Pancake-Festbrennweite

Testbericht: Fujifilm XF 27 mm F2.8 R WR

Seite 2 von 2, vom 2021-05-03 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Fokussierung

Dank der drehmomentabhängigen Reaktion und der schönen Einstellhilfen der Fujifilm-Kameras kann man das XF 27 mm F2.8 R WR hervorragend manuell fokussieren; und zwar nicht obwohl lediglich Stellbefehle an den Fokusmotor übergeben werden, sondern genau deswegen. Dreht man den Ring schnell, kann man den Fokus schnell und grob einstellen, langsam gedreht wird er äußerst feinfühlig. Dieser nicht-lineare Betrieb kann bei der Testkamera Fujifilm X-E4 aber auch auf einen linearen Betrieb umgestellt werden, dann erfolgt die Reaktion unabhängig von der Drehgeschwindigkeit, ist also nur abhängig vom Einstellweg.

  • Bild Dem 23 mm flachen Fujifilm XF 27 mm F2.8 R WR reicht aufgrund seiner für eine Festbrennweite mäßigen Lichtstärke eine 14 mm kleine Frontlinse. [Foto: MediaNord]

    Dem 23 mm flachen Fujifilm XF 27 mm F2.8 R WR reicht aufgrund seiner für eine Festbrennweite mäßigen Lichtstärke eine 14 mm kleine Frontlinse. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die beim Fujifilm XF 27 mm F2.8 R WR mitgelieferte Streulichtblende trägt kaum auf. [Foto: MediaNord]

    Die beim Fujifilm XF 27 mm F2.8 R WR mitgelieferte Streulichtblende trägt kaum auf. [Foto: MediaNord]

Beim manuellen Fokussieren helfen eine Fokuslupe, Fokuspeaking, eine Schärfeskala und je nach Kameragehäuse sogar ein digitaler Schnittbildindikator bei der korrekten Fokussierung. Aber auch auf den Autofokus kann man sich voll und ganz verlassen. Das Objektiv stellt recht leise und flott scharf; kein Wunder, denn die Stellwege sind kurz. Allerdings handelt es sich um einen Auszugs-Fokusmechanismus, bis zu knapp vier Millimeter ragt der kleine Tubus an der Naheinstellgrenze aus dem Objektivgehäuse heraus.

Ab 31 Zentimeter von der Sensorebene gemessen kann man fokussieren, das entspricht etwas mehr als 26 Zentimetern ab Frontlinse. Das sind sogar drei Zentimeter weniger als die von Fujifilm angegebenen 34 Zentimeter. Trotzdem wird aus dem XF 27 mm F2.8 R WR bei weitem kein Makroobjektiv, denn neben der Brennweite spielt dabei auch der sogenannte Auszug eine Rolle, der bei einem Pancake logischerweise sehr klein ausfällt. Als minimales Bildfeld haben wir etwa 20,5 mal 13,7 Zentimeter gemessen, was etwas kleiner als ein DIN-A5-Blatt ist. Der Abbildungsmaßstab beträgt damit nur 1:8,7, was aber immerhin besser ist als die von Fujifilm angegebenen 1:10.

Bildqualität

In der Praxis überrascht das Fujifilm XF 27 mm F2.8 R WR mit einem weichen Bokeh, was man angesichts der Pancake-Konstruktion, der für eine Festbrennweite eher mäßigen Lichtstärke und der nur sieben Blendenlamellen nicht unbedingt erwarten kann. Allerdings zeigen sich im Bokeh leichte Farbsäume, auch wenn sie sich in der Regel im Rahmen halten und nur bei stärkerer Vergrößerung auffallen.

Auch im Gegenlicht schlägt sich das XF 27 mm wacker. So bleiben die Kontraste hoch und Blendenflecke treten kaum auf. Allerdings kommt es bei bestimmten Winkeln der Sonne etwas außerhalb des Bildfelds zu einem kleinen Lichteinbruch. Der Bereich ist aber nur klein, so dass man ihn je nach Wunsch bewusst provozieren oder vermeiden kann. Die Streulichtblende hilft übrigens überhaupt nicht dagegen.

  • Bild An der kompakten X-E4 wirkt das Fujifilm XF 27 mm F2.8 R WR größer als es ist. Das knapp 450 Gramm leichte Set ist für 1.050 Euro zu haben und damit 300 Euro günstiger als im Einzelkauf. [Foto: MediaNord]

    An der kompakten X-E4 wirkt das Fujifilm XF 27 mm F2.8 R WR größer als es ist. Das knapp 450 Gramm leichte Set ist für 1.050 Euro zu haben und damit 300 Euro günstiger als im Einzelkauf. [Foto: MediaNord]

Mit direkter Sonne im Bild gibt es dieses Problem nicht, hier sind die Kontraste hoch. Wer allerdings Sonnensterne durch starkes Abblenden liebt, ist beim Fujifilm XF 27 mm F2.8 R WR an der falschen Adresse, selbst bei F16 entstehen kaum "Strahlen" um die Sonne (oder um Laternen oder andere punktförmige Lichtquellen bei Nachaufnahmen). Den einen oder anderen Fotografen wird dieses Verhalten aber vielleicht sogar freuen.

Im Labortest an der Fujifilm X-E4 zeigt das XF 27 mm F2.8 R WR im Bildzentrum bereits ab Offenblende eine hohe Auflösung von 56 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) im Kleinbildäquivalent bei 50 Prozent Kontrast. Beim Abblenden lässt sie sich sogar noch leicht steigern und erreicht bei F8 ihr Maximum von 60 lp/mm (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). Der Randabfall ist bei F2,8 und F4 mit über 30 Prozent jedoch deutlich, sinkt aber beim Abblenden und ist ab F8 mit unter 15 Prozent zu vernachlässigen. Die Verzeichnung ist mit 0,5 Prozent nur minimal tonnenförmig, Farbsäume in Form chromatischer Aberrationen gibt es in der Schärfeebene praktisch keine. Auch die Randabdunklung ist mit maximal einer halben Blendenstufe gering und zeigt einen gleichmäßigen Verlauf.

Fazit

Das Fujifilm XF 27 mm F2.8 R WR ist ein gutes und vor allem kompaktes Festbrennweiten-Normalobjektiv für Fujifilm-Systemkameras. Mit 23 Millimetern trägt es kaum auf, auch die 84 Gramm Gewicht fallen im Vergleich zur Kamera kaum auf. Sogar die Streulichtblende ist sehr flach konstruiert, der dazugehörige, aus Polyethylen gefertigte Stülpdeckel wirkt im Vergleich zum gut verarbeiteten und dank Dichtungen sogar wettergeschützten Objektiv jedoch minderwertig. Der Autofokus arbeitet flott und neben dem manuellen Fokusring hat Fujifilm obendrein einen Blendenring unterbringen können, der im Gegensatz zu früher sogar eine Sicherung der Automatik-Position bietet. Bei der Bildqualität leistet sich das Fujifilm XF 27 mm F2.8 R WR keine großen Schwächen, abgeblendet auf F5,6 oder F8 erhält man die höchste Auflösung. Selbst das Bokeh kann sich sehen lassen und für Gegenlicht ist das Objektiv mit Ausnahme eines sehr begrenzten Winkels unempfindlich.

Fujifilm XF 27 mm F2.8 R WR mit Fujifilm X-E4

Auflösung MTF


X-E4

F2,8F4,0F5,6F8,0F11,0F16,0
27 mm56,2 / 38,1 (32 %)57,1 / 37 (35 %)59,7 / 46,9 (21 %)60,1 / 52,5 (13 %)58,2 / 52,7 (9 %)54 / 49,8 (8 %)

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software Analyzer von DXOMARK verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten in Form einer ausführlichen PDF-Datei zum Download kostet je nach Umfang 0,49 bis 1,49 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,49 bis 0,69 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Fujifilm
Modell XF 27 mm F2.8 R WR
Unverbindliche Preisempfehlung 449,00 €
Bajonettanschluss Fujifilm XF
Brennweite 27,0 mm
Lichtstärke (größte Blende) F2,8
Kleinste Blendenöffnung F16
KB-Vollformat nein
Linsensystem 7 Linsen in 5 Gruppen
inkl. asphärische Linse(n)
Anzahl Blendenlamellen 7
Naheinstellgrenze 340 mm
Bildstabilisator vorhanden nein
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz ja
Filtergewinde 39 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 61 x 23 mm
Objektivgewicht 84 g

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Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Äußerst kompakt und leicht
  • Spritzwasser-, Frost- und Staubschutz
  • Blendenring mit Sicherung in A-Position
  • Hohe Auflösung bereits ab Offenblende (Bildmitte)
  • Kaum optische Fehler
  • Für eine Festbrennweite verhältnismäßig wenig lichtstark
  • Billiger Stülpdeckel für die Streulichtblende