Bessere Ausstattung, erhöhter Preis

Canon EOS 5D Mark III will der Nikon D800 Konkurrenz machen

2012-03-02 Canon stellt mit der EOS 5 D Mark III das lang erwartete Nachfolgemodell der "Volks-Vollformat-DSLR" EOS 5D Mark II vor. Die Mark III bietet mit 22,3 Megapixeln eine etwas höhere Auflösung bei einem auf ISO 102.400 erweiterten Empfindlichkeitsbereich. Sie schießt schnellere sechs Serienbilder pro Sekunde und erhält das Autofokusmodul des Flaggschiffs EOS-1D X mit 61 AF-Punkten. Außerdem filmt die Mark III in FullHD. Der Preis von knapp 3.300 EUR ist allerdings deutlich weniger volksnah als noch bei der 5D Mark II für 2.500 EUR.  (Benjamin Kirchheim)

Canon EOS 5D Mark III mit EF 24-70mm [Foto: Canon]Die Nikon D800 soll immerhin nur 2.900 EUR kosten und bietet satte 36 Megapixel Auflösung. Doch die EOS 5D Mark III setzt mit ihrem Sensor im Kleinbildformat etwas weniger auf Auflösung und etwas mehr auf hohe ISO-Empfindlichkeiten. Der Standard-ISO-Bereich geht von 100 bis 25.600 und deckt damit den gesamten Bereich ab, den die D800 inklusive ISO-Erweiterung bietet. Die 5D Mark III kann aber auch auf ISO 51.200 und 102.400 hoch geschaltet werden. Canon setzt also etwas andere Schwerpunkte, auch die Serienbildgeschwindigkeit ist 50 Prozent höher als bei der Konkurrentin. Besonders beeindruckend ist, dass die 5D Mark III im JPEG-Modus 16.270 Bilder mit sechs Bildern pro Sekunde in Serie schießen kann, eine schnelle UDMA-7-Speicherkarte vorausgesetzt. Bei RAW hingegen ist schon nach 18 Bildern Schluss mit der hohen Geschwindigkeit. Neben dem Steckplatz für CompactFlash-Karten gibt es einen weiteren für SD-/SDHC-/SDXC-Karten.

Bei den äußeren Werten überzeugt die 5D Mark III mit einem Metallgehäuse aus einer Magnesiumlegierung, das gegen Spritzwasser geschützt ist. Im Inneren wird das Gehäuse durch eine Stahlkonstruktion verstärkt. Die Robustheit macht auch beim Verschluss nicht halt, der für 150.000 Auslösungen ausgelegt ist. Das Herz der Kamera ist Canons neuester Bildverarbeitungsprozessor Digic 5+, der eine besonders schnelle Verarbeitung Canon EOS 5D Mark III [Foto: Canon]in hoher Qualität bieten soll. Er liest die 14 Bit Sensordaten auf acht Kanälen aus. Neben einer effizienten Rauschunterdrückung leistet der Prozessor auch eine Vignettierungskorrektur und beseitigt laterale und axiale chromatische Aberrationen. Neu ist der 63-Punkt-Autofokus, der auch in der Profikamera EOS-1D X zum Einsatz kommt. 41 der 61 Messpunkte sind als Kreuzsensoren ausgelegt, fünf davon wiederum als Doppelkreuzsensoren. Der Belichtungsmesser reagiert auf Helligkeit und Farbe, seine 63 Zonen arbeiten mit dem Autofokus zusammen, um stets eine perfekte Belichtung des Hauptmotivs zu gewährleisten.

Außerdem integriert Canon weitergehende Aufnahmefunktionen in die Kamera. Dazu gehört etwa der HDR-Modus, der drei Aufnahmen automatisch zu einem Bild mit höherem Dynamikumfang kombiniert. Eine digitale Dunkelkammer ist integriert, der Fotograf kann RAW-Bilder direkt in der Kamera entwickeln und dabei zahlreiche Parameter der Wandlung einstellen. Die spätere Verarbeitung der besten Bilder am PC wird durch eine in die Kamera integrierte Bewertungsfunktion erleichtert. Ebenfalls neu ist ein Silent-Modus für Einzelaufnahmen und Serienbilder, bei dem die Auslösegeräusche erheblich reduziert werden, wenn es die Aufnahmebedingungen erfordern.

Canon EOS 5D Mark III mit EF 24-70mm [Foto: Canon]Auch für Videofans und -profis hat Canon einiges getan. So wurde die Bildqualität in Videos, die maximal in FullHD-Auflösung mit 1.920 x 1.080 Pixeln aufgezeichnet werden, erhöht. Moiré-Effekte, Falschfarben und andere Artefakte will Canon reduziert haben. Neu sind eine Umschalttaste für Foto/Video und eine Videoaufnahme- und -stopptaste. Belichtung und Blende können selbstverständlich weiterhin manuell geregelt werden, was auch die Kontrolle der Schärfentiefe erlaubt. Hinzu gekommen sind Optionen für die Videokomprimierung, etwa ALL-I oder IPB. Die Bildrate kann auf diverse Werte zwischen 24 und 60 Bildern pro Sekunde geregelt werden, wobei die maximale Bildwiederholrate in FullHD knapp 30 Bilder/s beträgt. Gespeichert wird weiterhin im H.264-komprimierten MOV-Format. Außerdem unterstützt die 5D Mark III SMPTE Timecode, bietet einen Kopfhörerausgang zur Tonkontrolle und Videoschnittfunktionen.

Der Sucher der 5D Mark III zeigt nun ein 100-Prozent-Sichtfeld und mittels LCD-Mattscheibe lassen sich Gitterlinien einblenden. Der rückwärtige Bildschirm misst 3,2 Zoll, das sind 8,1 Zentimeter, in der Diagonale und löst feine 1,04 Millionen Bildpunkte auf. Die integrierte Monitor-Schutzscheibe aus Glas ist entspiegelt sowie kratzunempfindlich. Immerhin soll die Canon EOS 5D Mark III schon ab Ende März 2012 erhältlich sein. Das ist einen Monat früher als die EOS-1D X, deren Markteinführungstermin auf Ende April 2012 verschoben wurde. Zeitgleich mit der EOS 5D Mark III stellt Canon auch neues Zubehör vor, über das wir in Kürze berichten werden. Ebenfalls sobald wie möglich wird das komplette Datenblatt der 5D Mark III veröffentlicht.


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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.