Ultraweitwinkelzoom

Testbericht: Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR

Seite 2 von 2, vom 2021-05-04 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Bildqualität

Der optische Aufbau des Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR besteht aus 14 Linsen, die in zehn Gruppen angeordnet sind. Darunter befinden sich sieben spezielle Linsen, drei davon asphärisch geschliffen, drei sind ED-Gläser und bei einer handelt es sich um eine asphärisch geschliffene ED-Linse. Die Blende besteht aus sieben abgerundeten Lamellen. Angesichts dessen, dass es sich nur um sieben Lamellen handelt, bildet sich beim Abblenden bereits ab F5,6 eher ein Siebeneck als eine runde Öffnung. Das sieht man auch in den Unschärfescheibchen im Bokeh. Blendet man stark ab, bildet sich dadurch aber ein schöner 14-strahliger Stern um punktuelle Lichtquellen, etwa Straßenlaternen bei Nachtaufnahmen oder die Sonne bei Tag (siehe Beispielbild).

Das Bokeh ist bei Offenblende zwar weich, wobei dieses aufgrund der großen Schärfentiefe des Ultraweitwinkels ohnehin nur bei sehr geringen Aufnahmeabständen zum Tragen kommt, aber die Unschärfescheibchen von Spitzlichtern weisen in der Hintergrundunschärfe ein leichtes Zwiebelmuster auf (siehe Beispielbild). Dies ist bei Objektiven mit (vielen) asphärischen Linsen nicht untypisch. Im Vordergrund-Bokeh haben die Unschärfescheibchen zudem einen hellen Rand. Farbsäume konnten wir hingegen nicht im Unschärfebereich entdecken.

Sehr gut schlägt sich das Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR in Gegenlichtsituationen. Die Kontraste bleiben auch mit direkter Lichtquelle im Bildfeld hoch und auch Blendenreflexe treten kaum auf. Fujifilm hat neben der Vergütung auch mit einer entsprechenden Objektivkonstruktion dafür gesorgt, dass möglichst wenig Falschlicht auf dem Bildsensor landet. So ist auf der Bajonettseite beispielsweise die Hinterlinse rechteckig abgedeckt, so dass tatsächlich nur durch den für den Bildsensor nötigen Ausschnitt der runden Linse Licht fallen kann. Übrigens misst die Hinterlinse gut 28 Millimeter im Durchmesser, was in etwa der Sensordiagonale entspricht. Das sind beste Voraussetzungen für eine dank senkrechten Strahlen auch in den Bildecken hohe Bildqualität.

Bereits seit Jahren sorgt der Lens Modulation Optimizer (LMO) von Fujifilm dafür, Bildqualitätsverluste durch optische Fehler und sogar die Beugung zu reduzieren. In unserem Labortest des XF 10-24 mm F4 R OIS WR an der 26 Megapixel auflösenden Fujifilm X-E4 war dieser eingeschaltet. Tatsächlich reduziert er Randabdunklungen auf ein Minimum, so dass sie mit maximal einer halben Blendenstufe und sanftem Anstieg zum Bildrand praktisch nicht auffallen. Ebenfalls auf nahezu Null reduziert sind die Verzeichnungen, die bei kürzester Brennweite weniger als 0,5 Prozent Tonnenform und bei mittlerer und langer Brennweite maximal nur 0,3 bis 0,4 Prozent Kissenform erreichen.

  • Bild 14-strahliger Sonnenstern bei F22 mit dem Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR. [Foto: Benjamin Kirchheim]

    14-strahliger Sonnenstern bei F22 mit dem Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR. [Foto: Benjamin Kirchheim]

  • Bild Leichte Zwiebelringe im Bokeh des Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR. [Foto: Benjamin Kirchheim]

    Leichte Zwiebelringe im Bokeh des Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR. [Foto: Benjamin Kirchheim]

Bei den chromatischen Aberrationen ist der LMO weniger wirksam. Zwar bewegen sich die Farbsäume bei kurzer und mittlerer Brennweite im Mittel bei unter einem halben und im Maximum bei einem Pixel, was im kaum sichtbaren Bereich liegt, aber bei 24 Millimetern werden deutliche Farbsäume sichtbar. Sie nehmen beim Abblenden zu und erreichen im Durchschnitt bis zu zwei und im Maximum sogar 3,3 Pixel Ausdehnung, womit sie deutlich sichtbar werden (siehe Diagramm aus dem Labortest unten).

Bei der Auflösung bei 50 Prozent Kontrast zeigt das XF 10-24 mm F4 R OIS WR gute und weniger gute Seiten. Im Bildzentrum ist die Auflösung bei allen Brennweiten bereits ab Offenblende mit 54 bis 60 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) im Kleinbildäquivalent hoch, im Maximum werden 63 lp/mm (bei 15 mm F5,6) erreicht. Zum Bildrand hin fällt die Auflösung jedoch bei Offenblende um bis zu 40 Prozent auf 35 bis 40 lp/mm ab. Zum Glück zieht die Randauflösung beim Abblenden auf F5,6 bis F8 deutlich an und erreicht hier bei allen Brennweiten bis zu 49 lp/mm. Der relative Randabfall bewegt sich ab F5,6 bei gut 20 bis 25 Prozent, was für ein Ultraweitwinkelzoom gute Werte sind. Bis F11 steigern sich die Auflösungswerte am Bildrand teilweise noch, während sie im Bildzentrum leicht auf 57 lp/mm fallen. Bis F11 kann man also wunderbar mit dem Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR fotografieren. Bei F16 nimmt die Auflösung deutlicher ab, vor allem bei F22 machen sich trotz LMO starke Beugungsunschärfen bemerkbar.

Fazit

Das Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR ist in der Summe ein sehr gelungenes Ultraweitwinkelzoom mit gutem Preis-Leistungsverhältnis. Es hat zwar die eine oder andere kleinere Schwäche, aber keine davon ist dramatisch. Es ist sehr kompakt und dank viel Metall sowie den Dichtungen sehr robust und trotzdem leicht. Der Autofokus ist schnell und leise, die Naheinstellgrenzen unterbieten in der Praxis die technischen Daten teilweise sogar deutlich, was beeindruckende Nahaufnahmen erlaubt. Sehr praktisch ist auch der optische Bildstabilisator, den man selten in einem solchen Objektiv findet.

Die Bildqualität des XF 10-24 mm F4 R OIS WR kann sich ebenfalls sehen lassen. Das Bokeh beziehungsweise die darin auftreten Zwiebelringe stören kaum, dafür gibt es abgeblendet schöne 14-strahlige Sterne um punktuelle Lichtquellen und ein hervorragendes Verhalten in Gegenlichtsituationen. Zwar gibt es bei 24 Millimetern sichtbare Farbsäume, aber die Verzeichnung und Randabdunklung sind gering. Die Auflösung ist bereits ab Offenblende hoch, für eine hohe Randauflösung sollte man hingegen wenigstens auf F5,6 abblenden.

Der Preis ist mit gut 1.000 Euro definitiv nicht zu hoch angesetzt. Besitzer des Vorgängermodells können dagegen ruhigen Gewissens mit ihrem Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS weiter fotografieren, bietet es doch denselben optischen Aufbau und dieselbe hohe Bildqualität (siehe unseren Test aus 2014 an der Fujifilm X-T1 in den weiterführenden Links). Nur wer unbedingt den Spritzwasserschutz oder die Verriegelung des Blendenrings in Automatikstellung benötigt, könnte geneigt sein, auf das neue Modell zu wechseln.

Fujifilm XF 10-24 mm F4 R OIS WR mit Fujifilm X-E4

Chromatische Aberration

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software Analyzer von DXOMARK verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten in Form einer ausführlichen PDF-Datei zum Download kostet je nach Umfang 0,49 bis 1,49 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,49 bis 0,69 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Fujifilm
Modell XF 10-24 mm F4 R OIS WR
Unverbindliche Preisempfehlung 999,00 €
Bajonett Fujifilm XF
Brennweitenbereich 10-24 mm
Lichtstärke (größte Blende) F4 (durchgängig)
Kleinste Blendenöffnung F22
Linsensystem 14 Linsen in 10 Gruppen
inkl. ED und asphärische Linsen
KB-Vollformat nein
Anzahl Blendenlamellen 7
Naheinstellgrenze 240 mm
Bildstabilisator vorhanden ja
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz ja
Filtergewinde 72 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 78 x 87 mm
Objektivgewicht 385 g

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Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Hochwertiges Gehäuse mit Spritzwasser- und Staubschutz
  • Blendenring mit Verriegelung der Automatikstellung
  • Optischer Bildstabilisator
  • Hohe Kontraste auch im Gegenlicht
  • Gute Bildqualität ab F5,6
  • Leichte Zwiebelringe in den Unschärfescheibchen
  • Starker Auflösungs-Randabfall bei Offenblende
  • Farbsäume bei 24 mm