Einsteiger-DSLR-Offensive

Sony kündigt die Alpha 300 und Alpha 350 mit LiveView an

2008-01-31 Bisher kannte man dieses Phänomen nur von kompakten Digitalkameras: Mehrere Modelle eines Herstellers mit sehr ähnlicher Ausstattung zu leicht unterschiedlichen Preisen. Doch das geht offenbar auch bei DSLRs, wie Sony jetzt eindrucksvoll beweist. Zur CES wurde vor wenigen Wochen die Alpha 200 vorgestellt, jetzt folgen die Alpha 300 und Alpha 350 zur PMA. Die beiden Neuen unterscheiden sich von der 200er nur durch das neue LiveView und ein leicht geändertes Gehäuse mit Kippdisplay. Die Unterschiede zwischen den beiden Neuen selbst sind noch geringer: Lediglich die Auflösung und damit zusammenhängend die Serienbildgeschwindigkeit sowie der Preis unterscheidet sie. Man mag diese minimalen Unterschiede verstehen oder nicht – Sony geht den Einsteiger-DSLR-Markt damit sehr offensiv an.  (Benjamin Kirchheim)

Sony Alpha 300 [Foto: Sony] Der altbewährte und aus der Alpha 100 bekannte APS-C große CCD-Sensor der Alpha 300 löst 10,2 Megapixel auf, während es die Alpha 350 auf 14,2 Megapixel bringt. Ihr CCD-Sensor ist neu entwickelt und ebenfalls in APS-C-Größe gehalten. Bei beiden Kameras ist der Bildsensor bildstabilisiert, was bei Sony Super Steady Shot heißt und zu Zeiten von Konica Minolta als Anti-Shake bekannt war. Piezo-Elemente bewegen den Sensor dabei entgegen den Kameraverwackelungen, so dass um 2,5-3,5 Blendenstufen längere Belichtungszeiten möglich sein sollen. Um die Aufbereitung der Bilder kümmert sich der Bionz-Bildprozessor von Sony, auch ein alter Bekannter. Er sorgt auch für die DRO getaufte Funktion der Schattenaufhellung. Die Empfindlichkeit reicht von ISO 100 bis 3.200. Dass die Bildbearbeitung der Alpha 300 und 350 dieselbe ist, merkt man auch an der Serienbildgeschwindigkeit. Bei 14,2 Megapixeln fallen deutlich mehr Daten an als bei 10,2 Megapixeln, so dass bei der Alpha 350 nur etwa 2,5 Bilder/s möglich sind, während es die Alpha 300 auf 3 Bilder pro Sekunde bringt. Gespeichert werden die Bilder bei beiden Kameras in JPEG oder RAW oder in beiden Formaten gleichzeitig auf CompactFlash-Speicherkarten des Typs I oder II oder wahlweise auf Sonys MemoryStick, wofür eigens ein zweiter Speicherkartenslot eingebaut wurde.

Der Autofokus der Kameras arbeitet mit neun Sensoren, wobei der Mittlere ein Kreuzsensor ist. In dunklen Umgebungen steht ihm ein Hilfslicht zur Seite, das bis 5 m weit leuchtet. Die Belichtungsmessung erfolgt über einen Sensor mit 40 Waben wahlweise als Mehrfeldmessung, mittenbetonte Integralmessung oder als Spotmessung. Bewährt ist das Blitzsystem mit wahlweise ADI-Sony Alpha 350 [Foto: Sony] oder TTL-Messung, wobei sich externe Blitzgeräte entweder auf den Blitzschuh der Kamera montieren lassen oder aber drahtlos ausgelöst werden können. Eine Highspeed-Synchronisation gehört dabei ebenso dazu wie die Möglichkeit, wahlweise auf den zweiten Verschlussvorhang zu blitzen. Ohne Highspeed-Synchronisation steht 1/160 s als minimale Verschlusszeit zur Verfügung, die z. B. beim internen Blitz oder bei der Verwendung von Studioblitzanlagen zum Tragen kommt. Der interne Blitz klappt dabei weniger hoch auf als noch bei der Alpha 200, was an der Konstruktion des LiveView liegt. So kann es leichter zu Abschattungen durch das Objektiv oder zu roten Augen bei Personenaufnahmen mit Blitz kommen.

Die Art der Implementation des LiveView ist etwas komplett Neues, auch wenn einem die Idee bekannt vorkommen mag. Anders als andere Hersteller, die den Hauptsensor für die Erzeugung des Livebildes benutzen, setzt Sony auf einen zweiten Bildsensor im Suchersystem. Ähnlich hatte Olympus das schon bei der E-330 gelöst, allerdings wurde dort das Licht zwischen Sucher und zweitem Bildsensor aufgeteilt. Sony bedient sich eines anderen Tricks. Die Pentaspiegelkonstruktion des Suchers enthält einen beweglichen Spiegel, der das Bild bei Aktivierung der LiveView-Funktion statt durch die Austrittspupille auf einen Bildsensor lenkt. Das hat den immensen Vorteil, dass der Hauptspiegel unten und der Verschluss  geschlossen bleiben kann. Das schont den Hauptsensor, der sich so nicht aufheizt, und als großes Plus bleiben Sony Alpha 300 [Foto: Sony]Belichtungsmessung und Autofokus aktiv. Entsprechend hat Sony seinen LiveView "Quick-AF Live View" getauft. So ist auch im LiveView-Modus eine schnelle Fokussierung möglich, sogar der Serienbildmodus bleibt aktiv, wenn auch mit einer leicht verringerten Bildfolgezahl von zwei Bildern pro Sekunde sowohl bei der Alpha 300 als auch 350. Jedoch hat jede Medaille zwei Seiten, und so bringt diese Konstruktion auch Nachteile mit sich: Die Suchervergrößerung fällt mit 0,74-fach außergewöhnlich klein aus. Auch eine manuelle und pixelgenaue Fokussierung auf Sensorebene ist nicht möglich, da nicht der Hauptsensor das Livebild erzeugt. Auf dem Livebild ist dasselbe zu sehen, was auch im Sucher zu sehen wäre, wozu die Mattscheibe samt Markierungen sowie der Nachteil des Sichtfeldes von 95% gehören. Ungeachtet der Vor- und Nachteile des Systems hat Sony einen 2,7 Zoll großen Monitor mit 230.400 Bildpunkten verbaut, der etwa 20° nach unten und 90° nach oben klappbar ist, so dass bodennahe oder Überkopf-Aufnahmen bequemer möglich sind.

Die etwa 580 g schweren und 131 x 99 x 75 mm messenden Kameras sollen im Frühjahr zu Preisen von 850 EUR (Alpha 350) bzw. 700 EUR (Alpha 300) auf den Markt kommen, wobei ein 18-70mm-Objektiv im Preis inbegriffen ist. Neben den beiden Kameras hat Sony auch zwei neue Objektive vorgestellt (siehe weiterführende Links).

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.