Photokina 2018

Photokina 2018 Schlussbericht und Kommentar

2018-09-29 Die koelnmesse AG hat heute den Abschlussbericht zur Photokina 2018 veröffentlicht. Knapp 180.000 Besucher waren es in diesem Jahr; nach etwas über 190.000 in 2016 und 185.000 in 2014. Dabei muss man bedenken, dass dieses Jahr erstmals die Zahl der Messetage drastisch von 6 auf 4 reduzierte wurde. Pro Tag waren dieses Jahr also 45.000 Besucher auf der Messe, das ist eine extrem gute Zahl. Rechnet man die sechs Tage der Photokina 2016 um, waren es damals nicht einmal 32.000 pro Tag. Zudem verteilten sich die Besucher dieses Jahr auf 5 Hallen, bei der letzten Photokina waren es noch 7 Hallen gewesen. Kein wunder also, dass es dieses Jahr richtig voll war!  (Jan-Markus Rupprecht)

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Die Zahlen decken sich Eins zu Eins mit meinen Beobachtungen: Dieses Jahr war es deutlich voller. Meiner Meinung nach auch interessant: Dieses Jahr war es nach meiner Beobachtung jeden Tag etwa gleich voll (die Messegesellschaft hat da sicherlich genaue Zahlen). Von früheren Photokina-Messen war man es eigentlich gewohnt, dass der erste Tag (ehemals der Dienstag) meist deutlich schwächer besucht war (für uns Journalisten ganz praktisch, man kam gut durch), erst ab dem zweiten Tag wurde es voller. Dieses Jahr war gleich der erste Tag, der Mittwoch, rappelvoll.

Wie werden Messebesucher gezählt?  Messebesucher werden in Europa "pro Tag" gezählt. Ich habe die Photokina 2018 außer am Pressetag (Dienstag) noch an allen vier regulären Messetagen besucht. Ich bin also 4 Besucher. Rein und raus an einem Tag (hatte ich auch) zählt nicht; maximal ein Besuch pro Tag wird gezählt. Alle Journalisten (einige Hundert) waren also jeweils 2 bis 3 Besucher (nur wenige sind vier Tage geblieben). Auch ein einzelner Mitarbeiter eines Händlers wird jeden Tag neu gezählt. Auch reguläre Besucher, die die Messe an zwei oder mehr Tagen besuchen, werden entsprechend oft gezählt. Gar nicht gezählt werden aber die vielen Mitarbeiter der Aussteller.

Effektiv hatte die Photokina also nicht 180.000 verschiedene Besucher, die die Messe besucht haben, sondern es waren 180.000 Tagesbesuche einer unbekannten Anzahl von Personen. Generell ist das Verfahren nicht zu beanstanden. Jemand der die Messe mehrere Tage lang besucht, wird auch entsprechend stark interessiert sein und entsprechend mehr Kontakte auf Messeständen haben. Dennoch ist es etwas lustig, dass man von Besuchern und nicht von Besuchen spricht (bei Online-Medien differenziert man zwischen Seitenzugriffen, Besuchen und Besuchern).

Interessant war auch der Freitagabend zu beobachten, der erstmals bis 21 Uhr geöffnet war. An allen anderen Tagen schließt die Messe um 18 Uhr und man hat immer regelrecht den Eindruck, dass die Besucher von den Ständen geschoben werden müssen und eher wiederwillig gehen. Ich habe extra eine Einladung für den Freitagabend sausen lassen, weil ich selbst sehen wollte, wie gut der Freitagabend bei den Besuchern ankam. Und er kam gut an! Zwar wurde es ab 18 Uhr nach und nach etwas leerer. Das führte auf vielen stark frequentierten Ständen aber im Grunde erst dazu, dass die Stände nun "normal voll" waren und man nicht mehr überall lange anstehen musste. Sehr angenehm fand ich, dass auch die diversen Vortragsprogramme am Freitag bis weit in den Abend hineingeplant waren. Dies galt sowohl auf den von der Messegesellschaft organisierten Bühnen, als auch auf den Messeständen selbst.

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Was mich generell auf Messen immer wieder erstaunt: Da sitzen etliche Besucher mitunter scheinbar unbeteiligt im Café. Oder schlendern, speziell auf der Photokina, wo das ja auch dazugehört, in aller Seelenruhe durch die zahlreichen Fotoausstellungen. Die Eintrittspreise Mittwoch bis Freitag betragen 35 Euro im Vorverkauf und 56 Euro an der Tageskasse (am Samstag sind es nur 12 bzw. 18 Euro). Will man bei einer solchen Investition nicht konsequent jede Minute Informationen abgreifen und Foto-Equipment befingern? Die Entspanntheit bei vielen Besuchern (die meiner Meinung gerade für die Photokina durchaus sehr angenehm ist) kommt mutmaßlich daher, dass ziemlich viele Besucher den Eintritt gar nicht bezahlt haben. Allein Tamron hat dieses Jahr 5.555 Photokina-Tickets verlost, von Sigma waren es sogar 6.000 Stück, vom Falkemedia-Verlag waren es 250 Tagestickets, 100 Tickets bei Computerbild, 70 Stück bei Chip, usw.

Darüber hinaus werden etliche Freikarten nicht verlost, sondern anderweitig verschenkt. Jeder Händler bekommt beispielsweise Freikarten von seinen Lieferanten, die als Aussteller auf der Messe sind. Früher war es so, dass solche Tickets meist (wenn auch zum reduzierten Preis) von den Ausstellern bezahlt werden mussten, wenn sie aktiviert wurden (d. h. wenn wirklich damit jemand auf die Messe kam). Das war, so hört man, auch bei Karten, die von den Ausstellern verlost wurden, oft der Fall. Nur einige wenige Media-Partner bekamen "richtige" Freikarten für eine Verlosung (wir haben auf digitalkamera.de ja früher auch schon mal welche verlost). Da scheint sich in letzter Zeit ein anderes Verfahren durchzusetzen, d. h. auch einige Aussteller bekommen "richtige" Freikarten, die sie auch nicht bezahlen müssen. So erklärt sich ja auch der große Andrang am Olympus Perspektive Playground schon während der Messezeiten (abends generell kostenlos, tagsüber aber nur mit Messeticket).

Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden. Besser eine volle Messe als eine leeren Messe. Solange die Besucher im weiteren Sinne Fachbesucher sind, was auf der Photokina definitiv der Fall ist. Von der CeBIT und der Hannover Messe gibt es immer wieder die Geschichten von "Schulklassen", die Ausflüge auf die Messe machen, um die Statistik zu schönen. Tatsächlich sieht man in Hannover bei schönen Wetter auffällig viele sehr junge Leute die gepflegten Außenanlagen bevölkern und fragt sich, was die da eigentlich machen. Das gibt es auf der Photokina nicht. Ich sehe ausschließlich interessiertes Publikum. Ob die an Fotografie interessierten nun gerade einen Messestand besuchen oder eine der zahlreichen Fotoausstellungen auf der Plaza, dem Boulevard oder in anderen Bereichen ist egal, eine Photokina ohne all die tollen Ausstellungen wäre nur halb so gut.

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Vor diesem Hintergrund finde ich die (theoretischen) Eintrittspreise unnötig hoch. Die Photokina war immer auch eine Verbrauchermesse und das ist auch gut so. Verbraucher meint hier aber Fachverbraucher (analog zu Fachbesucher). Leute, die viel Geld für Fotoequipment ausgeben und die ihr Hobby leben. Natürlich auch für Berufsfotografen und angehende Berufsfotografen und andere Anwender, die die Ausrüstung für Ihren Beruf brauchen. Und für Händler und Journalisten. Aber für diese müssten die Hersteller nicht so fantastische Stände bauen und so tolle Workshops und Vorträge organisieren. Insofern wäre es meiner Meinung nach ganz schön, wenn die Messegesellschaft nicht nur am Samstag moderate Eintrittspreise für die Messe aufrufen würde. Die Messe finanziert sich (wie fast alle Messen) ohne hin über die vermieteten Stände und nicht über die Eintrittspreise finanziert. Und die waren dieses Jahr nicht niedriger als in den Vorjahren, pro Tag für die Aussteller effektiv also rund ein Drittel teurer. Schön das wenigstens praktisch genauso viele Besucher da war. Letztlich zählt der individuelle Kontakt zum Fachbesucher oder Konsumenten und nicht die Dauer der Messe.

Hier noch die Presseinformation der koelmesse AG:

Die Leitmesse des Imaging glänzte mit vielen Neuheiten und inspirierender Atmosphäre

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Schon im Vorfeld der Photokina 2018 war die Aufregung deutlich spürbar. Die anstehenden Veränderungen der Veranstaltung bewegten Branche und Besucher, ebenso wie die Vorfreude auf eine Vielzahl von heiß erwarteten Produktneuheiten, darunter die Vorstellung neuer spiegelloser Voll- und Mittelformatkameras, eine große Bandbreite mobiler Anwendungen und der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) im gesamten Bilderstellungsprozess. In Verbindung mit einem herausragenden Workshop- und Eventprogramm auf allen Stages bestätigte die Photokina einmal mehr ihren Status als Branchenleitmesse. 180.000 Besucher sorgten für eine energiegeladene Stimmung, viel Betrieb und gute Geschäfte an Ausstellerständen, Bühnen und Sonderflächen.

Die Neuausrichtung der Photokina in aller Konsequenz bringt viele Veränderungen und Herausforderungen für Organisatoren, Aussteller und Besucher mit sich: Vier statt sechs Tage, zukünftig ein neuer Termin im Mai, ein jährlicher Turnus, eine neue Hallenbelegung, vor allem aber neue Themenbereiche und eine stärkere Erlebnisorientierung. Ziel ist es, zukünftig mit neuen Aussteller- und Besucherzielgruppen das nahezu unendliche Potential von Imaging-Technologien zu heben und die Photokina somit in eine neue Ära zu führen.

Erste Resultate waren bei der Photokina 2018 deutlich spürbar: Selten wurden in den Kernsegmenten ebenso wie im Bereich Mobile, Motion und Software so viele Neuerungen gezeigt, die dem Business für die nächsten Monate wichtige Impulse geben. Eventhighlights wie der Olympus Perspective Playground zeigen, dass die Verbindung von Erlebnis und Produktpräsentation insbesondere in der jüngeren Zielgruppe sehr gut angenommen wird. Damit wurde die angestrebte Balance zwischen Innovation und Inspiration, zwischen Business und Event optimal erreicht.

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Positive Signale für die Zukunft

„Das Feedback von Ausstellern und Besuchern ist durchweg positiv. An den Ständen freut man sich sowohl über die Frequenz wie auch die Qualität der Besucher. Die Besucher wiederum schätzen sehr, was sie hier erleben. Das bestätigt, dass wir mit der begonnenen Neuausrichtung absolut auf Kurs sind“, bestätigt Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse GmbH, den positiven Gesamteindruck. „Einige Unternehmen haben bereits signalisiert, dass sie basierend auf dem Erlebnis in diesem Jahr in 2019 vergrößern, wiederkehren oder zum ersten Mal ausstellen möchten. Das betrifft insbesondere den Bereich Broadcast und Cine, in dem wir 2019 besonders viel Wachstum erwarten.“

Fortsetzung auf Seite 2

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Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 53, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.