Einsteiger-Systemkamera mit APS-C-Sensor

Testbericht: Canon EOS M200

Seite 2 von 2, vom 2019-12-17 (Autor: Harm-Diercks Gronewold)Zur Seite 1 wechseln

Die maximale Aufnahmedauer für Videos beträgt 29 Minuten und 59 Sekunden. Der Umfang der Videofunktionen ist ganz ordentlich. So bietet die Kamera beispielsweise einen manuellen Aufnahmemodus, zudem kann der Ton manuell ausgesteuert werden und ein elektronischer Windfilter reduziert starke Windgeräusche. Leider besitzt die Kamera keinen Anschluss für externe Mikrofone, so dass man auf etwas asymmetrisch positionierte Stereomikrofon der Kamera angewiesen ist.

Neben den herkömmlichen Videofunktionen besitzt die M200 eine Zeitraffer-Funktion für Videos, mit der sich beeindruckende Zeitraffervideos – auch in 4K-Auflösung – aufzeichnen lassen. Der Fotograf kann sich bei dieser Funktion auf drei Vorgaben verlassen oder er wählt eigene Einstellungsoptionen. Eine Intervallaufnahmefunktion für Fotos gibt es hingegen genauso wenig wie eine Belichtungsreihenfunktion oder eine lautlose elektronische Auslösung. 

  • Bild Auf der linken Seite der Canon EOS M200 sind die Schnittstellenabdeckung und das SD-Speicherkartenfach zu finden. [Foto: MediaNord]

    Auf der linken Seite der Canon EOS M200 sind die Schnittstellenabdeckung und das SD-Speicherkartenfach zu finden. [Foto: MediaNord]

Bei der Serienbildfunktion bietet die EOS M200 eher moderate Geschwindigkeiten. Wir haben den Test mit einer 64 Gigabyte fassenden Panasonic SDXC UHS-II V90 Class 10 Speicherkarte durchgeführt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kamera Daten mit etwa 59 Megabyte pro Sekunde auf die Speicherkarte schreibt. Rohdaten werden mit sechs Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. Diese Geschwindigkeit hält die Kamera lediglich, bis acht Aufnahmen im Kasten sind. Danach wird aus der Serie ein ungleichmäßiges Gestotter mit durchschnittlich etwa 1,6 Bildern pro Sekunde, während die Kamera den Pufferspeicher zu leeren versucht. Bei JPEG-Aufnahmen erreicht die M200 ebenfalls knapp sechs Aufnahmen pro Sekunde, aber immerhin 40 in Folge. Darüber hinaus begrüßt den Fotografen auch hier das Gestotter. Andere Kameras gehen bei vollem Pufferspeicher wesentlich gleichmäßiger zu Werke, was in der Praxis sinnvollere Ergebnisse bietet. Im Schnitt schafft die Kamera hier etwa vier Aufnahmen pro Sekunde. 

Auch bei der EOS M200 gehören eine Bluetooth- und WLAN-Funktion mit zur Ausstattung, auch wenn die die NFC-Funktion des Vorgängers dem Rotstift zum Opfer gefallen ist. Zur Verbindung der Kamera mit einem Smartgerät muss die kostenlose Canon Connect App auf dem Gerät installiert sein. Die App ist für iOS und Android in den entsprechenden virtuellen Stores erhältlich.

Das Einrichten der App geht recht einfach von der Hand, zumindest, wenn man sich an die in der App präsentierte Anleitung zur Herstellung einer Verbindung hält. Die zwei Verbindungsarten der Kamera haben verschiedene Aufgabenbereiche. Während die stromsparende Bluetooth-Verbindung primär für die permanente Übertragung von Positionsdaten und einen einfachen Fernauslöser benutzt wird, kann die WLAN-Verbindung für deutlich mehr eingesetzt werden, wie beispielsweise die Kamerasteuerung inklusive LiveView. Auch die Übertragung der Bilddaten auf das Smartgerät ist problemlos möglich. Zudem kann die WLAN-Verbindung dazu benutzt werden, die Kamera in ein bestehendes WLAN-Netzwerk zu integrieren – dazu muss allerdings die Software EOS Utility auf einem Rechner im Netzwerk installiert sein.

Bildqualität

Wir haben die Canon EOS M200 zusammen mit dem im Set erhältlichen EF-M 15-45 mm IS STM getestet. Dieser Abschnitt enthält die Zusammenfassung des umfangreichen digitalkamera.de-Labortests, der vollständig gegen ein kleines Entgelt hier auf digitalkamera.de abgerufen werden kann. Das PDF enthält genaue Messergebnisse, aufschlussreiche Diagramme und eine redaktionelle Bewertung der Kamera-Objektiv-Kombination. Zudem bieten wir verschiedene Volumentarife an, die den Zugang zur kompletten Kamera- und Objektiv-Labortest-Rubrik auf digitalkamera.de inklusive Testbild-Downloads ermöglichen.

  • Bild Auf der Unterseite ist das Stativgewinde bei der Canon EOS M200 in der optischen Achse angebracht. Auch die Batteriefachklappe mit der Gummiabdeckung für die Stromdurchführung sitzt hier. [Foto: MediaNord]

    Auf der Unterseite ist das Stativgewinde bei der Canon EOS M200 in der optischen Achse angebracht. Auch die Batteriefachklappe mit der Gummiabdeckung für die Stromdurchführung sitzt hier. [Foto: MediaNord]

Bei dem 24 Megapixel auflösenden CMOS-Sensor der EOS M200 ist Canon eher konservativ und im Gegensatz zur EOS M6 Mark II nicht so mutig, einen 32-Megapixel-Sensor zu verbauen. Im direkten Vergleich tut es der Kamera aber auch keinen Abbruch. Die maximale Auflösung beträgt bei 50 Prozent Kontrast knapp 62 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm, im Kleinbildäquivalent) in der Bildmitte sowie 45 lp/mm am Bildrand und wird bei F5,6 im Weitwinkel erreicht. In allen anderen Brennweiten und Blendeneinstellungen liegt die Auflösung unter diesen Werten. Beugungsunschärfen machen sich ab F11 bemerkbar.

Das Objektiv zeigt die typischen Schwächen eines Set-Objektivs. Zwar sind keine Farbsäume sichtbar, dafür zeigen sich Verzeichnungen in allen Brennweitenbereichen. Am stärksten ist davon der Weitwinkelbereich betroffen. Hier erreicht die tonnenförmige Verzeichnung satte 2,5 Prozent. Das ist deutlich sichtbar. Die Tele-Brennweite besitzt eine weniger starke Ausprägung der tonnenförmigen Verzeichnung und die mittlere Brennweite geht in eine kleine kissenförmige Verzeichnung. Letztere ist allerdings im Rahmen.

Die interne Schärfung der Kamera ist im Standard-Modus gering und die Artfakte, also künstliche Details, die von einer Nachschärfung resultieren, liegen bei maximal etwa 15 Prozent. Bildrauschen wird von der Canon gut unterdrückt und fällt daher gering aus. Die Detaildarstellung ist bis ISO 1.600 gut und auch bei ISO 3.200 können feine Details gerade noch differenziert werden. Ab ISO 3.200 wird dann allerdings Hellligkeitsrauschen sichtbar, das Farbrauschen hingegen spielt selbst bei extremen ISO-Empfindlichkeiten keine Rolle. In diesem Bereich zeigt sich, dass es die richtige Entscheidung war, konservativ zu sein und einen 24 Megapixelsensor in der M200 zu nutzen. 

  • Bild Ohne Objektiv wirkt die Canon EOS M200 fast wie eine Kompaktkamera. Trotz der Einsteigerklasse besitzt sie ein Metallbajonett. [Foto: MediaNord]

    Ohne Objektiv wirkt die Canon EOS M200 fast wie eine Kompaktkamera. Trotz der Einsteigerklasse besitzt sie ein Metallbajonett. [Foto: MediaNord]

Die Bewältigung von Licht und Schatten ist ein wichtiges Kriterium für einen Kamerasensor. Die Eingangsdynamik zeigt an, welchen Dynamikumfang die Kamera bewältigen kann, ohne dass Lichter ausbrennen und Schatten absaufen. Hier schlägt sich die M200 ausgesprochen gut und erreicht maximal etwa 11,5 Blendenstufen bei niedriger Empfindlichkeit. Bei ISO 3.200 sind es immer noch mehr als zehn Blendenstufen. Erst oberhalb von ISO 12.800 wird die Eingangsdynamik gering, was aber nicht ungewöhnlich ist. Bei der Darstellung der Ausgangstonwerte liegt die Kamera bei sehr guten 256 Helligkeitsstufen bis ISO 200. Danach nimmt die Helligkeitsdifferenzierung ab, bleibt bis ISO 3.200 aber noch gut.

Bei der Farbwiedergabe zeigt sich die Canon eher von der kreativen Seite. Grund dafür sind die zum Teil deutlichen Farbverschiebungen. Diese betreffen vor allem Gelbgrün-, Gelb- und Magenta-Farbtöne. Im Durchschnitt ist die Farbabweichung allerdings gering, weil andere Farbbereiche getreu der Vorlage wiedergegeben werden. Die Farbtiefe ist bis ISO 12.800 gut.

Fazit

Die EOS M200 ist, wie ihr Vorgänger, eine ideale Einsteigerkamera. Sie hilft dem Fotografen, wo sie kann und wo er will. Sie bietet dennoch viel kreatives Potential und die Möglichkeit, fotografisch zu experimentieren. Leider hat Canon es versäumt, das Gehäuse der EOS M200 aufzuwerten und so präsentiert sie sich wie ihr Vorgänger mit einem billig wirkenden, dennoch sauber verarbeiteten Kunststoffgehäuse ohne Gummierungs-Elemente. Schade ist, dass die Kamera keinen TTL-Blitzschuh anbietet und der interne Blitz nicht in der Lage ist, externe Blitzgeräte als Steuergerät anzusprechen. Beim Bedienkonzept gibt es hingegen nichts auszusetzen, auch wenn der fortgeschrittene Fotograf sich ein individuelles Menü zusammenstellen muss, um schnell an Basisfunktionen, wie beispielsweise den manuellen Fokus, heranzukommen.

  • Bild Das Akkufach der Canon EOS M200 ist auf der Kameraunterseite zu finden. Leider ist es sehr dicht am Stativgewinde positioniert. [Foto: MediaNord]

    Das Akkufach der Canon EOS M200 ist auf der Kameraunterseite zu finden. Leider ist es sehr dicht am Stativgewinde positioniert. [Foto: MediaNord]

Auch wenn sich bei der Sensorauflösung im Vergleich zum Vorgänger gleich geblieben ist, hat Canon bei der Signalverarbeitung einiges verbessert, so dass feine Details bis ISO 3.200 noch erhalten bleiben. Die etwas weiche Abstimmung der Bilder mag nicht jedermanns Sache sein, ist aber durch Vorgaben oder individuelle Einstellungen schnell anzupassen.

Die größte Neuerung ist die 4K-Videofunktion. Sie bietet mit ihren maximal 25 Bildern pro Sekunde auch genug Potential für anspruchsvolle Videos. Leider wird nicht der gesamte Sensor für die 4K Aufnahme ausgelesen, so dass der Bildwinkel beschnitten wird. 

Alles in allem bietet die Canon EOS M200 genug Herausstellungsmerkmale gegenüber dem Vorgängermodell, so dass es sich bei der Kamera nicht nur um eine rein "kosmetische" Produktpflege handelt. Schade ist allerdings, dass Canon bislang weniger als zehn eigene Objektive für das EF-M-Bajonett anbietet, da sind andere Hersteller deutlich besser aufgestellt.

  • Bild Das Speicherkartenfach hat Canon bei der EOS M200 ganz bequem auf die linke Seite untergebracht, so dass die SD-Karte auch auf einem Stativ bequem entnommen werden kann. [Foto: MediaNord]

    Das Speicherkartenfach hat Canon bei der EOS M200 ganz bequem auf die linke Seite untergebracht, so dass die SD-Karte auch auf einem Stativ bequem entnommen werden kann. [Foto: MediaNord]


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Steckbrief

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HerstellerCanon
ModellEOS M200
SensorCMOS APS-C 22,5 x 15,0 mm (Cropfaktor 1,6)
25,8 Megapixel (physikalisch)
24,1 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch3,7 µm
Auflösung (max.)6.000 x 4.000 (3:2)
Video (max.)3.840 x 2.160 25p
ObjektivCanon EF-M 15-45 mm 3.5-6.3 IS STM (Zoom-Objektiv)
Monitor3,0" (7,5 cm)
  Auflösung1.040.000 Bildpunkte
  kippbarja
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Micro (Typ D)
Vollautomatikja
Motivautomatikja
Motivprogramme11
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionnein
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung (384 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/4.000 s
Blitzeingebauter Blitz
  Synchronzeit1/200 s
  Blitzanschluss
WLANja
NFC
GPSextern, dauerhafte Smartphone Verbindung
Fernauslöserja, Bluetooth-Auslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I)
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-25.600
  manuellISO 100-25.600
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder143
  Geschwindigkeit0,32 s bis 0,35 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen108 x 67 x 35 mm
Gewicht (betriebsbereit)299 g (nur Gehäuse)
422 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit315 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

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  • Einfaches Bedienkonzept
  • Viele Hilfefunktionen
  • Gute Bildqualität bis ISO 1.600
  • Separates Speicherkartenfach
  • Billig wirkendes Gehäusematerial
  • Fehlender TTL-Systemblitzschuh
  • Geringe Hersteller-Objektivauswahl

Autor

Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 51, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.