Vollformat-Flaggschiff

Testbericht: Sony Alpha 1

Seite 2 von 2, vom 2021-06-02 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Ausstattung

Die Sony Alpha 1 bietet ungewöhnlicherweise für eine Kamera dieser Preisklasse einen Vollautomatikmodus. Als Notanker ist dieser durchaus praktisch, denn so gut wie alle Funktionen stehen dann auf Automatik. Nicht einmal das Belichtungskorrekturrad entfaltet hier noch seine Wirkung, so dass jedes Kind in diesem Modus korrekt belichtete Fotos aufnehmen kann.

  • Bild Die vielen Schnittstellenklappen der Sony Alpha 1 bestehen aus Gummi und lassen sich dank scharnierähnlicher Anbringung gut aufklappen. [Foto: MediaNord]

    Die vielen Schnittstellenklappen der Sony Alpha 1 bestehen aus Gummi und lassen sich dank scharnierähnlicher Anbringung gut aufklappen. [Foto: MediaNord]

Ihr volles Potential entfaltet die Sony Alpha 1 aber erst, wenn sie in kundigen Händen mit den zum Motiv passenden Einstellungen betrieben wird. Alles lässt sich auf Wunsch manuell steuern, etwa die Belichtung, die Bildfolge, der Fokus, die Bildaufbereitungsparameter und so weiter. Funktionen wie Schwenkpanorama gibt es nicht, nicht einmal einen HDR-Modus bietet die Alpha 1.

Belichtungsreihen muss man also manuell anfertigen und am PC zu einem HDR-Bild zusammensetzen. In Schritten von wahlweise 0,3, 0,7 oder 1 EV lassen sich drei, fünf oder neun Fotos aufnehmen, bei 2 und 3 EV Belichtungsabstand sind drei oder fünf Aufnahmen möglich. Auch eine Intervallaufnahmefunktion fehlt nicht, bei der Startzeit, Intervall und Anzahl der Fotos (bis 9999) eingestellt werden können.

Selbstverständlich ist der Bildsensor der Sony Alpha 1 zur Bildstabilisierung beweglich gelagert, bis zu 5,5 Blendenstufen längere Belichtungszeiten sollen nach CIPA-Standard damit möglich sein. Zudem lassen sich mit einer Multishot-Funktion 199 Megapixel auflösende Fotos aufnehmen, allerdings müssen diese am Computer mit einer Software zusammengerechnet werden. Eine erwähnenswerte Besonderheit ist der Infrarot-Sensor auf der Kameravorderseite, der für einen besseren Weißabgleich in Kunstlichtsituationen (Leuchtstofflampen- sowie LED-Licht) sorgen soll.

Das Autofokussystem der Sony Alpha 1 gehört mit zu den besten, die man aktuell für Geld kaufen kann. Auf fast der gesamten Sensorfläche sind 759 Phasen-AF-Sensoren integriert, unterstützt werden sie von 425 Kontrast-AF-Feldern. Die Sony Alpha 1 erkennt Menschen, Tiere und speziell Vögel, jeweils inklusive Augen. Die Fokusfelder lassen sich einzeln anwählen, gruppieren und für die Tracking-Funktion kann festgelegt werden, wie schnell und empfindlich der Fokus auf Veränderungen reagieren soll.

Das Tracking funktioniert mit allen Erkennungsfunktionen und auch bei Serienbildaufnahmen unterbrechungsfrei. Gelegentlich konnten wir einzelne unscharfe Fotos beobachten, bei denen der Autofokus offenkundig trotz Gesichtern im Bild auf den Hintergrund fokussiert hatte, aber normalerweise war gleich das nächste Foto der Aufnahmeserie wieder scharf.

Im Testlabor benötigte die Sony Alpha 1 mit dem FE 24-70 mm F2.8 GM 0,18 bis 0,2 Sekunden, um von unendlich auf zwei Meter zu fokussieren und auszulösen. Die reine Auslöseverzögerung ohne Fokussierung beträgt 0,04 Sekunden. Der rasante Tracking-Autofokus kommt bei dieser Labormessung allerdings nicht zum Tragen. Dennoch lässt sich festhalten, dass die Sony Alpha 1 mit 0,04 Sekunden Auslöseverzögerung ohne und 0,18 bis 0,2 Sekunden mit Autofokus zu den schnellsten Kameras am Markt gehört.

Möchte man manuell fokussieren, ist man dank des Fokuswahlhebels auf der Kameraoberseite nicht auf einen AF-MF-Schalter am Objektiv angewiesen. Hier kann direkt zwischen Einzel-Autofokus, Tracking-Autofokus und manuellem Fokus sowie einer Kombination aus automatischem Fokus mit manueller Korrektur gewählt werden. Beim manuellen Fokussieren wird man nicht nur vom hochauflösenden Sucher unterstützt, sondern auch einer Lupenfunktion mit wahlweise 4,2- oder 8,5-facher Vergrößerung, die sich über den Fokusjoystick gut steuern lässt, mit dem man die Vergrößerungsstufe und den Vergrößerungsausschnitt wählt.

  • Bild In Kombination mit dem Testobjektiv FE 24-70 mm F2.8 GM dominiert eindeutig das Objektiv die 740 Gramm schwere Sony Alpha 1, denn das Gesamtgewicht liegt bei über 1,6 Kilogramm. [Foto: MediaNord]

    In Kombination mit dem Testobjektiv FE 24-70 mm F2.8 GM dominiert eindeutig das Objektiv die 740 Gramm schwere Sony Alpha 1, denn das Gesamtgewicht liegt bei über 1,6 Kilogramm. [Foto: MediaNord]

Zudem lässt sich Fokus-Peaking als farbliche Kennzeichnung der kontrastreichen und damit im Fokus befindlichen Kanten aktivieren. Mit dem Peaking sollte man aber vorsichtig sein, es zeigt unter Umständen einen etwas größeren Bereich scharf an, als auf dem späteren Foto, das heißt, die Lupenfunktion ist für größere Genauigkeit zu bevorzugen, wobei man den Autofokus aber kaum übertreffen kann, weil dieser so unglaublich präzise arbeitet.

Doch nicht nur der Autofokus der Sony Alpha 1 ist eine Wucht, sondern auch die Serienbildfunktion. Ihr volles Potential entfaltet diese allerdings nur mit elektronischem Verschluss. Der mechanische ist dafür einfach trotz dualem Antrieb und einer minimalen Verschlusszeit von 1/8.000 Sekunde zu langsam und vor allem führt er zu Blackout-Zeiten.

Immerhin ist der Verschluss aber sehr robust und soll mindestens 500.000 Belichtungen aushalten. Sein Geräusch wirkt hingegen subjektiv etwas unemotional. Er gibt ein schlichtes, dumpfes "Klock" von sich. Mit dem schönen Verschlussgeräusch einer alten analogen Kamera hat er so gar nichts gemein. Das ist aber sicherlich Geschmackssache.

Der moderne elektronische Verschluss arbeitet hingegen völlig lautlos und unterbrechungsfrei. Trotz bis zu 30 Serienbildern pro Sekunde werden der Sucher und Autofokus weiter mit einer höheren Bildwiederholrate versorgt, der Sucher arbeitet völlig unterbrechungsfrei. Normalerweise finden wir elektronische Verschlussgeräusche, insbesondere aus einem schlechten Mono-Lautsprecher einer Kamera, eher störend, aber ohne diese würde man überhaupt nicht merken, dass man fotografiert.

Die Bildwiederholrate des Livebilds ist allerdings von der Belichtungszeit der Serienbildaufnahmen abhängig. Das heißt, dass bei 1/30 Sekunde Belichtungszeit auch nur maximal 30 Bilder pro Sekunde für den Sucher und Autofokus zur Verfügung stehen. Mit Belichtungszeiten von 1/125 Sekunde oder besser 1/250 Sekunde ist man jedoch auf der sicheren Seite.

Auch bei den 30 Serienbildern pro Sekunde gibt es eine Einschränkung. Im JPEG-Format sind diese zwar kein Problem, im Raw-Format werden diese aber nur mit verlustbehafteter Kompression erreicht. Bei verlustfreier Kompression oder unkomprimiert sind maximal 20 Serienbilder pro Sekunde möglich. Zudem macht es deutliche Unterschiede, ob man auf eine schnelle CFexpress Typ A, eine schnelle SD oder eine langsame SD-Speicherkarte aufnimmt. Zumindest die schnellen Karten haben wir getestet, die langsamen sparen wir uns.

In höchster JPEG-Qualität konnten wir 155 Serienbilder am Stück mit 29,9 Bildern pro Sekunde auf eine CFexpress-Speicherkarte aufnehmen, danach ging es mit 15,9 Bildern pro Sekunde weiter, bis die Karte voll war. In Raw haben wir ebenfalls 29,9 Serienbilder pro Sekunde erreicht, allerdings "nur" für 148 Fotos am Stück. Danach ging es mit 10,9 Bildern pro Sekunde weiter, bis die Speicherkarte voll war. Es dauert ungefähr zehn Sekunden, den Puffer auf die Speicherkarte zu schreiben. Anhand der Daueraufnahme ergibt sich eine Datenrate von 558 MB/s, der Puffer müsste mindestens 4 GB groß sein.

  • Bild Das Stativgewinde der Sony Alpha 1 sitzt in der optischen Achse. Der Akku reicht für 430 Aufnahmen mit Sucher oder 530 Aufnahmen mit Bildschirm. Dank optionalem Akkugriff und USB-C mit Ladefunktion und Stromversorgung lässt sich die Laufzeit verlängern. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde der Sony Alpha 1 sitzt in der optischen Achse. Der Akku reicht für 430 Aufnahmen mit Sucher oder 530 Aufnahmen mit Bildschirm. Dank optionalem Akkugriff und USB-C mit Ladefunktion und Stromversorgung lässt sich die Laufzeit verlängern. [Foto: MediaNord]

Setzt man dagegen eine schnelle SDHC-Karte ein, ergeben sich dank des großen Puffers nur bei der Schreibgeschwindigkeit und der Dauerserienbildrate Einschränkungen. In Raw konnten wir 149 Bilder am Stück mit 30 Bildern pro Sekunde aufzeichnen, bevor die Serienbildrate auf 4,8 Bilder pro Sekunde einbrach. Der volle Puffer wurde innerhalb von 27 Sekunden geschrieben. Dabei bleibt die Kamera übrigens einsatzbereit. Mit mechanischem Verschluss sind maximal zehn Bilder pro Sekunde möglich, was je nach Speicherkarte unterbrechungsfreie Serienbildaufnahmen bis zur "platzenden" Speicherkarte ermöglicht.

30 Serienbilder pro Sekunde haben aber auch Nachteile, so ist es kein Problem, innerhalb kürzester Zeit viele tausend Fotos auf die Speicherkarte zu bannen, von denen viele nahezu identisch aussehen, was viel Zeit beim Sichten und Sortieren der Fotos bedeutet. Man sollte sich also gut überlegen, die Optionen zum Herunterschalten der Serienbildgeschwindigkeit zu nutzen.

Übrigens arbeitet der elektronische Verschluss so schnell, dass trotz zeilenweiser Auslesung des Bildsensors kaum noch Rolling-Shutter-Effekte auftreten. Es kommt aber letztlich auch auf das Motiv an, so dass man in der Praxis ausprobieren muss, ob der elektronische oder vielleicht doch der mechanische Verschluss die bessere Wahl ist.

Des Weiteren beherrscht die Sony Alpha 1 HEIF (High Efficiency Image File Format). Dabei handelt es sich um ein Bildformat mit zehn Bit Farbtiefe sowie einer viermal effizienteren Komprimierung als das JPEG-Format und es erzeugt dabei auch noch weniger Artefakte. Damit entspricht die Dateigröße bei deutlich besserer Bildqualität in 10 Bit der eines 8-Bit-JPEGs.

Auch wenn es sich dabei um kein Rohdatenformat handelt, lässt es sich wesentlich besser nachbearbeiten und bietet eine feinere Durchzeichnung, was sich vor allem in den Tiefen und Lichtern bemerkbar macht. Das Farbsubsampling lässt sich bei der Aktivierung von HEIF zwischen 4:2:0 und 4:2:2 einstellen. Zur Verarbeitung und Ansicht sind aber auch geeignete Geräte erforderlich, worauf einen die Alpha 1 beim Umschalten von JPEG auf HEIF hinweist.

Die Sony Alpha 1 ist aber nicht nur eine hervorragende Foto-Kamera, sondern auch eine moderne Videokamera, die vielen professionellen Ansprüchen genügt. Dazu gehört etwa die hohe 8K-Auflösung (7.680 x 4.096 Pixel) bei 30 Bildern pro Sekunde, die intern mit bis zu 400 Mbit/s und H.265-Komprimierung sowie extern sogar im Raw-Format aufgezeichnet werden können. Dabei arbeitet sie mit 8,6K-Oversampling. In 4K-Auflösung (3.840 x 2.160) sind sogar schnelle 120 Bilder pro Sekunde für bis zu 5-fache Zeitlupeneffekte möglich (bei einer Wiedergabe mit 24 Bildern pro Sekunde).

Dank einer guten Hitzeabfuhr können 8K30- und 4K60-Videos bei normalen Umgebungstemperaturen für mindestens 30 Minuten am Stück aufgezeichnet werden. Der Real-Time-Autofokus arbeitet wie bei der Serienbildfunktion mit Gesichts- und Augenerkennung, allerdings nur für Menschen, nicht für Tiere oder Vögel. Der Bildstabilisator bietet einen neuen Active-Modus für weniger verwackelte Videoaufnahmen beim Gehen. Gespeichert werden die Videos mit MPEG-H-Komprimierung (H.265) in 10 Bit 4:2:2, auf Wunsch auch mit All-Intra. S-Log3, HLG (HDR) und BT.2020 werden ebenfalls unterstützt. Über den HDMI-Anschluss (große Typ A Buchse) sind Raw-Videoaufnahmen mit 16 Bit Farbtiefe möglich.

  • Bild Das Herzstück der Sony Alpha 1 ist ihr 50 Megapixel auflösender Kleinbildsensor. Der CMOS-Sensor ist in rückwärtig belichteter (BSI) Technik aufgebaut und besitzt zudem mehrere Schichten (Stacked-Sensor) mit AD-Wandlern und DRAM als Zwischenspeicher. [Foto: MediaNord]

    Das Herzstück der Sony Alpha 1 ist ihr 50 Megapixel auflösender Kleinbildsensor. Der CMOS-Sensor ist in rückwärtig belichteter (BSI) Technik aufgebaut und besitzt zudem mehrere Schichten (Stacked-Sensor) mit AD-Wandlern und DRAM als Zwischenspeicher. [Foto: MediaNord]

Dank WLAN und Bluetooth lässt sich die Sony Alpha 1 mit einem Smartphone oder WLAN-Netzwerk verbinden. Sowohl über Ethernet als auch WLAN können Fotos per FTP-Protokoll (verschlüsseltes SFPT) übertragen werden. Per Bluetooth kann eine dauerhafte, stromsparende Verbindung zu einem Smartphone aufgebaut werden, was eine Positionsübertragung vom Smartphone ermöglicht, so dass diese Informationen direkt bei der Aufnahme automatisch in den Fotos gespeichert werden können.

Des Weiteren lässt sich die Sony Alpha 1 vom Smartphone aus inklusive vieler Aufnahmeparameter und Livebildübertragung fernsteuern (selbstverständlich funktioniert das auch von einem "normalen" Computer aus). Mit bestimmten Sony-Smartphones ist es sogar möglich, noch weitergehende Fernsteuer- und Übertragungsfunktionen direkt via Mobilfunknetz zu nutzen, dazu gehört nicht nur das Sony Xperia Pro, das Dank HDMI-Eingang sogar eine Monitor-Funktion bietet, sondern auch (Stand Juni 2021) das Xperia 1 II und III sowie das Xperia 5 II und III.

Bildqualität

Das Herzstück der neuen Sony Alpha 1 ist ihr 50 Megapixel auflösender Kleinbildsensor in Kombination mit dem Bildprozessor Bionz XR. Der CMOS-Sensor ist in rückwärtig belichteter (BSI) Technik aufgebaut und besitzt zudem mehrere Schichten (Stacked-Sensor), in denen die AD-Wandler und DRAM zum schnellen Zwischenspeichern der Bildinformationen Platz finden. Der Bionz XR zeichnet sich durch seine im Vergleich zum Bionz X um den Faktor Acht höhere Geschwindigkeit aus. Der Bildsensor soll 15 Blendenstufen Dynamikumfang liefern und bietet einen Empfindlichkeitsbereich von ISO 100 bis 32.000 ohne und 50 bis 102.400 mit Erweiterung.

Um der Bildqualität auf den Zahn zu fühlen, haben wir die Alpha 1 mit dem G-Master-Standardzoom Sony FE 24-70 mm F2.8 GM (SEL2470GM) in unserem Labor auf Bildqualität getestet. Den gesamten Labortest inklusiver aller Diagramme, auf denen die folgenden Betrachtungen beruhen, sowie erklärenden Texten kann man gegen ein kleines Entgelt in Höhe von 1,49 € als PDF bei uns herunterladen. Zudem bieten wir eine Aufnahmereihe eines Testbilds bei allen zwölf ISO-Empfindlichkeiten in Raw und JPEG für 1,09 € zum Download an, so dass sich jeder selbst sie Bildqualität anschauen kann.

Dank digitaler Korrekturen durch den Bildprozessor zeigt das GM 24-70 nur eine ganz leichte, sanft ansteigende Randabdunklung. Auch die chromatischen Aberrationen bewegen sich mit unter einem Pixel auf niedrigem Niveau. Ebenfalls nahezu perfekt auskorrigiert ist die Verzeichnung.

Die Sony Alpha 1 erreicht mit dem GM 24-70 eine den 50 Megapixeln angemessen hohe Maximalauflösung von bis zu 76 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) bei 50 Prozent Kontrast. Das Objektiv zeigt dabei jedoch einen deutlichen Auflösungs-Randabfall von bis zu 50 Prozent, vor allem bei Offenblende. Je nach Blende und Brennweite ist der Randabfall aber auch deutlich geringer bis hin zu nicht mehr vorhanden, beispielsweise bei 24 mm F5,6 bis F11, 41 mm F8 bis F16 und 70 mm F16. Blendet man weiter als F11 ab, sinkt die Auflösung wieder, weiter als F16 sollte man nicht abblenden, da dies der Auflösung äußerst abträglich ist.

  • Bild Das Speicherkartenfach der Sony Alpha 1 bietet zwei Steckplätze. Dabei handelt es sich um moderne CFexpress Typ A SDHC/SDXC UHS II Dualslots. [Foto: MediaNord]

    Das Speicherkartenfach der Sony Alpha 1 bietet zwei Steckplätze. Dabei handelt es sich um moderne CFexpress Typ A SDHC/SDXC UHS II Dualslots. [Foto: MediaNord]

Die beste Bildqualität erreicht die Alpha 1 bei ISO 100 bis 400. Hier bewegt sich der Signal-Rauschabstand auf einem hohen Niveau von über 40 dB, es gibt kaum Detailverlust durch die Rauschunterdrückung und einen hohen Dynamikumfang von 10,7 bis 11,3 (bei ISO 100) Blendenstufen. Die Grenze der akzeptablen Bildqualität ist allerdings bereits bei ISO 3.200 erreicht, darüber sind viele Messwerte deutlich schlechter. Helligkeitsrauschen wird ab ISO 3.200 leicht und oberhalb von ISO 12.800 deutlich sichtbar, bei ISO 102.400 zeigt sich sogar leichtes Farbrauschen. Immerhin bleibt das Rauschen bei allen ISO-Empfindlichkeitsstufen feinkörnig, es bilden sich also keine großen Pixelcluster.

Der Signal-Rauschabstand liegt bei ISO 3.200 bereits leicht unterhalb der kritischen Marke von 35 dB und fällt oberhalb von ISO 12.800 sogar unter 30 dB. Während feine Texturen bei ISO 3.200 nur leicht weicher wirken, verlieren sie darüber deutlich sichtbar an Detailgrad. Der Dynamikumfang bewegt sich bis ISO 3.200 auf gutem Niveau von über zehn Blendenstufen und hält sich bis ISO 25.600 mit 9,5 Blendenstufen sehr wacker.

Der Ausgangs-Tonwertumfang, der bei den getesteten 8-Bit-JPEGs bei maximal 256 Helligkeitsstufen liegt, bewegt sich bis ISO 200 auf sehr gutem Niveau von über 224 Helligkeitsabstufungen. Bis ISO 400 fällt der Wert flach linear ab, bis ISO 3.200 dann jedoch recht steil. Bis ISO 800 sind es noch gute über 192 Helligkeitsstufen. Der gute Bereich von über 160 Stufen wird oberhalb von ISO 1.600 unterschritten, bei ISO 3.200 ist mit 128 die Grenze zu effektiv nur noch 7 Bit erreicht. Oberhalb von ISO 12.800 sind es sogar nur noch weniger als 96 Helligkeitsstufen, so dass Helligkeitsverläufe deutlich sichtbare Abstufungen aufweisen.

Hervorragend ist die Farbgenauigkeit der Sony Alpha 1. Im Bereich von ISO 100 bis 25.600 liegt die mittlere Abweichung nur bei fünf Delta-a-b, die Maximalabweichung liegt bei 12 Delta-a-b. Nur bei ISO 50 und 51.200 ist die Abweichung etwas größer. Die meisten Abweichungen betreffen dabei lediglich die Farbintensität, nicht den Farbton selbst. Auch die tatsächliche Farbtiefe ist mit über vier Millionen Farbnuancen bis ISO 3.200 sehr gut.

Fazit

Die Sony Alpha 1 ist eine absolute Wucht und zeigt, was heutzutage technisch möglich ist. Das hat allerdings auch einen sehr stolzen Preis von über 7.000 Euro, was angesichts einiger Detaillösungen, wo die Alpha 1 Punkte liegen lässt, schon schmerzt. Dies betrifft vor allem den im Verhältnis zu den sonstigen Superlativen der Kamera etwas klein geratenen Bildschirm mit dem ungünstigen Seitenverhältnis. Aber auch bei der Bedienung könnte man die Alpha 1 sicher im Detail noch etwas verbessern, selbst wenn der große Funktionsumfang logischerweise auch mit einem umfangreichen, nicht ganz so übersichtlichen Menü einhergeht und die Individualisierbarkeit mit nicht eindeutigen Tastenbelegungen.

Die Verarbeitung, Ergonomie und Schnittstellenausstattung der Sony Alpha 1 ist ebenso sehr gut wie der enorme Funktionsumfang und die phänomenale Performance des Autofokus und der Serienbildfunktion. Der äußerst große und hochauflösende elektronische Sucher ist eine Wucht, auch wenn Brillenträger für eine bessere Übersichtlichkeit seine Cropfunktion aktivieren sollten und damit auf etwas Auflösung verzichten müssen, dafür aber die optional höhere Bildwiederholrate bekommen. Neben Fotografen kommen auch Videografen dank der 8K-Funktion mit 30 und der 4K-Funktion mit 120 Bildern pro Sekunde samt Rohdatenaufzeichnung, vielen Anschlussmöglichkeiten, Bildstabilisator und umfangreichen Einstellungen voll auf ihre Kosten.

Bei der Bildqualität zeigt sich, dass die Alpha 1 nicht nur sehr gute Objektive benötigt – nicht einmal jedes G-Master-Objektiv kann die 50 Megapixel adäquat bis zum Bildrand bedienen –, sondern auch bei eher niedrigen Empfindlichkeiten von am besten ISO 100 bis 400 betrieben werden sollte, um die Bildqualität wirklich voll ausschöpfen zu können. Immerhin zeigt die Sony Alpha 1 aber auch bis ISO 3.200 eine noch akzeptable Bildqualität.


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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
HerstellerSony
ModellAlpha 1
SensorCMOS Kleinbild 36,0 x 24,0 mm (Cropfaktor 1,0)
50,5 Megapixel (physikalisch)
50,1 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch4,2 µm
Auflösung (max.)8.640 x 5.760 (3:2)
Video (max.)7.680 x 4.320 30p
ObjektivSony FE 24-70 mm F2.8 GM (SEL2470GM) (Zoom-Objektiv)
VideosucherEVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 9.437.185 Bildpunkte Auflösung, 0,90-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,90-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 3,0 dpt)
Monitor3,0" (7,5 cm)
  Auflösung1.440.000 Bildpunkte
  kippbarja
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang (Typ A)
Vollautomatikja
Motivautomatik
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktion
Panoramafunktionnein
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung (1.200 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/8.000 s
Blitz
  Synchronzeit1/400 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Sony Multi Interface
WLANja
NFCja
GPSextern, dauerhafte Smartphone Verbindung
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Infrarotauslöser, Bluetooth-Auslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
CFexpress Typ A
  Slot 2
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
CFexpress Typ A
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-32.000
  manuellISO 50-102.400
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder759
425 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit0,18 s bis 0,20 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen129 x 97 x 81 mm
Gewicht (betriebsbereit)740 g (nur Gehäuse)
1.628 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit530 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

DXOMARK Logo

Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Hochwertig verarbeitetes, robustes, ergonomisches Gehäuse
  • Hervorragender elektronischer Sucher
  • Phänomenale Performanz (Autofokus, Serienbilder etc.)
  • Umfangreiche Ausstattung samt 4K- und 8K-Videofunktion
  • Sehr gute Bildqualität
  • Etwas klein und mit 4:3 ungünstig dimensionierter Touchscreen
  • Menü durch den großen Umfang nicht gerade übersichtlich
  • Sucher mit Brille nicht komplett überschaubar (Crop-Funktion hilft)