Spiegellose Vollformat-Profi-Systemkamera

Canon EOS R3 im Test

Seite 2 von 2, vom 2022-05-24 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Die Canon EOS R3 bietet den aus der EOS R5 und R6 bekannten Sensor-Shift-Bildstabilisator, der in Zusammenarbeit mit dem Objektiv-Bildstabilisator bis zu acht Blendenstufen längere Belichtungszeiten ermöglichen soll. Das mag in der Theorie zutreffen, in der Praxis hingegen steigt der Ausschuss bei mehr als fünf Blendenstufen deutlich an. Bei den langen Belichtungen ist in der Praxis nämlich problematisch, dass man das Motiv während der dann sekundenlangen Belichtung nicht mehr sieht und so blind die Kamera draufhalten muss (bei einem Labortest des Bildstabilisators ergibt sich dieses Problem nicht, da die Kamera auf einem wackelnden Stativ befestigt ist).

  • Bild Die Canon EOS R3 bietet viele Schnittstellen: Fernauslöseanschluss, Blitzsynchronbuchse, Netzwerkanschluss, Mikrofonein- und Kopfhörerausgang sowie eine 4K-fähige Micro-HDMI-Schnittstelle und einen modernen USB-C-Anschluss. [Foto: MediaNord]

    Die Canon EOS R3 bietet viele Schnittstellen: Fernauslöseanschluss, Blitzsynchronbuchse, Netzwerkanschluss, Mikrofonein- und Kopfhörerausgang sowie eine 4K-fähige Micro-HDMI-Schnittstelle und einen modernen USB-C-Anschluss. [Foto: MediaNord]

Bei 100 mm Brennweite, die man ohne Bildstabilisator mit 1/100 Sekunde oder kürzer belichten sollte, entsprechen 8 EV einer 2,5 Sekunden langen Belichtungszeit, bei der es unwahrscheinlich ist, das Motiv nicht aus dem Bild zu verlieren. Mit Glück haben wir es immerhin geschafft, bei 1,3 Sekunden (7 EV) einigermaßen verwackelungsfreie Fotos aufzunehmen. Damit ist der Bildstabilisator trotz der Kritik insgesamt konkurrenzfähig und als sehr gut zu bewerten.

Viele Möglichkeiten bietet die Belichtungsreihenfunktion, auch wenn ihre Bedienung unverständlicherweise auf zwei weit voneinander entfernt gelegene Menüpunkte aufgeteilt wurde. Die Anzahl der Aufnahmen einer Belichtungsreihe wird nämlich im C.Fn-Menü vorgewählt, das für grundsätzliche, individuelle Kameraeinstellungen zuständig ist. Hier wählt man zwischen 2, 3, 5 oder 7 Aufnahmen. Im Belichtungskorrektur-Menüpunkt (beziehungsweise beim gleichzeitigen Drücken der beiden Tasten links vom Sucher auf der Kameraoberseite) kann dann die Belichtungsreihe mit einem Dreh am Einstellrad aktiviert und die Spreizung eingestellt werden. Bis zu 3 EV Belichtungsabstand zwischen den einzelnen Aufnahmen (maximal +/-6 EV für alle Aufnahmen) sind genauso möglich wie die Kombination mit der Belichtungskorrektur. Das gibt dem Fotografen die nötige Flexibilität für manuelle HDR-Aufnahmen.

Aber die EOS R3 ist auch in der Lage, HDR-Aufnahmen direkt in der Kamera zusammenzusetzen. Den HDR-Belichtungsabstand bestimmt dabei wahlweise eine Automatik oder der Fotograf im Bereich von 1 bis 3 EV. Dabei speichert die Kamera optional auch die Quellbilder und eine Ausrichtung der Einzelbilder für Freihandaufnahmen ist ebenfalls möglich. Außerdem bietet die EOS R3 eine Fokusreihenaufnahmefunktion. Wie genau das bei Canon funktioniert, haben wir in einem Fototipp erklärt (siehe weiterführende Links). Intervallaufnahmen sind übrigens ebenfalls möglich.

Des Weiteren beherrscht die Canon HEIF (High Efficiency Image File Format). Dabei handelt es sich um ein Bildformat mit zehn Bit Farbtiefe sowie einer viermal effizienteren Komprimierung als das JPEG-Format und es erzeugt dabei auch noch weniger Artefakte. Damit entspricht die Dateigröße bei deutlich besserer Bildqualität in 10 Bit der eines 8-Bit-JPEGs. Auch wenn es sich dabei um kein Rohdatenformat handelt, lässt es sich wesentlich besser nachbearbeiten und bietet eine feinere Durchzeichnung, was sich vor allem in den Tiefen und Lichtern bemerkbar macht. Auf Wunsch lässt sich das sogar direkt über HDMI auf einem HDR-Fernseher sichtbar machen.

Hinter dem bei HEIF verwendeten Codec steckt HEVC, das aus dem H.265-Videoformat bekannt ist. Unterstützt werden der Farbraum BT 2100 für mehr Farben sowie der Standard HDR PQ, der einen der visuellen Wahrnehmung angepassten Dynamikumfang bietet. Allerdings muss das HEIF-Format von den Bildverarbeitungsprogrammen unterstützt werden. Das HEIF-Dateiformat erfordert viel Rechenleistung, vor allem beim Komprimieren. Man muss sich bei der Kamera entscheiden, ob man JPEG oder HEIF verwenden möchte, beides gleichzeitig geht nicht. Raw+HEIF ist aber genauso wie Raw+JPEG möglich.

  • Bild In der Canon EOS R3 kommt der riesige, aus der EOS-1D X Mark III bekannte Akku LP-E19 zum Einsatz, der nach CIPA-Standard dennoch nur für 620 Aufnahmen mit Sucher oder 860 mit Bildschirm reicht. Er lässt sich auch in der Kamera per USB-C aufladen. [Foto: MediaNord]

    In der Canon EOS R3 kommt der riesige, aus der EOS-1D X Mark III bekannte Akku LP-E19 zum Einsatz, der nach CIPA-Standard dennoch nur für 620 Aufnahmen mit Sucher oder 860 mit Bildschirm reicht. Er lässt sich auch in der Kamera per USB-C aufladen. [Foto: MediaNord]

Der Autofokus der Canon EOS R3 arbeitet mit dem Dual Pixel CMOS AF II auf dem gesamten Bildsensor. Es kommen Deep-Learning-Algorithmen zum Einsatz und der Autofokus erkennt Menschen und Tiere (Hunde, Vögel, Katzen und alles, was diesen Tierarten ähnlich ist). Dabei werden Körper, Köpfe, Gesichter und Augen erkannt. Darüber hinaus gibt es eine Fahrzeugerkennung für Motorräder und Autos. Zudem kann wahlweise auf das Fahrzeug oder den Helm des Fahrers fokussiert werden beziehungsweise der Tracking-Autofokus schaltet um, sobald beispielsweise nicht nur das Motorrad, sondern der Helm erkannt wird, wenn es näher kommt. Zwischen den verschiedenen Erkennungssystemen lassen sich Prioritäten festlegen. Zudem arbeitet der Autofokus bei bis zu -7,5 EV (mit entsprechend lichtstarkem F1,2-Objektiv), kann aber genauso bei F22 noch fokussieren.

In der Praxis hat sich der Autofokus als äußerst zuverlässig erwiesen. Augen werden wunderbar erkannt und der Fokus bleibt selbst dann auf dem Motiv, wenn beispielsweise die Augen kurz verdeckt werden. Im Labor benötigte die EOS R3 je nach Brennweite mit dem RF 24-70 mm 2.8L IS USM 0,17 bis 0,21 Sekunden zum Fokussieren von unendlich auf zwei Meter und zum Auslösen. Die reine Auslöseverzögerung haben wir mit 0,06 Sekunden gemessen. Der Autofokus ist also sehr schnell, die Auslöseverzögerung könnte für eine spiegellose Systemkamera aber noch etwas flotter sein.

Wichtig ist es, die Möglichkeiten der AF-Steuerung zu nutzen, denn man kann im Menü einstellen, wie der Autofokus reagieren soll. Vier verschiedene anpassbare Fälle (Case 1 bis Case 4) stehen für Voreinstellungen zur Verfügung, man kann die Kamera aber auch automatisch entscheiden lassen. In jedem Case können die AI-Servo-Reaktion sowie die Nachführ-Beschleunigung- und Verzögerung in fünf Stufen angepasst werden. Zur manuellen Fokussierung stehet neben einer bis zu zehnfachen Fokuslupe auch eine Peaking-Funktion zur Verfügung.

Bei der Serienbildfunktion verspricht Canon zwölf Serienbilder pro Sekunde mit mechanischem Verschluss und sogar 30 Bilder pro Sekunde mit elektronischem, Fokus und Belichtung werden jeweils nachgeführt. Bei Serienbildaufnahmen mit elektronischen Verschluss hilft ein elektronisches Auslösegeräusch, denn aufgrund der lautlosen Aufnahme würde man sonst gar nicht merken, dass man überhaupt fotografiert. Eine deutliche visuelle Anzeige wie bei der Nikon Z 9 gibt es hingegen nicht.

  • Bild Das Speicherkartenfach der Canon EOS R3 sitzt auf der Handgriffseite. Die Hochformatbedienelemente lassen sich per Schalter sperren. [Foto: MediaNord]

    Das Speicherkartenfach der Canon EOS R3 sitzt auf der Handgriffseite. Die Hochformatbedienelemente lassen sich per Schalter sperren. [Foto: MediaNord]

Bei unserer Messung kam die Serienbildfunktion tatsächlich knapp an die versprochenen 30 Bilder pro Sekunde heran. In JPEG waren so 144 Fotos am Stück möglich, bevor es zu einem ersten kleinen Aussetzer kam. Danach arbeitet die Canon etwas unregelmäßig, immer wieder gibt es kurze Verschnaufpausen. Im Durchschnitt wurden aber über 17 Bilder pro Sekunde aufgenommen, das heißt mit mechanischem Verschluss kann man bei zwölf Bildern pro Sekunde die Speicherkarte voll machen.

Im Rohdatenformat reichte der schätztungsweise 256 GB große Puffer für 119 Aufnahmen am Stück, bevor die Kamera etwas unregelmäßig mit durchschnittlich fast 13 Bildern pro Sekunde weiter aufnahm. Auch hier gilt: Bei zwölf Bildern pro Sekunde mit mechanischem Verschluss dürften die Bildserien bis zur Kapazitätsgrenze der Speicherkarte möglich sein.

Die Speicherkarte muss natürlich entsprechend schnell sein, wir haben eine CFexpress-Karte von Sony mit einer Schreibgeschwindigkeit von fast 1.500 MB/s verwendet. Genutzt hat die Canon davor aber nur einen Bruchteil, nämlich knapp 470 MB/s. Da selbst UHS-II-SD-Karten nicht so schnell sind, lohnt sich in jedem Fall die Anschaffung schneller CFexpress-Speicherkarten. Den Puffer schreibt die R3 übrigens in JPEG innerhalb von 5,9 Sekunden auf die Karte, in Raw dauert es 7,3 Sekunden, während denen die Kamera selbstverständlich weiterhin betriebsbereit ist.

Mit ihrer 6K-Videofunktion ist die Canon EOS R3 ein echtes Hybridgerät. Im Gegensatz zur EOS R5 hat Canon zudem für eine vernünftige Kühlung gesorgt, die bei "normalen" Bildraten bis 60 Bilder endlos lange Aufnahmen erlauben soll, bei höheren Bildraten verspricht Canon 90 Minuten unterbrechungsfreien Betrieb. Dabei dient das gesamte Magnesium-Kameragehäuse als Kühlkörper. 6K-Raw-Videoaufnahmen sind mit 60 Bildern pro Sekunde auf die interne CFexpress-Speicherkarte möglich, wobei man dafür große und schnelle Karten benötigt. Parallel können auf eine SD-UHS-II-Speicherkarte MP4-Videos mit maximal 4K-Auflösung bei 60 Bildern pro Sekunde oder Full-HD bei 120 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Die 6K-Raw-Aufnahme auf die CFexpress-Speicherkarte arbeitet mit 12 Bit Farbtiefe.

Bei 4K-Aufnahmen arbeitet die EOS R3 bis 60 Bilder pro Sekunde mit 4K-Oversamtpling, bei 120 Bildern pro Sekunde wird hingegen mit Lineskipping oder optional einem Crop gearbeitet. Wählt man in 4K das UHD-Format mit 16:9 statt DCI-4K mit 17:9, gibt es immer einen entsprechenden, minimalen Crop. Zur Gradation steht Canon Log 3 zur Verfügung. Übrigens gibt es im Videomodus mit Ausnahme von Eye-Control sämtliche Autofokusfunktionen mit allen Einstell- und Erkennungsmöglichkeiten. Eine kleine Einschränkung gibt es lediglich bei der Low-Light-Fähigkeit, die "nur" bis -4,5 EV reicht statt bis -7,5 EV. Der Sensor-Shift-Bildstabilisator steht ebenfalls zur Verfügung, auf Wunsch lässt sich noch ein digitaler hinzuschalten. Zudem kann der Mikrofonpegel auf dem Bildschirm angezeigt und gesteuert werden, auch ein Timecode und eine Zebrafunktion fehlen nicht.

  • Bild Das Speicherkartenfach der Canon EOS R3 bietet zwei Steckplätze: einen für schnelle SD/SDHC/SDXC-Karten mit UHS-II-Standard und einen für noch schnellere CFexpress-Speicherkarten. [Foto: MediaNord]

    Das Speicherkartenfach der Canon EOS R3 bietet zwei Steckplätze: einen für schnelle SD/SDHC/SDXC-Karten mit UHS-II-Standard und einen für noch schnellere CFexpress-Speicherkarten. [Foto: MediaNord]

Canon hat die EOS R3 mit einer guten Konnektivität ausgestattet. Drahtlos nimmt sie per Bluetooth 5.0 sowie WLAN (inklusive 5 GHz) Verbindung mit Netzwerken und Smartphones auf. Auch Geotagging funktioniert damit kinderleicht, da die Kamera auf diesem Wege auf das Ortungssystem des Smartphones zurückgreifen kann. Doch auch ohne Smartphone stehen Geotagger nicht im Regen, denn Canon bietet ein Aufsteck-GPS für den Blitzschuh an. Das WLAN kommt immer dann zum Einsatz, wenn größere Datenmengen übertragen werden sollen: etwa aufgenommene Fotos von der Kamera zum Smartphone oder aber bei der Fernbedienung der Kamera vom Smartphone aus, wobei ein Livebild genauso zur Verfügung steht wie die Steuerung der Aufnahmeparameter; sogar Speedlite-Blitzgeräte lassen sich über die App fernsteuern.

Zudem besteht die Möglichkeit, Firmwareupdates via App an die Kamera zu übertragen. Diese werden auf die Speicherkarte der Kamera geschrieben und von dort installiert. Darüber hinaus ist ein FTP-Upload drahtlos möglich. Des Weiteren verfügt die Canon EOS R3 über einen LAN-Anschluss. So kann via Gigabit-Ethernet die Kamera gesteuert werden. Dies ist auch per Browser-Interface möglich. Darüber hinaus kann die R3 via USB mit einem Smartphone verbunden werden, um damit Fotos direkt über Mobilfunknetze versenden zu können. Das funktioniert mit nahezu jedem aktuellen Android-Smartphone, aber auch an eine Zertifizierung für Apple iPhones hat Canon gedacht, so dass diese ebenfalls funktionieren.

Bildqualität

In der Canon EOS R3 steckt ein eigens entwickelter Stacked-BSI-CMOS-Sensor in Kleinbildgröße (36 x 24 mm) mit 24 Megapixeln Auflösung. Dank rückwärtiger Belichtung soll er mehr Licht einfangen als herkömmliche CMOS-Sensoren und die Stacked-Technologie sorgt mit dem auf dem Sensor integrierten DRAM für eine schnelle Zwischenspeicherung der ausgelesenen Sensordaten. Die Empfindlichkeit reicht von ISO 100 bis 102.400 ohne und ISO 50 bis 204.800 mit Erweiterung.

Für unseren Test stand uns das Canon RF 24-70 mm 2.8L IS USM zur Verfügung, das alleine gut 2.500 und zusammen mit der EOS R3 knapp 8.500 Euro kostet. Neben einem Praxistest haben wir die Bildqualität auch unserem bewährten Labortest unterzogen, dessen detaillierte Ergebnisse über die weiterführenden Links für 1,49 Euro abgerufen werden können. Auch eine Testbild-ISO-Reihe in Raw und JPEG bieten wir für nur 0,79 Euro als ZIP-Download an. Mit einem Kauf wird übrigens auch dieser kostenlose Kameratest finanziell unterstützt. Beides ist auch als günstiges Abo bzw. Flatrate in digitalkamera.de-Premium erhältlich.

  • Bild Bis ISO 1.600 liefert die Canon EOS R3 mit dem RF 24-70 mm 2.8L IS USM eine hervorragende Bildqualität ab. Bis ISO 12.800 bleibt die Bildqualität noch gut. [Foto: MediaNord]

    Bis ISO 1.600 liefert die Canon EOS R3 mit dem RF 24-70 mm 2.8L IS USM eine hervorragende Bildqualität ab. Bis ISO 12.800 bleibt die Bildqualität noch gut. [Foto: MediaNord]

Das RF 24-70 mm 2.8L IS USM erreicht bereits bei Offenblende in der Bildmitte eine hohe Auflösung von über 60 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) im Kleinbildäquivalent, nur bei 70 mm muss dafür auf F4 abgeblendet werden. Beim Abblenden steigt die Auflösung praktisch nicht mehr an, wobei die Beugung jedoch nur sehr sanft einsetzt. Selbst bei F11 sind es noch über 55 lp/mm und erst bei F22 sinkt die Auflösung unter 50 lp/mm.

Am Bildrand hingegen fällt die Auflösung etwas geringer aus. Im Weitwinkel ist der Randabfall bei Offenblende mit rund 30 Prozent am höchsten, knapp 44 lp/mm werden hier erreicht. Bei mittlerer Brennweite ist die Randauflösung mit gut 49 lp/mm etwas höher. Die höchste Randauflösung wird bei allen Brennweiten auf F8 abgeblendet mit 50 bis 55 lp/mm erreicht. Optische Fehler bügelt die Canon EOS R3 mit Ausnahme der Verzeichnung sehr gut aus. So ist die Randabdunklung gering und Farbsäume spielen praktisch keine Rolle. Die bis zu 1,5 Prozent starke Verzeichnung (im Weitwinkel tonnenförmig, bei den anderen gemessenen Brennweiten kissenförmig) kann aber auf Wunsch digital korrigiert werden.

Der Signal-Rauschabstand bewegt sich bis einschließlich ISO 1.600 auf einem guten Niveau von über 40 dB, erst oberhalb von ISO 12.800 sinkt er unter den kritischen Wert von 35 dB. Während Farbrauschen keine Rolle spielt, steigt das Helligkeitsrauschen oberhalb von ISO 12.800 sichtbar an, bleibt aber feinkörnig. Bis ISO 1.600 führt die Rauschunterdrückung zu keinen sicht- beziehungsweise messbaren Detailverlusten, aber auch bei ISO 3.200 sind sie eher mess- als sichtbar.

Bei ISO 6.400 werden ebenfalls noch genügend Details gezeichnet, bei ISO 12.800 werden dagegen feinste Texturen weicher, die Bilder sind aber visuell durchaus noch gut brauchbar. Bei höheren Empfindlichkeiten hingegen werden die Bilder deutlich weicher und verrauschter, hier kommt der Bildsensor an seine Grenzen. Mehr als ISO 12.800 sollte man nicht ansteuern, sofern man die volle Auflösung benötigt. Damit kann die Canon EOS R3 locker mit Konkurrenzkameras der 24-Megapixel-Klasse (etwa von Nikon, Sony oder Panasonic) mithalten.

  • Bild Auch bei teilweise verdecktem Gesicht bleibt der Autofokus der Canon EOS R3 zuverlässig auf den Augen. RF 70-200 2.8 | 128 mm | F2.8 | 1/1.600 s | ISO 200. [Foto: Jens Scheppler]

    Auch bei teilweise verdecktem Gesicht bleibt der Autofokus der Canon EOS R3 zuverlässig auf den Augen. RF 70-200 2.8 | 128 mm | F2.8 | 1/1.600 s | ISO 200. [Foto: Jens Scheppler]

  • Bild Auch bei sich auf die Kamera zubewegenden Motiven bleibt der Autofokus der Canon EOS R3 bei schnellen Serienbildern zuverlässig auf den Augen. RF 70-200 2.8 | 200 mm | F2.8 | 1/1.600 s | ISO 1.000. [Foto: Jens Scheppler]

    Auch bei sich auf die Kamera zubewegenden Motiven bleibt der Autofokus der Canon EOS R3 bei schnellen Serienbildern zuverlässig auf den Augen. RF 70-200 2.8 | 200 mm | F2.8 | 1/1.600 s | ISO 1.000. [Foto: Jens Scheppler]

  • Bild Dank schneller Serienbildrate erwischt man mit der Canon EOS R3 problemlos den richtigen Moment, ohne dass der Autofokus sich beispielsweise von herumspritzendem Sand irritieren lässt. RF 70-200 2.8 | 200 mm | F2.8 | 1/1.600 s | ISO 640. [Foto: Jens Scheppler]

    Dank schneller Serienbildrate erwischt man mit der Canon EOS R3 problemlos den richtigen Moment, ohne dass der Autofokus sich beispielsweise von herumspritzendem Sand irritieren lässt. RF 70-200 2.8 | 200 mm | F2.8 | 1/1.600 s | ISO 640. [Foto: Jens Scheppler]

  • Bild Bei ISO 25.600 kommt die Canon EOS R3 an ihre Bildqualitäts-Grenzen. Bei verkleinerter Ansicht wie hier hält sich das Rauschen aber noch in Grenzen. RF 70-200 2.8 | 200 mm | F2.8 | 1/1.250 s | ISO 25.600. [Foto: Jens Scheppler]

    Bei ISO 25.600 kommt die Canon EOS R3 an ihre Bildqualitäts-Grenzen. Bei verkleinerter Ansicht wie hier hält sich das Rauschen aber noch in Grenzen. RF 70-200 2.8 | 200 mm | F2.8 | 1/1.250 s | ISO 25.600. [Foto: Jens Scheppler]

Nichts zu kritisieren gibt es an der Tonwert- und Farbaufbereitung der Canon EOS R3, hier schlägt sie sich wirklich sehr gut. Die angesteilte Tonwertkurve sorgt für knackige Kontraste in JPEG, ohne dabei den Dynamikumfang negativ zu beeinflussen. Über zwölf Blendenstufen sind überhaupt kein Problem. Im Bereich von ISO 50 bis 12.800 bewegt sich die Canon bei oder über elf Blendenstufen, erst oberhalb von ISO 25.600 bricht der Dynamikumfang auf unter zehn Blendenstufen ein. Der Ausgangs-Tonwertumfang bewegt sich bis einschließlich ISO 400 auf praktisch perfektem und bis ISO 1.600 auf sehr gutem Niveau von über 224 von 256 möglichen Helligkeitsabstufungen, bis ISO 12.800 bleibt der Wert mit über 160 Stufen gut, nimmt darüber jedoch rapide ab.

Die Farbabweichungen der Canon EOS R3 sind ausgesprochen gering und betreffen fast größtenteils allein die Sättigung mit etwas gedeckterem Gelb und lebendigeren Rottönen. Die tatsächliche Farbtiefe bewegt sich bis ISO 1.600 auf sehr hohem Niveau von über acht Millionen Farbabstufungen, selbst bis ISO 12.800 sind es mit über vier Millionen noch doppelt so viele, wie für einen guten Wert nötig wären. Erst oberhalb von ISO 51.200 sinkt der Wert unter zwei Millionen Farbnuancen.

Fazit

Die Canon EOS R3 ist eine rundum gelungene Kamera, an der sich im Test kaum Kritikpunkte finden lassen. Sie liegt hervorragend in der Hand, die Bedienung ist sehr durchdacht und vereint klassische Rad- und Tasten- mit moderner Touchbedienung. Das hochwertige Magnesiumgehäuse bietet einen Wetterschutz und dient gleichzeitig als großer Kühlkörper. Mir ihrer schnellen, ausdauernden Serienbildfunktion und dem hervorragenden Autofokus eignet sich die Canon EOS R3 hervorragend für Sport- und Action-Aufnahmen. Auch der Sensor-Shift-Bildstabilisator der Canon EOS R3 überzeugt in der Praxis mit einer derartigen Effektivität, dass je nach Brennweite die lange Dunkelzeit während der Belichtung zum größten Problem wird, das Motiv im Bildausschnitt zu behalten.

Auch die Videofunktion ist sehr potent und umfangreich ausgestattet, aber hier gibt es mit winzigen Micro-HDMI-Buchse trotz des mitgelieferten Knickschutzes einen der wenigen Kritikpunkte. Überzeugend ist auch die Bildqualität der Canon EOS R3. Die Auflösung ist für einen 24-Megapixel-Sensor gut, bis ISO 1.600 liefert er hervorragende Ergebnisse. Bei ISO 3.200 ist die Bildqualität nur minimal schlechter und bei ISO 6.400 noch gut, ISO 12.800 sind hingegen praktisch die nutzbare Grenze, bei der man aber bereits einige feine Details verliert. Damit bewegt sich die Canon EOS R3 mühelos auf dem Niveau anderer Vollformatkameras der 24-Megapixel-Klasse. Auch der Dynamik- und Farbumfang sowie die Farbgenauigkeit der EOS R3 sind gut bis sehr gut.

Kurzbewertung

  • Hochwertige Verarbeitung und gute Ergonomie
  • Sehr effektiver Bildstabilisator
  • Potente Serienbildfunktion mit schnellem Autofokus
  • Sehr gute Bildqualität bis ISO 1.600, brauchbar bis ISO 12.800
  • Leistungsstarke Videofunktion
  • Wählerische USB-Ladefunktion
  • Kleine Micro-HDMI-Buchse
  • Hochformatgriff nicht ganz so ergonomisch wie Querformatgriff

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Steckbrief

Hersteller Canon
Modell EOS R3
Sensor CMOS Kleinbild 36,0 x 24,0 mm (Cropfaktor 1,0)
26,7 Megapixel (physikalisch)
24,1 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch 6,0 µm
Auflösung (max.) 6.000 x 4.000 (3:2)
Video (max.) 6.000 x 3.164 60p
Objektiv Canon RF 24-70 mm 2.8L IS USM (Zoom-Objektiv)
Videosucher EVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 5.760.000 Bildpunkte Auflösung, 0,76-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 2,0 dpt)
Monitor 3,2" (8,0 cm)
  Auflösung 4.150.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbar ja
  schwenkbar ja
  Touchscreen ja
AV-Anschluss HDMI-Ausgang Micro (Typ D)
Vollautomatik ja
Motivautomatik
Programmautomatik ja
Programmshift ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
Manuell ja
Bulb-Langzeitbelichtung ja
HDR-Funktion ja
Panoramafunktion nein
Belichtungsmessung Matrix/Mehrfeld-Messung (384 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit 1/8.000 s
Blitz
  Synchronzeit 1/200 s
  Blitzanschluss Blitzschuh: Canon, Canon Multifiunktions-Zubehörschuh
WLAN ja
NFC
GPS extern, dauerhafte Smartphone Verbindung, kabelgebunden oder Aufsteck-Empfänger
Fernauslöser ja, Kabelauslöser, Bluetooth-Auslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme ja
Speichermedium
CFexpress Typ B
  Slot 2
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
  automatisch ISO 100-102.400
  manuell ISO 50-204.800
  automatisch ja
  manuelle Messung ja
  Kelvin-Eingabe ja
  Feinkorrektur ja
Autofokus ja
  Anzahl Messfelder 4.779
  Geschwindigkeit 0,17 s bis 0,21 s
  AF-Hilfslicht LED
Abmessungen 150 x 143 x 87 mm
Gewicht (betriebsbereit) 1.014 g (nur Gehäuse)
1.910 g (mit Objektiv)
Stativgewinde in optischer Achse
  Zoomverstellung manuell am Objektiv
Akkulaufzeit 860 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

DXOMARK Logo

Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 44, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.