen.

Fortsetzung auf Seite 2

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.