Modellgepflegte, spiegellose APS-C-Systemkamera

Testbericht: Canon EOS M6 Mark II

2019-12-11 Mit der EOS M6 Mark II stellte Canon eine 32,5 Megapixel auflösende spiegellose Systemkamera vor, die fast ein Zwilling der digitalen Spiegelreflexkamera EOS 90D sein könnte. Neben dem Aufnahmesensor und einigen Funktionen sind es vor allem die Labor-Testergebnisse der beiden Kameras, die sich sehr ähneln. Was sich bei den beiden Kameras unterscheidet und wie sich die EOS M6 Mark II in der Praxis gezeigt hat, haben wir in diesem Testbericht festgehalten.  (Harm-Diercks Gronewold)

  • Bild Canon EOS M6 Mark II mit EF-M 15-45 mm. [Foto: MediaNord]

    Canon EOS M6 Mark II mit EF-M 15-45 mm. [Foto: MediaNord]

Ergonomie und Verarbeitung

Der von Canon für die EOS M6 Mark II und EOS 90D neu entwickelte APS-C-Aufnahmesensor (22,5 mal 15 Millimeter) besitzt mit seiner effektiven Auflösung von 32,5 Megapixeln die Pixeldichte eines 83 Megapixel auflösenden Kleinbild-Sensors. Laut Canon soll das Bildrauschen dank neuer Fertigungstechnologien gegenüber früheren Sensoren nicht gestiegen sein. Wie die EOS 90D bereits bewiesen hat, trifft das auch zu und ob dies auch bei der EOS M6 Mark II so ist, klären wir in der Labortestzusammenfassung im Abschnitt "Bildqualität" weiter unten in diesem Test.

Der seit einigen Jahren immer häufiger eingesetzte Namenszusatz "Mark" bezeichnet entweder eine Variante oder eine überarbeitete Version eines Produktes. Bei der EOS M6 Mark II wurde einiges verändert, was schon bei den Abmessungen anfängt. Mit 120 mm Breite, 70 mm Höhe und 49 mm Tiefe ist die Kamera etwas höher und breiter als ihr Vorgänger. Das Gewicht im betriebsbereiten Zustand beläuft sich auf etwa 530 Gramm inklusive dem Set-Objektiv EF-M 15-45 mm 3,5-6,3 IS STM. Während das Objektiv ein Kunststoffbajonett mit sich bringt, hat Canon der Kamera eins aus Metall spendiert.

Haptisch ist die M6 Mark II für ihre geringe Größe gut greifbar. Das liegt vor allem dem sehr gut ausgeformten Griff, auch wenn der kleine Finger bei großen Händen eher ins Leere greift. Um die Traktion auf dem Gehäuse zu erhöhen, hat Canon der EOS M6 Mark II eine angenehme Gummierung in genarbter Lederoptik spendiert. Diese befindet sich am Handgriff und auf dessen gegenüber liegender Seite. Auch auf der Rückseite der Kamera findet sich die Gummierung wieder und komplettiert die gut ausgeformte Daumenmulde zum Halten der Kamera. Sowieso hat Canon es mal wieder geschafft, eine gelungene Haptik in das kleine Gehäuse zu bringen.

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Insgesamt besitzt die Kamera drei leicht erreichbare Drehräder. Während sich das vordere, um den Auslöser positionierte Rad bequem mit dem Zeigefinger betätigen lässt, liegt das zweite Drehrad in optimaler Entfernung, um vom Daumen erreicht zu werden. Das dritte und letzte Rädchen ist auf der Rückseite der Kamera zu finden, es umschließt das kleine Steuerkreuz. Zudem zeigt ein großes Moduswahlrad auf der Kameraoberseite alle zur Verfügung stehenden Betriebsarten sowie die beiden Speicherplätze für die programmierbaren individuellen Vorgaben an.

Die Rückseite der Kamera wird von einem 7,5 cm (3") großen, kippbaren Touchscreen dominiert. Die Beweglichkeit erlaubt es, den Monitor um 180 Grad nach oben und um bis zu etwa 45 Grad nach unten zu klappen. Der Monitor schafft mit etwa 850 Candela pro Quadratmeter einen sehr hohen Wert. Er kann also auch problemlos bei hellem Umgebungslicht eingesetzt werden, ohne dass auf den optionalen elektronischen Sucher EVF-DC2 zurückgegriffen werden muss. Die Touchbedienung ist sehr schnell und präzise. Sie erkennt auch Fingergesten wie wischen oder "pinch in/out". Die EOS M6 Mark II besitzt von Haus aus keinen elektronischen Sucher. Dieser kann aber in Form des bereits erwähnten optionalen Suchers EVF-DC2 auf den Blitzschuh der Kamera geschoben werden. Der Sucher wird dann vom Kameraakku mit Strom versorgt.

Für die Menü- und Aufnahmeeinstellungs-Navigation stehen dem Fotografen verschiedene Wege zur Verfügung. Zum einen lässt sich die Kamera über den Touchscreen einrichten und auch die Aufnahmeeinstellungen lassen sich über den Touchscreen verändern. Um das zu vereinfachen, zeigt die Kamera immer einen kleinen weißen Rahmen um die Einstellungselemente, die auch verändert werden können. Natürlich werden auch die Drehräder in das Bedienkonzept eingebunden. Zudem besitzt die EOS M6 Mark II die traditionelle Quickmenü-Taste, kurz Q-Taste. Mit dieser wird das Schnellmenü auf dem Bildschirm aktiviert, so dass man Funktionseinstellungen vornehmen kann. Welche Optionen hier zur Verfügung stehen, ist maßgeblich davon abhängig, welche Betriebsart gewählt wurde.

Dank der verschiedenen Navigationsoptionen ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten für die Bedienung der Kamera und die Navigation der Menüs. So kann sich jeder Fotograf das für sich beste Bedienkonzept aneignen und sich mehr oder weniger seine bevorzugte Art der Menü- und Einstellungsnavigation wählen. Bei den Individualisierungsmöglichkeiten zeigt sich die EOS M6 Mark II als sehr flexibel und verständlich. Neben einem konfigurierbaren Menü stehen dem Fotografen zwei Speicherplätze zur Verfügung, mit denen sich komplette Konfigurationen speichern und abrufen lassen. Diese Speicherplätze können dann direkt auf dem Moduswahlrad ausgewählt werden.

  • Bild Die Rückseite wird durch den kippbaren 7,5 cm Touchscreen dominiert. [Foto: MediaNord]

    Die Rückseite wird durch den kippbaren 7,5 cm Touchscreen dominiert. [Foto: MediaNord]

Bei den Anschlussmöglichkeiten der EOS M6 Mark II geht es modern weiter. Für die Datenübertragung steht ein USB-C-Stecker zur Verfügung. Die USB-Ladefunktion gibt sich äußerst unflexibel. Nur bei Einsatz eines leistungsstarken USB-C-Ladegeräts (oder Powerbank) mit Power-Delivery und bei Verwendung eines Kabels mit USB-C-Anschlüssen an beiden Enden lässt sich die Kamera im ausgeschalteten Zustand laden.

Videos können über Micro-HDMI (Typ D) auf den heimischen Fernseher übertragen werden – zudem steht der HDMI-Ausgang für externe Rekorder zur Verfügung. Um nicht das eingebaute Stereomikrofon der Kamera benutzen zu müssen, können optional externe Mikrofone eingesetzt werden, sofern diese über einen 3,5 mm Klinkenstecker verfügen. Auf einen Stereo-Kopfhöhreranschluss für 3,5 mm Klinkenstecker muss der Videograf bei der Spiegellosen M6 Mark II leider verzichten. Die letzte Schnittstelle erlaubt es, den optionalen Kabelfernauslöser TC-80N3 über eine 2,5 mm Klinkensteckerbuchse anzuschließen. Natürlich fehlen weder WLAN- noch Bluetooth-Funktionen. Doch dazu später mehr.

Bei der EOS M6 Mark II bilden die Speicherkarte und der Akku eine Wohngemeinschaft auf der Kameraunterseite. Als Akku kommt der LP-E17 Lithiumionen-Akku zum Einsatz, der genug Energie für etwa 305 Aufnahmen bieten soll. Diese Angabe wurde mit dem CIPA-Testverfahren vom Hersteller ermittelt. Im Akkufachboden befindet sich eine Gummiabdeckung, durch die das optionale Netzteil ACK-E17 mit Hilfe eine Dummyakkus die Kamera mit Dauerstrom versorgen kann. Als Speicherkarte kommen Medien mit SD-Formfaktor zum Einsatz. Die Kamera beherrscht SDHC, SDXC, UHS-I- und sogar die schnellen UHS-II-Standard. Wie schnell die Speicherkarte sein sollte, klären wir im Abschnitt "Ausstattung". Leider befindet sich das Speicherkarten-Akkufach sehr dicht am 1/4-Zoll-Stativgewinde, so dass eine Schnellwechselplatte für den Akku- beziehungsweise Speicherkartenwechsel entfernt werden müsste.

Ausstattung

Wie es sich für ein Kameramodell dieser Klasse gehört, besitzt die M6 Mark II natürlich verschiedene Betriebsarten, wie eine Programm- und Motivautomatik sowie einen manuellen Modus und halbautomatische Betriebsarten. Zudem steht eine pfiffige, aber vom Konzept nicht neue flexible Automatik zur Verfügung. Bei dieser kann der Fotograf schnell zwischen der Programmautomatik, dem manuellen Modus und den beiden Halbautomaten wechseln. Das gestaltet sich dank der gut platzierten Bedienelemente auch sehr schnell und sicher.

  • Bild Auf der Oberseite der Kamera ist kaum noch Platz für mehr Ausstattungs- beziehungsweise Funktionselemente. [Foto: MediaNord]

    Auf der Oberseite der Kamera ist kaum noch Platz für mehr Ausstattungs- beziehungsweise Funktionselemente. [Foto: MediaNord]

Freunde eingebauter Spezialeffekte kommen bei der EOS M6 II nicht zu kurz und können aus einer Vielzahl von Effekten wählen, die beim Fotografieren auf das Bild angewendet werden. Natürlich können auch Spezialeffekte nach der Aufnahme angewendet werden. Die Effekte können zudem in einigen Parametern angepasst werden. Welche das sind, hängt maßgeblich vom gewählten Effekt ab. Die bereits erwähnte Motivautomatik erkennt Szenen und wendet dann automatisch Aufnahmeeinstellungen an. Wem das zuviel "Blackbox" ist und dennoch keine Lust hat, die Aufnahmeparameter manuell anzupassen, greift einfach auf eins der elf Motivprogramme zurück, die von der Kamera angeboten werden.

Eine weitere Gemeinsamkeit mit der EOS 90D ist das Belichtungsmesssystem mit 220.000 Messpunkten. Die Daten werden allerdings nicht nur für eine differenzierte Belichtungsmessung herangezogen, sondern unterstützen auch die Gesichtserkennung sowie den Verfolgungsautofokus. Natürlich profitieren die Motivprogramme sowie die Motivautomatik von der verbesserten Sensorik der Kamera. Sowieso steckt in der EOS M6 Mark II und der 90D eine Menge Funktionalität im Hintergrund. Dazu gehören beispielsweise die elektronische Korrektur von Objektivfehlern, die Optimierung der Tonwerte und die Anpassung der Bildprozessoreinstellungen über eine Automatik oder individuell eingestellte Parameter. Diese Einstellungen sind allerdings nur für JPEG-Aufnahmen relevant, da die Entwicklung der Rohdaten dem Bildbearbeiter beziehungsweise Fotografen obliegt. Apropos Rohdatenbearbeitung: Diese ist, wenn auch in eingeschränkter Form, direkt in der Kamera möglich.

Wie andere Canon Wechselobjektivkameras (EOS RP, EOS 90D) kann auch die EOS M6 Mark II sogenannte Fokusreihen aufnehmen. Bei dieser Aufnahmereihe erweitert die Kamera den Schärfebereich, indem die Fokussierung immer ein kleines Stückchen verändert wird. Am Ende werden die so erstellten Aufnahmen dann mit einer externen Software verrechnet. Zu dieser Funktion in Kombination mit der kostenlosen Software Canon Digital Photo Professional (kurz DPP) haben wir einen Fototipp veröffentlicht (siehe weiterführende Links). Zudem stehen ein programmierbarer Intervalltimer und ein Langzeittimer zur Verfügung. Letzterer ermöglicht es, Belichtungszeiten von bis zu 100 Stunden auf die Sekunde genau durchzuführen. Außerdem ist diese Funktion mit dem Selbstauslöser kombinierbar.

  • Bild Canon bietet die EOS M6 Mark II mit dem Objektiv EF-M 15-45 mm als Set an. [Foto: MediaNord]

    Canon bietet die EOS M6 Mark II mit dem Objektiv EF-M 15-45 mm als Set an. [Foto: MediaNord]

Auf der Kameraoberseite ist der bereits erwähnte Blitzschuh für Systemblitzegräte zu finden, dieser ist mit zusätzlichen Kontakten ausgestattet, um den elektronischen Sucher mit Strom und den Bilddaten zu versorgen. Gleich daneben befindet sich der manuell ausklappbare Blitz. Mit einer Leitzahl von etwa 7 (ISO 100 1 Meter Abstand) ist der Blitz recht schwachbrüstig. Eine entfesselte Steuerung von Systemblitzgeräten über den eingebauten Blitz sieht die EOS M6 Mark II leider nicht vor.

Im kleinen Gehäuse der EOS M6 Mark II kümmert sich der Bildprozessor Digic 8 um die gesamte Steuerung und Bildverarbeitung der Kamera. Dazu gehören auch die 5.481 auf dem Aufnahmesensor integrierten Autofokusmesspunkte. Bei diesen handelt es sich um sogenannte Dual-Pixel, die eine schnelle und sehr präzise Fokussierung direkt auf der Bildebene erlauben. Sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie Phasen-AF-Sensoren. Bei dieser Art Sensoren werden zwei Sensoreinheiten mit einer schräg geschliffenen Mikrolinse eingesetzt. Der Anschliff beider Mikrolinsen ist gegenläufig. Erkennt einer der Sensoren nun eine Kontrastkante, so vergleicht er das Signal der beiden Sensoren. Je nachdem, wie die beiden Signale sich unterscheiden, erkennt der Bildprozessor, wie weit das zu fokussierende Objekt entfernt ist und ob die Fokusdistanz verringert oder vergrößert werden muss. Erst wenn beide Signale identisch sind, ist der Fokus korrekt eingestellt.

Zum Glück muss der Fotograf nicht mühsam durch die tausenden von AF-Messpunkten navigieren, da Canon die Messpunkte auf 143 AF-Segmente zusammengefasst hat. Diese Segmente decken 100 Prozent der Sensorhöhe und etwa 88 Prozent der Sensorbreite ab. In Verbindung mit dem Set-Objektiv EF-M 15-45 mm IS STM läuft die Geschwindigkeit des Autofokus nicht zu extremen Höhenflügen auf. Mit rund einer Drittel Sekunde ist die Geschwindigkeit aber auch nicht zu langsam. Die reine Auslöseverzögerung der Kamera beträgt flotte 0,06 Sekunden.

Fortsetzung auf Seite 2

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Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 48, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.