Flickenteppich

Eindrücke von der PMA 2007 in Las Vegas

2007-03-12 Nun ist sie also vorbei, die 83. PMA Convention and Trade Show in der Geschichte der Photo Marketing Association, die vom 8. bis 11. März 2007 in Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada stattgefunden hat. Und die große Frage ist, was hat die Kombination aus Messe und Kongress für jeden einzelnen Teilnehmer gebracht? In erster Linie natürlich jede Menge neue Produkte für den Consumer und zum Zweiten Geschäfte, denn dafür ist die Messe gedacht. Die Händler sehen sich alles an und kaufen, was sie im nächsten Jahr an die eigene Kundschaft weiterverkaufen möchten. Davon abgesehen ist die Frage nach dem Messeergebnis nicht so leicht zu beantworten. Die Aussagen gehen zwischen totaler Euphorie über den Messeerfolg und Langeweile mit immer gleichen Produkten und wenig wirklich spannenden Neuerungen hin und her. So wirkt die PMA wie ein Flickenteppich, aus dem man die Tendenzen und Trends – im Besonderen natürlich mit Blick auf den deutschen Markt – herausfiltern muss.  (Daniela Schmid)

PMA 2007 Eingangsbereich [Foto: Daniela Schmid]Dadurch, dass die Hersteller ihre Neuentwicklungen bereits größtenteils im Vorfeld angekündigt hatten, gab es kaum Überraschungen hinsichtlich der Produkte. Hier und da findet man nette Ideen, aber die Frage, die sich viele Besucher gestellt hatten, war: "Was kann man noch erfinden, um die eh schon guten Produkte noch besser zu machen?" Da haben die Hersteller verschiedene, teils sehr interessante Ideen. Die Face Recognition/Detection (Gesichtserkennung) oder wie auch immer man sie nennen mag, ist mittlerweile für die meisten Standard. An Samsungs Messestand konnte man die neue Technologie an zwei hübschen Mädels vor farbenprächtiger Kulisse testen. Die Gesichtserkennung bei Samsung stammt in den neuen Kameras übrigens von FotoNation, einem amerikanischen Anbieter für kamerainterne Bildverarbeitungs- und Kommunikationslösungen, der während der PMA mit dem DIMA Innovative Digital Product Award 2007 für "FacePro" ausgezeichnet wurde. "FacePro" ist eine Gesichtserkennung für Handys, die bis zu neun Gesichter in einem Bild ausmachen und die Aufnahme entsprechend anpassen kann. Darüber hinaus werden die Bilder im Adressbuch, in den Schnellwahlmenüs oder für die Caller-ID-Anzeigen verwendet. FotoNation hat mit Canon, HP, Kodak, Olympus, Nikon, Pentax, Samsung, Sanyo und Sony etliche wohlklingende Namen der Kamerabranche als Kunden. FotoNation hatte bereits 2006 einen DIMA-Award für die Rote-Augen-Erkennung und -Entfernung gewonnen.

Panasonic hat in Richtung Face Recognition noch nicht nachgelegt, aber auch dort ist man auf der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen der Kameras, denn nur diese liefern Verkaufsargumente für den Handel. Der Fokus bei den neuen Modellen und auch für die nahe Zukunft liegt auf den Weitwinkelfunktionen – 28 statt 35 mm (entspr. KB) ist der neue Trend. Auch Samsung ist auf den Zug aufgesprungen und bietet ebenfalls Modelle mit Wide Zoom. Eine weitere Neuerung der Koreaner, die auf der Messe sehr gut angenommen wurde, war der World Tour Guide in der i7. Diese Reiseführerfunktion verschafft einem auf der ganzen Welt Zugang zu nützlichen touristischen Daten. Und da die Kamera im Urlaub immer dabei ist, ist die Verknüpfung zwischen Informationsgerät und Kamera eigentlich nur logisch. Im Zusammenhang mit dem GPS-Empfänger ist somit jeder Ort auf der Welt für den Fotografen sowohl für die Urlaubsplanung als auch die Archivierung der Bilder hinterher zugänglich. Das Echo der deutschen Fachpresse zu Samsungs Messestand und die darauf angepriesenen Technologien war jedenfalls sehr positiv. Als Anbieter von gelungenen Kompaktkameras konnten sich die Koreaner also etablieren, im SLR-Segment gibt es noch Verbesserungsbedarf. Das von Pentax eingekaufte Know-How für Objektive reicht nicht aus, um mit der Geschwindigkeit neuer Produkte am SLR-Markt mithalten zu können. Dies auszumerzen wird ein Schwerpunkt für Samsungs Zukunft sein.
 
Samsung GPS Empfänger auf der PMA 2007 [Foto: Daniela Schmid]Ein weiterer Trend im Kameramarkt ist die GPS-Technologie. Damit lassen sich den Exif-Daten der Aufnahmen die genauen Ortsangaben des Shootings beifügen und die Location kann bei den meisten in den Google Maps nachvollzogen werden. Den Anfang hat Sony vergangenen Sommer gemacht, mittlerweile gibt es den GPS-Tracker in der Neuauflage für alle Kameras. Neben Sony und Samsung hat auch Ricoh ein GPS-Gerät für die Outdoor-Kamera Caplio 500 SE im Angebot, und Jobo bietet ein GPS-Gerät zum Aufstecken auf den Blitzschuh einer jeden beliebigen Kamera. Weitere Hersteller werden diesem Trend mit Sicherheit in Kürze folgen. Auf der weiteren Suche nach Alleinstellungsmerkmalen verschiedener Hersteller wird man auch bei Hewlett Packard fündig. Ein Renner war vergangenes Jahr deren Slimming-Funktion, die die fotografierten Objekte schlanker erscheinen lässt. Dieses Jahr kommt die Retouching-Funktion. Ohne zum plastischen Chirurgen gehen zu müssen, lassen sich mit den neuen HP-Modellen Falten, Pickel, usw. auf Knopfdruck beseitigen. Besonders beliebt ist das natürlich im Mutterland von HP, den USA. Aber auch Europäer sind wohl gerne schlanker mit makelloser Haut. HP weiß, dass die Stärken der Marke nicht unbedingt im Kamerabereich liegen und ein Vergleich mit Nikon, Canon und Co. von vornherein nichts bringt. Durch Ideen wie die HP Real Life Technologies sind die Kameras aber für bestimmte Zielgruppen trotzdem sehr interessant. Im Druckerbereich ist HP übrigens ebenso wie Epson mit einem DIMA Award ausgezeichnet worden. Die Designjet Z Fotodrucker-Serie war der Jury, die aus mehreren Fotoredakteuren besteht, ein positives Urteil wert genauso wie der Epson Stylus Photo 1400.

Aber noch einmal zurück zu den Kameras: Der SLR-Bereich wird von vielen Herstellern als Quelle weiterer Gewinne gesehen. Sony USA baut beispielsweise auf die Kompaktkamerabesitzer. Mittlerweile gibt es Familien, in denen jedes Mitglied eine Kamera besitzt. Da ist dann nicht mehr viel zu holen, es sei denn, der ein oder andere wäre bereit zu einem Upgrade in die SLR-Klasse. Sony ist der festen Überzeugung, dass es viele Leute mit kleinen Kameras gibt, die Angst vor der "gigantischen" Spiegelreflex-Technik haben. Diese Angst soll den Leuten genommen werden und das am Besten mit dem Kauf einer Sony Alpha, die übrigens nach wie vor für strahlende Gesichter am Sony-Stand sorgt. Die Kamera läuft gut, und die Pläne für Profi-Modelle sind soweit fortgeschritten, dass in einer Glasvitrine so genannte "Mock-Ups" für zwei Modelle zu sehen waren. Die einzige nähere Information allerdings, die man dazu bekommt, ist, dass die zwei Kameras noch im Laufe dieses Jahres auf den Markt kommen sollen. Punkt. Mehr wird nicht verraten. Bei Olympus ist es ähnlich. Die Nachfolgerin für die E-1 ist ebenfalls als Vorabversion in einer Vitrine zu bewundern. Wann die Markteinführung sein wird, ist unklar. Das kann bereits im Herbst der Fall sein, kann sich aber auch bis zur PMA 2008 hinziehen. Man darf also weiter gespannt sein und sich vorerst an den beiden kleinen SLRs E-410 und E-510 mit LiveView erfreuen. Für die E-510 ist Olympus von der DIMA ebenso ausgezeichnet worden wie für die Modelle SP-550 UZ und  mju 770 SW. Eine nette technische Spielerei, die so vermutlich nie auf den Markt kommen wird, sind Olympus-Holzkameras. Das Holz wird verdichtet und bietet so eine etwas schwere, aber stabile und edle Hülle für die Kameratechnik.

Olympus Holzkamera auf der PMA 2007 [Foto: Daniela Schmid]Das Spielen mit natürlichen Materialien weist auf einen weiteren Trend hin, bei dem die Deutschen Vorreiter sind – die Umweltverträglichkeit. Der deutsche Stativhersteller Berlebach, der seit mehr als 200 Jahren ausschließlich aus Holz gefertigte Stative anbietet, zieht Leute an wie ein Magnet. Besonders die Amerikaner finden dieses Produkt Made in Germany fantastisch. Spontane Kommentare wie "Absolute no vibration because its wood" und "Look, they make tripods out of wood" sind in der Nähe des Standes zu hören. Der Umweltgedanke, der in Deutschland ja gerade wieder besonders belebt wird, macht so manchem japanischen Hersteller das Leben schwer. Es gibt besondere Vorschriften für beispielsweise Bleich- und Gerbstoffe bei der Taschenherstellung. Da die in Deutschland strenger sind als beispielsweise in den USA, werden Taschen für Deutschland oft extra angefertigt. Lowepro ist ein Hersteller, der sich engagiert für die Natur einsetzt. Der Erhalt der Eisbären ist das neueste Projekt auf Lowepros Liste. Außer diesem Engagement verwendet der Taschenhersteller recyclebare Materialien, wo es möglich ist. Die Stabilität der Fototaschen und -rucksäcke darf natürlich nicht darunter leiden. Lowepro sieht aber auf dem Taschenmarkt noch große Möglichkeiten und hofft so, sein Wachstum fortsetzen zu können, das im 40. Jahr der Firmengeschichte so hoch ist wie nie zuvor. Und so ist es auch bei Taschenherstellern ähnlich wie bei den Kameraanbietern wichtig, sich von der Masse abzuheben. Lowepro versucht das mit findigen Ideen wie dem neuen GlideLock-System an der eben vorgestellten Vertex-Serie. Die außen am Fotorucksack angebrachten Schlaufen, die für Zubehör gedacht sind, können beliebig herauf oder herunter bewegt werden.

Auch Crumpler hat viele nützliche Features in den Fototaschen zu bieten wie eine herausnehmbare Polsterung für Objektive und Kamera, aber das Hauptmerkmal der Australier ist nach wie vor Design und Style. Das sieht man schon am Messestand, der aus Karton gebaut ist. Das recyclebare Material zeigt also auch hier den Umweltgedanken, der sich langsam aber sicher in der Fotobranche einnistet. Leider war Crumpler Europe am Stand nicht vertreten. Nach vielen Auseinandersetzungen haben sich Crumpler Australien, USA und Asien in einer laut Crumpler "schmutzigen Scheidung" von den Europäern getrennt. Daher sind Sunpack Flexpod [Foto: Daniela Schmid]Taschen, die in den USA angeboten werden, nicht in Deutschland erhältlich oder nur dann, wenn Crumpler Europe es schafft, sie nachzubauen. So wird auch Crumplers Messestar, die Fototasche "The Brazillian Dollar Home" hier nicht zu haben sein. Viele europäische Händler haben damit ein Problem und versuchen immer wieder, amerikanische Ware zu erstehen. Aber das ist schwierig. Und so macht Crumpler Europa weiter sein eigenes Style-Ding und kommt gar nicht auf die PMA. Schade! Domke-Taschen, die seit Oktober 2006 in Deutschland im Vertrieb bei der S+M Rehberg GmbH sind, sind weniger stylisch und robust, dafür schön weich und bieten so Tragekomfort bei leichteren Ausrüstungen.

Wenn man sich von den Taschen im Bereich Zubehör wegbewegt und zu den Beleuchtungs- und Stativherstellern schaut, gibt es nicht viel Neues. Der Produktzyklus von Studiobeleuchtung, Blitzen und Stativen ist in der Regel doch etwas länger als der von Kameras und nicht dieser Hektik unterworfen. Interessant ist, dass die Firma Sunpak den ebenfalls von der DIMA ausgezeichneten Joby Gorillapod originalgetreu nachgebaut hat und nun eine eigene Range namens FlexPod anbietet. Um das Angebot attraktiv zu machen, bietet Sunpak eine einbeinige Variante mit Saugnapf an der Unterseite an, die Joby so nicht im Programm hat. Dieser FlexPod Suction Cup soll demnächst auf den Markt kommen. Viele amerikanische Zubehörhersteller haben Dinge im Angebot, die wahrscheinlich nie nach Deutschland kommen, wie beispielsweise das Gerät von BallStars, das Sportbälle mit Fotos bedruckt. Die Maschine findet in Deutschland bisher keine Memory Maker Halskette mit Fotos [Foto: Daniela Schmid]Anhänger. Die Erklärung, die die Amerikaner dafür haben, ist etwas weltfremd und lautet in etwa so: "Ihr Deutschen interessiert euch ja nicht so für Sport." Hm. Eigentlich schon, aber wir bauen keine Altäre mit unseren Erinnerungen an die Zeit beim FC Oberwiesenbach. Deshalb will kein deutscher Händler die Ballbedruckmaschine in sein Portfolio aufnehmen. Der Basketball mit Dirk-Nowitzky-Bild würde trotzdem vielen Deutschen gefallen. Einige typisch amerikanische Produkte schaffen es trotz kultureller Eigenheiten nach Deutschland wie der Schmuck von Memory Maker. In Miniaturrähmchen kann sich die Oma ihre sieben Enkel um den Hals hängen. Deutsche Omas sind da in der Regel nicht so enthusiastisch wie amerikanische, aber die Nachfrage scheint da zu sein.

Und wie sieht es mit der Nachfrage nach deutschen Produkten in Amerika aus? Die Firma Multiblitz beispielsweise hat eine mit ein paar Quadratmetern und genau drei Beleuchtungsanlagen  sehr bescheidene Messepräsenz. Das schadet aber nicht unbedingt, denn Multiblitz ist auch im deutschen Pavillon integriert. Nach dem Motto "gemeinsam sind wir stark" haben China, Korea und eben auch Deutschland ihren Herstellern  gemeinschaftliche Ausstellungsflächen geboten. Und bei Emfangstresen Deutschlands PMA 2007 [Foto: Daniela Schmid]den Deutschen offensichtlich mit großem Erfolg. Waren es letztes Jahr noch magere zehn deutsche Hersteller, so haben sich dieses Jahr 22 am deutschen Pavillon beteiligt. "Wir sind sehr zufrieden", sagt Leonie von Samson, Projektmanagerin bei Spectaris, dem deutschen Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien e.V. Dieser hat zusammen mit der koelnmesse, AUMA (Association of the German Trade Fair) und cipho (Chemieverband Imaging und Photo e.V.) den deutschen Pavillon auf die Beine gestellt. Sponsor ist das deutsche Wirtschaftsministerium. "Es gibt ein gutes Bild nach außen ab", sagt Samson ,"die Deutschen sind zurück.“ Und beim Empfang am Pavillon am 9. März war zwar viel Deutsch zu hören, aber auch viele Amerikaner und Asiaten haben sich mit den Deutschen zusammen auf ein Bier an den engen Empfangsstand gequetscht. Das macht das internationale Feeling der PMA aus.

Und das Konzept findet Nachahmer. Die spanische Botschaft in Los Angeles hat eine Abgesandte geschickt, die forschen sollte, wie die Pavillons der Nationen ankommen, weil Spanien an einem eigenen Stand auf der PMA 08 interessiert ist. Der Vorteil für die Hersteller liegt auf der Hand. Als Verbund bucht man mehr Fläche und hat damit bessere Verhandlungsargumente bei der Standvergabe gegenüber der PMA. Außerdem muss dann nicht jeder noch so kleine Hersteller der PMA beitreten, um dann etwa auf drei Quadratmetern im letzten Winkel der Halle zu landen. Den Herstellern wie Jobo, Zeiss, Leica, Kaiser Fototechnik, Ansmann Energy und Co., die sich im deutschen Pavillon zusammengeschlossen haben, hilft natürlich auch der gute Ruf des Labels "Made in Germany"; es wird nach wie vor mit hervorragender Qualität und Vertrauen in die Produkte assoziiert. Und für viele Firmen wie Franke & Heidecke (Rollei) ist der Hauptumsatz nicht mehr in Deutschland zu holen, sondern in China, Russland und teilweise den USA. Die Märkte verschieben sich, und deshalb ist die PMA wichtig. Man braucht eine Anlaufstelle, wo man sich im internationalen Umfeld bewegen kann. Denn nicht alle Geschäfte lassen sich vom Schreibtisch per E-Mail und Telefon tätigen. Und auch wenn die PMA immer noch eine durch und durch amerikanische Messe ist mit Las Vegas Showgirls am Glücksrad bei Lexar oder einer falschen Tina Turner, die bei Olympus lächelnd die neuesten Ultrakompaktmodelle präsentiert, so trifft sich dort doch die ganze Welt, und Geschäfte werden international getätigt. Und das ist auch der Grund, warum die PMA nach wie vor wichtig ist. Von den vielen neuen Produkten ganz zu schweigen.

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Daniela Schmid

Daniela Schmidhat in Augsburg Sprachen studiert, bevor sie nach einem halben Jahr in einer PR-Agentur für IT-Firmen in die Verlagsbranche wechselte. Ab 2004 war sie als festangestellte Redakteurin für die Magazine Computerfoto und digifoto zuständig. Während eines dreijährigen Auslandsaufenthaltes in der Nähe von New York berichtete sie als freie Autorin für digitalkamera.de von der PMA, CES und der PhotoPlus Expo aus Las Vegas und New York und übernahm die Zuständigkeit für die Rubrik Zubehör. Seit 2009 testet sie auch regelmäßig Kameras.