High-End Foto-Video-Hybrid

Testbericht: Panasonic Lumix DC-GH5 II

2021-07-30 Die Panasonic Lumix DC-GH5 II ist eher eine Modellpflege mit speziellen Erweiterungen für bestimmte Anwendungsbereiche als ein echtes Nachfolgemodell der GH5. Sie soll nun auch den modernen Anforderungen von YouTube, Vlogs und Livestreaming besser gerecht werden. Zudem gibt es einen leistungsfähigeren Prozessor, der etwa Videoaufnahmen auf SD-Speicherkarte und eine gleichzeitige Ausgabe via HDMI ermöglicht. Auch eine selten zu findende WLAN-Livestream-Funktion via PC oder Smartphone ist mit an Bord. Ob es noch weitere Veränderungen gibt und ob der neue Prozessor sich positiv auf die Bildqualität auswirkt, haben wir im Test herausgefunden.  (Benjamin Kirchheim)

Panasonic Lumix DC-GH5 II Testbericht als Premium-VersionDiesen Kameratest gibt es auch als E-Book mit erweitertem Informationsumfang. Das PDF zum Herunterladen enthält gegenüber dieser Online-Version zusätzlich eine übersichtliche Tabelle mit detaillierten Einzelbewertungen sowie zwei Diagramme, in denen die Stärken und Schwächen der Kamera gut vergleichbar visualisiert werden. Zudem stellen wir drei andere Kameras als mögliche Alternativen vor und erklären welche Vor- und Nachteile diese gegenüber der Panasonic Lumix DC-GH5 II haben. mehr …

  • Bild Für eine Micro-Four-Thirds-Kamera ist die Panasonic Lumix DC-GH5 II ziemlich groß und schwer, sie übertrifft sogar so manche Kleinbildkamera. [Foto: MediaNord]

    Für eine Micro-Four-Thirds-Kamera ist die Panasonic Lumix DC-GH5 II ziemlich groß und schwer, sie übertrifft sogar so manche Kleinbildkamera. [Foto: MediaNord]

Da es sich bei der Panasonic Lumix DC-GH5 II um eine verbesserte Version der GH5 handelt, basiert dieser Testbericht entsprechend auf dem Vorgängermodell, wurde aber komplett überarbeitet. Dabei kommen die größeren und kleineren Verbesserungen aber auch Nachteile nicht zu kurz.

Ergonomie und Verarbeitung

Das bullige Gehäuse der Panasonic Lumix DC-GH5 II könnte gut und gerne das einer DSLR sein. Der große Handgriff bietet viel Grifffläche, könnte aber im Übergang zum Gehäuse gerne besser ausgeformt sein, denn in der Hand getragen muss man sie fest mit Gegendruck packen und darf sie keinesfalls lockerlassen, denn sonst rutscht sie aus den Händen. Menschen mit zierlichen Händen wird der Griff schon zu groß sein, Fotografen mit großen Pranken hingegen werden sich freuen, endlich mal etwas "Richtiges" in der Hand zu haben.

Immerhin bleibt trotz des großen Gehäuses der eine oder andere Vorteil des Micro-Four-Thirds-Standards bestehen: Etwa die relativ kleinen und leichten Objektive, wenn man sie mit Vollformatkonkurrenten mit gleichem Bildwinkel vergleicht. Oder die größere Schärfentiefe, die manch einer als Vorteil, sieht (man muss nicht so weit abblenden), andere wiederum als Nachteil (man kann weniger gut freistellen) – je nach Anwendungsfall.

Das Gehäuse besteht rundherum aus einer robusten Magnesiumlegierung, das im Griffbereich links und rechts großzügig mit einer rutschfesten, genarbten Gummierung beklebt ist. Das Gehäuse ist selbstverständlich staub- und spritzwassergeschützt. Zusätzlich soll die GH5 II auch bei Frost bis minus 10 Grad noch funktionieren. Unterstrichen wird die Robustheit vom auf 200.000 Auslösungen ausgelegten mechanischen Verschluss.

Während sich vorne die Blitzsynchronbuchse befindet, deren kleinen Schraubdeckel man fest anziehen sollte, um ihn nicht zu verlieren, befinden sich links gleich drei Schnittstellenklappen, die allesamt aus Gummi bestehen. Die oberste verdeckt den Stereomikrofonanschluss, eine 3,5 mm Klinkenbuchse, und hängt lediglich an einem beweglichen Gummi. Als optionales Zubehör bietet Panasonic einen Aufsatz für den Blitzschuh an, der XLR-Tonanschlüsse samt Bedienelementen beinhaltet.

Die beiden Klappen unter dem Mikrofonanschluss verfügen hingegen über ein Scharnier. Hinter der oberen Klappe befindet sich der Kopfhörerausgang, ebenfalls eine 3,5 mm Stereoklinke. Hinter der unteren Klappe befinden sich eine großzügige HDMI-Buchse in voller Größe (Typ A) sowie ein USB-C-Anschluss, der im Gegensatz zum Vorgängermodell Power Delivery unterstützt. Somit kann nun der Akku in der Kamera geladen werden und sogar eine Dauerstromversorgung ist möglich, mit einer Powerbank selbst mobil.

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Des Weiteren verstecken sich zwei Buchsen mit Gewinde hinter den Schnittstellenklappen. Im Lieferumfang befindet sich ein schnörkelloses Plastikteil, das sich hier einschrauben lässt. Es sorgt für die Zugentlastung und den Knickschutz der angeschlossenen Kabel und schützt somit die Anschlüsse vor dem Herausbrechen.

Auf der Handgriffseite befindet sich eine weitere Schnittstelle, ebenfalls von einem Gummipfropfen geschützt, wie der Mikrofonanschluss. Hier lässt sich ein Kabelfernauslöser in die 2,5 mm Klinkenbuchse einstecken. Das Speicherkartenfach ist ebenfalls auf der Handgriffseite zu finden. Hierbei handelt es sich um eine robuste Kunststoffklappe mit Gummidichtungen und Feder, die die Klappe nach der Entriegelung aufdrückt. Dahinter verbergen sich gleich zwei SD-Kartensteckplätze, die beide zu SDHC, SDXC, UHS I sowie UHS II kompatibel sind. Als Schreibgeschwindigkeit bei Raw-Serienbildaufnahmen haben wir etwas über 106 MB/s ermittelt. Für Videoaufnahmen, die maximal mit 400 Mbit/s erfolgen, reicht davon schon die Hälfte.

Auf der Unterseite ist eine weitere Schnittstelle zu finden, die von einem losen Gummipfropfen geschützt wird. Hierbei handelt es sich um den elektronischen Anschluss für den optionalen und ebenfalls spritzwassergeschützten Batterie-Hochformat-Handgriff. Es kommt derselbe Handgriff wie bereits bei der GH5 zum Einsatz, der DMW-BGGH5.

Das Stativgewinde auf der Kameraunterseite befindet sich in der optischen Achse, sitzt jedoch ungewöhnlich weit hinten, so dass die Kamera mit Objektiv auf dem Stativ schnell frontlastig wird. Das Akkufach ist weit genug vom Stativgewinde entfernt, so dass es sich auch mit Stativwechselplatte noch öffnen lässt. Hier kommt der bereits aus der Lumix S5 bekannte neue Akku BLK22 zum Einsatz. Trotz größerer Kapazität von 2.200 mAh hält er aber kaum länger durch als die GH5 mit dem BLF19 (1.860 mAh), was an einem etwas höheren Stromverbrauch der GH5 II liegen dürfte. Je nach Objektiv sind 400 bis 410 Aufnahmen nach CIPA-Standard möglich. Der BLF19 kann mit entsprechend ca. 15 Prozent kürzerer Laufzeit ebenfalls in der GH5 II verwendet werden.

Aufgrund des großen Gehäuses der GH5 II war es kein Problem, genügend Bedienelemente darauf zu verteilen, ohne dass es zu vollgestopft wirkt. Zudem sind die Knöpfe teilweise blind ertastbar. Auf der Oberseite beispielsweise ist der Belichtungskorrekturknopf glatt, die ISO-Taste ist mit zwei kleinen Pins versehen, die Bildstil-Taste (war bei der GH5 noch eine Fn1-Taste) ist abgerundet und die Weißabgleichstaste ebenfalls, aber sie steht deutlich weiter aus dem Gehäuse heraus.

Das Programmwählrad lässt sich gegen versehentliches Verstellen sichern, der Einschalter befindet sich als gut bedienbarer Hebel direkt darunter. Darüber hinaus bietet die GH5 II gleich drei Multifunktionsräder, eines in Daumenposition auf der Rückseite, eines hinter dem Auslöser auf der Oberseite und ein drittes ist mit dem Vierwegewähler kombiniert, wobei das Rad groß und griffig genug ist, um nicht ungewollt eine der vier Tasten zu drücken.

Zusätzlich zum Vierwegewähler gibt es einen Joystick, der für die Auswahl der Autofokuspunkte zuständig ist. In seiner Nähe befindet sich die AF-ON-Taste (bei der GH5 noch AEL/AFL, lässt sich entsprechend umprogrammieren), die vom Fokuswahlhebel umschlossen ist. Weitere Funktionstasten sind über das gesamte Gehäuse verteilt und mit sinnvollen Funktionen vorbelegt, die teilweise auf die Tasten oder das Gehäuse aufgedruckt sind.

  • Bild Die Panasonic Lumix DC-GH5 II bietet nicht nur einen frei beweglichen, sehr hellen und hochauflösenden Touchscreen, sondern auch einen großen und gut auflösenden Sucher, der sich mit Kleinbild-DSLRs messen kann. [Foto: MediaNord]

    Die Panasonic Lumix DC-GH5 II bietet nicht nur einen frei beweglichen, sehr hellen und hochauflösenden Touchscreen, sondern auch einen großen und gut auflösenden Sucher, der sich mit Kleinbild-DSLRs messen kann. [Foto: MediaNord]

Der nun nur noch 7,5 statt acht Zentimeter große Bildschirm löst mit äußerst feinen 1,84 Millionen Bildpunkten etwas höher auf als noch in der GH5. Sein Seitenverhältnis von 3:2 ist ein guter Kompromiss zwischen 4:3 für Fotos und 16:9 für Videos. Vor allem aber bietet der Bildschirm eine bessere Farbdarstellung und eine höhere Helligkeit als beim Vorgängermodell. Wir haben eine maximale Leuchtdichte von 940 cd/m² gemessen, womit der Bildschirm auch in hellem Sonnenlicht noch gut ablesbar ist, was beim Vorgängermodell nicht der Fall war.

Das Schwenk-Drehgelenk gehört quasi zur Standardausstattung bei Panasonic, so dass der Bildschirm aus allen möglichen Perspektiven betrachtet werden kann. Wie üblich handelt es sich um einen Touchscreen, auf dem sich weitere Funktionstasten einblenden lassen und der auch zum Festlegen des Autofokuspunkts dienen kann, selbst wenn man das Auge am Sucher hat. Wer möchte, kann den Bildschirm aber auch zum Schutz verkehrt herum an die Rückwand klappen.

Der elektronische OLED-Sucher ist eine Augenweide und identisch zum Vorgängermodell. Er besitzt eine kleinbildäquivalente 0,76-fache Vergrößerung, kann es also mit einer Vollformat-DSLR aufnehmen. Das trifft jedoch nicht nur auf die Größe zu, denn die Auflösung ist mit 3,68 Millionen Bildpunkten ebenfalls sehr fein, so dass man kaum noch einzelnen Pixel mehr erkennen kann. Rein rechnerisch dürfte das Display ca. 1.280 x 960 Pixel (4:3) auflösen, da jeder Pixel aus drei Bildpunkten besteht, kommt man damit auf 3.686.400 Bildpunkte.

Dank des Näherungssensors schaltet sich der Sucher automatisch ein, sobald man ihn ans Auge nimmt. Eine Dioptrienkorrektur ist ebenfalls vorhanden und die Augenmuschel angenehm groß. Brillenträger können den Sucher nahezu komplett überblicken. An den Seiten gibt es keine Abschattungen, in den Ecken hingegen schon. Der Sucher bietet eine flüssige Anzeige ohne Ruckeln (60 und 120 Hz sind wählbar). Auch ein Nachziehen oder ein Jelly-Movie-Effekt sind praktisch nicht sichtbar. Die Farben und Kontraste sind kräftig und natürlich, so dass man das Bild sehr gut beurteilen kann. Zur Bildwiedergabe und Menüanzeige eignet sich der Sucher ebenfalls hervorragend, stört dabei doch garantiert kein Sonnenlicht.

Das auch per Touch bedienbare Menü der GH II ist äußerst umfangreich. Hier lassen sich sehr viele Funktionen konfigurieren und die Kamera individualisieren. Dabei kann man schonmal leicht den Überblick verlieren. Als Abhilfe gibt es ein Menü, das man selbst mit favorisierten Funktionen füllen kann. Die verschiedenen Kategorien und Unterkategorien sind links angeordnet. Zusätzlich zu den vielen Tasten und dem Umfangreichen Menü gibt es noch ein Quick-Menü, in dem man ebenfalls wichtige Funktionen ablegen und auf Wunsch per Touch oder Tasten bedienen kann. Es ist zwar bereits vorkonfiguriert, kann aber ebenfalls angepasst werden.

Ausstattung

Die Panasonic Lumix DC-GH5 II ist wahrlich keine Kamera für Anfänger. Einsteiger bekommen einen 20 Megapixel auflösenden Micro-Four-Thirds-Sensor und 4K-Video beispielsweise in der viel günstigeren G91 oder GX9 (und selbst das sind eigentlich keine reinrassigen Einsteigerkameras). Entsprechend bietet die GH5 II keine Motivprogramme, wohl aber eine intelligente Automatik, die im Eifer des Gefechts schnell alles automatisch einstellt – dann sogar inklusive einem passenden Motivprogramm.

  • Bild Panasonic nutzt das große Gehäuse der Lumix DC-GH5 II für zahlreiche Knöpfe und das eine oder andere Einstellrad. [Foto: MediaNord]

    Panasonic nutzt das große Gehäuse der Lumix DC-GH5 II für zahlreiche Knöpfe und das eine oder andere Einstellrad. [Foto: MediaNord]

Wer es dennoch mal verspielt mag, findet auf der Kameraoberseite mit der Bildstil-Taste eine Einstellung, die eine Auswahl aus 19 Effekten für Fotos offeriert. Darunter sind auch die professionellen Videostile V-Log L oder Cinema-Like sowie vier individuelle Bildstile zu finden. Zusätzlich sind über das Menü 22 Filtereffekte zu erreichen, die das Bild noch deutlich stärker beeinflussen, etwa Retro, Sepia, Crossentwicklung, Spielzeugeffekt usw.

Wirklich kreativ wird ein Fotograf aber in den klassischen Programmen, vor allem der Blendenautomatik, der Zeitautomatik und dem manuellen Modus. Letzterer bietet auf Wunsch eine ISO-Automatik, die Belichtungskorrektur bleibt dabei ebenfalls aktiv und bietet einen großen Einstellbereich von +/- 5 EV. Für Videografen gibt es ebenfalls einen manuellen Videomodus, dazu später mehr, es kann jedoch dank des nun roten und damit deutlicher sichtbaren Videoauslösers auch in jedem anderen Programm gefilmt werden. Außerdem befinden sich auf dem Programmwahlrad vier statt bisher drei Plätze, die mit individuellen Einstellungen vorbelegt werden können, um die Kamera schnell auf die favorisierten Motivsituationen vorbereiten zu können.

Die GH5 II bietet weder eine Panoramafunktion, noch eine automatische HDR-Funktion, letztere ist gegenüber der GH5 weggefallen. Dafür gibt es aber weiterhin die sehr mächtige Belichtungsreihenfunktion. Mit ihr lassen sich bis zu sieben Aufnahmen in JPEG und/oder Raw mit bis zu 1 EV-Belichtungsabstand anfertigen, was mehr als ausreichend für eine spätere HDR-Bearbeitung mit Tonemapping am PC ist. Wer möchte, kann auch Intervallaufnahmen anfertigen. Die GH5 II lässt sich entsprechend programmieren und macht bis zu 9.999 Aufnahmen, die sie auf Wunsch sogar zu einem Zeitrafferfilm zusammensetzt. Dank des Wetterschutzes und der USB-Stromversorgung ist das kein Problem.

Beim Autofokus kommt wieder Panasonics DFD-Technologie zum Einsatz, die sich bereits bestens bewährt hat. Ohne Phasen-AF-Sensoren ist diese Methode genauso schnell und zuverlässig. Der Trick: Die Kamera vergleicht zwei blitzschnell mit leicht unterschiedlicher Entfernungseinstellung aufgenommene Fotos miteinander und errechnet anhand der Objektivcharakteristik den nahezu exakten Schärfepunkt, der wie bei einem Phasen-AF direkt angesprungen werden kann. Der Kontrastautofokus sorgt blitzschnell für die Feinjustage. Panasonic verspricht, dass die GH5 II das sogar noch bei -4 EV geringem Umgebungslicht, also nachts bei Mondschein, schafft.

Allerdings zeigte sich unsere GH5 II hier nicht immer ganz so zuverlässig, wie wir es eigentlich von Panasonic gewohnt sind. Sie fokussierte teilweise langsamer als die GH5 und lag trotzdem gelegentlich mit dem Fokus daneben und meldete zu allem Überdruss trotzen "scharf". Visuell war das aber zum Glück immer eindeutig sichtbar. Laut unserer Labormessung benötigt die GH5 II daher mit 0,15 bis 0,28 Sekunden länger für die Fokussierung inklusive Auslösung als noch die GH5. Im besten Fall fokussiert die GH5 II zumindest fast genauso schnell wie die GH5, braucht im schlechtesten Fall aber mehr als doppelt so lange.

Die reine Auslöseverzögerung von 0,07 bis 0,08 Sekunden ist für eine spiegellose Systemkamera auch kein Rekordwert, denn so lange brauchen normalerweise DSLRs, die dafür beispielsweise noch den Spiegel hochklappen müssen. Spiegellose Systemkameras wie die GH5 II sollten eigentlich locker doppelt so schnell sein.

Die GH5 II deckt mit ihren 225 Autofokuspunkten fast das gesamte Bildfeld ab und führt den Fokus auf Wunsch automatisch einem sich bewegenden Motiv nach. Selbst kleinste Insekten kann der Autofokus im Bild verfolgen. Der Fokus lässt sich in seiner Größe ändern, es können mehrere Fokusfelder als Gruppe angesteuert werden etc. Neben einer Gesichtserkennung bietet die Lumix auch eine Erkennung von Augen, Köpfen und Körpern samt Tracking bei bis zu neun Serienbildern pro Sekunde (mit AF-S sind zwölf Bilder pro Sekunde möglich). Gegenüber der GH5 soll die Erkennung doppelt so schnell und bereits ab halber Größe erfolgen.

  • Bild Die Panasonic Lumix DC-GH5 II bietet zahlreiche Schnittstellen, die von mehreren Klappen verdeckt werden. Darunter eine Blitzsynchronbuchse, ein Stereo-Klinken-Mikrofonanschluss und ein USB-C-Anschluss mit Stromversorgung. [Foto: MediaNord]

    Die Panasonic Lumix DC-GH5 II bietet zahlreiche Schnittstellen, die von mehreren Klappen verdeckt werden. Darunter eine Blitzsynchronbuchse, ein Stereo-Klinken-Mikrofonanschluss und ein USB-C-Anschluss mit Stromversorgung. [Foto: MediaNord]

Bei der manuellen Fokussierung wird der Fotograf von einem Balkendiagramm (allerdings ohne konkrete Werte oder gar eine Schärfentiefeskala), einer Fokuslupe sowie einem Fokus-Peaking unterstützt, das kontrastreiche und damit scharfe Bildbereich farblich markiert. Zudem ist es dank eines seit Anfang Juni 2021 erhältlichen Firmwareupdates für zahlreiche Objektive (siehe weiterführende Links) möglich, die Steuerung des Fokusrings im Menü der GH5 II von nicht-linear auf linear umzustellen. Zudem kann der lineare Fokusweg in 30-Grad-Schritten zwischen 90 und 360 Grad eingestellt werden.

Die Panasonic Lumix DC-GH5 II besitzt einen deutlich leistungsfähigeren Bildprozessor als die GH5, was sich auch auf die Serienbildfunktion auswirkt. In Raw konnten wir 124 Fotos am Stück mit 12,2 Bildern pro Sekunde aufnehmen, was im Vergleich zur GH5 minimal schneller, aber sogar fast doppelt so lange ist. Bei vollem Puffer sinkt die Serienbildrate auf minimal 4,6 Bilder pro Sekunde ab. Da die Kamera Fotos im Hintergrund speichert, wirkt sich eine etwas langsamere Serienbildrate positiv auf die Ausdauer aus.

In JPEG hingegen haben wir die von Panasonic versprochenen und vom Vorgängermodell auch erreichten zwölf Serienbilder pro Sekunde nicht erreicht, obwohl die Einstellungen mit Ausnahme des Bildformats absolut identisch zu den Raw-Serienbildern waren. Selbst der manuelle statt dem Single-Autofokus, das Deaktivieren des Bildstabilisators und sämtlicher Objektivkorrekturen haben nicht geholfen. Mehr als neun Bilder pro Sekunde konnten wir in JPEG nicht messen. Immerhin gibt es dabei keinerlei Bildbegrenzung seitens der Kamera, nur die Speicherkarte begrenzt die maximale Anzahl an Aufnahmen.

Bei zwölf Serienbildern pro Sekunde sind weder der AF-C, noch die Livebildanzeige aktiv, gezeigt wird immer das zuletzt aufgenommene Foto. Bei neun Bildern pro Sekunde kann der AF-C aktiviert werden, bei sieben Bildern pro Sekunde ist auch die Livebildansicht wieder mit von der Partie.

Entscheidend für lange Bildserien ist eine schnelle Speicherkarte, denn der Puffer wird immerhin mit knapp über 106 Megabyte pro Sekunde auf die Speicherkarte entleert. Das ist zwar kein Rekordwert, benötigt aber bereits eine schnelle UHS-II-Karte und übertrifft die GH5 um 20 MB/s. Verwendet haben wir beim Test eine schnelle UHS-II-SDXC-Karte von Panasonic, die Daten mit bis zu 250 MB/s schreibt und den V90-Standard erfüllt, der eine Mindestschreibrate von 90 MB/s garantiert.

Eine schnelle Speicherkarte ist nicht nur für die Serienbildfunktion erforderlich, sondern auch zur Aufnahme von 4K-Videos. Hierbei sind bis zu 60 Bilder pro Sekunde möglich, was sehr flüssige Bewegungsabläufe erlaubt. Auch 5K-Videos mit 4992 x 3.744 Pixeln, mehr Breite gibt der Bildsensor nicht her, können bei bis zu 30p aufgenommen werden. Zudem sind anamorphe 4:3-Videoaufnahmen in 4K mit 60p sowie in 6K mit 30p möglich. Bei niedrigerer Full-HD-Auflösung können sogar 180 Bilder pro Sekunde aufgenommen werden, was sehr viel Spielraum für Slow-Motion lässt.

Die 4K-Videoaufnahme erfolgt ohne reduzierten Bildausschnitt – mal abgesehen davon, dass eine 16:9-Aufnahme bei einem 4:3-Bildsensor immer etwas diagonalen Bildwinkelverlust durch den vertikalen Beschnitt bedeutet. Für die Videoaufnahmen bietet die GH5 II mit MOV und MP4 zwei Videoformate an, jeweils mit H.264- oder H.265-Komprimierung. Zudem sind bis zu 400 Mbit/s hohe Bitraten mit bis zu 10 Bit Farbtiefe mit 4:2:2 Unterabtastung für die Videoaufzeichnung möglich. Die Kamera warnt bei der Wahl des MOV-Formats, dass hierfür ein sehr leistungsfähiger PC nötig sei.

  • Bild Akku und Speicherkarten lassen sich bei der Panasonic Lumix DC-GH5 II getrennt voneinander entnehmen. [Foto: MediaNord]

    Akku und Speicherkarten lassen sich bei der Panasonic Lumix DC-GH5 II getrennt voneinander entnehmen. [Foto: MediaNord]

Wie bereits erwähnt, besitzt die GH5 II einen leistungsfähigeren Bildprozessor als noch die GH5. Doch auch das Wärmemanagement wurde verbessert. Dank der höheren Leistungsfähigkeit muss man sich nun nicht mehr entscheiden, ob man ein Video intern auf einen der beiden UHS-II-fähigen SD/SDHC/SDXC-Kartenslots oder extern via HDMI aufzeichnen möchte, sondern man kann beides gleichzeitig machen. Das bessere Wärmemanagement ermöglicht längere Videoaufnahmen am Stück (theoretisch unbegrenzt).

Fortsetzung auf Seite 2

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 43, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.