Leistbare Vollformat-DSLR

Testbericht: Canon EOS 6D Mark II

2017-10-24 Die EOS 6D war vor fünf Jahren die erste Vollformat-DSLR von Canon, die weniger als 2.000 Euro kostete. Mit der EOS 6D Mark II ist nun das stark verbesserte Nachfolgemodell erhältlich, das jedoch – zumindest laut UVP – die 2.000-Euro-Schallmauer nicht unterbietet. Dafür gibt es einen neuen, höher auflösenden Bildsensor mit schnellem Kontrast-Autofokus, einen dreh- und schwenkbaren Bildschirm und einen deutlich leistungsfähigeren Autofokus mit 45 anstelle magerer elf Messpunkte. Im Test muss die 6D Mark II nun zeigen, wie sie sich in der Praxis und von der Bildqualität her im Testlabor schlägt.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Das Gehäuse der Canon EOS 6D Mark II besteht lediglich aus Kunststoff, ist aber gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. [Foto: MediaNord]

    Das Gehäuse der Canon EOS 6D Mark II besteht lediglich aus Kunststoff, ist aber gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. [Foto: MediaNord]

Ergonomie und Verarbeitung

Auch wenn das Gehäuse der Canon EOS 6D Mark II aus Kunststoff besteht, ist sie mit 760 Gramm kein Leichtgewicht. Das Gehäuse ist sauber verarbeitet und fühlt sich durchaus robust an. Auch beim festen Zupacken gibt es nicht nach, Knarzgeräusche sind auch nicht zu vernehmen. Die Robustheit wird vom Spritzwasser- und Staubschutz unterstrichen. Die Kamera ist recht dick und besitzt einen ausgeprägten Handgriff mit Einbuchtung für den Mittelfinger, sodass sich die DSLR sicher halten lässt. Eine Daumenmulde auf der Rückseite sowie die Gummibelederungen tragen ihren Teil zur Griffigkeit bei. Sowohl der Auslöser, als auch die Bedienknöpfe besitzen eher schwammige Druckpunkte, dennoch lassen sich die beiden Druckpunkte des Auslösers gut unterscheiden und somit der Autofokus und die Auslösung dosieren. Aber auch eine entsprechende AF-On-Taste fehlt nicht, falls man den Autofokus vom Auslöser entkoppeln möchte.

Das Speicherkartenfach ist seitlich auf der Handgriffseite bequem zugänglich, es schluckt jedoch nur eine SD-Karte und ist zu SDHC und SDXC kompatibel. UHS I wird unterstützt, das schnellere UHS II hingegen nicht. Die maximale Speichergeschwindigkeit lag im Test bei einem sehr guten Wert von 77 Megabyte pro Sekunde (mehr dazu im Abschnitt Ausstattung). Der Lithium-Ionen-Akku sitzt im Handgriff und wird auf der Unterseite entnommen, wobei die Klappe reichlich Raum zum in der optischen Achse befindlichen Stativgewinde lässt. Mit 14 Wh bietet der LP-E6N eine üppige Kapazität, ganze 1.200 Aufnahmen sind damit nach CIPA-Standard möglich. Der fehlende interne Blitz, der normalerweise bei jeder zweiten Aufnahme gezündet werden müsste, trägt seinen Teil dazu bei. Die 6D Mark II profitiert darüber hinaus vom stromsparenden Betrieb des Spiegelreflexsuchers. Zudem gibt es einen optionalen Batteriegriff, der die Ausdauer weiter erhöht und für eine bessere Ergonomie bei Hochformataufnahmen sorgt. Schnittstellen gibt es immerhin vier, die allesamt auf der linken Gehäuseseite sitzen: Neben einem Fernauslöser lassen sich ein externes Mikrofon, ein Mini-HDMI-Kabel sowie ein Mini-USB-Kabel anschließen. Eine USB-Ladefunktion bietet die 6D Mark II nicht, der Akku kann ausschließlich in der mitgelieferten Ladeschale außerhalb der Kamera aufgeladen werden.

Der Spiegelreflexsucher zeigt mit einer 0,71-fachen Vergrößerung ein angenehm großes Sucherbild, bildet jedoch nur 98 Prozent des aufzunehmenden Bildes ab. Die unterhalb des Sucherbilds eingeblendeten Aufnahmedaten lassen sich gut ablesen. Als Brillenträger kommt man allerdings nicht nahe genug an den Sucher heran, sodass die Ecken etwas abschatten. Wer kann, sollte sich mit der Dioptrienkorrektur des Suchers helfen. Der 7,7 Zentimeter große Bildschirm bringt es auf eine Auflösung von 1,04 Millionen Bildpunkten. Zudem sorgt das Seitenverhältnis von 3:2 für eine optimale Platzausnutzung im Livebild-Betrieb. Neu ist die Möglichkeit, den Bildschirm seitlich schwenken und um 270 Grad drehen zu können, was Aufnahmen aus allen möglichen Perspektiven erlaubt. Dank des für eine DSLR erstaunlich schnellen Live-View-Autofokus kann man damit gut arbeiten, solange sich die Motive nicht bewegen. Nur die maximale Helligkeit von lediglich 535 cd/m² lässt etwas zu wünschen übrig, das ist so gerade ausreichend für eine passable Ablesbarkeit bei direktem Sonnenlicht. Da haben wir schon deutlich hellere Displays gesehen! Immerhin handelt es sich um einen Touchscreen, was nicht nur das Platzieren des Autofokuspunkts erlaubt, sondern auch die Bedienung der Kamera inklusive den Menüs, wenn man mag.

  • Bild Auf einen integrierten Blitz muss man bei Canon EOS 6D Mark II zwar verzichten, dafür gibt es aber ein eingebautes GPS-Modul. [Foto: MediaNord]

    Auf einen integrierten Blitz muss man bei Canon EOS 6D Mark II zwar verzichten, dafür gibt es aber ein eingebautes GPS-Modul. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der rückwärtige Touchscreen der Canon EOS 6D Mark II erlaubt dank Dreh- und Schwenkmechanismus im Live-View-Betrieb Aufnahmen aus allen möglichen Perspektiven. [Foto: MediaNord]

    Der rückwärtige Touchscreen der Canon EOS 6D Mark II erlaubt dank Dreh- und Schwenkmechanismus im Live-View-Betrieb Aufnahmen aus allen möglichen Perspektiven. [Foto: MediaNord]

Eine reine Tastenbedienung ist weiterhin möglich, wofür die 6D Mark II mehr als reichlich Direktwahltasten zur Einstellung der relevanten Aufnahmeparameter bietet. Sogar ein klassisches LC-Display fehlt nicht. Es befindet sich auf der Oberseite und zeigt die aufnahmerelevanten Parameter an. Um es im Dunkeln besser ablesen zu können, lässt es sich im Gegensatz zu den Tasten beleuchten. Die Menüs sind Canon-typisch in fünf Hauptgruppen mit nummerierten Registern unterteilt, was ein schnelles Durchblättern erlaubt. Ein Favoritenmenü erleichtert dabei den Zugriff auf häufig genutzte Einstellungen. Das Custom-Menü hingegen, wo unter anderem die Tastenbelegungen und wichtige Autofokuseinstellungen zu finden sind, ist mit seinen Zahlenkolonnen doch etwas sehr unübersichtlich geraten. Ein Aufnahme-Quick-Menü fehlt nicht, in dem wichtige Parameter eingestellt werden können, für die es keine Direktwahltasten gibt. Zudem können, wenn auch etwas umständlich, einige Tasten individualisiert werden, es stehen zwei Einstellräder zur Verfügung und das Programmwählrad bietet Zugriff auf vorher abgespeicherte bevorzugte Aufnahmeeinstellungen. Bedienungstechnisch kann sich die 6D Mark II also mit einigen kleineren Abstrichen insgesamt sehen lassen.

Ausstattung

Auch wenn eine Vollformat-DSLR nicht gerade günstig in der Anschaffung ist, so kann man die EOS 6D Mark II als eine der günstigeren Vollformat-DSLRs durchaus als Einsteigerkamera bezeichnen. Auch der Funktionsumfang spiegelt diese als zweite Zielgruppe neben den Fotoenthusiasten wieder. So gibt es eine Vollautomatik, einige wichtige Motivprogramme zur Direktauswahl und einen kreativen Automatikmodus, der beispielsweise die Beeinflussung der Schärfentiefe erlaubt, ohne sich mit der Blende des Objektivs auseinandersetzten zu müssen. Gezielter kann man jedoch in den Kreativprogrammen Einfluss auf die Blende und Belichtungszeit sowie weitere Aufnahmeparameter nehmen. Während eine Panoramafunktion fehlt, gibt es einige nützliche Reihenaufnahmefunktionen. HDRs etwa nimmt die 6D Mark II auf Wunsch automatisch auf und verrechnet die unterschiedlich belichteten Bilder direkt in der Kamera für bessere Details in Lichtern und Schatten. Manuell kann man die Belichtungsreihenfunktion zur Hilfe nehmen, die zwei, drei, fünf oder sieben Bilder mit bis zu drei EV Belichtungsunterschied (bei sieben Bildern etwas weniger) aufnimmt. Die Bilder lassen sich am PC hervorragend zu einem HDR verarbeiten, zumal die Belichtungskorrektur unabhängig davon arbeitet. Des Weiteren bietet die EOS eine Intervallaufnahmefunktion mit bis zu 99 Fotos oder aber in einem unbegrenzten Modus.

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Auf Wunsch setzt die Canon die Intervallaufnahmen zu einem Zeitrafferfilm zusammen – das ist auch die einzige Möglichkeit, ein 4K-Video zu erstellen. Die Videoaufnahmefunktion arbeitet nämlich maximal in der für eine moderne Kamera etwas mageren Full-HD-Auflösung, das aber mit immerhin flüssigen 60 Bildern pro Sekunde. Aufgezeichnet werden die bis zu maximal knapp 30 Minuten langen Videos im MP4-Format mit H.264-Kompression. Der Stereoton kann wahlweise über das integrierte oder ein extern angeschlossenes Mikrofon aufgenommen werden. Belichtungsparameter lassen sich genauso wie bei Fotos manuell beeinflussen. Dank der Dual-Pixel-Technologie arbeitet der Nachführ-Autofokus erstaunlich gut, am besten nutzt man dafür jedoch ein STM-Objektiv mit dafür ausgelegtem Fokusmotor. Leider fehlt der EOS 6D Mark II eine Fokus-Peaking-Funktion, was manuelles Fokussieren während Filmaufnahmen äußerst schwierig macht. Dank Touchscreen und dem guten Dual-Pixel-Autofokus lassen sich aber immerhin automatische Fokusverlagerungen von einem auf ein anderes Motivdetail realisieren.

  • Bild Auf der Oberseite bietet die Canon EOS 6D Mark II ein klassisches LC-Display, das die wichtigsten Aufnahmeparameter anzeigt. Dank Beleuchtung lässt es sich auch im Dunkeln ablesen. [Foto: MediaNord]

    Auf der Oberseite bietet die Canon EOS 6D Mark II ein klassisches LC-Display, das die wichtigsten Aufnahmeparameter anzeigt. Dank Beleuchtung lässt es sich auch im Dunkeln ablesen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Stativgewinde sitzt bei der Canon EOS 6D Mark II in der optischen Achse und bietet reichlich Abstand zum Akkufach. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde sitzt bei der Canon EOS 6D Mark II in der optischen Achse und bietet reichlich Abstand zum Akkufach. [Foto: MediaNord]

Apropos Autofokus: In der EOS 6D Mark II kommt ein wesentlich leistungsfähigeres Autofokusmodul zum Einsatz als noch im Vorgängermodell. 45 Messpunkte stehen nun zur Verfügung, wobei jene allesamt Phasensensoren sind. Der Zentrale arbeitet bei bis zu F2,8 für eine höhere Präzision, die zentralen Punkte erlauben zudem eine Zusammenarbeit auch noch mit einer F8 Anfangslichtstärke, die sich bei der Verwendung von Telekonvertern schneller ergibt, als einem lieb sein kann. Lediglich die zentrale gedrängte Lage der Fokuspunkte kann man der 6D Mark II etwas ankreiden. So kann der Autofokus Ziele nicht bis an den Bildrand verfolgen. Die 6D II ist aber auch nicht unbedingt eine Sportskanone, die Serienbildleistung etwa bleibt etwas hinter den Angaben des Datenblatts zurück. So kamen wir maximal auf 6,4 anstelle von 6,5 Serienbildern pro Sekunde und in JPEG wurde die Kamera bereits nach 77 statt nach 150 Bildern langsamer, wenn auch nur minimal. Mit kleinen unregelmäßigen Päuschen ergeben sich in Summe sechs Serienbilder pro Sekunde Dauerlauf bis die Speicherkarte voll ist. In Raw war nach 19 statt 21 Bildern Schluss, danach geht es mit durchschnittlich 2,3 Serienbildern pro Sekunde deutlich gemütlicher weiter. Der verwendeten Speicherkarte kann man dabei nichts vorwerfen, denn dabei handelte es sich um die aktuell schnellste SDHC-Karte Sony SF-G32, die im UHS-II-Modus 299 MB/s Schreibgeschwindigkeit erreichen soll. Die Canon unterstützt jedoch nur UHS I, erreicht damit aber immerhin beachtliche 77 MB/s Schreibgeschwindigkeit und nutzt damit den Standard zu gut 3/4 aus.

Der Autofokus stellt innerhalb von 0,25 Sekunden von unendlich auf zwei Meter scharf, inklusive der 0,06 Sekunden dauernden Auslöseverzögerung wird also innerhalb von gut 0,3 Sekunden ausgelöst. Das ist für eine DSLR ordentlich flott (und fast doppelt so schnell wie beim Vorgängermodell), lässt so manche spiegellose Systemkamera jedoch nur müde lächeln, schließlich sind die teilweise doppelt so schnell. Seine Stärken hat der Autofokus einer (guten) DSLR wie der der Canon 6D Mark II eher beim Verfolgen von Motiven, auch wenn diese letzte Bastion inzwischen ganz schön wackelt. Dafür räumt die 6D II in einem anderen Bereich mit einem eher schlechten Ruf von DSLRs auf: Dem quälend langsamen Autofokus im Live-View-Betrieb. Statt wie früher eine oder mehrere Sekunden zur Fokussierung zu benötigen – das Vorgängermodell brauchte noch zwei bis 2,5 Sekunden – schafft die 6D Mark II das nun in knapp mehr als 0,3 Sekunden, inklusive der etwa 0,07 Sekunden langen Auslöseverzögerung ergeben sich somit knapp 0,4 Sekunden, womit die Marke von einer halben Sekunde deutlich unterschritten ist. Ausgelöst wird im Live-View zudem ohne lästigen Spiegelschlag, was die Auslösung etwas leiser macht. Verglichen mit einer spiegellosen Systemkamera macht die Canon aber sowohl ohne als auch mit Live-View mächtig Radau.

  • Bild Der Kleinbild-Vollformatsensor der Canon EOS 6D Mark II löst 26 Megapixel auf und bietet bis ISO 3.200 eine sehr gute Bildqualität. [Foto: MediaNord]

    Der Kleinbild-Vollformatsensor der Canon EOS 6D Mark II löst 26 Megapixel auf und bietet bis ISO 3.200 eine sehr gute Bildqualität. [Foto: MediaNord]

Äußerst nützlich und selten in einer Digitalkamera zu finden ist das eingebaute GPS-Modul, das die Canon 6D Mark II bietet. Es arbeitet wahlweise permanent oder nur bei eingeschalteter Kamera. Ersteres hat zu Lasten der Akkulaufzeit den Vorteil, dass die Position schneller gefunden ist. Verzichten muss man dagegen auf einen integrierten Blitz, sodass man selbst zum Drahtlosblitzen auf einen entsprechenden Auslöser auf dem Blitzschuh angewiesen ist. Dank WLAN, Bluetooth und NFC lässt sich die Canon einfach mit einem Smartphone oder Tablet mit Android oder iOS verbinden, um Bilder zu übertragen oder die Kamera fernzubedienen. Aber auch eine Kabel- sowie eine Infrarotfernauslösung sind möglich. Außerdem unterstützt die 6D Mark II die Canon Connect Station CS100, die als Bilderspeicher dient und die Fotos drahtlos von der Kamera herunterlädt. Auch das Herunterladen von Raw-Bildern auf ein Smartphone ist kein Problem, denn die Kamera schickt einfach ein daraus entwickeltes JPEG. Wer möchte, kann die Bilder aber auch direkt in der Kamera vom Raw ins JPEG-Format entwickeln und dabei einige Parameter einstellen.

Bildqualität

Der Bildqualität der Canon EOS 6D Mark II sind wir in unserem hauseigenen Testlabor auf den Grund gegangen, wobei das Setobjektiv EF 24-105 mm 3.5-5.6 IS STM zum Einsatz kam. Der gesamte Labortest mit allen Diagrammen, auf dem die folgenden Betrachtungen beruhen, ist über die weiterführenden Links gegen ein kleines Entgelt abrufbar. Außerdem bieten wir Prepaid-Flatrates für den zeitlich begrenzten Zugriff auf das gesamte Testarchiv mit über 1.600 Labortests an. Auch wer den Labortest zwar nicht braucht, uns aber finanziell unterstützen möchte, kann dies über den Kauf von Labortests tun.

Das Objektiv zeigt bei allen Brennweiten nur eine geringe Randabdunklung, die zudem nur sanft ansteigt und damit praktisch kaum auffällt; auch die Farbsäume in Form chromatischer Aberrationen sind minimal. Anders sieht es mit der Verzeichnung aus. Sie fällt im Weitwinkel mit drei Prozent deutlich tonnenförmig aus und wird stark sichtbar. Beim Zoomen kehrt sich die Verzeichnung in eine sichtbare Kissenform um. Dem Betrag nach erreicht sie zwar nur 1,5 Prozent, die Kissenform ist jedoch für das menschliche Auge unnatürlicher als die Tonnenform, wodurch diese subjektiv stärker wahrgenommen wird. Mit einer Auflösung von bis zu 63 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) erreicht das Objektiv und damit auch die EOS 6D Mark II eine sehr hohe Auflösung. Diese stellt sich jedoch nur im Weitwinkel in der Bildmitte bei F4 ein. Aber auch bei Offenblende F3,5 sind es knapp 60 lp/mm. Beim Abblenden fällt die Auflösung langsam ab, sinkt jedoch erst jenseits von F16 unter den guten Wert von 50 lp/mm. Bei mittlerer Brennweite muss man leicht von F5 auf F5,6 abblenden, um über 50 lp/mm zu erreichen. Bei F8 und F11 stellt sich das Maximum bei knapp 55 lp/mm ein, bevor die Auflösung beugungsbedingt wieder fällt.

Ganz ähnlich sieht es am Teleende aus. Von F5,6 auf F8 abgeblendet wird der Wert von 50 lp/mm überschritten, das Maximum liegt bei F11 mit 53 lp/mm. Am Bildrand sieht es deutlich schlechter aus. Im Weitwinkel werden bei offener Blende weniger als 40 lp/mm erreicht, man muss schon auf mehr als F5,6 abblenden, um die 40 lp/mm zu überschreiten. Bei mittlerer und langer Brennweite hingegen erreicht man die 40 lp/mm bereits bei Offenblende. Bei F11 und F16 kratzt die Randauflösung bei allen Brennweiten sogar an der Marke von 50 lp/mm, erreicht diese aber nicht ganz. Vor allem im Weitwinkel gibt es also einen recht kräftigen Randabfall der Auflösung, solange man nicht ordentlich abblendet. Mit einem besseren Objektiv erreicht man mit der Canon EOS 6D Mark II übrigens problemlos an die 70 lp/mm, wie unser Test des Canon EF 16-35 mm 2.8L III USM (siehe weiterführende Links) zeigt. Die so gute Auflösung für einen 26-Megapixel-Sensor kommt nicht von ungefähr, denn die 6D Mark II schärft wie jede Canon kräftig nach, was zu einer Schärfeartefaktrate von etwa 15 Prozent führt. Das sorgt für knackige JPEGs, aber durchaus auch sichtbare Schärfeartefakte.

  • Bild Neben einem Fernauslöser lassen sich ein Stereomikrofon, ein USB-Kabel sowie ein Mini-HDMI-Kabel an die Canon EOS 6D Mark II anschließen. [Foto: MediaNord]

    Neben einem Fernauslöser lassen sich ein Stereomikrofon, ein USB-Kabel sowie ein Mini-HDMI-Kabel an die Canon EOS 6D Mark II anschließen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Dank des ausgeprägten Griffs liegt die Canon EOS 6D Mark II sehr gut in der Hand. [Foto: MediaNord]

    Dank des ausgeprägten Griffs liegt die Canon EOS 6D Mark II sehr gut in der Hand. [Foto: MediaNord]

Der Signal-Rauschabstand der Canon EOS 6D Mark II erreicht bei ISO 50 einen sehr guten Wert von 45 dB und bleibt bis ISO 1.600 im guten Bereich von über 40 dB. Darüber sinkt der Wert jedoch schnell ab, bei ISO 12.800 wird der kritische Wert von 35 dB bereits knapp unterschritten. Jenseits dieser Marke wird Helligkeitsrauschen deutlich sichtbar, bleibt aber feinkörnig. Farbrauschen hingegen spielt selbst bei der höchsten Empfindlichkeit von ISO 102.400 keine Rolle. Bei ISO 50 und 100 erreicht die Canon 6D Mark II eine sehr hohe Texturschärfe, die einmal mehr die kräftige Nachschärfung verdeutlicht. Bis ISO 1.600 bleibt der Wert jedoch im sehr guten Bereich, das heißt, es werden praktisch alle Motivdetails verlustfrei wiedergegeben. Bei ISO 3.200 ist der Detailverlust nur minimal und spiegelt sich eher in der Messung als in der Sichtbarkeit wieder. Ab ISO 1.600 sinkt die Texturschärfe jedoch linear mit dem ISO-Wert, bei ISO 6.400 sind nur noch knapp ausreichend Details vorhanden. Darüber wirken die Bilder hingegen deutlich weicher, es fehlen die feinen Details.

Am deutlichsten gegenüber dem Vorgängermodell hat sich die Eingangsdynamik verbessert. Im Bereich von ISO 100 bis 3.200 werden über elf Blendenstufen erreicht. Das Maximum liegt bei ISO 800, was darauf hindeutet, dass ab dieser Empfindlichkeit das Rauschen in den Schattenbereichen deutlich stärker beseitigt wird, wodurch die Tiefen dunkler und die Dynamik damit scheinbar besser wird. Erst bei ISO 40.000 sinkt der Dynamikbereich unter neun Blendenstufen. Die starke Ansteilung der Tonwertkurve war erwartbar und unterstreicht die knackige Abstimmung der JPEG-Dateien für schöne, sofort verwendbare Fotos mit knackigen, kontrastreichen Details. Bis ISO 800 erreicht die Canon zudem einen nahezu perfekten Ausgangs-Tonwertumfang von fast 256 der 256 möglichen Helligkeitsstufen. Bis ISO 3.200 sinkt der Ausgangs-Tonwertumfang nur leicht auf einen immer noch guten Wert von 224 Stufen. Ab hier geht es jedoch mit jeder ISO-Stufe rapide bergab. Bei ISO 12.800 sind es schon weniger als 160 Stufen, ein immerhin noch akzeptabler Wert.

Sehr hoch ist auch die tatsächliche Farbtiefe. Bis ISO 1.600 sind es über acht Millionen Farben, selbst bei ISO 12.800 werden noch weit über zwei Millionen Farbnuancen differenziert. Dabei ist die Farbtreue insgesamt sehr gut, es gibt im Mittel nur geringe Farbabweichungen. Etwas stärker fallen sie im etwas entsättigten und minimal Richtung Grün tendierenden Gelb sowie den stark gesättigten Rottönen aus. Zudem tendiert das Magenta etwas Richtung Pink. Insgesamt gibt die 6D Mark II aber gefällige Farben mit kräftigem Rot wieder.

Fazit

Merkte man dem Vorgängermodell noch den Rotstift allzu sehr an, so ist die Canon EOS 6D Mark II eine sehr ausgewogene digitale Spiegelreflexkamera mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Das Gehäuse besteht zwar aus Kunststoff, ist aber robust und ergonomisch. Der Autofokus bietet eine angemessene Leistung und verfolgt, wenn auch nur im mittleren Bildbereich, mit seinen vielen Messpunkten bewegte Objekte sehr gut. Dank des nun sehr schnellen Dual-Pixel-CMOS-AFs und des beweglichen Touchscreens kann man zudem sehr gut im Live-View mit der Canon arbeiten, was die Flexibilität deutlich erhöht. Apropos Flexibilität: Mit GPS, NFC, WLAN und Bluetooth bleiben keine Wünsche offen. Etwas zurückstecken muss die 6D Mark II im Bereich Video, während es 4K-Auflösung bei der (spiegellosen) Konkurrenz schon im Einsteigerbereich gibt, muss man sich bei der über 2.000 Euro teuren 6D Mark II mit Full-HD begnügen; immerhin aber mit gut funktionierendem Autofokus. Die Serienbildgeschwindigkeit stellt keine Rekordwerte auf, ist aber solide und für viele Anwendungen ausreichend. Bei der Bildqualität gibt sich die Canon EOS 6D Mark II keine Blöße. Sie löst sehr hoch auf und bietet bis ISO 3.200 eine sehr gute Bildqualität, ist mit leichten Abstrichen oder einer sorgsamen Rohdatenentwicklung aber auch deutlich darüber noch gut zu gebrauchen.

  • Bild Die Canon EOS 6D Mark II besitzt lediglich einen Speicherkarteneinschub, der aber immerhin seitlich sitzt. Der große AKku spendet Saft für 1.200 Aufnahmen nach CIPA-Messverfahren. [Foto: MediaNord]

    Die Canon EOS 6D Mark II besitzt lediglich einen Speicherkarteneinschub, der aber immerhin seitlich sitzt. Der große AKku spendet Saft für 1.200 Aufnahmen nach CIPA-Messverfahren. [Foto: MediaNord]

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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
HerstellerCanon
ModellEOS 6D Mark II
SensorCMOS Kleinbild 36,0 x 24,0 mm (Cropfaktor 1,0)
27,1 Megapixel (physikalisch)
26,2 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch5,7 µm
Auflösung (max.)6.240 x 4.160 (3:2)
Video (max.)1.920 x 1.080 60p
ObjektivCanon EF 24-105 mm 3.5-5.6 IS STM (Zoom-Objektiv)
SpiegelreflexsucherPrismensucher, 98 Prozent Bildfeldabdeckung, 0,71-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,71-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), 21 mm Augabstand, Dioptrienkorrektur von -3,0 bis 1,0 dpt, wechselbare Mattscheiben
Monitor3,0" (7,7 cm)
  Auflösung1.040.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbarja
  schwenkbarja
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Mini (Typ C)
Vollautomatikja
Motivautomatikja
Motivprogramme12
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionnein
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung (63 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/4.000 s
Blitz
  Synchronzeit1/180 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Canon, Standard-Mittenkontakt
WLANja
NFCja
GPSintern
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Infrarotauslöser, Bluetooth-Auslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I)
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-40.000
  manuellISO 50-102.400
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder45 Kreuzsensoren
63 Kontrastsensoren
  GeschwindigkeitPhasen-Autofokus: 0,30 s
Live-View-Autofokus: 0,40 s
  AF-Hilfslichtk. A.
Abmessungen145 x 111 x 75 mm
Gewicht (betriebsbereit)760 g (nur Gehäuse)
1.280 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit1.200 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Griffiges, spritzwassergeschütztes Gehäuse
  • Integriertes GPS, WLAN, Bluetooth und NFC
  • Großer Ausstattungsumfang für Einsteiger und Fotoenthusiasten
  • Sehr gute Bildqualität bis ISO 3.200
  • Gehäuse besteht lediglich aus Kunststoff
  • Kein integrierter Blitz
  • Keine Fokus-Peaking-Funktion
  • Videoaufnahme lediglich in Full-HD und nicht in 4K

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.