Spiegelreflexkamera, Systemkamera

Testbericht: Nikon D5

2016-05-04 Pünktlich zu den olympischen Sommerspielen in Brasilien bringt Nikon mit der D5 eine neue Profi-DSLR auf den Markt. Ein neuer 21-Megapixel-Sensor verspricht bis zu ISO 3,3 Millionen, der 153-Punkt-Autofokus soll Sportfotografen selbst bei zwölf Serienbildern pro Sekunde stets punktgenau fokussierte Bilder liefern. Sogar Videografen sollen dank der 4K-Videoaufnahmefunktion auf ihre Kosten kommen. Der digitalkamera.de-Test zeigt, ob die D5 hält, was Nikon verspricht.  (Benjamin Kirchheim)

Ergonomie und Verarbeitung

Die Nikon D5 ist riesengroß und sackschwer, dafür aber super robust und sie liegt nahezu perfekt in der Hand; dank des eingebauten Hochformatgriffs sogar im Hochformat. Knapp 1,4 Kilogramm drückt alleine das Gehäuse ohne Objektiv auf die Waage. Zusammen mit dem Testobjektiv 2.8 24-70 VR sind es sogar gut 2,5 Kilogramm. Damit könnte das Gespann als teuerste Hantel der Welt durchgehen. Knapp 7.000 Euro kostet die D5, 2.500 Euro das Objektiv. Dafür ist die D5 jedoch absolut solide gebaut. Das Gehäuse besteht größtenteils aus einer Magnesiumlegierung, zahlreiche Dichtungen schützen das wertvolle Innere vor Feuchtigkeit und Schmutz. Der Handgriff ist gut ausgeprägt und lässt sich schön greifen. Das gilt für den eingebauten Hochformatgriff nicht ganz so sehr, denn dieser fällt etwas flacher aus. Löblich jedoch, dass außer dem Auslöser noch andere wichtige Bedienelemente doppelt ausgeführt sind, etwa die Bedienräder, der Joystick zur Wahl des Fokuspunkts oder die AF-On-Taste.

Der große 27-Wh-Akku sitzt seitlich im Hochformatgriff und gibt laut CIPA-Standardmessverfahren Saft für knapp 3.800 Aufnahmen. Tatsächlich ist der Akku kaum leer zu bekommen. Zum Lieferumfang gehört zwar nur ein Akku, aber die Ladestation nimmt sogar zwei Stück auf, um sie parallel zu laden. Das Doppelspeicherkartenfach verbirgt sich hinter einer großzügigen Klappe. Hier finden zwei exotische XQD-Karten Platz, die es dafür erlauben, die volle Performance der Kamera auszuschöpfen. Nikon bietet die D5 alternativ auch mit Doppel-CF-Schacht an, dann allerdings brechen die Serienbildraten früher ein und das Speichern nach einer Serie dauert länger. Immerhin verfügt die D5 über eine USB-3-Schnittstelle, ein entsprechendes Kabel wird mitgeliefert. Das erlaubt das schnelle Auslesen der Karten, falls kein extra Kartenleser zur Hand ist. Auch sonst geizt die D5 nicht mit Schnittstellen: Kopfhörer, Mikrofon, HDMI, LAN, Studioblitzanlage, Fernauslöser und anderes, spezielles Nikon-Zubehör lässt sich anstöpseln.

Sind Sie auf der Suche nach einer Spiegelreflexkamera und möchten sich über dieses Kamerasegment informieren? Dann haben wir das passende E-Book!Dieses E-Book hilft Ihnen die individuell passende Spiegelreflexkamera zu finden. Welche Ausstattungsmerkmale gibt es? Worauf sollten Sie beim Kauf achten? In der Marktübersicht werden alle 26 aktuellen Spiegelreflexkameras kurz vorgestellt und Testberichte zitiert. Ein E-Book (druckbare PDF) mit 96 Seiten für 4,99 €. Kostenlose 15-seitige Leseprobe erhältlich. mehr …

Der Pentaprismensucher der Nikon D5 deckt 100 Prozent des Bildfelds ab und vergrößert 0,72-fach. Der etwas geringe Augabstand von 17 Millimetern allerdings sorgt bei Brillenträgern für abgeschattete Ecken. Damit der über das Bild auf der Mattscheibe arbeitende Belichtungsmesser bei der Verwendung eines Stativs keine falschen Messwerte durch rückwärtig über den Sucher eintretendes Licht liefert, verfügt der Sucher über einen eingebauten Lamellenvorhang, der sich manuell betätigen lässt. Eine Statusleiste unterhalb des Suchers zeigt wichtige Aufnahmeparameter an, zudem lassen sich Gitterlinien einblenden und die AF-Messfelder werden ebenfalls im Sucher angezeigt. Einen virtuellen Horizont hingegen gibt es nicht im Sucher, er lässt sich nur auf dem rückwärtigen Bildschirm einblenden.

Die D5 verfügt über ganze zwei Displays. Ein Status-Display befindet sich auf der Oberseite, ein zweites auf der Rückseite. Die beiden Displays zeigen aber nicht etwa redundante Daten an, sondern jeweils verschiedene. Dadurch lassen sich zwar mehr Informationen darstellen, allerdings genügt bspw. auf dem Stativ eben nicht der Blick auf das obere Display, da man etwa die ISO-Einstellung dort nicht ablesen kann. Also muss man sich doch wieder hinter die Kamera bücken. Sowohl die beiden Displays als auch viele der unzähligen Tasten sind beleuchtet, allerdings nicht alle Tasten. Manche muss man also im Dunkeln blind finden. Der rückwärtige Bildschirm zeigt auf seiner Diagonale von acht Zentimetern ein mit 2,4 Millionen Bildpunkten außergewöhnlich fein aufgelöstes Bild. Allerdings ist der Bildschirm fest verbaut. Erstaunlicherweise handelt es sich um einen Touchscreen, hier geht Nikon also durchaus mit der Zeit. Dadurch kann nicht nur der Fokuspunkt im Live-View per Fingertipper eingestellt werden, sondern in der Wiedergabe lassen sich beispielsweise die Bilder per Wischgeste durchblättern oder mit einer Zweifingergeste zoomen.

Doch nicht immer ist die Bedienung der Nikon D5 so eingängig. Manche Funktionen sind per Menü gar nicht erreichbar, sondern nur über Tastenkombinationen, die man kennen muss. Das gilt nicht nur für den manuellen Weißabgleich, sondern auch für das innovative von der Kamera gestützte AF-Feintuning. Front- und Backfokus sind bei praktisch jeder DSLR ein Thema, erfolgt die Fokusmessung doch über einen vom Bildwandler unabhängigen Sensor. Manche (günstige) DSLR hat mehr damit zu kämpfen, manche teure etwas weniger. Die D5 erlaubt es, einen manuell beispielsweise per Live-View-Lupe (Fokus-Peaking gibt es übrigens nicht) eingestellten Fokus als Referenz für den Phasen-Autofokus zu speichern (das Verfahren werden wir in einem späteren Fototipp näher erläutern). Damit entfällt das manuelle Feineinstellen über das Menü mit anschließendem Testen.

Dank der vielen, teilweise programmierbaren Tasten erlaubt die D5 eine sehr direkte Bedienung, aber selbst die Tasten geben nicht immer Aufschluss über die Funktion. Möchte man beispielweise bei der Bildwiedergabe Aufnahmeinformationen zum Bild anzeigen, so gelingt dies weder über die "i"- noch die "info"-Taste, sondern indem man die Steuerkreuz-Taste (nicht etwa einen der Joysticks) nach oben drückt. Im Menü wird per Vierwegewippe navigiert, der Joystick oder die Drehräder funktionieren hier nicht. Während die Mitteltaste des Steuerkreuzes oft zur Auswahl und Bestätigung reicht, ist an manchen Stellen ein Druck auf eine separate "OK"-Taste erforderlich. Die D5 ist also wahrlich eine Profikamera, wo der Anwender wissen muss, was er tut, um nicht an der Bedienung zu verzweifeln. Entsprechend der vielen Funktionen sind die Menüs lang und manche selten verwendete Funktion wird auch ein eingefleischter D5-Fotograf daher etwas länger suchen. Um häufiger gebrauchte Funktionen aus den Tiefen des Menüs zu bergen, bietet die D5 immerhin ein Individualmenü. Selbstverständlich lassen sich auch diverse Aufnahme-Voreinstellungen speichern, ja sogar die gesamte Kamerakonfiguration kann auf einer Speicherkarte abgelegt werden.

Ausstattung

Als Profikamera verzichtet die D5 selbstverständlich auf Motivprogramme oder eine Vollautomatik. Der Fotograf muss also mit der Programmautomatik, Zeitautomatik, Blendenautomatik sowie dem manuellen Belichtungsmodus auskommen. Das heißt nicht, dass die D5 nicht auch alles automatisch einstellen kann. Neben Blende und Belichtungszeit können auch Fokuspunkt und ISO-Empfindlichkeit automatisch gewählt werden. Die Automatik erlaubt die getrennte Wahl der Obergrenze für die Belichtung mit und ohne Blitz, was die schnelle Wahl zwischen Fotos mit vorhandenem Licht und höherer Empfindlichkeit und beim Blitzbetrieb mit niedrigerer Empfindlichkeit erlaubt. Außerdem kann die längste Belichtungszeit manuell definiert werden, damit bei ISO-Automatik keine zu langen Belichtungszeiten angesteuert werden, sondern die Kamera stattdessen die ISO-Empfindlichkeit erhöht.

Der 153-Punkt-Autofokus ist sicher eines der Steckenpferde der Nikon D5. Bei 99 der Sensoren handelt es sich um Kreuzsensoren, die 15 mittleren Sensoren fokussieren auch noch bei Anfangsöffnungen von F8, die man beispielsweise mit Telekonverter schnell erreicht. Überhaupt reicht dem Autofokus schon geringes Umgebungslicht, bereits bei -4 LW findet er sein Ziel. Innerhalb einer Fünftel- bis Viertel-Sekunde fokussiert die D5 mit dem 2.8 24-70 VR von unendlich auf zwei Meter, hinzu kommt eine Auslöseverzögerung von 0,04 Sekunden. Damit gehört die D5 zu den schnellsten DSLRs, was den Autofokus angeht. Das gilt sogar für das Live-View, denn hier benötigt die D5 eine Drittel- bis halbe Sekunde zum Fokussieren und stellt damit alle bisherigen DSLRs deutlich in den Schatten. Die Auslöseverzögerung ist mit 0,1 Sekunden ebenfalls etwas höher als ohne Live-View, die Auslösung wird dabei keineswegs leiser. Der Sucher zeigt nur 55 der Autofokuspunkte an, nur diese lassen sich tatsächlich manuell wählen. Um die 55 Punkte herum liegen aber jeweils noch weitere Messpunkte, was vor allem bei bewegten Zielen die Genauigkeit der Verfolgung erhöht. Diese werden im AF-C-Modus durch kleine Punkte zwischen den AF-Quadraten im Sucher angezeigt. Unterstützt wird die D5 dabei vom Belichtungsmesser, der über 180.000 RGB-Messpunkte verfügt und damit das Motiv erkennen und verfolgen kann.

Mit Autofokus-Verfolgung erlaubt die Nikon D5 bis zu zwölf Serienbilder pro Sekunde. Sie macht dabei zwar aufgrund des Spiegelschlags gehörig Lärm, aber die Dunkelzeiten des Suchers sind kurz und erlauben auch dem Fotografen das Verfolgen des Motivs in Echtzeit. Mit einer Lexar Professional 32 GByte 2933x XQD-Karte, die 440 MByte/s schnell ist, nimmt die Nikon D5 in JPEG 200 Serienbilder in Folge bei 12,1 Serienbildern pro Sekunde auf. Selbst in Raw sind es mit 174 kaum weniger Bilder in Folge. Kann der Fotograf auf den Sucher, die Autofokus- und Belichtungsnachführung verzichten, erlaubt die D5 sogar 14 Serienbilder pro Sekunde.

Der Videomodus erlaubt Bewegtbildaufnahmen maximal in 4K-Auflösung (3.820 x 2.160 Pixel) mit wahlweise 24, 25 oder 30 Bildern pro Sekunde. Gespeichert wird im MOV-Format mit H.264-Kompression. Um Videos aufzunehmen, muss erst in den entsprechenden Live-View-Modus geschaltet werden. Das Nachfokussieren während einer Videoaufnahme klappt nur leidlich gut. Alternativ kann sogar der Fokuspunkt während der Aufnahme per Fingertipper auf den Touchscreen neu festgelegt werden. Sanfte Fokusfahrten gelingen damit jedoch eher nicht. Nimmt man die AF-On-Taste zur Hilfe, arbeitet der Autofokus zudem viel zu schnell und grobschlächtig. Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit lassen sich selbstverständlich während einer Videoaufnahme manuell regeln. Dies gilt auch für die Mikrofonempfindlichkeit. Empfehlenswert ist hierbei die Verwendung eines externen Stereomikrofons anstelle des internen, alleine schon um weniger Nebengeräusche durch die Bedienung des Gehäuses auf der Tonspur zu haben. Wenn Full-HD-Auflösung reicht, bietet die D5 übrigens die doppelte Bildfrequenz, was flüssigere Bewegungen oder leichte Zeitlupen erlaubt.

Auf einen internen Blitz verzichtet Nikon bei seinem Profimodell. Aber ein TTL-Systemblitzschuh sowie ein Studioblitzanschluss sind selbstverständlich verbaut, womit dem Fotografen alle Möglichkeiten offen stehen inklusive Drahtlosblitzsteuerung mit entsprechendem Masterblitz auf der Kamera.

Auch sonst bietet die D5 alles, was das Fotografenherz begehrt. Etwa eine umfangreiche Belichtungskorrektur und Belichtungsreihenaufnahmen, Einstellungen der Bildparameter oder eine Intervallaufnahmefunktion. Selbst nach der Aufnahme erlaubt ein Menü die Bearbeitung der Bilder, das gilt auch für die kamerinterne Entwicklung von Raw-Bildern, um sie als JPEG zu speichern. Nur WLAN bietet die D5 intern nicht, auch das neue innovative Snapbridge von Nikon ist nicht verbaut. Wer mit der D5 WLAN möchte, muss dieses mittels eines teuren, aber leistungsfähigen externen Moduls nachrüsten. Eine LAN-Schnittstelle hingegen ist eingebaut, womit die Nikon D5 in ein Netzwerk gehängt werden kann. Auch über USB ist eine Fernbedienung möglich.

Fortsetzung auf Seite 2

Passende Meldungen zu diesem Thema

Artikel-Vorschläge der Redaktion