Neuigkeiten von der Photokina

Photokina 2020 mit gläsernem Studio 'Creators Lounge'

2020-02-07, aktualisiert 2020-02-10 Am 6. Februar 2020 hatte die Koelmesse GmbH zur europäischen Photokina-Pressekonferenz nach Amsterdam geladen, wo sie zahlreichen Pressevertretern den aktuellen Stand zur Photokina vermittelte. Die Messe feiert dieses Jahr ihren 70. Geburtstag und so ein Messeformat muss sich von Zeit zu Zeit "neu erfinden" und an Marktgegebenheiten und neue Entwicklungen anpassen.  (Jan-Markus Rupprecht)

Dass es etlichen Kameraherstellern zur Zeit nicht gerade bestens geht, weiß man ja. Die Kamera-Umsätze waren auch in 2019 nach wie vor rückläufig. Andererseits fotografieren so viele Leute wie noch nie aktiv. Das selbst aufgenommene Foto ist im Alltag ganz selbstverständlich geworden. Natürlich werden solche Fotos meist mit dem Immer-dabei-Fotoapparat, dem Smartphone, gemacht. Andererseits ist die Beschäftigung mit dem Thema Foto so populär wie nie. Die sozialen Medien bieten dafür reichlich Möglichkeiten. Aber auch Fotowettbewerbe und Fotoausstellungen stoßen auf auf Interesse und Breitenwirkung wie nie zuvor. Nie haben sich mehr Menschen mit hochwertiger Fotografie beschäftigt als heute – das gibt durchaus Hoffnung für die Fotobranche, nicht zur völligen Nische zu werden.

  • Bild Oliver Frese (Geschäftsführer der Koelnmesse), Kai Hillebrandt (Vorstandsvorsitzender des Photoindustrie-Verbands) und Christoph Werner (Mitglied der Geschäftsleitung Koelnmesse und zuständiger Messe-Manager für die Photokina) im Podiumsgespräch. [Foto: MediaNord]

    Oliver Frese (Geschäftsführer der Koelnmesse), Kai Hillebrandt (Vorstandsvorsitzender des Photoindustrie-Verbands) und Christoph Werner (Mitglied der Geschäftsleitung Koelnmesse und zuständiger Messe-Manager für die Photokina) im Podiumsgespräch. [Foto: MediaNord]

Die Photokina 2020 wird etwas schrumpfen, das ist klar. Im September machte die unerfreuliche Nachricht die Runde, dass Leica, Nikon und Olympus auf der Photokina 2020 nicht mehr mit einem eigenen Stand vertreten sein werden (siehe weiterführende Links). Immerhin die L-Mount-Produkte von Leica werden auf dem Panasonic-Stand zu sehen sein. Mittlerweile ist zusätzlich klar: Auch Fujifilm wird auf der kommenden Photokina fehlen. Der Hersteller mit der markanten grünen Farbe hatte 2018 mit seinen Sofortbild-Kameras und Sofortbild-Druckern einerseits und andererseits ihren hochwertigen Systemkameras gefühlt eine ganze Messehallen-Etage belegt. Das Wegbleiben der vier bekannten Marken schmerzt – keine Frage. Und alle Beteiligten dieser Photokina, auch die Kamerahersteller, die dieses Jahr dort ausstellen, hoffen, dass einige der "Abtrünnigen" für die folgende Photokina wieder zurückgewonnen werden können, damit die Messe wieder komplett und ihrem Leitmesse-Anspruch gerecht wird.

Die Photokina 2020 wird fünf Hallenflächen belegen (Hallen 3.1 und 3.2, 4.1 und 4.2 sowie 5.2). Der Vertrieb der Messeflächen läuft noch auf Hochtouren. Das Ausstellerverzeichnis wird, wie üblich, rund vier Wochen vor Messebeginn freigeschaltet werden. Von der reinen Produktpräsentations-Messe wird die Messe mehr und mehr zur Plattform für den Austausch und zum Dialog mit dem Konsumenten umgestaltet, so die Messe-Macher. Es gibt andere Messen, die einen ähnlichen Wandel vollzogen haben, beispielsweise die Gamescom, die von einer reinen Spiele-Messe zu einer Plattform für Multimedia-Welten geworden ist.

An dem in 2018 sehr erfolgreichen Stage-Konzept der von der Photokina-Messe bespielten Bühnen (zusätzlich zu den zahlreichen Bühnen auf den Hersteller-Ständen) hält die Messeleitung fest. Bekannte Referenten werden auf den nach verschiedenen Schwerpunktthemen unterteilten Bühnen auftreten. Der Mitmach-Aspekt wird zudem noch weiter ausgebaut. Neu ist eine 'Creators Lounge' genannte Fläche mit gläsernem Studio in der Passage zwischen den Hallen 4 und 5, hervorgegangen aus der Rental-Station (Kameras zum Ausprobieren ausleihen) von Gearflix, die in 2018 sehr erfolgreich war.

Mit diesem Event-Programm will die Photokina dem Endanwender einen deutlichen Mehrwert bieten. Die Messe wandelt sich damit ein Stück weit von der Neuheiten-Schau zum Workshop-Event und tritt damit natürlich wiederum in Konkurrenz zu Foto-Festivals wie Horizonte Zingst, Fotogipfel Oberdorf oder Photo+Adventure Duisburg. Der Bedarf ist sicherlich da, die Konkurrenz aber ebenso. Wenig Konsumenten-freundlich ist allerdings die verkürzte Messedauer. Der für Privatpersonen interessante Sonntag wurde schon bei der Photokina 2018 gestrichen und ist auch künftig nicht mehr vorgesehen.

Die Photokina hatte übrigens in 2018 schon 30 Prozent unter 30-jährige Messe-Besucher, die so genannten "Step-Up-User", die eher von der Smartphone-Fotografie kommen und dadurch auf den Geschmack gekommen sind, sich intensiver für die Fotografie zu interessieren. Deshalb wird man gerade für diese Zielgruppe, die die Fotobranche ja künftig mit Leben füllen muss, ein gutes Angebot vorhalten.

Bemerkenswert fand ich die Aussage von Kai Hillebrandt, der auf dem Podiums-Gespräch in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Photoindustrie-Verbands davon sprach, dass die Messe die Presse und den Konsumenten ansprechen soll (in dieser Reihenfolge übrigens). Fehlt da nicht etwas? Ach ja, der Fachhandel. Der ist auf Nachfrage ausdrücklich nicht mehr Kernzielgruppe der Photokina. Die Zeit der Order-Messen sei vorbei, Händler bestellen nicht mehr auf Messen. Deshalb sei der Messezeitpunkt im Mai auch nicht schlechter als der frühere Termin im September (vor dem Jahresendgeschäft). Dabei kann man anmerken, dass Kai Hillebrandt auch Deutschland-Chef von Panasonic ist. Und Panasonic ist der einzige mir bekannte Hersteller, der sich mit der Panasonic Convention eine eigene regelmäßige, sehr aufwändige europäische Messeveranstaltung leistet, die außer von der Presse ganz vorwiegend auch von zahlreichen Händlern besucht wird.

Wie kam eigentlich die Photokina zu ihrem jährlichen Termin und zum neuen Zeitpunkt Ende Mai? Das wollten wir, ehrlich gesagt, immer schon mal wissen. Denn gefühlt war doch mit dem früheren Termin und Turnus alles in Ordnung. Die Photokina war groß und aufwändig, eine stattliche wirkliche internationale Leitmesse mit Medienbesuchern aus aller Welt. Der Termin im September brachte sehr viel mediale Aufmerksamkeit fürs Foto-Thema, wichtig für die Konsumenten-Investitionen zu Weihnachten, damit möglichst keine neue Spielekonsole, kein 4K-Fernseher oder kein Thermomix unterm Weihnachtsbaum liegt, sondern idealerweise eine neue hochwertige Kamera nebst Zubehör. Und die Produktionszyklen haben sich bei Kameras in den letzten Jahren eher deutlich verlängert statt verkürzt. Warum dann gerade jetzt der Wechsel vom 2-Jahres-Rhythmus zum jährlichen Termin und warum der von vielen als ungünstig empfundene Termin Ende Mai zwischen Himmelfahrt und Pfingsten? Wir haben uns im Umfeld der europäischen Pressekonferenz einmal umgehört und die Geschichte geht so:

Die Photokina soll ja von der Presse- und Händler-Messe zur Presse- und Endkonsumenten-Messe werden, siehe oben. Eine Consumer-Messe kann aber nicht alle zwei Jahre stattfinden, sie muss jährlich stattfinden (es gibt wohl tatsächlich heutzutage keine bedeutende Consumer-Messe, die zweijährlich oder vierjährlich stattfindet). Außerdem sieht man parallele Themen auf der IBC, der International Broadcast Convention, die jährlich im September in Amsterdam stattfindet. Dort geht es hauptsächlich um (professionelles) Videoequipment und das wird zunehmend auch für Fotografen ein Thema. Wenn man also den einen oder anderen eingefleischten IBC-Aussteller zusätzlich oder alternativ auf die Photokina ziehen will, braucht diese einen anderen Termin. Der sollte eigentlich im April oder Anfang Mai liegen. Zu Video gehört auch Audio. Da gibt es offenbar eine relevante Messe namens Axponia im April in USA. Wenn von dort Aussteller auf die Photokina kommen sollen, dann kommt nur noch der Mai in Betracht. Am liebsten Anfang Mai. Der Termin war aber auf dem Messegelände in 2020 schon anders vergeben, sodass in diesem Jahr nur der etwas "spezielle" Termin in der Woche zwischen Himmelfahrt und Pfingsten infrage kam, zu dem die Personen, die auch das Fotofestival in Zingst besuchen, praktisch direkt von Zingst nach Köln fahren können.

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Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 54, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.