Kompaktes Telezoom

OM System 40-150 mm F4 ED Pro im Test

2024-01-02 Anfang 2022 stellte OM System neben dem Standardzoom 12-40 mm F2.8 ED Pro II mit dem 40-150 mm F4 ED Pro auch ein kompaktes Telezoom mit durchgehender Lichtstärke von F4 und einem kleinbildäquivalenten Brennweitenbereich von 80-300 Millimeter vor. Einerseits passt es perfekt zum 12-40, denn nicht nur die Brennweite schließt nahtlos an, sondern auch die Abmessungen sind ähnlich, sieht man einmal vom etwas längeren Gehäuse des Telezooms ab. Aber auch zum kompakteren Olympus 12-45 mm F4 Pro passt es perfekt, der Brennweitenbereich überlappt leicht und die Lichtstärke ist identisch. Ob aber auch die Bildqualität stimmt, klären wir im ausführlichen Test an der OM System OM-1.  (Benjamin Kirchheim)

Verarbeitung

Mit knapp unter zehn Zentimetern ist das OM System 40-150 mm F4 ED Pro überraschend kurz, wenn man bedenkt, dass es sich um ein 80-300mm-Telezoom im Kleinbildäquivalent handelt. Das schafft OM Digital Solutions mit einem einfachen "Trick": Das Objektiv besitzt eine Transportstellung. Zum Fotografieren muss man den Zoomring um eine achtel Umdrehung drehen, um den Tubus in Aufnahmestellung zu bringen. Dieser fährt dabei um 2,5 Zentimeter heraus. Mit dann 12,4 Zentimetern Länge ist das Zoom aber immer noch kompakt, zumal es sich nun um ein Innenzoom handelt, das heißt der Tubus fährt beim Zoomen nicht weiter vor oder zurück.

Der Durchmesser beträgt knapp unter sieben Zentimeter, wobei das Filtergewinde 62 Millimeter misst. Damit passt es perfekt zum 12-40 mm F2.8 ED Pro II, das einen identischen Durchmesser und Filtergewinde besitzt, aber etwas kürzer baut. Auch die Brennweite schließt perfekt an. Von der Lichtstärke her passt es dagegen perfekt zum 12-45 mm F4 ED Pro, das jedoch deutlich kompakter ist. Die leichte Brennweitenüberlappung ist sogar noch praktischer, so muss man im Übergangsbereich gegebenenfalls nicht direkt das Objektiv wechseln. Von der minimalistischen Ausstattung passt das 40-150 ebenfalls perfekt zum 12-45, wohingegen das 12-40 mehr Bedienelemente bietet (Fokus-Clutch und Funktionstaste).

Während das 40-150 mm F4 ED Pro inklusive der Einstellringe aus Metall besteht, ist das beim Filtergewinde sowie dem gesamten ausfahrenden Tubus samt Bajonett für die Streulichtblende leider nicht der Fall, denn all dies besteht aus Kunststoff. Beim Einsatz von Metallfiltern ist also etwas Sorgfalt Pflicht (siehe auch Fototipp in den weiterführenden Links), denn hier ist das ansonsten sehr robuste Objektiv nicht ganz so stabil.

Apropos robust: Zahlreiche Dichtungen, eine davon am Bajonett, sollen das Eindringen von Spritzwasser und Staub verhindern – trotz des beweglichen Tubus. Sogar eine IP-Schutzklasse gibt OM Digital Solutions an: IP53. Das bedeutet einen Staubschutz nach IP5X, der das Eindringen von für die Funktion schädlichem Staub verhindert. Der IPX3-Schutz soll Sprühwasser aus einem Winkel von bis zu 60 Grad gegenüber der Senkrechten abhalten. Eine Frostresistenz bis -10 °C ist ebenfalls gegeben.

Das Gewicht von 381 Gramm (übrigens identisch zum 12-40 F2.8 ED Pro II) ist dem robusten Äußeren sehr angemessen. Zusammen mit der Testkamera OM System OM-1 bleibt das Gewicht bei knapp unter einem Kilogramm, mitsamt der mitgelieferten Streulichtblende ist man knapp darüber. In Kombination mit der OM-5 bewegt sich das Gesamtgewicht sogar bei nur rund 800 Gramm – und das bei einer maximalen kleinbildäquivalenten Brennweite von 300 Millimetern mit einer Lichtstärke von F4 (sogar ab Offenblende nutzbar, mehr dazu im Abschnitt Bildqualität).

Die 38 Gramm leichte Streulichtblende LH-66E (übrigens dieselbe wie beim 90 mm Makro) besteht aus Kunststoff und besitzt einen kleinen Entriegelungsschalter, damit sie einerseits sicher am Objektiv sitzt und sich andererseits schnell entfernen lässt. Sie ist zylindrisch gestaltet und innen matt geriffelt. Sie ist 5,1 Zentimeter lang und misst maximal acht Zentimeter im Durchmesser. Zum Transport kann die Blende verkehrt herum am Objektiv angebracht werden, verdeckt dabei aber (mit Tubus in Aufnahmestellung) die Hälfte des Fokusrings, der sich aber zur Not noch leidlich bedienen lässt.

Ausstattung und Bedienung

Das OM System 40-150 mm F4 ED Pro besitzt lediglich zwei Einstellringe als Bedienelemente, die sonst übliche L-Fn-Funktionstaste hat OM Digital Solutions wie bereits beim 12-45 mm F4 ED Pro bewusst weggelassen. Beim mit 4,5 Zentimeter deutlich breiteren der Einstellringe handelt es sich um den Zoomring. Er ist auf einer Breite von 3,9 Zentimetern mit einer griffigen Metallriffelung versehen und sitzt in der Mitte des Objektivs. Im hinteren, bläulich schimmernden Bereich sind die Brennweiten 40, 50, 70, 100 und 150 Millimeter gut lesbar weiß aufgebracht. Sie entsprechen Kleinbildäquivalenten von 80, 100, 140, 200 und 300 Millimetern, sind also recht sinnvoll gewählt; nur statt der 70 mm wäre vielleicht 75 mm (150 mm Kleinbildäquivalent) sinnvoller gewesen. Da die Brennweite zusätzlich millimetergenau im Livebild der Kamera angezeigt wird, zumindest während man zoomt, kann man jedoch ohnehin jede gewünschte Brennweite millimetergenau ansteuern. Sogar die Drehrichtung wird dabei eingeblendet, sodass man schnell ablesen kann, in welche Richtung man drehen muss, um die Brennweite zu verringern oder zu vergrößern.

Gezoomt wird der gesamte Brennweitenbereich mit etwas weniger als einer viertel Umdrehung, wobei der Tubus wie erwähnt starr bleibt, sodass dabei keine Luft hin und her gepumpt wird. Die Hinterlinse ist sogar starr, sodass niemals Luft zwischen Objektiv und Bildsensor gepumpt wird, sondern nur innerhalb des Objektivs selbst und das auch nur beim Ausfahren des Tubus. Verzichtet man in staubigen Umgebungen darauf (man kann das Objektiv ja auch ausgefahren transportieren), hat man sogar ein perfekt staubdichtes Telezoom-Objektiv.

Der vordere Einstellring hingegen dient zur Einstellung des manuellen Fokus. Er ist lediglich 1,6 Zentimeter breit, wobei er sogar nur auf 1,1 Zentimetern geriffelt ist. Im hinteren und vorderen Bereich ist er hingegen glatt. Im Gegensatz zu vielen anderen Pro-Objektiven besitzt der Fokusring keine Fokus-Clutch, kann also nicht zum Umschalten auf (sogar linearen) manuellen Fokus nach hinten gezogen werden. Das war auch schon beim 12-45 mm F4 ED Pro so und hat laut OM Digital Solutions den Grund, dass das Objektiv möglichst einfach und kompakt konstruiert werden sollte; das ist ja auch gelungen.

Dadurch kann nur über die Kamera auf manuellen Fokus umgeschaltet werden. Der Fokusring arbeitet dann nicht-linear und besitzt keinen festen Anschlag. Das hat den Vorteil, dass man mit langsamen Bewegungen äußerst fein manuell fokussieren kann, weil dann viel weitere Wege zum Einstellen zurückgelegt werden müssen als bei schnellen Drehungen. Eine Umschaltung auf einen linearen manuellen Fokusbetrieb gibt es dagegen nicht, nur die Drehrichtung des Fokusrings kann eingestellt werden. Immerhin zeigt das Zoom kaum Fokusatmen – wenigstens eine gute Nachricht für Videografen. Der Autofokus ist übrigens schnell, leise und treffsicher.

Als Einstellhilfen für den manuellen Fokus bietet die Kamera nicht nur eine Fokuslupe an, die sich auf Wunsch automatisch aktiviert, sondern auch Fokuspeaking, das sehr gut funktioniert. Obendrein gibt es einen Fokusbalken, jedoch ohne Entfernungsangaben. Zudem zeigen Pfeile an, in welche Richtung man gerade dreht und ob man damit die Distanz verkürzt oder verlängert.

Fortsetzung auf Seite 2

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 45, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.