GX + XR = GXR

Neue Ricoh GXR Wechselmodul-Kamera vereint Objektiv und Sensor

2009-11-10 Ricoh will am 4. Dezember 2009 mit der GXR ein neues Wechselmodul-Kamerasystem auf den Markt bringen. Dabei bilden Objektiv und Bildsensor ein gekapseltes Aufnahmemodul, das in ein Kameramodul, die GXR, gesteckt wird. Die Kamera dient als Benutzerschnittstelle mit Akku, Speicherkarte, Bildschirm, Blitzschuh, aufklappbarem Blitz, Bildprozessor, Schnittstellen etc. Die ersten beiden Aufnahmemodule zeigen, was möglich ist. Eins kombiniert einen APS-C großen Sensor mit einem lichtstarken Makroobjektiv, das andere einen Kompaktkamerasensor mit einem 3fach-Zoom.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Ricoh GXR mit 50mm Makro [Foto: Ricoh]

    Ricoh GXR mit 50mm Makro [Foto: Ricoh]

So neu, wie Ricoh behauptet, ist die Idee indes nicht. Schon 1999 gab es von Minolta die Dimage EX, zu der es ein Weitwinkel- und ein Telemodul gab (siehe weiterführende Links). Das Ricoh-System spielt aber die Vorteile der aktuellen Technik aus und kombiniert je nach Anwendungsbereich Objektive unterschiedlicher Brennweite und Bildsensoren unterschiedlicher Größe miteinander. Dabei ist das System kleiner und leichter als Micro Four Thirds. Das Kameramodul selbst misst 114 x 70 x 29 mm und bringt mit dem stabilen Magnesiumgehäuse etwa 200 g auf die Waage. Es soll rund 460 EUR kosten, womit man aber noch kein aufnahmefähiges Gerät hat. Benötigt wird noch eines der Aufnahmemodule. Der Name GXR setzt sich aus der erweiterungsfähigen digitalen Kompaktkamera Ricoh GX und den früheren analogen Wechselobjektivkameras XR zusammen.

Das Design des Kameramoduls ist sehr technisch-funktional. Die Stromversorgung übernimmt der Li-Ion-Akku DB-90, der je nach Aufnahmemodul für 320 (mit GR-Objektiv 50 mm Macro) oder 410 (mit Ricoh-Objektiv 24-72 mm) Fotos reicht. Gespeichert werden die Bilder als JPEG oder RAW (im DNG-Format) auf SD- bzw. SDHC-Speicherkarten, aber auch Videos nimmt die GXR (in AVI-Motion-JPEG) auf. Der rückwärtige Bildschirm löst feine 920.000 Bildpunkte (VGA 640 x 480 Pixel) auf und misst 3" (7,6 cm) in der Diagonale. Mit einem hohen Betrachtungswinkel, der Abdeckung des gesamten sRGB-Farbraums, einer Anti-Reflex- sowie Anti-Kratz-Beschichtung bietet er viel Komfort.

  • Bild Ricoh GXR [Foto: Ricoh]

    Ricoh GXR [Foto: Ricoh]

Der eingebaute Blitz kann ausgeklappt werden und bietet neben Automatik, Rote-Augen-Vorblitz, Langzeitsynchronisation und Aufhellfunktion auch eine Blitzleistungskorrektur sowie zwölf manuelle Leistungsstufen bis zu 1/64 an. Über den Blitzschuh können nicht nur externe Blitzgeräte, sondern auch der neue elektronische Sucher VF-2 angeschlossen werden. Er ist um 90° nach oben klappbar und bietet ebenfalls 920.000 Bildpunkte Auflösung. Intervallaufnahmen beherrscht die GXR genauso wie Belichtungsreihen und Weißabgleichsreihen, auch eine Selbstauslöserfunktion, einblendbare Gitterlinien, Histogramm, digitale Wasserwaage und eine Schärfentiefeanzeige bietet das Kameramodul. Zu den Schnittstellen gehören neben USB, Netzteilanschluss (das passende Netzteil AC-5 wird es in Europa nicht geben) und AV-Ausgang auch eine HDMI-Mini-Buchse und ein Fernauslöseranschluss.

Die Aufnahmemodule bieten gegenüber herkömmlichen Wechselobjektivsystemen einen perfekten Schutz gegen Staub. Sie werden über einen einfachen Schiebemechanismus angeschlossen. Dieser ist robust gebaut und bietet einen Schutz gegen verkantetes Ansetzen. Der elektronische Anschluss erfolgt über eine 68polige Schnittstelle. Hier sind für die Zukunft neben Kameramodulen auch andere denkbar, etwa ein Beamermodul, ein Speichermodul, ein Druckermodul o. ä. Die Schnittstelle selbst ist zwar kein offenes System, aber Ricoh ist durchaus bereit, mit Zubehörherstellern zusammen zu arbeiten.

  • Bild Ricoh GXR Bausteine [Foto: Ricoh]

    Ricoh GXR Bausteine [Foto: Ricoh]

Eines der ersten beiden Kameramodule ist das Ricoh-Objektiv 2,5-4,4/24-72 mm VC (S10), es soll 370 EUR kosten. Es ist zwar sehr kompakt, entspricht mit einem 1/1,7" kleinen CCD-Sensor und 10 Megapixeln Auflösung allerdings eher üblichen Kompaktkameras. Das Dreifachzoom spricht vor allem Weitwinkelfans an. Wie das VC im Namen verspricht, verfügt es über eine mechanische Bildstabilisierung, die über den beweglich gelagerten Bildsensor (CCD-Shift) realisiert wird. Die Lichtempfindlichkeit reicht von ISO 100 bis 3.200. Neben Fotos kann das Modul auch Videos in VGA bei 30 Bildern/s aufzeichnen. Serienaufnahmen beherrscht das "S10" ebenfalls, bei voller Auflösung werden 1,6 Bilder/s erreicht, wobei bereits nach fünf Aufnahmen Schluss ist.

Die Bildqualität will Ricoh gut zwischen schneller Fotografie und den Voraussetzungen für anspruchsvolle Nachbearbeitung ausbalanciert haben, d. h. die Fotos sollen zwar knackig, aber nicht übermäßig bearbeitet sein. Ähnlich wie bei der GR kann über einen Adaptertubus, der zusammen mit der Sonnenblende erworben werden muss, optisches Zubehör angeschlossen werden. Dabei handelt es sich um einen 0,79fachen Weitwinkelkonverter, womit 19 mm Brennweite (KB) erreicht werden; der 1,88fache Telekonverter bringt es dagegen auf 135 mm (KB). Pfiffig ist der ebenfalls optionale automatische Objektivdeckel, dessen drei Lamellen von Federn zugehalten werden. Sie werden beim Einschalten vom ausfahrenden Objektiv aufgedrückt.

  • Bild Ricoh GXR mit 24-72 mm [Foto: Ricoh]

    Ricoh GXR mit 24-72 mm [Foto: Ricoh]

  • Bild Ricoh GXR mit Sucher VF-2 [Foto: Ricoh]

    Ricoh GXR mit Sucher VF-2 [Foto: Ricoh]

Das zweite zum Start angebotene Kameramodul "GR-Objektiv 1:2,5/50 mm Macro (A12)" beinhaltet eine F2,5 lichtstarke 33mm-Festbrennweite. Der CMOS-Bildsensor hat mit 23,6 x 15,7 mm APS-C-Größe, womit das Objektiv einem klassischen 50 mm entspricht. Mit einem minimalen Aufnahmeabstand von 7 cm ab Frontlinse erreicht es einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2 und darf sich folgerichtig "Macro" nennen. Über einen Bildstabilisator verfügt das Modul indes nicht. Neun Linsen (davon eine beidseitig asphärisch) in acht Gruppen sowie das Floating-Focusing-System sollen für höchste Abbildungsleistung sorgen.

Das Modul ist nicht ganz so kompakt wie das 24-72, auch das Zubehör lässt sich nicht anschließen, aber das GR-Objektiv verfügt über einen manuellen Fokusring, der elektronisch "Fly-by-Wire" übersetzt ist. Videoaufnahmen erreichen mit diesem Modul sogar 1.280 x 720 Pixel und damit HD-Auflösung, allerdings nur bei 24 Bildern/s. Daraus lässt sich schließen, dass es sich um einen Bildsensor aus dem Sony-Sortiment handelt, wie er auch in der NikonD90, D5000 und D300s zum Einsatz kommt. Die Lichtempfindlichkeit reicht von ISO 200 bis 3.200, Serienbilder werden bei maximaler Auflösung mit 3 Bildern/s gemacht, aber schon nach 4 Bildern muss die Kamera eine Verschnaufpause einlegen. Rund 670 EUR möchte Ricoh für dieses Modul haben. Es soll sich neben Makroaufnahmen vor allem für Porträts eignen, Ricoh betont das cremige Bokeh.

  • Bild Ricoh GXR mit 50 mm 2.5 Makro [Foto: Ricoh]

    Ricoh GXR mit 50 mm 2.5 Makro [Foto: Ricoh]

Das System ist damit insgesamt recht hochpreisig angesiedelt und konkurriert mit Mittelklasse-DSLRs und Micro Four Thirds, je nach Kameramodul wird die Kompaktheit allerdings mit Kompaktkamerabildqualität erkauft. Für 2010 stellt Ricoh ein Highspeed-Telemodul in Aussicht. Es wird sich voraussichtlich um einen 1/2,3" kleinen Highspeed-CMOS-Sensor mit 9,3 Megpixeln Auflösung in Kombination mit einem 28-300mm-Superzoom handeln. Darüber hinaus kündigt Ricoh an, die Funktionen des Kameramoduls und der Objektivmodule durch Firmwareupdates regelmäßig zu erweitern.

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 43, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.