Pfannkuchen-Weitwinkel

Nikon Z 26 mm F2.8 im Test

2024-02-02 Mit einer Länge von nur 2,4 Zentimeter ist das Nikon Z 26 mm F2.8 aktuell das flachste Kleinbildobjektiv für das Nikon-Z-System. Es ist 1,9 Zentimeter kürzer und 30 Gramm leichter als das dafür nur halb so teure Z 28 mm F2.8. Es empfiehlt sich damit für alle Z-Systemkameras als unauffälliges, leichtes Weitwinkel- bis Standardobjektiv (39 mm Kleinbildäquivalent an APS-C). Ob trotz der flachen Bauweise aber auch die Bildqualität stimmt, haben wir an der über 45 Megapixel auflösenden Vollformatkamera Nikon Z 8 getestet.  (Benjamin Kirchheim)

Verarbeitung

Mit einer Länge von 2,4 Zentimeter und einem Durchmesser von sieben Zentimeter ist das Nikon Z 26 mm F2.8 aktuell das kompakteste Objektive im Z-Objektivprogramm. Das bisher flachste Vollformat-Objektiv Z 28 mm F2.8 ist 2,4 Zentimeter länger und selbst das APS-C-Objektiv 24 mm F1.7 DX ist noch 1,7 Zentimeter länger. Auch das Gewicht fällt mit 122 Gramm sehr gering aus (ebenfalls leichter als die beiden vorgenannten Objektive). An der Testkamera Z 8 spürt man es somit kaum, schließlich wiegt die Kamera fast 900 Gramm, sodass die Kombination es auf knapp über ein Kilogramm ringt. Das Objektiv ist so flach, dass es nicht einmal über den Handgriff der Z 8 hinausragt. Auch wenn es sich beim Nikon Z 26 mm F2.8 um ein Kleinbildobjektiv handelt, macht es sich sicher auch wunderbar an einer APS-C-Kamera des Z-Systems – dann als knapp 40mm-Normalobjektiv.

Das geringe Gewicht kommt nicht von ungefähr. Einerseits ist das Objektiv mit F2,8 für eine Festbrennweite wahrlich nicht lichtstark. Der Frontlinsendurchmesser beträgt lediglich neun Millimeter. Überhaupt kommt die optische Konstruktion mit lediglich acht Linsen aus, wobei diese zur Objektivrückseite hin immer größer werden. Die Hinterlinse bringt es auf einen vergleichsweise stattlichen Durchmesser von 2,7 Zentimeter. Das dürfte dafür sorgen, dass die Lichtstrahlen möglichst senkrecht auf den Bildsensor fallen, was für eine höhere Abbildungsleistung sorgt.

Trotz des geringen Gewichts ist die Verarbeitung keinesfalls schlecht. Zwar kommt viel Kunststoff zum Einsatz, aber der Fokusring sowie das Bajonett bestehen aus Metall. Zudem sollen zahlreiche Dichtungen das Eindringen von Spritzwasser und Staub verhindern, auch am Bajonett befindet sich eine entsprechende Dichtlippe. Allerdings besitzt das Nikon Z 26 mm F2.8 keinen Innenfokus, sondern es handelt sich um ein Objektiv mit klassischem Auszugs-Fokus. Das heißt, dass sich die gesamte optische Konstruktion beim Fokussieren nach vorne und hinten bewegt – nach vorne kommt ein 3,3 Zentimeter durchmessender Tubus um bis zu sieben Millimeter aus dem Objektiv herausgefahren. Das sorgt natürlich für das Pumpen von einer minimalen Menge Luft.

Damit ist der Tubus im ausgefahrenen Zustand recht exponiert, auch ein Filtergewinde lässt sich so konstruktiv nicht unterbringen. Die Nikon-Ingenieure haben jedoch eine pfiffige Lösung dafür gefunden: Zwischen Tubus und dem äußeren Fokusring am Gehäuse befindet sich eine rundum laufende Rille mit einem Bajonett für die mitgelieferte Streulichtblende. Sie trägt knapp unter einen Zentimeter Länge auf, womit einerseits der Tubus geschützt wird und andererseits noch genug Platz für ein 52mm-Filtergewinde bleibt.

Die Streulichtblende wiegt lediglich knapp 14 Gramm, besteht allerdings auch nur aus Kunststoff und somit auch ihr Filtergewinde. Man sollte also beim Einschrauben etwas Vorsicht walten lassen (siehe auf unseren Fototipp in den weiterführenden Links). Zudem ist ihre Wirkung aufgrund der kleinen Abmessungen sehr begrenzt. Ebenfalls zum Lieferumfang gehört ein elf Gramm leichter Kunststoff-Stülpdeckel, der sowohl auf die Streulichtblende als auch das Objektiv ohne Streulichtblende passt – ebenfalls eine smarte Lösung.

Fokus

Das einzige Bedienelement des Z 26 mm F2.8 ist der neun Millimeter schmale Multifunktionsring. Er besteht aus Metall und besitzt eine sieben Millimeter breite, griffige Riffelung. Mit diesem Ring lässt sich nicht nur der Fokus verstellen, sondern auf Wunsch je nach Konfiguration der Kamera auch andere Aufnahmeparameter, etwa die Blende. Auf einen AF-MF-Schalter hat Nikon hingegen leider verzichtet, so muss auch diese Umschaltung an der Kamera erfolgen.

Einen optischen Bildstabilisator besitzt das Z 26 mm F2.8 nicht. Dieser wird auch nicht unbedingt benötigt, denn den bringen zumindest die Vollformatkameras von Nikon dank des beweglich gelagerten Bildsensors bereits mit. Wer das Objektiv hingegen als 40mm-Normalbrennweite an seiner APS-C-Nikon einsetzen möchte, muss ohne Bildstabilisator auskommen. An unserer Testkamera Z 8 konnten wir bei drei Blendenstufen längeren Belichtungszeiten als nach Faustregel möglich noch scharfe Aufnahmen erzielen. Statt 1/25 Sekunde Belichtungszeit konnten wir auch 1/3 Sekunde lange Belichtungen aus der Hand schießen. Das ist okay, aber eigentlich nicht sonderlich viel.

Doch zurück zum Fokus. Der Autofokus arbeitet, wie bereits erwähnt, mit einem Auszugsmechanismus. Das hört man auch, besonders leise ist der Autofokus also nicht, besonders schnell ebenfalls nicht. Der Mechanismus hat für Videografen noch einen weiteren, gravierenden Nachteil: Das Fokusatmen ist enorm. Der Bildwinkel wird bei abnehmender Fokusdistanz erheblich kleiner.

Die Naheinstellgrenze beträgt laut technischen Daten 20 Zentimeter ab Sensorebene. Wir konnten 18,4 Zentimeter erreichen. Der Arbeitsabstand von der Objektivfront zum Motiv beträgt dabei 13,9 Zentimeter. Der maximale Abbildungsmaßstab beträgt laut Datenblatt 1:5,3. In der Praxis konnten wir einen 17 x 11,3 Zentimeter kleinen Bereich formatfüllend abbilden, was sogar einem Abbildungsmaßstab von 1:4,7 entspricht.

Der Fokusring arbeitet übrigens rein elektronisch und erlaubt eine sehr präzise Steuerung, zumal mit einer Lupe und dem Fokus-Peaking sowie einem Fokusindikator und Hilfspfeilen praktische Einstellhilfen im Livebild zur Verfügung stehen. Der Fokusring arbeitet nicht-linear, das heißt bei langsamen Bewegungen reagiert er feinfühliger und der Drehwinkel muss für dieselbe Fokusverstellung größer sein, als wenn man den Ring schnell dreht. Für Fotografen ist das sehr gut, erlaubt es doch eine feinfühligere Fokusjustage.

Im Menü der Nikon Z 8 lässt sich aber auch ein linearer Betrieb des Fokusrings aktivieren, wobei sich der Drehbereich in zwölf Stufen von 90 Grad (eine viertel Umdrehung) bis hin zu 720 Grad (zwei volle Umdrehungen) anpassen lässt. Damit sollte jeder Videograf seinen favorisierten Drehbereich finden können.

Fortsetzung auf Seite 2

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 45, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.