Aus dem digitalkamera.de-Testlabor

Bildqualität der Panasonic Lumix DC-TZ91 getestet

2017-05-24 Die TZ-Serie von Panasonic ist eine der wenigen Kompaktkameraserien, die sich noch gut verkaufen. Kein Wunder, steckt doch im kompakten Gehäuse ein enormer Zoombereich, den kein Smartphone bieten kann. Die TZ91 ist das neueste Modell von Panasonic, das erst im kommenden Monat auf den Markt kommt. Panasonic war aber so freundlich, uns bereits ein nahezu finales Testprodukt zur Verfügung zu stellen. Im Labortest musste der kleine Zoomriese nun seine Bildqualität unter Beweis stellen.  (Benjamin Kirchheim)

In etwa zwei Wochen werden wir einen ausführlicheren Testbericht der Panasonic Lumix DC-TZ91 veröffentlichen, der auch die Funktionalität und Praxis mit der Kamera unter die Lupe nimmt, denn die TZ91 hat so einiges zu bieten!

  • Bild Im nur vier Zentimeter flachen Gehäuse der Panasonic Lumix DC-TZ91 steckt ein optisches 30-fach-Zoom, das einen kleinbildäquivalenten Brennweitenbereich von 24 bis 720 Millimeter abdeckt. [Foto: Panasonic]

    Im nur vier Zentimeter flachen Gehäuse der Panasonic Lumix DC-TZ91 steckt ein optisches 30-fach-Zoom, das einen kleinbildäquivalenten Brennweitenbereich von 24 bis 720 Millimeter abdeckt. [Foto: Panasonic]

Während die Hardware bereits der Serienproduktion entstammt, trägt die Firmware unseres Testexemplars noch die Versionsnummer 0.1. Das ist ein übliches Vorgehen, funktional und von der Bildqualität her entspricht diese Firmware bereits dem finalen Stand und sollten keine Bugs mehr auftauchen (uns sind bisher keine aufgefallen), wird die Versionsnummer bei Markteinführung einfach auf 1.0 gesetzt. Gegenüber dem Vorgängermodell TZ81 löst der rückwärtig belichtete BSI-CMOS-Sensor nun satte 20 anstelle der bisherigen 18 Megapixel auf. Beides ist für den winzigen 1/2,3"-Sensor eigentlich zu viel des Guten. So wechselte Panasonic in der Vergangenheit der TZ-Serie immer mal wieder von einer hohen auf eine niedrige Auflösung und zurück, ohne dass sich etwas Wesentliches an der Bildqualität änderte. Der Grund dafür liegt in dem kompakten Superzoomobjektiv, das trotz des 30-fach-Zooms im vier Zentimeter flachen Gehäuse Platz finden muss. Das ist ein feinmechanisches und optisches Meisterstück! Die Kehrseite der Kompaktheit ist allerdings die geringe Lichtstärke, die vor allem im Telebereich durch die Beugung für eine Begrenzung der Auflösung sorgt. Die Frage, die sich stellt, ist also, wie viel Auflösung kommt dann überhaupt noch an und wie sieht es an den Bildrändern aus?

Objektiv

Dass die TZ91 in diesen Belangen nicht mit Kameras mithalten kann, die mit größeren Sensoren und/oder lichtstärkeren (und dafür weniger zoomstarken) Objektiven ausgestattet sind, dürfte damit offenkundig sein. Der Labortest zeigt dies auch mehr als deutlich. Die maximale Auflösung liegt zwar bei beachtlichen 54 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) im Kleinbildäquivalent, das jedoch nur bei Offenblende F3,3 im Bildzentrum in Weitwinkelstellung des Objektivs. Bereits beim Abblenden auf F4 kommt es zu einem leichten Auflösungsverlust (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). Bei F5,6 sinkt die Auflösung bereits deutlich auf unter 40 lp/mm, bei der kleinsten Blendenöffnung F8 sind es nur noch knapp über 25 lp/mm. Zoomt man, so reduziert sich die Anfangsöffnung schnell. Bei 135 mm kleinbildäquivalenter Brennweite beträgt die maximale Blendenöffnung nur noch F5,3, die Auflösung liegt im Bildzentrum bei knapp über 40 lp/mm, bei F5,6 ebenfalls und ist damit minimal höher als beim entsprechend abgeblendeten Weitwinkel. Bei F8 sind es dagegen kaum noch 25 lp/mm. In Telestellung, bei 720 Millimetern​ entsprechend Kleinbild, beträgt die Anfangsöffnung F6,4, was nur für knapp über 30 lp/mm reicht. Immerhin sind es bei F8 kaum unter 30 lp/mm. Bedenkt man nun, dass man rund 30 lp/mm braucht, um ein ausreichend scharfes Bild in 20 mal 30 Zentimetern​ Größe drucken zu können, so wird deutlich, dass selbst die Auflösung im Bildzentrum nicht immer dafür ausreicht.

  • Bild Die geringe Lichtstärke gepaart mit den kleinen Pixeln sorgt bei der Panasonic Lumix DC-TZ91 für eine beugungsbegrenzte Auflösung insbesondere dann, wenn man zoomt. Am Bildrand ist der Auflösungsabfall eklatant. [Foto: Panasonic]

    Die geringe Lichtstärke gepaart mit den kleinen Pixeln sorgt bei der Panasonic Lumix DC-TZ91 für eine beugungsbegrenzte Auflösung insbesondere dann, wenn man zoomt. Am Bildrand ist der Auflösungsabfall eklatant. [Foto: Panasonic]

Noch dramatischer ist die Situation am Bildrand. Im Weitwinkel gibt es einen enormen Auflösungsabfall auf rund 22 lp/mm, bei F8 sogar auf 16 lp/mm. Bei mittlerer Brennweite sind es immerhin knapp über 30 lp/mm am Bildrand – jedenfalls solange man nicht weiter als bis F5,6 abblendet. In Telestellung beträgt die Randauflösung rund 20 lp/mm. Im Weitwinkel und im Tele sind die Bildecken auf 20 mal 30 Zentimeter damit sichtbar unscharf, nur bei mittlerer Brennweite kann man überhaupt in dieser Größe vernünftig ausbelichten. Man beschränkt sich daher besser auf 13 mal 18 Zentimeter, dafür reichen dann gut 20 lp/mm noch aus. Auch für eine Präsentation am Full-HD- oder 4K-Fernseher sind 20 lp/mm ausreichend.

Dass ein solch großes Zoom im so kompakten Format immer einen Kompromiss bedeutet, wird damit mehr als deutlich. Auch der beste Bildsensor kann daran nichts ändern. Immerhin korrigiert die Kamera optische Fehler wie Verzeichnung, Randabdunklung und chromatische Aberrationen sehr gut aus, sodass diese Fehler zwar messtechnisch noch erfasst werden können, praktisch aber eigentlich keine Rolle spielen. Dabei gibt es jedoch eine Ausnahme, die bei der Messung nicht erfasst wird: Die Kamera neigt bei starken Kontrasten zu Blooming, was magentafarbene Farbsäume nach sich zieht. Mit einer Entsättigung entsprechender Farbkanäle lässt sich der Effekt, gegebenenfalls mit einer lokalen Maskierung, in der Bildbearbeitung ganz gut kaschieren, wird ohne jedoch deutlich sichtbar.

Bildsensor

Die Bildqualität besteht jedoch aus noch wesentlich mehr als der Auflösung und optischen Fehlern. Auch der Sensor und seine Fähigkeit, Licht einzufangen und in schöne Bilder umzusetzen, spielt eine große Rolle. Auch hier sind die kleinen Pixel keine besonders gute Voraussetzung. Entsprechend erreicht der Signal-Rauschabstand nur ausreichende Werte, aber keine guten. Bis ISO 200 liegt der Wert noch über der kritischen Grenze von 35 dB, bei ISO 400 und 800 kratzt er daran, ab ISO 1.600 liegt er darunter. Dabei sorgt die Rauschunterdrückung jedoch dafür, dass Helligkeitsrauschen bis einschließlich ISO 1.600 nur minimal ist. Darüber steigt der Wert erst langsam bei ISO 3.200 an, bei ISO 6.400, der höchsten Empfindlichkeitsstufe, jedoch deutlich. Farbrauschen spielt bis einschließlich ISO 3.200 keine Rolle, tritt aber bei ISO 6.400 auf. Das geringe Rauschen hat jedoch auch seine Kehrseite, denn die Rauschunterdrückung tut sich in der Regel schwer, zwischen ungewolltem Rauschen und gewollten feinen Motivdetails zu unterscheiden. Oberhalb von ISO 200 sinkt entsprechend die Detailtreue sichtbar, wobei jedoch immerhin bei ISO 400 noch ausreichend Details vorhanden sind. Die Bilder wirken schon weicher, aber deutlich sichtbar wird dies erst ab ISO 800, wo sie viel weichgespülter wirken, bis bei ISO 1.600 und 3.200 kaum noch Details übrig sind.

Bei der Eingangsdynamik sorgt die Rauschunterdrückung hingegen für überraschend gute Werte. Das liegt daran, dass helle Rauschpixel in dunklen Bereich herausgefiltert werden, wodurch das Schwarz dunkler wird. Bis ISO 200 sind elf und mehr Blendenstufen Eingangsdynamik messbar, bis ISO 800 sind es deutlich über zehn Blendenstufen. Erst darüber nimmt der Dynamikumfang spürbar ab und geht auf bis zu acht Blendenstufen in den Keller. Die Tonwertübertragung ist nur moderat angesteilt, der Ausgangs-Tonwertumfang ist bis ISO 800 mit 160 oder mehr von 256 Möglichen Helligkeitsstufen gut. Sehr gute Werte werden hier jedoch nicht erreicht, nur bei ISO 80 sind es überhaupt über 192 Stufen.

  • Bild Der kleine 1/2,3"-Sensor der Panasonic Lumix DC-TZ91 kann nur bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten eine gute Bildqualität liefern. Bei ISO 200 gibt es bereits leichte Abstriche, oberhalb von ISO 400 sind die Bilder sichtbar weichgespült. [Foto: Panasonic]

    Der kleine 1/2,3"-Sensor der Panasonic Lumix DC-TZ91 kann nur bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten eine gute Bildqualität liefern. Bei ISO 200 gibt es bereits leichte Abstriche, oberhalb von ISO 400 sind die Bilder sichtbar weichgespült. [Foto: Panasonic]

Die Farbtreue hingegen ist erstaunlich gut. Zwar weicht der eine oder andere Farbton etwas von der Originalvorlage ab, grobe Ausreißer gibt es jedoch nicht. So wirken die Bilder mit etwas gesättigteren warmen Farbtönen lebendig, das leicht Richtung Blau verschobene Cyan macht das Himmelsblau schöner. Die Tatsächliche Farbtiefe ist mit über vier Millionen Farben bis ISO 400 sehr gut und beginnt dann zu sinken. Bei ISO 800 sind es immer noch gute über zwei Millionen Farben, bei ISO 3.200 hingegen nur noch weniger als eine Million und bei ISO 6.400 sogar weniger als 250.000.

Der DFD-Autofokus macht auch bei der TZ91 einen sehr guten Job. Im Weitwinkel dauert es vom Drücken des Auslösers bis zur Bildaufnahme lediglich 0,16 Sekunden. In Telestellung wird mit 0,44 Sekunden zwar fast die dreifache Zeit benötigt, wirklich langsam ist der Autofokus aber auch hier nicht. Die reine Auslöseverzögerung bei Vorfokussierung beträgt unabhängig der Brennweite sogar nur 0,03 Sekunden, ein sehr guter Wert.

Fazit

Der kleine Bildsensor einerseits und das zoomstarke und dadurch lichtschwache Objektiv andererseits setzen der Bildqualität der Panasonic Lumix DC-TZ91, wie in der Travelzoomklasse üblich, sehr enge Grenzen. Die Auflösung leidet beim Abblenden und Zoomen gleichermaßen stark unter der Beugung. Die optische Leistung am Bildrand ist besonders im Weitwinkel ziemlich schlecht, was zu unscharfen Ecken führt. Der Bildsensor liefert nur bei niedrigen Empfindlichkeiten eine gute Bildqualität. Bei jeder ISO-Stufe nimmt diese deutlich ab, was bereits ab ISO 200 zu leichten Einbußen führt. Bis ISO 400 sind die Bilder aber noch akzeptabel gut, ISO 3.200 und vor allem 6.400 sollte man hingegen tunlichst meiden, da nicht mehr viel in der Bilddatei ankommt, was ein farbenfrohes, detailreiches Bild hätte sein können.

Panasonic Lumix DC-TZ91

Auflösung MTF

F3,3F4,0F5,3F5,6F6,4F8,0
24 mm Bildmitte54,0 lp/mm50,8 lp/mm38,8 lp/mm26,3 lp/mm
24 mm Bildrand21,9 lp/mm22,0 lp/mm22,3 lp/mm16,0 lp/mm
135 mm Bildmitte42,8 lp/mm40,6 lp/mm24,7 lp/mm
135 mm Bildrand31,3 lp/mm31,0 lp/mm22,7 lp/mm
720 mm Bildmitte31,9 lp/mm28,9 lp/mm
720 mm Bildrand19,8 lp/mm20,4 lp/mm

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.


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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 39, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.