Aus dem digitalkamera.de-Testlabor

Nikon D4 mit 24-70 2.8 G und 70-200 2.8 G VR II im Labortest

2012-05-15 Die D4 ist das neue DSLR-Flaggschiff von Nikon und nach wie vor eine der Kameras mit dem größten ISO-Empfindlichkeitsbereich. Allerdings hat Nikon im Vergleich zur Vorgängerin kräftig an der Auflösungsschraube gedreht – statt zwölf Megapixel löst der Sensor nun ca. 35 Prozent mehr auf, also 16 Megapixel. Wie sich die neue Profikamera beim Rauschen und der Bildqualität allgemein verhält, haben wir im digitalkamera.de-Labor mit den beiden professionellen Standardobjektiven Nikon AF-S 24-70 mm 2.8 G IF ED und Nikon AF-S 70-200 mm 2.8 G ED VR II getestet.  (Benjamin Kirchheim)

Nikon D4 [Foto: MediaNord]Schon der Blick auf den Signal-Rauschabstand (siehe Diagramm unten) verspricht eine sehr "ehrliche" Kamera, zeigt aber auch deutliche Grenzen auf. So beginnt er bei hervorragenden Werten von über 45 dB und vermag sich bis ISO 1.600 im guten Bereich von über 40 dB zu halten – sieht man mal von den messbar schlechteren Rot- und Blaukanälen ab, die nur bis ISO 400 im guten Bereich sind. Der Signal-Rauschabstand fällt nahezu linear ab, und so wird der Messwert ab ISO 12.800 schlecht, bei extremen ISO 204.800 wird sogar ein ziemlich schlechter Wert von nur noch 20 dB erreicht. Es ist für Extremsituationen sicher zu begrüßen, einen derart hohen Empfindlichkeitswert einstellen zu können, vom Bildqualitätsaspekt her ist davon aber dringend abzuraten. Das Rauschen selbst wird in seiner Helligkeitsstreuung ab ISO 12.800 sichtbar und steigt darüber sehr steil an, ab ISO 51.200 wird es stark sichtbar. Das Farbrauschen hält sich immerhin stärker bedeckt und tritt erst ab ISO 51.200 leicht in Erscheinung, steigt aber ebenfalls sehr steil an und wird bei höchster Empfindlichkeit sehr störend. Vor allem fällt auf, dass  Schwarz bei hohen ISO-Empfindlichkeiten durch die vielen farbigen Störpixel einen starken Magenta-Farbstich bekommt.

Sehr gut verhält sich die D4 bei der Wiedergabe feiner Details, die bis ISO 3.200 sehr gut ist. Darüber beginnt das Rauschen feine Details regelrecht aufzufressen. Immerhin sinkt die Detailauflösung nur langsam und flacht sich zu den höheren Empfindlichkeiten wieder ab, so dass Details zwar sichtbar, aber noch nicht indiskutabel stark an Schärfe verlieren. Die Eingangsdynamik bewegt sich von ISO 100 bis 6.400 im guten Bereich von rund zehn Blendenstufen. Bei ISO 50 ist sie eine Nikon D4 [Foto: MediaNord]Blendenstufe schwächer, auch oberhalb von ISO 6.400 verliert die Eingangsdynamik deutlich. Dass hier insgesamt keine Spitzenwerte erreicht werden, ist wiederum der professionell zurückhaltenden Bildaufbereitung der Kamera in JPEG zu verdanken, was man der D4 keinesfalls als Nachteil auslegen muss. Auch die Tonwertkurve ist nicht extrem aufgesteilt, bei ISO 50 verläuft sie typisch für ein gedämpftes Signal vor allem im Bereich der Lichter etwas flacher. Der Ausgangs-Tonwertumfang ist bis ISO 800 hervorragend und bis ISO 6.400 gut, darüber könnten die Kamera gerne feinere Abstufungen auflösen. Aber auch hier setzt das Rauschen mit der zurückhaltenden Bildaufbereitung eine Grenze.

Der manuelle Weißabgleich arbeitet bis ISO 51.200 hervorragend. Darüber bedingt der Magentastich eine deutliche Abweichung. Farben gibt die Nikon dagegen teilweise mit einer sichtbaren Abweichung wieder. Vor allem rote und orange Farbtöne sind stärker gesättigt, Abweichungen sind aber auch bei allen anderen Farben wie Blau, Grün oder Violett zu beobachten. Geht es dagegen darum, möglichst viele Farben in feinsten Abstufungen wiederzugeben, erreicht die D4 bis ISO 400 einen hervorragenden Wert und bis ISO 6.400 einen guten. Problematisch wird es ab ISO 51.200, wo die gemessene Farbtiefe unter 19 Bit bzw. gut 525.000 Farben fällt. Ihr allerbeste Bildqualität in allen Messwerten, vor allem für Studiofotografie, erreicht die D4 also bei ISO 100 bis 400. Ihre hohe Rauschfreiheit büßt die Kamera mit der etwas höheren Rauschunterdrückung ganz leicht ein, wobei sich die Kamera nach wie vor auf höchsten Niveau bewegt, beginnt doch das Helligkeitsrauschen erst ab ISO 12.800 für das geschulte Auge überhaupt sichtbar zu werden.

Nikon Nikkor AF-S 24-70mm [Foto: Nikon]Auch die beiden Objektive haben ihre Sonnen- und Schattenseiten. Das Nikon AF-S 24-70 mm 2.8 G IF ED zeigt an der D4 dieselben Probleme mit der Auflösung am Bildrand wie schon an der doppelt so hoch auflösenden D800. Bei Offenblende fällt die Schärfe zum Bildrand auf die Hälfte ab, erst ab Blende 11 sinkt der Randabfall unter 25 Prozent. Bei mittlerer und langer Brennweite ist das Objektiv bei Offenblende insgesamt etwas weicher, wobei dies besonders in Telestellung auffällt. 2-3 Stufen abgeblendet wird das Objektiv aber hochauflösender. Unser Labor-Vergleichsmaßstab, das 20 x 30 Zentimeter große Papierbild, mag für die D4 vielleicht etwas lächerlich klingen, aber hier relativieren sich die Probleme bei der absoluten Auflösung wieder deutlich. Nur in Telestellung ist eine ganz leichte Unschärfe bei F2,8 erkennbar. Bei den anderen Brennweiten und in Telestellung um eine Stufe abgeblendet erhält man hervorragend scharfe Bilder auf 20 x 30 – das gilt bis in die Bildecken. Sichtbar ist hingegen die Verzeichnung, und das unabhängig vom Ausgabeformat. Über drei Prozent Tonnenform in Weitwinkelstellung und in Telestellung etwa 1,3 Prozent Kissenform, die bei einem gleich hohen Wert unangenehmer auffällt, sind jeweils störend sichtbar. Einzig im mittleren Bereich ist das Objektiv mit unter 0,5 Prozent Tonnenform sehr verzeichnungsarm. Auch einzelne chromatische Aberrationen können zum Problem werden, da diese teilweise mit bis zu drei Pixeln Breite stark sichtbar auftreten. Dies gilt aber nur für die Extremwerte, gemittelt sind die Farbsäume kaum auszumachen. Bei der Vignettierung greift eine kamerainterne Korrektur, so dass Randabdunklung kein Problem darstellt. Ganz leicht messbar ist sie noch bei Offenblende, auf F4 abgeblendet dagegen kaum noch relevant.

Der Autofokus der Nikon D4 ist mit dem 24-70 sehr schnell, inklusive Auslösung dauert es vom Druck auf den Auslöser bis zum aufgenommenen Foto gerade einmal eine viertel Sekunde. Vorfokussiert sinkt die Verzögerung auf unter 0,05 Sekunden. Ganz anders sieht es beim Kontrastautofokus aus, der etwa 0,9 Sekunden benötigt. Man kann der D4 aber zu Gute halten, dass andere waschechte DSLRs das nicht unbedingt so schnell können. Sehr schlecht ist hingegen die Auslöseverzögerung. Die D4 gehört zu den Kameras, die vor der Auslösung den Spiegel noch einmal herunter klappen, so dass sie fast 0,2 Sekunden zum Auslösen im LiveView braucht, obwohl Nikon AF-S Nikkor 70-200mm F2.8 G ED VR II [Foto: Nikon]vorher fokussiert wurde. Ganz nebenbei macht das auch noch Lärm und sorgt für Erschütterungen, auch wenn diese gut gedämpft sind. Andere DSLRs wie die Pentax K-5 oder Canon EOS 5D Mark III kommen hingegen ohne dieses zusätzliche Spiegelklappen aus und werden dadurch sehr leise und schnell im LiveView, sieht man einmal von der Fokussierung ab.

Das Nikon AF-S 70-200 mm 2.8 G ED VR II schlägt sich bei der Bildqualität insgesamt besser als das 24-70, hat es als Telezoom aber auch leichter. Farbsäume und Randabdunklung sind kaum messbar, allerdings ist die Verzeichnung etwas stärker, als wir es erwartet hätten. Bei mittlerer Zoomstellung wird eine leicht kissenförmige Verzerrung sichtbar, die zum Teleende noch zunimmt und mit 1,5 Prozent schon etwas störend wirkt, sofern das Motiv überhaupt anfällig dafür ist, Verzeichnungen sichtbar zu machen. Bei der Auflösung ist die Telestellung mit deutlichem Abstand am besten, das gilt vor allem für Blende F2,8 bis F5,6. Darüber nimmt die Auflösung sprunghaft ab und zieht mit den anderen Brennweiten gleich, die noch bis F11 zulegen und die Telestellung dann in Sachen Auflösung sogar überflügeln. Der Randabfall der Auflösung ist schwächer als beim 24-70, aber durchaus nicht wegzudiskutieren. In Telestellung ist die kein Problem, bei mittlerer Brennweite ab F8 nicht mehr, in kurzer Zoomstellung erst ab F11 nicht mehr. Bezogen auf 20 x 30 Zentimeter ist aber auch die Schärfe einwandfrei, allenfalls bei Offenblende und 70 Millimeter könnte das kritische Auge einen Hauch weniger Schärfe in den Bildecken ausmachen. Insgesamt ist das 70-200 also vor allem in Telestellung gut, erfreulicherweise sogar schon bei Offenblende. Im Gegenteil kann man für Teleaufnahmen sogar empfehlen, nicht weiter als F5,6 abzublenden, während man bei anderen Brennweiten eher etwas abblenden sollte. Schade, dass das Objektiv in Telestellung so verzeichnet. Bei Sportaufnahmen beispielsweise dürfte das aber keine Rolle spielen, und hier kann das Objektiv an der D4 seine Stärken in Telestellung voll ausspielen.

Nikon D4 mit Nikon AF-S 24-70 mm 2.8 G IF ED

Signal-Rauschabstand

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software Analyzer von DXOMARK verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten in Form einer ausführlichen PDF-Datei zum Download kostet je nach Umfang 0,49 bis 1,49 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,49 bis 0,69 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.


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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 43, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.