Lichtstarkes Profizoom

Tamron 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD (A058S) im Test

2022-09-06 Seit Anfang 2019 war das 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD (A058S) bei Tamron in der Entwicklung und Ende 2021 wurde das für spiegellose Vollformatkameras gerechnete Zoom erstmals ausgeliefert. Was das Objektiv in der Praxis leistet und wie es um die Bildqualität bestellt ist, haben wir für unsere Leser im eigenen Testlabor und der fotografischen Praxis ermittelt.  (Harm-Diercks Gronewold)

  • Bild Tamron 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD (Modell A058). [Foto: Tamron]

    Tamron 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD (Modell A058). [Foto: Tamron]

Mit knapp 1,2 Kilogramm Gewicht, einer Länge von knapp 16 Zentimetern (bei 35 mm Brennweite) beziehungsweise knapp 21 Zentimeter (bei 150 mm Brennweite) und einem Durchmesser von etwa neun Zentimetern ist das Tamron 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD (A058S) alles andere als dezent, klein und unauffällig. Aber bei einer Lichtstärke von F2 bis 2,8 und einem knapp 4,3-fachen Zoomfaktor ist das auch nicht verwunderlich.

Der Brennweitenbereich beginnt mit 35 Millimetern nicht im extremen Weitwinkel, sondern bei einer klassischen Reportage-Brennweite. Bei der maximalen Brennweite von 150 Millimetern gibt es auf den ersten Blick nichts zu mosern. So eignet sich das Zoom problemlos für eine Vielzahl fotografischer Aufgaben.

Das Gehäuse besteht aus festem, mattierten Kunststoff. Der fühlt sich gut an und ist, wie bei Tamron gewohnt, sauber verarbeitet. An der Vorderseite des Objektivs sind das 82 mm große Filtergewinde sowie das Bajonett für die Streulichtblende zu finden. Beide bestehen aus demselben Kunststoff wie das Gehäuse. Die Streulichtblende ist in Blütenform gestaltet und gehört zum Lieferumfang. Ihr Bajonett rastet automatisch ein, so dass sie sich nicht unbeabsichtigt vom Objektiv trennt. Zum Abnehmen muss ein Entsperrschalter betätigt werden.

Außerdem besitzt das Objektiv eine USB-C-Schnittstelle, auf die wir etwas weiter unten im Text zu sprechen kommen. Das Bajonett des 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD besteht aus Metall und ist von einer kleinen Gummilippe umgeben, die vor dem Eindringenden von Spritzwasser und Staub schützt. Einen echten Staub- und Spritzwasserschutz des gesamten Objektivs gibt es allerdings nicht.

Das Tamron 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD (A058S) hat eine unverbindliche Preisempfehlung von knapp 2.400 Euro. Da es sich bei den diesen Empfehlungen von Tamron immer um sogenannte Streichpreise handelt, liegen die Marktpreise in der Regel 20-30 Prozent darunter. Das ist auch beim 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD der Fall, denn es ist bereits für um die 1.800 Euro erhältlich.

Ausstattung und Ergonomie

Durch seine Größe und Gewicht wirkt das Tamron 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD nicht handlich, aber an einer Kamera wie der Sony Alpha 7R III oder Alpha 1 sorgt es für ordentlich Halt. Ganz in der Tradition professioneller Objektive besitzt es eine ganze Reihe von Bedienelementen. Dazu gehören zwei Funktionsknöpfe, die allerdings Klone sind und immer dieselbe Funktion haben. Außerdem gibt es einen dreistufigen Funktionsschalter und einen AF-MF-Schalter.

  • Bild Die Bedienelemente des Tamron 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD (A058S) sind oben und auf der linken Seite des Objektivs zu finden. [Foto: MediaNord]

    Die Bedienelemente des Tamron 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD (A058S) sind oben und auf der linken Seite des Objektivs zu finden. [Foto: MediaNord]

Etwas abseits dieses "Bedienungsterminals" liegt ein mechanischer Sperrschalter, mit dem der Fotograf die Brennweite auf 35 Millimeter fixieren kann, so dass das Objektiv nicht versehentlich herauszoomen kann. Wie wahrscheinlich es ist, dass sich die Zoomechanik im Lauf des Objektivlebens so sehr lockert, dass es mit Hilfe der Erdanziehung einfach herauszoomt, konnten wir nicht ermitteln. Es ist aber zumindest bei unserem Exemplar einiges an Kraft notwendig, das Objektiv ohne Betätigung des Zoomrings herauszuziehen.

Der Vollständigkeit halber möchten wir noch die beiden 32 Millimeter breiten, gummierten Drehringe erwähnen. Während der fast vollständig gummierte elektronisch arbeitende Fokusring am vorderen Ende untergebracht ist, ist der Zoomring "nur" mit einer etwa 25 Millimeter breiten Gummierung versehen und am hinteren Ende des Objektivs zu finden. Der Grund dafür ist, dass die Brennweitenskala ebenfalls auf dem Ring untergebracht wurde.

Moderne Autofokus-Objektive besitzen in der Regel die Eigenschaft, dass der Fokusring keine mechanische Verbindung zur Fokusgruppe im Objektiv hat. Das ist auch beim Tamron 35-150 mm F2-2.8 der Fall. Der Ring erzeugt lediglich elektrische Impulse, die dann von der Kameraelektronik in Steuerbefehle für den drehmomentstarken Linearmotor (Voice-coil extreme-torque Drive) umgewandelt werden. Der Motor zeigte sich im praktischen Einsatz schnell und sehr leise. Bei der Werksauslieferung ist dieser Ring mit der Fokusfunktion vorbelegt. Dank der kostenlosen Software "Tamron Lens Utility" kann der Fotograf den Ring aber auch so konfigurieren, dass die Blende eingestellt werden kann. Wie das geht, erklären wir in einem Fototipp (siehe weiterführende Links).

Das Tamron 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD (A058S) gehört (Stand 01/2022) mit dem 28-75 mm F2.8 Di III VXD G2 (A063S) zu den ersten Tamron-Objektiven, die eine USB-C-Schnittstelle besitzen. In Kombination der Schnittstelle mit dem kostenlosen "Tamron Lens Utility" kann der Fotograf neben Firmwareupdates die Funktionstaste mit verschiedenen Funktionen belegen. Im Fall des 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD (A058S) geht das soweit, dass drei verschiedene Funktionen auf den 3-Stufen-Schalter am Objektiv gelegt werden können. Wie das funktioniert und was alles geht, haben wir in einem Fototipp zusammengefasst (siehe weiterführende Links).

  • Bild Ziemlich wuchtig ist das Tamron 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD (A058S) an der Sony Alpha 7 R III, aber dafür schön griffig. [Foto: MediaNord]

    Ziemlich wuchtig ist das Tamron 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD (A058S) an der Sony Alpha 7 R III, aber dafür schön griffig. [Foto: MediaNord]

In der Werksauslieferung arbeitet die manuelle Fokussierung nicht linear. Das bedeutet, dass die Geschwindigkeit der Drehung darüber entscheidet, wie weit der Fokus verstellt wird. Dadurch lässt sich mit einer schnellen Drehung ein weiter Weg zurücklegen, mit einer langsamen Drehung hingegen sehr feinfühlig fokussieren. Während die nicht lineare Fokussierung bei Fotografen beliebt ist, schwören Filmer auf die lineare Fokussierung, weil man dabei mit festen Fokusmarkern arbeiten kann. Wie gut, dass man beim 35-150 mm F2-2.8 die Art der manuellen Fokussierung mit Hilfe des Tamron Lens Utility – und eines USB-C-Kabels – schnell und einfach ändern kann.

Das Tamron 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD besitzt eine Innenfokussierung. Das bedeutet, dass sich zum einen die Frontlinse beim Fokussieren nicht mitdreht, was beim Einsatz von Polfiltern und Rechteckfiltern praktisch ist. Zum anderen ist die empfindliche Fokusmechanik bei der Innenfokussierung besser vor mechanischen Belastungen geschützt.

Einen optischen Bildstabilisator hat Tamron dem 35-150 mm F2-2.8 Di III VXD nicht mit auf den Weg gegeben. Das ist für die Anfangsbrennweite von 35 Millimetern weniger tragisch als für die 150 Millimeter Endbrennweite. Zum Glück bieten alle neueren Vollformatkameras von Sony einen Sensor-Shift-Bildstabilisator, der auch mit dem Tamron 35-150 funktioniert..

Die Naheinstellgrenze beträgt laut Tamron 33 Zentimeter im Weitwinkel und 85 Zentimeter im Tele. Wir konnten mit unserem Testexemplar im Weitwinkel jedoch bereits ab 29 Zentimetern und im Tele ab ca. 78 Zentimeter ab Sensorebene fokussieren. Von der Frontlinse betrug der Abstand etwa zwölf beziehungsweise 56 Zentimeter – genug Platz also, um mit einer Lichtquelle das Motiv aufzuhellen.

Das horizontale Bildfeld bei geringstem Aufnahmeabstand haben wir mit etwa 17 Zentimetern im Weitwinkel und 19 Zentimeter im Tele gemessen. Daraus ergibt sich ein Abbildungsmaßstab von 1:4,8 (0,21-fach) bei 35 Millimetern Brennweite und bei 150 Millimetern ist es 1:5,2 (0,19-fach). Beide Ergebnisse sind etwas besser als die von Tamron in den technischen Daten angegebenen Abbildungsmaßstäbe von 1:5,7 bei 35 Millimetern und 1:5,9 bei 150 Millimetern.

Fortsetzung auf Seite 2

Passende Meldungen zu diesem Thema

Artikel-Vorschläge der Redaktion

Mit dem Elgato Cam Link 4K die eigene Kamera zur Webcam machen

Mit dem Elgato Cam Link 4K die eigene Kamera zur Webcam machen

Wir klären darüber auf, worauf Sie beim Anschluss des Geräts und den Kameraeinstellungen achten sollten. mehr…

In Lightroom Classic mehrere Fotos mit bekannten Dateinamen finden

In Lightroom Classic mehrere Fotos mit bekannten Dateinamen finden

Wir zeigen Ihnen, wie Sie aus einer Liste mit Dateinamen alle Fotos auf einmal finden und weiterverarbeiten können. mehr…

Was ist ein lineares DNG?

Was ist ein lineares DNG?

In diesem Tipp erklären wir, was ein lineare DNG vom herkömmlichen DNG unterscheidet und welchen Vorteil es bietet. mehr…

Fotoprojekt Räucherstäbchen

Fotoprojekt Räucherstäbchen

In diesem Fototipp stellen wir ein Fotoprojekt für schlechtes Wetter vor und legen die Grundlage für Experimente. mehr…

Calumet PhotographicDie Testberichte sponsert Calumet – Ihr Spezialist für alles was das Fotografen- und Videografenherz begehrt. Mit Filialen in Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, München und Stuttgart.

Autor

Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 51, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.