Ein Nachruf

Nikon 1 System wird eingestellt

2017-08-01 Zwei der drei bislang lieferbaren Nikon-1-System-Kameras sind bei Nikon schon vollständig ausverkauft. Die dritte, so berichteten uns Händler, ist zwar derzeit noch aus bestehendem Lagerbestand bei Nikon erhältlich, wird aber nicht mehr produziert. Nachfolgemodelle sind nicht angekündigt. Das ist faktisch das Ende des bisherigen spiegellosen Kamerasystems von Nikon.  (Jan-Markus Rupprecht)

  • Bild Mit dem Nikon 1 System (hier die Nikon 1 J1) kam 2011 erstmals ein 1-Zoll-Sensor in Fotokameras auf den Markt. [Foto: Nikon]

    Mit dem Nikon 1 System (hier die Nikon 1 J1) kam 2011 erstmals ein 1-Zoll-Sensor in Fotokameras auf den Markt. [Foto: Nikon]

  • Bild Die stylische Nikon 1 J1 hatte, durchaus pfiffig, einen weit aus dem Kameragehäuse herausragen Pop-Up-Blitz. [Foto: Nikon]

    Die stylische Nikon 1 J1 hatte, durchaus pfiffig, einen weit aus dem Kameragehäuse herausragen Pop-Up-Blitz. [Foto: Nikon]

  • Bild Bei den Doppelobjektiv-Kits der Nikon 1 J1 (hier mit VR 10-30 mm Zoomobjektiv und 10 mm Pancake-objektiv) waren die Objektive farbig auf die Kamera abgestimmt. [Foto: Nikon]

    Bei den Doppelobjektiv-Kits der Nikon 1 J1 (hier mit VR 10-30 mm Zoomobjektiv und 10 mm Pancake-objektiv) waren die Objektive farbig auf die Kamera abgestimmt. [Foto: Nikon]

  • Bild Außer den Farben Schwarz, Weiß, Silber und Rot gab es die Nikon 1 J1 auch in Rosa, auch als Doppelzoom-Kit mit 10-30 mm und 30-110 mm. Die Objektive waren komplett in Rosa gehalten. Passend dazu gab es als Zubehör Einschlagtücher und Trageriemen. [Foto: Nikon]

    Außer den Farben Schwarz, Weiß, Silber und Rot gab es die Nikon 1 J1 auch in Rosa, auch als Doppelzoom-Kit mit 10-30 mm und 30-110 mm. Die Objektive waren komplett in Rosa gehalten. Passend dazu gab es als Zubehör Einschlagtücher und Trageriemen. [Foto: Nikon]

  • Bild Nikon 1 V1 Kit bestehend aus: 1 Nikkor 10-30 mm und 30-110 mm [Foto: Nikon]

    Nikon 1 V1 Kit bestehend aus: 1 Nikkor 10-30 mm und 30-110 mm [Foto: Nikon]

  • Bild Nikon 1 V1 Kit bestehend aus: 1 Nikkor 10-30 mm und 30-110 mm [Foto: Nikon]

    Nikon 1 V1 Kit bestehend aus: 1 Nikkor 10-30 mm und 30-110 mm [Foto: Nikon]

Weil der Kameramarkt in ständiger Bewegung ist, aktualisieren wir unsere Kaufberatungs-E-Books regelmäßig. Aktuell sind wir wieder an unserem "dicken" Erstlingswerk mit allen aktuell erhältlichen spiegellosen Systemkameras dran, von dem wir in den nächsten Tagen die mittlerweile vierte, umfassend überarbeitete Auflage veröffentlichen werden. Dabei prüfen wir auch immer, welche Kameras noch verfügbar sind und welche offenbar "End of Life" sind, wie es im Fachjargon heißt ("EoL"). Diesmal traf es die Nikon 1 AW1 und die Nikon 1 V3. Auch von der 1 J5 wird offenbar nur noch der bestehende Lagerbestand abverkauft. Was sich im Grunde schon länger abzeichnet wird damit nun offensichtlich: Das Nikon 1 System läuft aus.

Eine offizielle Abkündigung zum Nikon-1-System gibt es von Nikon bislang nicht. Dies wäre auch nicht üblich. Dass Kameras oder Kamerasysteme von Herstellern offiziell abgekündigt werden, kommt selten vor. Zuletzt verließ das Pentax Q System vor etwa einem halben Jahr sang- und klanglos den Markt. Das Pentax Q System hatte allerdings auch keine hohe Marktbedeutung. Mit seinen winzigen Sensoren waren die Pentax Q Kameras eher ein Kuriosum unter den Wechselobjektiv-Systemkameras.

  • Bild Die Nikon 1 V1 mit dem zum Start erhältlichen Systemzubehör. Die asymmetrische Form des Aufsteckblitzes für die V1 rührt daher, dass der Blitzschuh bei der Kamera nicht zentral auf dem "Höcker" war sondern seitlich am Ende des Kameragehäuses. [Foto: Nikon]

    Die Nikon 1 V1 mit dem zum Start erhältlichen Systemzubehör. Die asymmetrische Form des Aufsteckblitzes für die V1 rührt daher, dass der Blitzschuh bei der Kamera nicht zentral auf dem "Höcker" war sondern seitlich am Ende des Kameragehäuses. [Foto: Nikon]

Ganz anders das Nikon-1-System, auf das Nikon durchaus einige Hoffnung gesetzt hatte. Wir erinnern uns noch gut an die Launch-Veranstaltung am 21. September 2011 in Berlin, wo Nikon das kurz "1" genannte System und die beiden Kameras Nikon 1 J1 und Nikon 1 V1 der Presse vorstellte. Die 1 steht bei dem System nicht (nur) für Nikons erstes spiegelloses Kamerasystem, sondern vor allem auch für die darin verbaute Sensorgröße. Das ganze System ist nämlich um einen 1-Zoll-Bildsensor herum konstruiert. Im Jahr 2011 gab es noch keine Kompaktkameras mit 1-Zoll-Sensor. Damals gab es nur Kompaktkameras mit ziemlich kleinem Sensor (maximal 2/3 Zoll, meist viel kleiner) und Systemkameras mit größerem Sensor (mindestens 4/3 Zoll). Nichts dazwischen. Die Systemkameras (damals noch überwiegend Spiegelreflexkameras) machten die guten Bilder. Die Kompaktkameras machen die nicht so guten Bilder. So einfach schien das.

  • Bild Mit der Nikon 1 J2 kam Orange als weitere Farbe ins Spiel. [Foto: Nikon]

    Mit der Nikon 1 J2 kam Orange als weitere Farbe ins Spiel. [Foto: Nikon]

  • Bild Das Rot der Nikon 1 J2 wurde zu einem dezenten Weinrot. [Foto: Nikon]

    Das Rot der Nikon 1 J2 wurde zu einem dezenten Weinrot. [Foto: Nikon]

  • Bild Statt Rosa gab es bei der Nikon 1 J2 ein kräftiges Pink. [Foto: Nikon]

    Statt Rosa gab es bei der Nikon 1 J2 ein kräftiges Pink. [Foto: Nikon]

  • Bild Aber auch in Silber gab es die Nikon 1 J2. [Foto: Nikon]

    Aber auch in Silber gab es die Nikon 1 J2. [Foto: Nikon]

  • Bild Sehr schick sah die Nikon 1 J2 in Weiß aus. In der Farbe kam auch die von uns getestete Kamera. [Foto: Nikon]

    Sehr schick sah die Nikon 1 J2 in Weiß aus. In der Farbe kam auch die von uns getestete Kamera. [Foto: Nikon]

  • Bild Auch klassisch schwarz sah die Nikon 1 J2 sehr gut aus. [Foto: Nikon]

    Auch klassisch schwarz sah die Nikon 1 J2 sehr gut aus. [Foto: Nikon]

Und genau dort zwischen ging Nikon mit seinem 1-Zoll-Sensor-System (Nikon nennt das Format CX-Format, im Gegensatz zu DX-Format, sonst APS-C genannt oder FX-Format, sonst Kleinbild-Vollformat genannt). Die Begeisterung bei den anwesenden Journalisten hielt sich entsprechend in Grenzen. Das hatte man von Nikon nicht erwartet. Auch sonst waren die Kameras ganz anders als von Nikon erwartet. Es waren mehr "Lifestyle-Produkte" als "Fotoapparate". Das Design, insbesondere das der J-Kameras, erinnerte mit seinen schlichten geometrischen Formen an zeitloses deutsches Industriedesign à la Braun (Stereoanlagen, Wecker und andere Alltagsgegenstände) aus den 80er Jahren. Die glatten, handgrifflosen Gehäuse ohne jede Belederung, dafür aber in zahlreichen, auch knalligen Farben, orientierten sich eher an Kompaktkameras als an Systemkameras. Zudem legte Nikon Wert auf ein sehr umfangreiches Zubehörsortiment an Taschen, Halbschalen, Hüllen, Trageriemen, Objektivköchern, Einschlagtüchern und vielem mehr. Alles passend in den vielen Farben der Kameras. Zusammen im Kit mit den Kameras waren sogar einige Objektive in bunten Farben erhältlich.

  • Bild Die Nikon 1 V2 war keine Schönheit, aber man erkennt den Versuch, die V-Linie des Nikon-1-Systems professioneller aussehen zu lassen. Sinnvollerweise hatte die 1 V2 einen eingebauten Aufklapp-Blitz. Die 1 V2 hatte statt 10 nun 14 Megapixel Auflösung. [Foto: MediaNord]

    Die Nikon 1 V2 war keine Schönheit, aber man erkennt den Versuch, die V-Linie des Nikon-1-Systems professioneller aussehen zu lassen. Sinnvollerweise hatte die 1 V2 einen eingebauten Aufklapp-Blitz. Die 1 V2 hatte statt 10 nun 14 Megapixel Auflösung. [Foto: MediaNord]

  • Bild Mit der Nikon 1 V2 System wurde auch das Systemzubehör-Angebot weiter ausgebaut. [Foto: Nikon]

    Mit der Nikon 1 V2 System wurde auch das Systemzubehör-Angebot weiter ausgebaut. [Foto: Nikon]

Die J1, das günstigere Modell, was damals hauptsächlich als kleine, stylische Fotokamera gedacht. Für Leute, die mehr Austattung und eine bessere Video- und Serienbild-Leistung oder einen Blitzschuh haben wollten, gab es die teurere V1. Die Serien setzte Nikon jeweils bis zur J5 und V3 fort, wobei die J-Serie zunehmend leistungsfähiger und die besser ausgestattete V-Serie dadurch irgendwann überflüssig wurde. Auch "seriöser" wurde die J-Serie mit der Zeit: die Farben nachfolgender Generationen wurden immer dezenter (von einer orangefarbenen J4 einmal abgesehen). Die V-Serie war ohnehin immer die "seriöse" Linie und überwiegend nur in Schwarz erhältlich (nur die V1 gab es auch mit weißer Front). Auch die Gehäuseform der V-Serie wurde zunehmend "klassisch", die V3 bekam einen Griff-Wulst und eine Belederung. Unterhalb der J-Serie gab es ab Anfang 2013 die S-Serie (nur S1 und später S2), die im Grunde die ursprünglichen Ideen der J-Serie fortführte: einfache Ausstattung und farbenfrohe Gehäuse.

  • Bild Mit der Nikon 1 J3 bekam Anfang 2013 auch die J-Serie den 14-Megapixel-Sensor. Zudem gab es als neue Farbe ein edles Beige. Schrille Farben wie Pink oder Orange gab es nicht mehr, weiterhin aber das Weinrot. [Foto: Nikon]

    Mit der Nikon 1 J3 bekam Anfang 2013 auch die J-Serie den 14-Megapixel-Sensor. Zudem gab es als neue Farbe ein edles Beige. Schrille Farben wie Pink oder Orange gab es nicht mehr, weiterhin aber das Weinrot. [Foto: Nikon]

  • Bild Mit der Nikon 1 J3 gab es auch ein neues 10-fach-Motorzoom-Objektiv (10-100 mm 4-5.6), das deutlich schlanker und leichter war als das zum Start des Nikon-1-Systems vorgestellte 10-fach-Zoom. [Foto: Nikon]

    Mit der Nikon 1 J3 gab es auch ein neues 10-fach-Motorzoom-Objektiv (10-100 mm 4-5.6), das deutlich schlanker und leichter war als das zum Start des Nikon-1-Systems vorgestellte 10-fach-Zoom. [Foto: Nikon]

  • Bild Unterhalb der J-Modelle platzierte Nikon die S-Modelle. Die zeitgleich mit der 1 J3 vorgestellte 1 S1 (hier mit 1-Mount 11-27,5 mm) hatte den 10-Megapixel-Sensor früherer Nikon-1-Kameras. Den S-Kameras waren ab sofort die "schrägen" Farben vorbehalten. [Foto: Nikon]

    Unterhalb der J-Modelle platzierte Nikon die S-Modelle. Die zeitgleich mit der 1 J3 vorgestellte 1 S1 (hier mit 1-Mount 11-27,5 mm) hatte den 10-Megapixel-Sensor früherer Nikon-1-Kameras. Den S-Kameras waren ab sofort die "schrägen" Farben vorbehalten. [Foto: Nikon]

  • Bild Die Nikon 1 S1 gab es auch wieder in Rosa ... [Foto: Nikon]

    Die Nikon 1 S1 gab es auch wieder in Rosa ... [Foto: Nikon]

  • Bild ... und auch wieder in leuchtendem Rot wie seinerzeit die Nikon 1 J1. [Foto: Nikon]

    ... und auch wieder in leuchtendem Rot wie seinerzeit die Nikon 1 J1. [Foto: Nikon]

Ein technischer Meilenstein war die Nikon 1 AW1, die auf der Photokina 2013 vorgestellt wurde. Sie war und ist die erste und einzige Wechselobjektivkamera, mit der man ohne Unterwassergehäuse tauchen gehen kann! Die Objektive sind in sich komplett gekapselt und vorne mit einer Schutzscheibe versehen. Das Bajonett an der Kamera hat einen dicken, grauen Silikonring als Dichtung, der die ganze Konstruktion wasserdicht bis 15 Meter Tauchtiefe macht. Nur zwei wasserdichte Objektive sind für die AW1 erhältlich, ein Zoom und eine Festbrennweite. An Land kann die Kamera auch mit allen normalen Objektiven der Nikon-1-Serie verwendet werden. Verglichen mit üblichen Outdoorkameras, die sehr kleine Bildsensoren und ein innenliegendes Periskop-Objektiv haben, bietet die Nikon 1 AW1 mit ihrem 14 Megapixel auflösenden 1-Zoll-Sensor eine exzellente Bildqualität. Deshalb war und ist die AW1 ein heißer Tipp für Fotografen, die eine richtig wassertaugliche Kamera suchen.

  • Bild Im Herbst 2013 kam die Nikon 1 AW1 auf den Markt, die erste Wechselobjektivkamera, mit der man ohne extra Schutzgehäuse tauchen gehen konnte. Zwei wasserdichte Objektive gab es dafür: das Zoom AW 11-27,5 mm und die Festbrennweite AW 10 mm. [Foto: Nikon]

    Im Herbst 2013 kam die Nikon 1 AW1 auf den Markt, die erste Wechselobjektivkamera, mit der man ohne extra Schutzgehäuse tauchen gehen konnte. Zwei wasserdichte Objektive gab es dafür: das Zoom AW 11-27,5 mm und die Festbrennweite AW 10 mm. [Foto: Nikon]

  • Bild Ein dicker Silikonring am Bajonett das Gehäuses der Nikon 1 AW1 sorgt in Verbindung mit dem speziellen Objektivtubus der beiden wasserdichten Objektive dafür, das beides zusammen bis 15 Meter unter Wasser dicht ist. [Foto: MediaNord]

    Ein dicker Silikonring am Bajonett das Gehäuses der Nikon 1 AW1 sorgt in Verbindung mit dem speziellen Objektivtubus der beiden wasserdichten Objektive dafür, das beides zusammen bis 15 Meter unter Wasser dicht ist. [Foto: MediaNord]

  • Bild Mit der im April 2014 eingeführten Nikon 1 V3 stieg die Auflösung des CX-Format-Sensors auf 18 Megapixel ohne Tiefpassfilter. Elektronischer Sucher und Sucherhöcker verschwanden. Das Design wurde "klassischer". [Foto: Nikon]

    Mit der im April 2014 eingeführten Nikon 1 V3 stieg die Auflösung des CX-Format-Sensors auf 18 Megapixel ohne Tiefpassfilter. Elektronischer Sucher und Sucherhöcker verschwanden. Das Design wurde "klassischer". [Foto: Nikon]

  • Bild Die Nikon 1 V3 gab es auch im Set mit 10-30 mm Motorzoom-Objektiv, elektronischem Aufstecksucher DF-N1000 und Zusatzgriff GR-N1010. [Foto: Nikon]

    Die Nikon 1 V3 gab es auch im Set mit 10-30 mm Motorzoom-Objektiv, elektronischem Aufstecksucher DF-N1000 und Zusatzgriff GR-N1010. [Foto: Nikon]

Das letzte Modell, das in der Nikon 1 Serie auf den Markt kam, war 2015 die Nikon 1 J5. Sie ist technisch natürlich auch das fortschrittlichstes Modell der Serie. Ihr Sensor schließt mit 20 Megapixeln zur Auflösung der seit einigen Jahren in Kompaktkameras erhältlichen Sony-Sensoren auf. Vom Design her verließ die J5 den Pfad ihrer geometrisch reduzierten Vorgängermodelle und sah mit kleinem Handgriff und Belederung der V3 sehr ähnlich. Die J5 ist offenbar die einzige Nikon-1-System-Kamera, die Nikon noch direkt aus dem europäischen Zentrallager liefern kann, die AW1 und die V3 sind seitens Nikon schon durchverkauft und nur noch bei einigen wenigen Händlern zu bekommen.

  • Bild Die Nikon 1 J4 wurde im April 2014 mit langem Vorlauf zur Einführung im September 2014 angekündigt. Sie lehnte sich technisch an die 1 V3 an (18 Megapixel ohne Tiefpassfilter, superschnelle Serienbilder, usw.). [Foto: Nikon]

    Die Nikon 1 J4 wurde im April 2014 mit langem Vorlauf zur Einführung im September 2014 angekündigt. Sie lehnte sich technisch an die 1 V3 an (18 Megapixel ohne Tiefpassfilter, superschnelle Serienbilder, usw.). [Foto: Nikon]

  • Bild Ein Hingucker: Die Nikon 1 J4 inkl. 10-30 mm Objektiv gab es auch in Orange. [Foto: Nikon]

    Ein Hingucker: Die Nikon 1 J4 inkl. 10-30 mm Objektiv gab es auch in Orange. [Foto: Nikon]

  • Bild Ebenfalls ab September 2014 erhältlich war die Nikon 1 S2 aus der S-Einsteigerserie des Nikon-1-Systems. Auch hier kam wieder der Sensor der Vorgängergeneration zum Einsatz (mit 14 Megapixeln). [Foto: Nikon]

    Ebenfalls ab September 2014 erhältlich war die Nikon 1 S2 aus der S-Einsteigerserie des Nikon-1-Systems. Auch hier kam wieder der Sensor der Vorgängergeneration zum Einsatz (mit 14 Megapixeln). [Foto: Nikon]

  • Bild Die Nikon 1 S2 (hier mit 1-Mount 10-30 mm Motorzoom-Objektiv) war auch in Gelb erhältlich. Die Nikon 1 S2 war nur rund ein Jahr auf dem Markt. Einen Nachfolger in der S-Reihe gab es nicht. [Foto: Nikon]

    Die Nikon 1 S2 (hier mit 1-Mount 10-30 mm Motorzoom-Objektiv) war auch in Gelb erhältlich. Die Nikon 1 S2 war nur rund ein Jahr auf dem Markt. Einen Nachfolger in der S-Reihe gab es nicht. [Foto: Nikon]

Insgesamt 13 Objektive kamen seit 2011 auf den Markt, darunter zwei wasserdichte Versionen speziell für die Nikon 1 AW1. Eigentlich war für alle gängigen Anwendungen etwas dabei. Durch den recht kleinen 1-Zoll-Sensor ergibt sich ein Kleinbild-Umrechnungsfaktor von 2,7. Ein Standard-Zoom 10-30mm beispielsweise entspricht also einer Kleinbildbrennweite von 27 bis 81 mm. Im Nikon-1-Objektiv-Angebot finden sich auch zwei Motorzoom-Objektive, eines ist optimiert für Video-Anwendungen, das andere ist für eine besonders kleine Baugröße ein Powerdrive-Modell. Mit dem Nikon-1-Mount VR 70-300 mm kam 2014 ein 4,3-fach-Zoom-Objektiv auf den Markt, das an einer Nikon-1-Kamera einen spektakulären Brennweitenbereich von 189 bis 810 mm hat. Extrem viel Tele bei nur 550 Gramm Gewicht dank des kleinen Bildsensors im 1-Zoll-Format. Wer seiner Nikon-1-Kamera noch das eine oder andere Objektiv spendieren möchte, sollte damit nicht zu lange warten. Noch ist die Versorgungslage bei den Objektiven gut (auch direkt seitens Nikon), aber das muss nicht so bleiben.

  • Bild Das letzte Modell des Nikon-1-Systems, die Nikon 1 J5, kam im Mai 2016 auf den Markt. Ähnlich wie bei der 1 V3 setzte Nikon nun auf ein eher klassisches Kameradesign in den Farben Silber (mit schwarzer oder weißer Belederung) oder Schwarz. [Foto: Nikon]

    Das letzte Modell des Nikon-1-Systems, die Nikon 1 J5, kam im Mai 2016 auf den Markt. Ähnlich wie bei der 1 V3 setzte Nikon nun auf ein eher klassisches Kameradesign in den Farben Silber (mit schwarzer oder weißer Belederung) oder Schwarz. [Foto: Nikon]

  • Bild Die Nikon 1 J5, hier in Schwarz mit dem 10-30 mm Motorzoom, hatte 20,8 Megapixel, also etwas mehr als der Sony-Sensor in den sonst üblichen 1-Zoll-Sensor-Kompaktkameras (20,1 Megapixel). [Foto: Nikon]

    Die Nikon 1 J5, hier in Schwarz mit dem 10-30 mm Motorzoom, hatte 20,8 Megapixel, also etwas mehr als der Sony-Sensor in den sonst üblichen 1-Zoll-Sensor-Kompaktkameras (20,1 Megapixel). [Foto: Nikon]

  • Bild Der Monitor der Nikon 1 J5 ist nach unten und oben klappbar und kann für Selbstportäts sogar komplett um 180 Grad nach oben geschwenkt werden. [Foto: Nikon]

    Der Monitor der Nikon 1 J5 ist nach unten und oben klappbar und kann für Selbstportäts sogar komplett um 180 Grad nach oben geschwenkt werden. [Foto: Nikon]

Warum hat das Nikon 1 System nicht so wie vom Hersteller gewünscht funktioniert? Es sind sicherlich mehrere Faktoren, die zusammen dazu geführt haben, dass das Nikon-1-System nicht durchgestartet ist und nun ausläuft. 

  • Die Erwartung, die die Welt, allen voran natürlich die treuen Nikon-Kunden, an ein spiegelloses Kamerasystem aus dem Hause Nikon hatten, konnte das Nikon-1-System nicht erfüllen. Wahrscheinlich war die Entscheidung zugunsten des kleinen Sensorformats auch von der Angst getrieben, den hauseigenen Spiegelreflexkameras Konkurrenz zu machen. Aber letztere setzen in der Nikon-Gemeinde nun einmal den Qualitätsmaßstab, unter den viele Nikon-Anwender nicht gehen möchten. Anders gesagt: ein spiegelloses System darf nicht schlechter sein als eines mit Spiegel.
     
  • Die 1-Zoll-Sensoren, die übrigens von der Firma Aptina Imaging (später gekauft von ON Semiconductor) kamen, waren im Herbst 2011 nicht annähernd so gut wie die Sensoren von Sony Semiconductor, die Sony ein dreiviertel Jahr später in seiner ersten 1-Zoll-Kompaktkamera an den Start brachte. Zudem beherrschte Sony die Bildaufbereitung mit den kleinen Sensoren besser als Nikon. Die RX100-Modelle als Kompaktkameras mussten sich zudem stets mit Kompaktkameras messen (und gewannen), während die Nikon-1-Kameras mit Systemkameras verglichen wurden (und einen schweren Stand hatten).
     
  • Die beiden ersten Kameras im Nikon 1 System hatten 10 Megapixel Auflösung. Die Pixeldichte war dabei verglichen mit anderen Systemen schon höher, sodass der Eindruck entstand, dass beim Nikon 1 System nicht mehr viel Luft nach oben sei (bei anderen Systemen mit größeren Sensoren hingegen schon). Das förderte bei den Kamerakäufern sicherlich nicht gerade die Investitionsbereitschaft in das neue System. Heute haben sich die Pixeldichten aller Systeme weiter erhöht und Sensor-Technologien wie BSI (rückseitig belichtete Sensoren) bewähren sich gerade bei kleinen Sensoren bestens. Aber hochauflösende 20-Megapixel-1-Zoll-Kameras sind nur mit fortschrittlicher Bildaufbereitung beherrschbar und erreichen unterm Strich nicht die Bildqualität größerer Sensoren. Dennoch würde ein heute (und natürlich mit heutiger Technik) in den Markt neu eingeführtes Nikon-1-System vermutlich für viele Käufer deutlich attraktiver erscheinen als es 2011 der Fall war. So gesehen kam das auf 1-Zoll-Sensoren basierende Nikon-1-System einfach zu früh.
     
  • Die Gehäuse und die Objektive der Nikon 1 Serie sind zwar klein, aber so wirklich winzig in Relation zur Sensorgröße im Grunde doch nicht. Olympus mit seinen E-PL-Modellen und Panasonic mit seinen GM-Modellen hatten ebenfalls sehr kleine Kameras im Programm, die allerdings einen schon signifikant größeren Sensor und eine deutlich bessere Bildqualität hatten. Zudem zeigt sich, dass "klein" bei Systemkameras nur von wenigen Kunden tatsächlich gewünscht ist. Auch Panasonic hat seine besonders kleine GM-Serie eingestellt – sie verkaufte sich nicht gut genug. Die nächst größeren Kameras sind den Kunden offenbar "klein genug".
     
  • Auch für das Nikon-1-System gab es einen Bajonett-Adapter für Objektive mit dem Nikon-F-Bajonett. Solche Adapter sollten ja auch in vielen anderen spiegellosen Systemen den bestehenden Kunden einen sanften Übergang ermöglichen. Anders als in anderen Systemen machte ein solcher Adapter beim Nikon-1-System aber keinen Sinn. Zum einen war der Crop-Faktor zu groß, zum anderen konnten die Nikon-1-Kameras den Spiegelreflexkameras hinsichtlich der Bildqualität nicht das Wasser reichen. Zudem sah ein Nikon-Spiegelreflex-Objektiv an einer Nikon-1-Kamera einfach nur merkwürdig aus, weil beide eine völlig andere Designsprache sprachen.
     
  • Die technischen Eckwerte der Nikon-1-Kameras der ersten Jahre sortierten die Kameras qualitativ unterhalb der damals schon etablierten Konkurrenz ein. Die geplanten Preise waren dafür deutlich zu hoch angesetzt. Die Nikon 1 J1 sollte inklusive 3-fach-Zoomobjektivs 600 Euro kosten. Für den Preis gab es von der Konkurrenz (damals mischte auch Samsung noch mit) Kameras mit deutlich größeren Sensoren, mehr Megapixeln und einer besseren Bildqualität. Dennoch konnte Nikon in einigen Quartalen (auch in den späteren Jahren) mit seinen Nikon-1-Kameras richtig gute Marktanteile erreichen (bezogen auf neu verkaufte Kameras, "GfK-Zahlen"). Das war allerdings nur über den Preis möglich. Teilweise waren Nikon-1-Kameras der J-Serie inklusive Objektivs für deutlich unter 300 Euro zu bekommen. Für den Preis konkurrierten sie mit Kompaktkameras. Wer mehr Bildqualität als eine Kompaktkamera haben, aber nicht mehr bezahlen wollte, konnte bedenkenlos so eine günstige Nikon 1 kaufen. Gerechnet haben dürfte sich das für Nikon aber nicht.
     
  • Nikon geht es aktuell finanziell nicht gerade bestens. Das kommt auch daher, dass generell das Kompaktkamera-Geschäft stark eingebrochen ist und dass Nikon das nicht mit einem erfolgreich laufenden spiegellosen System kompensieren kann (sondern fast ausschließlich von den Spiegelreflexkameras und deren Zubehör lebt). Aber in einer solchen Situation weiter in ein nicht erfolgreiches Kamerasystem zu investieren, macht auch keinen Sinn.

Und wie geht es nun weiter? Hellsehen können wir natürlich nicht und offizielle Statements von Nikon gibt es nicht. Spiegelreflex-Kameras verkaufen sich nach wie vor gut und haben ihre Existenzberechtigung in vielen Bereichen. Nikon ist in dem Bereich sehr gut aufgestellt. Die neueste Ankündigung einer Nikon D850 lässt erwarten, dass Nikon im Bereich der hochauflösenden Vollformat-Kameras ein neues Spitzenmodell mit interessanten Features vorstellen wird (Stichwort "8K Timelapse"). Möglicherweise konzentriert sich der Hersteller also voll auf seine DSLRs.

Aber ignorieren kann Nikon das Thema "Spiegellose" langfristig eigentlich nicht und müsste eigentlich früher oder später auch im spiegellosen Bereich aktiv werden. Man kann dem Hersteller nur raten, bei einem neuen System gleich konsequent auch auf das Kleinbild-Vollformat zu setzen. Systeme mit kleineren Sensoren gibt es eigentlich genug am Markt und der langfristige Trend geht ganz klar zu immer größeren Sensoren. Der APS-C-Bereich ist gut mit Fujifilm und Sony besetzt. Auch Canon hat sich für diese Sensorgröße bei seinen spiegellosen Systemkameras entschieden. Unterhalb der APS-C-Größe sind Olympus und Panasonic mit Micro Four Thirds bestens etabliert – dieses 4/3-Zoll-Format wird aber zunehmend als "kleiner Sensor" angesehen werden (zumal das Nikon-1-System nun nicht mehr die untere Grenze setzt). Die einzigen Hersteller, die spiegellose Kameras mit 36x24mm-Vollformat-Sensor anbieten, sind Leica und Sony. Leica ist eher eine Randerscheinung, aber Sony hat mit seinen Vollformat-Kameras guten Erfolg. Da ist aber durchaus noch Luft für einen zweiten großen Hersteller, zumal Sony nicht preisagressiv unterwegs ist (und Leica allemal nicht), sodass auch für Nikon die Chance zum Geldverdienen bestünde. Zudem würde zu Nikon ein spiegelloses Vollformat-System gut passen und mittels Bajonett-Adapter könnten bestehende Vollformat-DSLR-Objektive weitergenutzt werden. Auch qualitativ wären selbst anspruchsvolle Nikon-Anwender mit einer spiegellosen Vollformatkamera zufriedenzustellen.

Aber solche Kameras sind natürlich eher nichts für die breite Masse. Richtig große Stückzahlen sind nicht zu erwarten. Dafür sind solche Kameras und die zugehörigen Objektive einfach zu teuer. Insofern ist es sicherlich genauso möglich, dass Nikon spiegellos zweigleisig fährt und (wie Sony und Leica) sowohl APS-C- als auch Vollformat-Kameras mit dem mechanisch gleichen Bajonett anbieten wird. Dann allerdings müssten zumindest die wichtigsten Objektive einmal fürs spiegellose APS-C-Format und einmal fürs spiegellose Vollformat neu entwickelt werden. Doppelter Aufwand also. Wie auch immer – um gut für die Zukunft aufgestellt zu sein, wird Nikon mittelfristig wohl nicht um ein spiegelloses System herumkommen.

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Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 52, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.