Spiegelreflexkamera, Systemkamera

Testbericht: Nikon D5

2016-05-04 Pünktlich zu den olympischen Sommerspielen in Brasilien bringt Nikon mit der D5 eine neue Profi-DSLR auf den Markt. Ein neuer 21-Megapixel-Sensor verspricht bis zu ISO 3,3 Millionen, der 153-Punkt-Autofokus soll Sportfotografen selbst bei zwölf Serienbildern pro Sekunde stets punktgenau fokussierte Bilder liefern. Sogar Videografen sollen dank der 4K-Videoaufnahmefunktion auf ihre Kosten kommen. Der digitalkamera.de-Test zeigt, ob die D5 hält, was Nikon verspricht.  (Benjamin Kirchheim)

Ergonomie und Verarbeitung

Die Nikon D5 ist riesengroß und sackschwer, dafür aber super robust und sie liegt nahezu perfekt in der Hand; dank des eingebauten Hochformatgriffs sogar im Hochformat. Knapp 1,4 Kilogramm drückt alleine das Gehäuse ohne Objektiv auf die Waage. Zusammen mit dem Testobjektiv 2.8 24-70 VR sind es sogar gut 2,5 Kilogramm. Damit könnte das Gespann als teuerste Hantel der Welt durchgehen. Knapp 7.000 Euro kostet die D5, 2.500 Euro das Objektiv. Dafür ist die D5 jedoch absolut solide gebaut. Das Gehäuse besteht größtenteils aus einer Magnesiumlegierung, zahlreiche Dichtungen schützen das wertvolle Innere vor Feuchtigkeit und Schmutz. Der Handgriff ist gut ausgeprägt und lässt sich schön greifen. Das gilt für den eingebauten Hochformatgriff nicht ganz so sehr, denn dieser fällt etwas flacher aus. Löblich jedoch, dass außer dem Auslöser noch andere wichtige Bedienelemente doppelt ausgeführt sind, etwa die Bedienräder, der Joystick zur Wahl des Fokuspunkts oder die AF-On-Taste.

  • Bild Die Nikon D5 bringt mit ihrem gedichteten Magnesiumgehäuse alleine schon 1,4 Kilogramm auf die Waage, mit dem mit 2.8 24-70 mm VR sind es sogar knapp 2,5 Kilogramm. [Foto: MediaNord]

    Die Nikon D5 bringt mit ihrem gedichteten Magnesiumgehäuse alleine schon 1,4 Kilogramm auf die Waage, mit dem mit 2.8 24-70 mm VR sind es sogar knapp 2,5 Kilogramm. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Nikon D5 verfügt nicht nur über einen großen Spiegelreflexsucher, sondern auch über einen üppigen, fein auflösenden Touchscreen sowie über zwei Statusdisplays (eines auf der Oberseite). [Foto: MediaNord]

    Die Nikon D5 verfügt nicht nur über einen großen Spiegelreflexsucher, sondern auch über einen üppigen, fein auflösenden Touchscreen sowie über zwei Statusdisplays (eines auf der Oberseite). [Foto: MediaNord]

  • Bild Aufnahmeinformationen zeigt die Nikon D5 getrennt auf ihren beiden LC-Displays an. So lässt sich etwas die ISO-Empfindlichkeit nur auf dem rückwärtigen Display ablesen. [Foto: MediaNord]

    Aufnahmeinformationen zeigt die Nikon D5 getrennt auf ihren beiden LC-Displays an. So lässt sich etwas die ISO-Empfindlichkeit nur auf dem rückwärtigen Display ablesen. [Foto: MediaNord]

Der große 27-Wh-Akku sitzt seitlich im Hochformatgriff und gibt laut CIPA-Standardmessverfahren Saft für knapp 3.800 Aufnahmen. Tatsächlich ist der Akku kaum leer zu bekommen. Zum Lieferumfang gehört zwar nur ein Akku, aber die Ladestation nimmt sogar zwei Stück auf, um sie parallel zu laden. Das Doppelspeicherkartenfach verbirgt sich hinter einer großzügigen Klappe. Hier finden zwei exotische XQD-Karten Platz, die es dafür erlauben, die volle Performance der Kamera auszuschöpfen. Nikon bietet die D5 alternativ auch mit Doppel-CF-Schacht an, dann allerdings brechen die Serienbildraten früher ein und das Speichern nach einer Serie dauert länger. Immerhin verfügt die D5 über eine USB-3-Schnittstelle, ein entsprechendes Kabel wird mitgeliefert. Das erlaubt das schnelle Auslesen der Karten, falls kein extra Kartenleser zur Hand ist. Auch sonst geizt die D5 nicht mit Schnittstellen: Kopfhörer, Mikrofon, HDMI, LAN, Studioblitzanlage, Fernauslöser und anderes, spezielles Nikon-Zubehör lässt sich anstöpseln.

Der Pentaprismensucher der Nikon D5 deckt 100 Prozent des Bildfelds ab und vergrößert 0,72-fach. Der etwas geringe Augabstand von 17 Millimetern allerdings sorgt bei Brillenträgern für abgeschattete Ecken. Damit der über das Bild auf der Mattscheibe arbeitende Belichtungsmesser bei der Verwendung eines Stativs keine falschen Messwerte durch rückwärtig über den Sucher eintretendes Licht liefert, verfügt der Sucher über einen eingebauten Lamellenvorhang, der sich manuell betätigen lässt. Eine Statusleiste unterhalb des Suchers zeigt wichtige Aufnahmeparameter an, zudem lassen sich Gitterlinien einblenden und die AF-Messfelder werden ebenfalls im Sucher angezeigt. Einen virtuellen Horizont hingegen gibt es nicht im Sucher, er lässt sich nur auf dem rückwärtigen Bildschirm einblenden.

Die D5 verfügt über ganze zwei Displays. Ein Status-Display befindet sich auf der Oberseite, ein zweites auf der Rückseite. Die beiden Displays zeigen aber nicht etwa redundante Daten an, sondern jeweils verschiedene. Dadurch lassen sich zwar mehr Informationen darstellen, allerdings genügt bspw. auf dem Stativ eben nicht der Blick auf das obere Display, da man etwa die ISO-Einstellung dort nicht ablesen kann. Also muss man sich doch wieder hinter die Kamera bücken. Sowohl die beiden Displays als auch viele der unzähligen Tasten sind beleuchtet, allerdings nicht alle Tasten. Manche muss man also im Dunkeln blind finden. Der rückwärtige Bildschirm zeigt auf seiner Diagonale von acht Zentimetern ein mit 2,4 Millionen Bildpunkten außergewöhnlich fein aufgelöstes Bild. Allerdings ist der Bildschirm fest verbaut. Erstaunlicherweise handelt es sich um einen Touchscreen, hier geht Nikon also durchaus mit der Zeit. Dadurch kann nicht nur der Fokuspunkt im Live-View per Fingertipper eingestellt werden, sondern in der Wiedergabe lassen sich beispielsweise die Bilder per Wischgeste durchblättern oder mit einer Zweifingergeste zoomen.

Doch nicht immer ist die Bedienung der Nikon D5 so eingängig. Manche Funktionen sind per Menü gar nicht erreichbar, sondern nur über Tastenkombinationen, die man kennen muss. Das gilt nicht nur für den manuellen Weißabgleich, sondern auch für das innovative von der Kamera gestützte AF-Feintuning. Front- und Backfokus sind bei praktisch jeder DSLR ein Thema, erfolgt die Fokusmessung doch über einen vom Bildwandler unabhängigen Sensor. Manche (günstige) DSLR hat mehr damit zu kämpfen, manche teure etwas weniger. Die D5 erlaubt es, einen manuell beispielsweise per Live-View-Lupe (Fokus-Peaking gibt es übrigens nicht) eingestellten Fokus als Referenz für den Phasen-Autofokus zu speichern (das Verfahren werden wir in einem späteren Fototipp näher erläutern). Damit entfällt das manuelle Feineinstellen über das Menü mit anschließendem Testen.

Dank der vielen, teilweise programmierbaren Tasten erlaubt die D5 eine sehr direkte Bedienung, aber selbst die Tasten geben nicht immer Aufschluss über die Funktion. Möchte man beispielweise bei der Bildwiedergabe Aufnahmeinformationen zum Bild anzeigen, so gelingt dies weder über die "i"- noch die "info"-Taste, sondern indem man die Steuerkreuz-Taste (nicht etwa einen der Joysticks) nach oben drückt. Im Menü wird per Vierwegewippe navigiert, der Joystick oder die Drehräder funktionieren hier nicht. Während die Mitteltaste des Steuerkreuzes oft zur Auswahl und Bestätigung reicht, ist an manchen Stellen ein Druck auf eine separate "OK"-Taste erforderlich. Die D5 ist also wahrlich eine Profikamera, wo der Anwender wissen muss, was er tut, um nicht an der Bedienung zu verzweifeln. Entsprechend der vielen Funktionen sind die Menüs lang und manche selten verwendete Funktion wird auch ein eingefleischter D5-Fotograf daher etwas länger suchen. Um häufiger gebrauchte Funktionen aus den Tiefen des Menüs zu bergen, bietet die D5 immerhin ein Individualmenü. Selbstverständlich lassen sich auch diverse Aufnahme-Voreinstellungen speichern, ja sogar die gesamte Kamerakonfiguration kann auf einer Speicherkarte abgelegt werden.

  • Bild Das 2.8 24-70 mm VR macht bei der Auflösung, im Gegensatz zur D800E, an der Nikon D5 eine hervorragende Figur, muss aber bei der Verzeichnung und den Farbsäumen federn lassen.. [Foto: MediaNord]

    Das 2.8 24-70 mm VR macht bei der Auflösung, im Gegensatz zur D800E, an der Nikon D5 eine hervorragende Figur, muss aber bei der Verzeichnung und den Farbsäumen federn lassen.. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Stativgewinde der Nikon D5 liegt selbstverständlich in der optischen Achse und bietet sogar eine Aufnahme für den "Videopin", der eine exakte Ausrichtung der Kamera auf entsprechenden Wechselplatten erlaubt. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde der Nikon D5 liegt selbstverständlich in der optischen Achse und bietet sogar eine Aufnahme für den "Videopin", der eine exakte Ausrichtung der Kamera auf entsprechenden Wechselplatten erlaubt. [Foto: MediaNord]

Ausstattung

Als Profikamera verzichtet die D5 selbstverständlich auf Motivprogramme oder eine Vollautomatik. Der Fotograf muss also mit der Programmautomatik, Zeitautomatik, Blendenautomatik sowie dem manuellen Belichtungsmodus auskommen. Das heißt nicht, dass die D5 nicht auch alles automatisch einstellen kann. Neben Blende und Belichtungszeit können auch Fokuspunkt und ISO-Empfindlichkeit automatisch gewählt werden. Die Automatik erlaubt die getrennte Wahl der Obergrenze für die Belichtung mit und ohne Blitz, was die schnelle Wahl zwischen Fotos mit vorhandenem Licht und höherer Empfindlichkeit und beim Blitzbetrieb mit niedrigerer Empfindlichkeit erlaubt. Außerdem kann die längste Belichtungszeit manuell definiert werden, damit bei ISO-Automatik keine zu langen Belichtungszeiten angesteuert werden, sondern die Kamera stattdessen die ISO-Empfindlichkeit erhöht.

Der 153-Punkt-Autofokus ist sicher eines der Steckenpferde der Nikon D5. Bei 99 der Sensoren handelt es sich um Kreuzsensoren, die 15 mittleren Sensoren fokussieren auch noch bei Anfangsöffnungen von F8, die man beispielsweise mit Telekonverter schnell erreicht. Überhaupt reicht dem Autofokus schon geringes Umgebungslicht, bereits bei -4 LW findet er sein Ziel. Innerhalb einer Fünftel- bis Viertel-Sekunde fokussiert die D5 mit dem 2.8 24-70 VR von unendlich auf zwei Meter, hinzu kommt eine Auslöseverzögerung von 0,04 Sekunden. Damit gehört die D5 zu den schnellsten DSLRs, was den Autofokus angeht. Das gilt sogar für das Live-View, denn hier benötigt die D5 eine Drittel- bis halbe Sekunde zum Fokussieren und stellt damit alle bisherigen DSLRs deutlich in den Schatten. Die Auslöseverzögerung ist mit 0,1 Sekunden ebenfalls etwas höher als ohne Live-View, die Auslösung wird dabei keineswegs leiser. Der Sucher zeigt nur 55 der Autofokuspunkte an, nur diese lassen sich tatsächlich manuell wählen. Um die 55 Punkte herum liegen aber jeweils noch weitere Messpunkte, was vor allem bei bewegten Zielen die Genauigkeit der Verfolgung erhöht. Diese werden im AF-C-Modus durch kleine Punkte zwischen den AF-Quadraten im Sucher angezeigt. Unterstützt wird die D5 dabei vom Belichtungsmesser, der über 180.000 RGB-Messpunkte verfügt und damit das Motiv erkennen und verfolgen kann.

Mit Autofokus-Verfolgung erlaubt die Nikon D5 bis zu zwölf Serienbilder pro Sekunde. Sie macht dabei zwar aufgrund des Spiegelschlags gehörig Lärm, aber die Dunkelzeiten des Suchers sind kurz und erlauben auch dem Fotografen das Verfolgen des Motivs in Echtzeit. Mit einer Lexar Professional 32 GByte 2933x XQD-Karte, die 440 MByte/s schnell ist, nimmt die Nikon D5 in JPEG 200 Serienbilder in Folge bei 12,1 Serienbildern pro Sekunde auf. Selbst in Raw sind es mit 174 kaum weniger Bilder in Folge. Kann der Fotograf auf den Sucher, die Autofokus- und Belichtungsnachführung verzichten, erlaubt die D5 sogar 14 Serienbilder pro Sekunde.

Der Videomodus erlaubt Bewegtbildaufnahmen maximal in 4K-Auflösung (3.820 x 2.160 Pixel) mit wahlweise 24, 25 oder 30 Bildern pro Sekunde. Gespeichert wird im MOV-Format mit H.264-Kompression. Um Videos aufzunehmen, muss erst in den entsprechenden Live-View-Modus geschaltet werden. Das Nachfokussieren während einer Videoaufnahme klappt nur leidlich gut. Alternativ kann sogar der Fokuspunkt während der Aufnahme per Fingertipper auf den Touchscreen neu festgelegt werden. Sanfte Fokusfahrten gelingen damit jedoch eher nicht. Nimmt man die AF-On-Taste zur Hilfe, arbeitet der Autofokus zudem viel zu schnell und grobschlächtig. Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit lassen sich selbstverständlich während einer Videoaufnahme manuell regeln. Dies gilt auch für die Mikrofonempfindlichkeit. Empfehlenswert ist hierbei die Verwendung eines externen Stereomikrofons anstelle des internen, alleine schon um weniger Nebengeräusche durch die Bedienung des Gehäuses auf der Tonspur zu haben. Wenn Full-HD-Auflösung reicht, bietet die D5 übrigens die doppelte Bildfrequenz, was flüssigere Bewegungen oder leichte Zeitlupen erlaubt.

  • Bild Zahlreiche Schnittstellen zieren die linke Seite der Nikon D5. Darunter etwa USB 3, HDMI, LAN, Mikrofonein- sowie Mikrofonausgang. [Foto: MediaNord]

    Zahlreiche Schnittstellen zieren die linke Seite der Nikon D5. Darunter etwa USB 3, HDMI, LAN, Mikrofonein- sowie Mikrofonausgang. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Griff der Nikon D5 liegt perfekt in der Hand. Der eingebaute Hochformatgriff hingegen fällt leider etwas weniger ausgeprägt aus. [Foto: MediaNord]

    Der Griff der Nikon D5 liegt perfekt in der Hand. Der eingebaute Hochformatgriff hingegen fällt leider etwas weniger ausgeprägt aus. [Foto: MediaNord]

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Auf einen internen Blitz verzichtet Nikon bei seinem Profimodell. Aber ein TTL-Systemblitzschuh sowie ein Studioblitzanschluss sind selbstverständlich verbaut, womit dem Fotografen alle Möglichkeiten offen stehen inklusive Drahtlosblitzsteuerung mit entsprechendem Masterblitz auf der Kamera.

Auch sonst bietet die D5 alles, was das Fotografenherz begehrt. Etwa eine umfangreiche Belichtungskorrektur und Belichtungsreihenaufnahmen, Einstellungen der Bildparameter oder eine Intervallaufnahmefunktion. Selbst nach der Aufnahme erlaubt ein Menü die Bearbeitung der Bilder, das gilt auch für die kamerinterne Entwicklung von Raw-Bildern, um sie als JPEG zu speichern. Nur WLAN bietet die D5 intern nicht, auch das neue innovative Snapbridge von Nikon ist nicht verbaut. Wer mit der D5 WLAN möchte, muss dieses mittels eines teuren, aber leistungsfähigen externen Moduls nachrüsten. Eine LAN-Schnittstelle hingegen ist eingebaut, womit die Nikon D5 in ein Netzwerk gehängt werden kann. Auch über USB ist eine Fernbedienung möglich.

Bildqualität

Mit 21 Megapixeln löst die Nikon D5 höher auf als ihr Vorgängermodell, gleichzeitig schraubt Nikon aber auch die maximale Empfindlichkeit auf bis zu ISO 3,3 Million hinauf. Ob das gutgehen kann, musste die D5 im Labortest mit dem neuen 24-70 mm F2.8 VR zeigen. Der ausführliche Labortest mit allen Diagrammen kann wie üblich gegen eine geringe Gebühr von 1,40 Euro im Einzelabruf über die weiterführenden Links eingesehen werden. Außerdem bieten wir Labortest-Flatrates an, die den zeitlich begrenzten Zugriff auf das gesamte Labortestarchiv erlauben. Mit einem Kauf wird auch unsere Arbeit an den kostenlosen redaktionellen Tests unterstützt.

Wer jetzt meint, eine Festbrennweite wie ein Makro wäre doch das bessere Testobjektiv gewesen, um "alles" aus dem Sensor herauszuholen, den müssen wir enttäuschen. Auch Nikon war dieser Meinung und so testeten wir parallel mit dem 105 mm Micro Nikkor. Tatsächlich liefert das 24-70 an den 21 Megapixeln der D5 aber eine hervorragende Auflösung, die dem Makroobjektiv beim MTF50-Messwert sogar minimal überlegen ist. Bei unserem Objektivtest des 24-70 VR sah das noch ganz anders aus, allerdings löst die damals verwendete Testkamera D800E mit 36 Megapixeln auch viel höher auf (siehe weiterführende Links). Das 24-70 VR erreicht an der D5 eine maximale Auflösung bei 50 Prozent Kontrast von 53 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) im Bildzentrum bei 24mm/F5.6 und 47 lp/mm am Bildrand bei 70mm/F16. Doch schon bei Offenblende erreicht das Objektiv über 50 lp/mm im Weitwinkel im Bildzentrum und über 40 lp/mm am Bildrand. Abblenden steigert die Zentrumsauflösung noch ein wenig, am Bildrand kann das Objektiv im Weitwinkel sogar noch etwas kräftiger auf bis zu knapp 47 lp/mm zulegen. Erst bei der kleinsten Blendenöffnung F22 sinkt die Auflösung spürbar, aber nicht kritisch. Bei mittlerer Brennweite liegen die Auflösungen auf einem ähnlichen Niveau. Am langen Brennweitenende hingegen muss das Objektiv um zwei Stufen abgeblendet werden, um im Bildzentrum die 50 lp/mm zu überschreiten. Bei langer Brennweite gibt es ab F11 eine besonders gleichmäßige Auflösung in der Bildmitte und am Bildrand von jeweils rund 47 lp/mm. Ein Blick auf die Schärfeartefakte verrät, dass Nikon die Bilder bei der D5 offensiver aufbereitet als bei seinen anderen DSLRs. Das kommt insbesondere solchen Fotografen entgegen, die die JPEG-Aufnahmen ohne zeitaufwändige Bearbeitung in hoher Qualität weitergeben möchten.

  • Bild Der neue Kleinbild-Vollformatsensor der Nikon D5 löst 21 Megapixel auf und deckt mit ISO 50 bis 3,3 Million einen sehr großen Empfindlichkeitsbereich ab. [Foto: MediaNord]

    Der neue Kleinbild-Vollformatsensor der Nikon D5 löst 21 Megapixel auf und deckt mit ISO 50 bis 3,3 Million einen sehr großen Empfindlichkeitsbereich ab. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Speicherkartenfach der Nikon D5 nimmt zwei der etwas exotischen, aber den hohen Geschwindigkeitsanforderungen der D5 gerecht werdenden XQD-Speicherkarten auf. Wer auf Performance verzichten kann, bekommt die D5 auch mit Doppel-CF-Slot. [Foto: MediaNord]

    Das Speicherkartenfach der Nikon D5 nimmt zwei der etwas exotischen, aber den hohen Geschwindigkeitsanforderungen der D5 gerecht werdenden XQD-Speicherkarten auf. Wer auf Performance verzichten kann, bekommt die D5 auch mit Doppel-CF-Slot. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der große 27-Wh-Akku ermöglicht fast 3.800 Aufnahmen mit der Nikon D5. [Foto: MediaNord]

    Der große 27-Wh-Akku ermöglicht fast 3.800 Aufnahmen mit der Nikon D5. [Foto: MediaNord]

Bei anderen Messwerten als der Auflösung muss das 24-70 VR aber durchaus Federn lassen. So ist die chromatische Aberration zwar im Mittel gering, aber bei mittlerer und insbesondere kurzer Brennweite treten zum Bildrand hin deutlich sichtbare Farbsäume auf. Auch die Verzeichnung fällt mit 3,5 Prozent Tonnenform im Weitwinkel und über 1,5 Prozent Kissenform bei mittlerer und langer Brennweite nicht eben gering aus. Die Randabdunklung von gut 50 Prozent (eine Blendenstufe) bei F2,8 lässt sich durch Abblenden auf F4 halbieren, beim weiteren Abblenden auf F5,6 nimmt sie noch einmal deutlich ab. Immerhin ist der Verlauf sehr weich, sodass die Randabdunklung nicht allzu stark auffällt.

Der Signal-Rauschabstand ist von ISO 50 bis ISO 400 mit über 40 dB hoch, kratzt aber nur bei ISO 50 an der Marke von 45 dB. Bis ISO 6.400 bleibt der Signal-Rauschabstand auf einem akzeptablen Niveau von über 35 dB, bricht darüber aber deutlich ein. Bei den vier höchsten Empfindlichkeiten von ISO 0,4, 0,8, 1,6 und 3,3 Million wird der Wert von 20 dB deutlich unterschritten. Bis ISO 0,8 Million bleibt das Rauschen mit unter zwei Pixeln feinkörnig, oberhalb von ISO 6.400 wird jedoch zunehmend Helligkeitsrauschen sichtbar. Ab rund ISO 100.000 wird das Rauschen sehr stark. Oberhalb dieser Empfindlichkeit gesellt sich kräftiges Farbrauschen hinzu. Das Rauschen überdeckt das Motiv bei den beiden höchsten Empfindlichkeiten von ISO 1,6 und 3,3 Million sogar so stark, dass die Laboranalysesoftware DxO Analyzer innerhalb der Bilder die Testcharts nicht mehr finden konnte. Auch ein Blick auf die Testbilder verrät, dass vor allem die beiden höchsten Empfindlichkeiten allenfalls zur Verschönerung des Datenblatts taugen. Die Bilder sind stark magentastichig und so verrauscht, dass man das Motiv kaum noch erkennen kann.

Die Messung der Texturschärfe weist vor allem bei den niedrigen Empfindlichkeiten eine Überschärfung des Motivs auf. Bis ISO 6.400 sinkt der Wert zwar stetig ab, aber selbst bei dieser hohen Empfindlichkeit werden noch alle Details gezeigt. Erst oberhalb dieser Empfindlichkeit sinkt der Messwert je ISO-Stufe stärker. Bei ISO 12.800 gehen bereits Bilddetails verloren, spätestens ab ISO 25.600 wird dies offensichtlich. Darüber bricht die Messkurve noch steiler ein und ab ISO 204.800 wirken die Bilder stark unscharf und detailarm. Die Nikon D5 legt also bis zu hohen ISO 6.400 sehr gute Messwerte hin, kann darüber aber auch nicht zaubern. Insbesondere die Ausdehnung des Empfindlichkeitsbereich auf bis zu ISO 3,3 Million erweckt den Eindruck, dass nur der untere, kleine ISO-Bereich brauchbar ist. Dabei ist bereits dieser ISO-Bereich, in dem die D5 kristallklare Bilder liefert, größer als bei den meisten anderen Kameras.

Die Eingangsdynamik der D5 bewegt sich bis ISO 12.800 auf einem hohen Niveau von über zehn Blendenstufen und erreicht sogar fast elf Blendenstufen. Die Tonwertkurve verläuft angesteilt. Nicht übertrieben, aber doch genug, um kontrastreiche, gefällige Bilder direkt aus der Kamera zu liefern. Der Ausgangs-Tonwertumfang ist bis ISO 400 mit über 224 von 256 Stufen sehr gut, fällt dann aber mit jeder Empfindlichkeitsstufe deutlich ab. Bis ISO 3.200 bleibt der Tonwertumfang mit mindestens 160 Stufen jedoch auf gutem Niveau. Ab ISO 25.600 unterschreitet der Wert die kritische Marke von 96 Helligkeitsstufen, ab ISO 409.600 sind es sogar nur noch weniger als 32. Die Farbwiedergabe der D5 spiegelt ebenfalls die JPEG-Aufbereitung hin zu direkt aus der Kamera gut aussehenden Bildern wieder. Die Farben sind gesättigt, im Rot- und Magentabereich sogar sehr stark, Cyan ist stark in Richtung Blau verschoben. Die Tatsächliche Farbtiefe ist bis ISO 25.600 mit über zwei Millionen Farbabstufungen gut, bis ISO 3.200 sind es sogar über vier Millionen. Aber auch hier bricht der Messwert bei den hohen ISO-Empfindlichkeiten massiv ein. Bei ISO 102.400 sind es weniger als eine Million Farben, bei ISO 204.800 nur noch wenig über 250.000 und bei ISO 819.200 nur noch um die 40.000.

Wer auf Bildqualität Wert legt, sollte also die ISO-Einstellungen H1 (204.800) und höher meiden wie der Teufel das Weihwasser, aber auch die drei ISO-Stufen darunter (ab 25.600) sollte man nur im Notfall einsetzen. Wer neutrale Bilder wünscht, ist mit den JPEG-Werkseinstellungen definitiv an der falschen Adresse. Die D5 bietet jedoch viele Möglichkeiten, die JPEG-Aufbereitung anzupassen, alternativ im TIFF-Format zu speichern oder aber im Rohdatenformat zur späteren, wunschgemäßen Bildaufbereitung.

  • Bild Bei ISO 819.200 rauscht die Nikon D5 stark, aber das Motiv ist durchaus noch erkennbar. [Foto: MediaNord]

    Bei ISO 819.200 rauscht die Nikon D5 stark, aber das Motiv ist durchaus noch erkennbar. [Foto: MediaNord]

  • Bild Bei ISO 1.638.400 stellt sich durch das starke Rauschen ein Magentastich ein, Motivteile wie etwa Gesichter sind kaum noch erkennbar. [Foto: MediaNord]

    Bei ISO 1.638.400 stellt sich durch das starke Rauschen ein Magentastich ein, Motivteile wie etwa Gesichter sind kaum noch erkennbar. [Foto: MediaNord]

  • Bild Bei ISO 3.276.800 rauscht die Nikon D5 so stark, dass das Motiv nur noch in groben Zügen erkennbar ist. [Foto: MediaNord]

    Bei ISO 3.276.800 rauscht die Nikon D5 so stark, dass das Motiv nur noch in groben Zügen erkennbar ist. [Foto: MediaNord]

Fazit

Die Nikon D5 besitzt nicht nur einen Preis auf Profiniveau, sondern bietet auch entsprechende Gegenleistung. Das Gehäuse ist groß und schwer, dafür aber griffig und super robust. Das Bedienkonzept mit den vielen Knöpfen, Rädern und Steuertasten jedoch erfordert entsprechende Einarbeitungszeit, zumal manche Funktionen trotz umfangreichen Menüs nur mit Tastenkombinationen erreichbar sind. Die D5 zeichnet sich aber vor allem durch ihren leistungsfähigen Autofokus aus, der nicht nur auf dem Papier überzeugt. Hinzu kommt die schnelle Serienbildfunktion, wofür man allerdings zur XQD-Variante der Kamera greifen sollte und somit die exotischen Speicherkarten in Kauf nehmen muss. Die Bildqualität bewegt sich über einen großen Empfindlichkeitsbereich von ISO 50 bis 6.400 auf einem sehr hohen Niveau. Bei den so lockenden ultrahohen Empfindlichkeiten von bis zu ISO 3,3 Million hingegen erweist sich die D5 als Papiertiger, zaubern kann auch Nikon nicht. Die 21 Megapixel bieten einerseits eine hohe Auflösung, ohne aber die Objektive zu sehr zu fordern, sodass mit Objektiven wie dem 2.8 24-70 VR, das an 36 Megapixeln deutliche Randunschärfen aufweist, randscharfe Aufnahmen möglich sind.

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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
HerstellerNikon
ModellD5
SensorCMOS Kleinbild 36,0 x 24,0 mm (Cropfaktor 1,0)
21,3 Megapixel (physikalisch)
20,8 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch6,4 µm
Auflösung (max.)5.568 x 3.712 (3:2)
Video (max.)3.840 x 2.160 30p
ObjektivNikon AF-S 24-70 mm 2.8E ED VR (Zoom-Objektiv)
SpiegelreflexsucherPrismensucher, 100 Prozent Bildfeldabdeckung, 0,72-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,72-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), 17 mm Augabstand, Dioptrienkorrektur von -3,0 bis 1,0 dpt, wechselbare Mattscheiben
Monitor3,2" (8,0 cm)
  Auflösung2.359.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Mini (Typ C)
Vollautomatikja
Motivautomatik
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionnein
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung (180.000 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/8.000 s
Blitz
  Synchronzeit1/250 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Nikon, Standard-Mittenkontakt
WLAN
NFC
GPSextern, kabelgebunden oder Aufsteck-Empfänger
Fernauslöserja, Kabelauslöser
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
XQD
  Slot 2
XQD
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-102.400
  manuellISO 50-3.280.000
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder153
99 Kreuzsensoren
54 Liniensensoren
  GeschwindigkeitPhasen-Autofokus: 0,25 s bis 0,30 s
Live-View-Autofokus: 0,46 s bis 0,55 s
  AF-Hilfslichtk. A.
Abmessungen160 x 159 x 92 mm
Gewicht (betriebsbereit)1.389 g (nur Gehäuse)
2.454 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit3.780 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Äußerst robustes, ergonomisches, aber auch sehr schweres Gehäuse
  • Sehr schneller, zuverlässiger Autofokus
  • Hohe Serienbildrate mit langen Aufnahmeserien
  • Mit ca. 0,5 Sekunden bisher schnellster Live-View-AF aller DSLRs
  • Bis ISO 6.400 sehr gute Bildqualität
  • Teilweise etwas undurchsichtiges Bedienkonzept
  • ISO 1,6 und 3,2 Mio mit unbrauchbarer Bildqualität
  • Exotischer XQD-Speicherkartenstandard (CF-Version der D5 mit eingeschränkter Serienbildleistung erhältlich)

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.