E-3 für Konsumenten

Olympus E-30 ist der Brückenschlag zwischen Einsteiger und Profi

2008-11-05 Während Olympus Einsteiger mit der E-520 und Profis mit der E-3 bedient, gab es dazwischen bisher keine adäquate Kamera. Doch mit der neuen E-30 wird alles anders. Das Rezept ist recht einfach: Man nehme die E-3, tausche das Metallgehäuse gegen ein Kunststoffgehäuse aus, spare bei den Dichtungen, bringe das Innenleben auf den aktuellen technischen Stand, füge ein paar kreative Einsteiger-Optionen hinzu, und fertig ist der (mögliche) neue Verkaufsschlager. Wir hatten ein Vorserienmodell in der Hand und lassen ein paar Eindrücke in die sonst vielleicht etwas trockene Newsmeldung mit einfließen.  (Benjamin Kirchheim)

Olympus E-30 mit Multifunktionsgriff HLD-4 [Foto: Olympus]Freilich muss die E-30 erst noch beweisen, ob sie mit ihrem Preis von 1.350 EUR wirklich zum Verkaufsschlager werden kann, technisch hat sie aber auf alle Fälle das Potential dazu. Gegenüber der E-3, die als Profimodell weiterhin aktuell bleibt, differenziert sie sich in einigen Punkten, ist mal etwas besser, mal ein wenig schlechter ausgestattet. Auf alle Fälle ist sie (nicht nur preislich) viel näher an der E-3 als an der E-520. Dazu gehört z. B. der 2,7 Zoll große Schwenk- und Klappmonitor (E-3: 2,5 Zoll) mit HyperCrystal II Technologie. Er löst 230.000 Bildpunkte auf und bietet einen Blickwinkel von 176° horizontal und vertikal. Der LiveMOS-Sensor bringt es nun auf physikalisch 13,1 und effektiv 12,3 Megapixel (E-3: 10 Megapixel) und unterstützt Empfindlichkeiten von ISO 100-3.200, der Supersonic-Wave-Filter zum Abschütteln von Staub gehört schon zum Standard, die Serienbildgeschwindigkeit beträgt 5 Bilder pro Sekunde (max. 12 Bilder in Folge bei RAW), und das 11-Punkt Autofokusmodul mit Kreuzsensoren ist identisch zur E-3. Das trifft auch auf Geschwindigkeit, Empfindlichkeit (bis -2 LW) und Korrekturmöglichkeit (+/- 20 Schritte speicherbar für bis zu 20 Objektive) des Autofokus zu, so dass Anwender hier keinen Verzicht üben müssen. Dasselbe gilt für den eingebauten Bildstabilisator, der wie bei der E-3 mit jedem angesetzten Objektiv bis zu fünf Lichtwertstufen Gewinn bringt.

Der Rotstift wurde hingegen beim Sucher angesetzt, der "nur" noch 1,02-fach vergrößert und 98 % des Bildfeldes abdeckt (E-3: 1,15-fach, 100 %). Das Sucherbild ist trotzdem noch als "gut" zu bezeichnen und die Mattscheibe ist austauschbar. Das Gehäuse der E-30 besteht aus Kunststoff (E-3: Metall) verfügt aber über keinen Spritzwasserschutz. Das Speicherkartenfach kann mit xD- und CF-Karten (UDMA-fähig) gleichzeitig bestückt werden.

Olympus E-30 [Foto: Olympus]Die Gemeinsamkeiten der E-30 und der E-3 gehen bei den Bedienelementen weitgehend weiter. So besitzt die E-30 ein ähnliches Tastenlayout auf der Gehäuserückseite, vor allem aber hat sie zwei Einstellräder für eine komfortable Bedienung. Überhaupt liegt die Kamera sehr gut in der Hand und erweckt – trotz Vorserienstatus und Kunststoffgehäuse – einen sehr soliden Eindruck. Im Gegensatz zur E-3 verfügt die E-30 über einen Kontrast-Autofokus sowie eine Gesichtserkennung bei aktiviertem LiveView, so dass sie in diesem Punkt an ihrer großen Schwester vorbei zieht. Wer dagegen lieber auf dem Sensor manuell fokussiert, kann auf eine LiveView-Lupe mit wahlweise 5-, 7- oder 10-facher Vergrößerung zurück greifen. Noch einen weiteren Ausstattungspunkt hat die E-30 von der E-3 geerbt: die Schnittstellen. Dazu gehört ein Netzteilanschluss ebenso wie ein Fernauslöseanschluss, USB-Buchse, AV-Ausgang und sogar eine Blitzsynchronbuchse. Den Standardblitzschuh mit TTL-Kontakten muss man da schon fast gar nicht mehr erwähnen, genauso wenig wie die Möglichkeit, externe Blitzgeräte drahtlos mit TTL-Steuerung (wie bei der E-3: 3 Blitzgruppen, 4 Kanäle) zünden zu können. Das funktioniert auch mit dem eingebauten Blitzgerät (Leitzahl 13). Die kürzeste Blitzsynchronzeit beträgt 1/250 Sekunde, wohingegen ohne Blitz bzw. auch mit externen Blitzgeräten im FP-Modus bis zu 1/8.000 Sekunde kurz belichtet werden kann.

Olympus E-30 [Foto: Olympus]Profis werden sie sicher nicht vermisst haben, aber wer mal schnell ohne nachzudenken fotografieren oder die Kamera jemand anderem in die Hand drücken möchte, wird über das Moduswahlrad links neben dem Blitz glücklich sein. Es erlaubt nicht nur einen direkten Wechsel zwischen Programmautomatik, Halbautomatiken und manuellem Modus, sondern bietet auch Motivprogramme. Dazu gehört beispielsweise eine Panorama-Funktion, die sich den LiveView zur Hilfe nimmt – allerdings ist dafür eine Olympus xD-Picture Karte erforderlich. Ein weiterer, nicht uninteressanter Punkt für bildbearbeitungsscheue Anwender sind die sechs "Art Filter". Es ist z. B. möglich, einen alten Schwarzweißfilm inkl. Körnung einzustellen. Auch eine Lochkamera-Funktion ist dabei, von der böse Zungen behaupten, Olympus hätte einfach die Vignettierungskorrektur abgeschaltet – analog zum Weichzeichner, bei dem dann angeblich die Scharfzeichnung wegfällt. In Wirklichkeit kommt dieser aber einem Hamilton-Filter viel näher. Dem Experimentiertrieb sind somit kaum Grenzen gesetzt. Sogar ein Pop-Art-Filter ist an Bord, mit dem alle Farben extrem anfangen zu leuchten – nicht zu verwechseln mit dem Modus für lebendige (vivid) Farben. Darüber hinaus kann die Kamera Schatten aufhellen. Alle Effekte sind sowohl direkt bei der Aufnahme als auch hinterher anwendbar. Ebenfalls in diese "Kreativ"-Kategorie fallen die neun verschiedenen Seitenverhältnisse, die man einstellen kann: 16:9, 3:2, 7:5, 4:3, 5:4, 6:5, 7:6, 3:4 und 1:1. Zu guter Letzt verfügt die E-30 über einen Mehrfachbelichtungsmodus, bei dem über ein RAW-Bild bis zu drei weitere gelegt werden können.

Olympus E-30 [Foto: Olympus]In einigen Punkten bietet die E-30 dem Anwender neue Aufnahmehilfen an: Ein eingebauter, zweiachsiger Lagesensor erkennt, ob die Kamera gerade gehalten wird. Diese elektronische Wasserwaage gibt dem Fotografen somit Auskunft, ob der die Kamera parallel zum Horizont hält und diese auch nicht nach oben oder unten kippt. Ebenfalls hilfreich ist die Perfect Shot Preview Funktion, die gleichzeitig den Effekt von vier verschiedenen Belichtungskorrektur- oder Weißabgleichseinstellungen auf dem Bildschirm anzeigt. Alt bewährt ist hingegen die direkte Anwahlmöglichkeit von Aufnahmeeinstellungen, die auf dem LCD eingeblendet werden.

E-3-Besitzern, die jetzt über die E-30 als Zweigehäuse nachdenken, sollte die Entscheidung leichter fallen, wenn sie erfahren, dass neben dem Akku BLM-1 selbst der Batterie-Multifunktionsgriff HLD-4 der E-3 kompatibel ist! Allerdings ist noch etwas Geduld gefragt, denn die E-30 wird erst Mitte Januar 2009 im Handel erwartet. So kann das Weihnachtsgeld gespart oder schon mal in Objektive gesteckt werden.

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.