Lichtstarkes Standardzoom

Panasonic Leica DG Vario-Elmarit 12-35 mm F2.8 Asph. OIS im Test

2023-12-28 Das Panasonic Leica DG Vario-Elmarit 12-35 mm F2.8 Asph. OIS (H-ES12035) wurde Ende 2022 vorgestellt. Das Micro-Four-Thirds-Weitwinkelzoom deckt einen kleinbildäquivalenten Brennweitenbereich von 24-70 Millimeter ab und wurde in Zusammenarbeit mit dem deutschen Traditionsunternehmen Leica entwickelt, was der Name ja schon erahnen lies. Wie der Nachfolger des Panasonic Lumix G X Vario 12-35 mm F2.8 II ASPH. OIS (H-HSA12035) sich im Labor und in der Praxis geschlagen hat, verraten wir in diesem Testbericht.  (Harm-Diercks Gronewold)

Das Panasonic Leica DG Vario-Elmarit 12-35 mm F2.8 Asph. OIS (H-ES12035) hat eine unverbindliche Preisempfehlung von knapp 1.000 Euro und ist im Handel auch schon für etwas weniger als 950 Euro zu haben. Bei der Namensgebung setzt Panasonic nun auf das Leica-Label, so dass die "II" in der Modellbezeichnung des Vorgängermodells entfallen konnte. Zudem kann man beide Objektive an der Modellkennung unterscheiden. Während die alte Version die Kennung H-HSA12035 besitzt, ist das neue Modell mit der Kennung H-ES12035 versehen worden.

Verarbeitung

Das Gehäuse des 12-35 mm F2.8 Asph. OIS (H-ES12035) ist aus sauber lackiertem und tadellos verarbeiteten Metall gefertigt und mit verschiedenen Dichtungen gegen Spritzwasser und Staub geschützt. Mit Abmessungen von 74 Millimetern Länge und etwa 68 Millimeter Durchmesser liegt das 12-35 mm F2.8 Asph. OIS (H-ES12035) gut in der Hand. Da es sich bei dem Objektiv um ein herkömmliches Zoom handelt, verändert sich die Baulänge beim Zoomen auf etwa 100 Millimeter Länge. Das Gewicht beträgt ziemlich genau 308 Gramm und mit Streulichtblende sind es 326 Gramm. Apropos Streulichtblende: Diese wird an einem Bajonett vorne am Objektiv befestigt und kann für den Transport auch um 180 Grad gedreht montiert werden. Montiert verlängert sie die Länge um etwa 36 Millimeter.

Zoom

Wird das 12-35 mm F2.8 Asph. OIS (H-ES12035) an der recht großen Lumix G9 II montiert, so wirkt es klein, aber nicht winzig. Beim Einsatz in üblicher Griffposition mit linker Hand als Stütze unter dem Objektiv liegt die Ecke der Kamera auf dem Daumenballen auf. Das sorgt unbeabsichtigt für etwas mehr Stabilität beim Fotografieren, aber man muss sich erst daran gewöhnen. Der Zoomring ist mit knapp 22 Millimetern Breite recht schmal. Immerhin sorgt eine 17 Millimeter breite Gummierung für angenehme Griffigkeit. Der übrige Platz auf dem Ring ist für den Aufdruck der Brennweiten 12, 18 und 35 Millimeter vorgesehen. Allerdings ist das Einblenden der Brennweite in den Sucher beziehungsweise in das Display viel bequemer und genauer als auf das Objektiv zu schauen. Das ist allerdings davon abhängig, ob die Kamera diese Funktion unterstützt oder nicht (die meisten Micro-Four-Thirds-Kameras unterstützen das seit Jahren).

Der Zoombereich wird mit einer Vierteldrehung des Zoomrings komplett abgefahren. Das Zoomen hat ein angenehmes haptisches Feedback, das den perfekten Punkt zwischen zu leichtgängig und zu schwer trifft. Auch die Geräuschkulisse beim Zoomen ist sehr angenehm. Es ist lediglich das sanfte Gleiten des Rings und der Zoommechanik zu hören.

Bildstabilisator

Auf der linken Seite des Objektivgehäuses ist der Schalter für den internen Bildstabilisator untergebracht. Diese ist kompatibel zum dualen Bildstabilisationssystem von Panasonic. Das System koppelt den Kamera- und Objektiv-Bildstabilisator für noch bessere Bildstabilisationsergebnisse zusammen. Wir konnten bei 12 Millimetern Brennweite eine Sekunde Belichtungszeit noch mit akzeptablen Ergebnissen aus der Hand halten. Das entspricht einer Effektivität von etwa fünf Blendenstufen. Bei 35 Millimetern Brennweite konnten wir mit 1/1,3 Sekunde noch akzeptabel verwackelte Aufnahmen machen und das sind etwa sechs Blendenstufen. Ziemlich ordentlich. Zu beachten ist, dass durch den Crop-Faktor die sichere Verschlusszeit der verdoppelten Brennweite entspricht (1/24 s und eine 1/70 s).

Fokus

Noch vor dem Zoomring ist ein gerade mal zehn Millimeter breiter Fokusring untergebracht. Der ist im Gegensatz zum Zoomring zwar leider nicht gummiert, aber immerhin mit einer griffigen Riffelung versehen. Der Ring läuft etwas weicher als der Zoomring, was aber auch nicht verwunderlich ist, immerhin muss er keine Mechanik bewegen, sondern nur elektrische Impulse erzeugen, die dann von der Elektronik in Steuerungsinformationen für den Fokusmotor im Objektiv umgesetzt werden. Die manuelle Fokussierung arbeitet, wie fast bei allen AF-Objektiven, nicht linear. Das bedeutet, dass der Fokusabstand sich in Abhängigkeit zur Drehgeschwindigkeit des Rings verändert und nicht in Abhängigkeit vom Drehwinkel.

Die nicht-lineare Fokussierung ist für die Fotografie am besten geeignet, da man schnell Motive erfassen kann. Für die präzise Steuerung bei Videoaufnahmen, wo sich der Fokus beispielsweise sanft während eines Schwenks ändern soll, ist die lineare Fokussierung dagegen am besten geeignet. Das Objektiv unterstützt auch das. Wenn also die eingesetzte Kamera es erlaubt, die Linearität umzuschalten, dann steht das H-ES12035 für jede "Schandtat" bereit. Das ist im Fall der G9 II problemlos möglich. Natürlich arbeitet das 12-35 mm F2.8 Asph. OIS (H-ES12035) mit den Hilfsfunktionen wie Fokuspeaking und der Fokuslupe zusammen. Zusätzlich blendet die Kamera noch eine Entfernungsskala ein, auf der die aktuell eingestellte Entfernung angezeigt wird.

Besonders wichtig für die Videografie ist allerdings das sogenannte Fokusatmen. Damit ist nicht etwa ein pumpender Autofokus gemeint, sondern eine Bildwinkeländerung durch das Fokussieren. Dieses Problem gibt es bei dem 12-35 mm F2.8 Asph. OIS (H-ES12035) überhaupt nicht. Sehr gute Nachrichten also für Videofilmer.

Die Naheinstellgrenze des 12-35 mm F2.8 Asph. OIS (H-ES12035) beträgt laut Panasonic 150 Millimeter von der Sensorebene. Dabei soll ein maximal 0,21-facher Vergrößerungsfaktor erreicht werden, was einem Abbildungsmaßstab von 1:4,8 entspricht. Wir konnten bei 12 Millimetern Brennweite einen Mindestabstand von 133 Millimetern von der Sensorebene einstellen und dabei eine Bildweite von 87 x 65 Millimeter ermitteln. Das entspricht einem Vergrößerungsfaktor von 0,2-fach beziehungsweise einem Maßstab von etwa 1:5.

Bei 35 Millimeter Brennweite änderte sich das Bildfeld nur minimal auf etwa 90 x 67 Millimeter, der Abstand zum Sensor erweiterte sich aber auf 225 Millimeter. Der Vergrößerungsfaktor sank minimal auf 0,19-fach (1:5,2). Der Abstand zwischen Objektivfront und Motiv ist bei 12 Millimetern Brennweite mit etwa 40 Millimetern so gering, dass das Motiv deutlich abgeschattet wird. Bei 35 Millimetern Brennweite kommt es mit 113 Millimetern Distanz zwischen Objektivfront und dem Motiv zu keinen Abschattungen.

Zum Rand nimmt die Bildschärfe bei 12 Millimetern Brennweite leicht ab. Bei maximaler Brennweite ist der Rand schon etwas stärker sichtbar auf dem Foto unscharf. Das ist übrigens bei größeren Entfernungen nicht viel besser, wie die Messergebnisse der Auflösung im Labor zeigen. Doch dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Fortsetzung auf Seite 2

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Autor

Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 52, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.