Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.


Aus dem digitalkamera.de-Testlabor

Labor-Bildqualitätstest der Fujifilm X-Pro1 mit allen Objektiven

2012-04-13 Mit der X-Pro1 und den drei passenden Objektiven XF 18 mm F2 R, XF 35 mm F1.4 R und XF 60 mm F2.4 R Macro stampfte Fujifilm vor Kurzem sein eigenes spiegelloses Kamerasystem aus dem Boden. Bei Optik und Haptik nahm der Hersteller deutliche Anleihen beim Retrolook der FinePix X100, die so unerwartet große Erfolge feierte. Jeder fragte sich, wann sie mit Wechselobjektivbajonett käme. Zudem bricht Fujifilm bei der X-Pro1 einmal mehr mit dem klassischen Bayer-Farbfilter und will mit seiner neuen Farbfilteranordnung auf einen Tiefpassfilter verzichten können, was vor allem der Bildschärfe zu Gute kommen soll. Wir konnten die Kamera mit allen drei Objektiven in unserem Labor auf Bildqualität testen.  (Benjamin Kirchheim)

Fujifilm X-Pro1 mit XF 35 mm F1.4 R [Foto: MediaNord]Mit ISO 100 bis 25.600 deckt die X-Pro1 einen großen Empfindlichkeitsbereich ab, wobei ISO 100, 12.800 und 25.600 nicht zum "Normalbereich" zählen. Das zeigt sich unter anderem darin, dass einige Messungen bei ISO 25.600 nicht ausgewertet werden konnten und sich bei ISO 100 mitunter Abweichungen zu schlechteren Werten hin zeigen. So zum Beispiel die Eingangsdynamik, die im Bereich von ISO 200 bis 1.600 ihre besten Werte mit über elf Blendenstufen erreicht. Aber auch bei ISO 100, 3.200 und 6.400 ist sie mit knapp zehn Blendenstufen gut, bei ISO 12.800 zeigt sich bereits ein deutlicher Einbruch auf nur noch neun Blendenstufen (siehe Diagramm unten). Beim Signal-Rauschabstand hingegen wird der Bestwert von 45 dB bei ISO 100 erreicht, bis ISO 800 bleibt die Kamera bei guten mehr als 40 dB. Schlecht wird der Signal-Rauschabstand ab ISO 6.400. Der nahezu lineare Abfall lässt vermuten, dass Fujifilm hier eine eher zurückhaltende Rauschunterdrückung fährt. Das zeigt sich auch beim Helligkeitsrauschen, das bis ISO 3.200 kaum sichtbar ist, danach aber immer deutlicher steigt. Farbrauschen hingegen wird gut unterdrückt.

Fujifilm X-Pro1 [Foto: MediaNord]Nahezu erstaunlich gut ist der Messwert der Detailwiedergabe über alle ISO-Empfindlichkeiten. Bis ISO 1.600 bewegt sich die X-Pro1 auf sehr gutem Niveau, es ist kein Verlust an Details auszumachen. Auch bei ISO 3.200 und 6.400 ist der Verlust gering und damit die Detailschärfe als gut zu bezeichnen. Erst bei den Extremwerten 12.800 und 25.600 werden die Details sichtbar weniger. Die Tonwertkurve zeigt bei ISO 100 eine recht neutrale Wiedergabe, ab ISO 200 aber ist sie steiler und gibt mittlere Helligkeitstufen kontrastreicher wieder. Bis ISO 400 differenziert die X-Pro1 nahezu 256 Grauwertstufen und liegt damit fast beim Idealwert, bis ISO 3.200 bleibt sie bei guten über 160 Abstufungen. Die Farbdifferenzierung zeigt noch bessere Werte: Bis ISO 800 liegt sie bei über 23 von den maximal möglichen 24 Bit, bis ISO 6.400 bleibt sie bei guten über 22 Bit – das entspricht immer noch über vier Millionen Farben. Auch die Abweichung der aufgenommenen von den tatsächlichen Farben ist im Mittel gering, zeigt aber vor allem bei Blau, Rot und Violett etwas stärkere Abweichungen, die man jedoch getrost unter "Herstellercharakteristik" verbuchen kann. Im Vergleich zu so mancher Konkurrenzkamera ist die Fujifilm X-Pro 1 in allen bisher betrachteten Belangen eine der besten.

Fujifilm Fujinon XF 35 mm F1.4 R [Foto: Fujifilm]Eine große Rolle bei der Bildqualität spielen aber auch die Objektive, von denen es momentan nur drei gibt, die wir gleich alle im Labor testen konnten. Es handelt sich ausschließlich um Festbrennweiten, die für jeweils rund 600 Euro verkauft werden – was bei uns hohe Erwartungen weckt. Das XF 35 mm F1.4 R entspricht einem 53-Millimeter-Objektiv an einer Kleinbildkamera und ist mit einem klassischen, lichtstarken Standardobjektiv vergleichbar. Im Bildzentrum löst es bereits bei Offenblende äußerst gut auf, der Wert liegt bei über 50 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm). Die Auflösung nimmt mit weiterem Abblenden nicht mehr zu, aber auch kaum ab, so dass selbst bei F16 noch fast 50 lp/mm im Bildzentrum erreicht werden. Allerdings beträgt die Randauflösung bei Offenblende nur etwas über 30 lp/mm. Erst um vier Stufen abgeblendet auf F5,6 werden am Bildrand die 40 lp/mm überschritten, die gleichmäßigste und höchste Leistung erreicht das Objektiv gar erst bei Blende F11. In der Praxis dürfte das indes kaum stören, denn beim Freistellen legt man selten die Schärfe in die Randbereiche und wenn es auf hohe Bildschärfe über das gesamte Bildfeld ankommt, blendet man sowieso ab und wählt dann Blende F8 oder F11, um auch eine große Schärfentiefe zu erreichen. Weder chromatische Aberrationen noch Verzeichnung spielen eine große Rolle. Das Objektiv verzeichnet minimal (etwa 0,3 Prozent) tonnenförmig, was in den Bildern kaum zu sehen ist. Auch die Randabdunklung ist sehr gering, bei F1,4 erreicht Fujifilm Fujinon XF 18 mm F2.0 R [Foto: Fujifilm]sie knapp eine halbe Blendenstufe, ab F2,8 liegt sie bei weniger als einer Drittel Blendenstufe, was praktisch gesehen zu vernachlässigen ist. Das 35er überzeugt also als Normalobjektiv, es ist nur die verschmerzbare Randunschärfe bei Offenblende zu beklagen.

Das XF 18 mm F2 R entspricht einem 27-Millimeter-Kleinbildobjektiv und sollte damit immer dann zum Einsatz kommen, wenn weite Landschaften, Architektur, enge Räume oder Personengruppen aufzunehmen sind. Verzeichnung und Vignettierung sind gut auskorrigiert, so dass sich das 18er hier keine Blöße gibt. Chromatische Aberrationen treten hingegen stärker als beim 35er auf. Im Mittel sind sie zwar kaum sichtbar, an starken Kontrastkanten vor allem zum Bildrand hin können sie jedoch störend in Erscheinung treten. Hierbei werden die Farbsäume umso ausgeprägter, je mehr man abblendet, was etwas unschön ist. Die Schärfe des Objektivs ist nicht ganz so hoch wie beim 35er. Erst bei F2,8 wird im Fujifilm Fujinon XF 60 mm F2.4 R [Foto: Fujifilm]Bildzentrum ein Wert von nahezu 50 lp/mm erreicht. Problematischer ist die Randauflösung, die bei keiner Blende mit dem Bildzentrum auch nur entfernt gleichziehen kann. Eine mögliche Ursache könnte die zu vermutende elektronische Korrektur der Verzeichnung sein, hier wurde also der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben. Die beste Blende ist auch hier F11, wo 49 lp/mm im Bildzentrum und 34 lp/mm am Bildrand erreicht werden.

Spannend ist außerdem das XF 60 mm F2.4 R Macro, denn es sollte aufgrund seiner kleinbildäquivalenden Brennweite von 90 Millimeter gleichermaßen für Makros wie Porträts geeignet sein. Das Objektiv überzeugt auf ganzer Linie! Keine nennenswerten chromatischen Aberrationen, Randabdunklung, Verzeichnung oder Randabfall der Auflösung sind zu beklagen. Bei jeder Blende ist die Auflösung im Bildzentrum und am Bildrand nahezu identisch, mit rund 45 lp/mm reicht das 60er aber nicht ganz an die Auflösung des 35ers heran. Das 60er hat nur eine Achillesferse: Den Autofokus. Er ist mit diesem Objektiv etwas langsam und braucht starke Kontraste, um überhaupt sein Ziel zuverlässig zu finden. Das macht Porträtaufnahmen nicht gerade einfach, da das Objektiv bei Tageslicht-Innenraumbeleuchtung zwar gut auf den Hemdkragen, nicht aber auf die Augen, den Haaransatz oder die Nase fokussieren kann. Erst Recht bewegte Motive wie tobende Kinder machen keinen Spaß. Selbst mit manueller Fokussierung hat man kaum den Hauch einer Chance, da der Verstellweg am Fokusring viel zu groß ist.

Mit dem 35mm-Standardobjektiv war der Autofokus zumindest im Testlabor mit unter 0,4 Sekunden ausreichend schnell, die Auslöseverzögerung von nur 0,05 Sekunden ist sehr gut. Mehr zu der Kamera selbst wird im ausführlichen Testbericht zu lesen sein, der in der kommenden Woche veröffentlicht werden soll.

Fujifilm X-Pro1 mit Fujifilm XF 35 mm F1.4 R

Eingangsdynamik

digitalkamera.de betreibt als DIWA-Mitglied das DIWA Labor Deutschland. Hier werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 4,16 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.


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