Kompakttest

Nikon 1 V3

2014-07-10 Die V-Serie im Nikon 1 System soll sich eigentlich an ambitionierte Anwender richten. Bei der 1 V1 patzte Nikon allerdings beim Bedienkonzept, bei der 1 V2 sorgte das ungewöhnliche Design für Diskussionen. Bei der 1 V3 möchte Nikon vielen besser machen und kombiniert ein schlankes, aufgeräumtes Design mit den nötigen Bedienelementen und Bedienrädern. Allerdings fehlt der eingebaute elektronische Sucher, der sich optional nachrüsten lässt. Auch einen funktionalen und kompakten Handgriff, der die Ergonomie verbessert, gibt es als Option. Im Test muss die 1 V3 zeigen, ob sie besser auf die anvisierte Zielgruppe zugeschnitten ist, vor allem natürlich auch bei der Bildqualität.  (Benjamin Kirchheim)

Nikon 1 V3 [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Die Nikon 1 V3 entspricht wieder dem schlichten Design der kleineren 1er Systemkameras, setzt aber gleichzeitig beim kompakten Gehäuse auf klassische Bedienelemente wie Programmwählrad und drei Einstellräder. Das Gehäuse ist exzellent verarbeitet und besteht aus Metall. Der flach gehaltene Griff sowie die kleine Daumenmulde auf der Rückseite sind gummiert, um die Handhabung zu verbessern. Aufgrund der kompakten Abmessungen ist die 1 V3 aber keine Kamera, die eine große Hand ausfüllt, wer flache Handgriffe gewohnt ist, wird sie aber gut handhaben können. Als Zubehör oder im Set mit der Kamera bietet Nikon einen anschraubbaren Handgriff an, der zwar keinen weiteren Akku aufnimmt, aber das Griffvolumen erhöht und ein weiteres Einstellrad, eine Funktionstaste sowie einen zweiten Auslöser mitbringt. Leider besitzen drei der vier Bedienräder dieselbe Funktion, hier hat Nikon eindeutig Potential für den Direktzugriff auf mehr Funktionen verschenkt. Im Gegensatz zu den drei Fn-Knöpfen lassen sich die vier Bedienräder nicht individuell mit Funktionen belegen. Im Modus M verstellen beide vordere sowie das hintere untere Rad die Blende, während das hintere obere Rad die Belichtungszeit bestimmt. Das obere Rad bietet zudem eine Knopffunktion (Fn2), die werksseitig mit der ISO-Empfindlichkeit vorbelegt ist, das kann man ruhig so lassen. Fn1 ruft den Weißabgleich auf und die Fn3-Taste am Extragriff ist mit der Nikon 1 V3 [Foto: MediaNord]Videofunktion vorbelegt – durchaus sinnvoll, denn mit Griff ist die Videotaste nur für gelenkige Finger gut erreichbar.

Leider sorgt der angebaute Griff dafür, dass das Metallstativgewinde aus der optischen Achse herauswandert. Im Falle eines Akkuwechsels muss man den Griff sogar vorher abschrauben, geladen wird der für nur 310 Aufnahmen reichende Lithium-Ionen-Akku übrigens extern. Des Weiteren besitzt der Funktionsgriff eine elektrische Verbindung zur Kamera. Die Schnittstelle ist kameraseitig mit einem winzigen Gummipfropfen geschützt, der abgenommen und in eine Aussparung am Griff gesetzt wird. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis dieses kleine Teil verschwindet. Auf der Handgriffseite verbergen sich hinter einer kleinen Klappe eine USB- sowie eine Micro-HDMI-Schnittstelle, außerdem ist hier der Speicherkartenschacht untergebracht. Warum Nikon sich für die winzigen Micro-SD-Karten entschieden hat, wird wohl ein Rätsel bleiben, andere Kameras dieses Volumens bieten eine ausgewachsene SD-Karte, bei der man beispielsweise im Gras verloren noch eine kleine Chance zum Wiederfinden hat, eine Microkarte dagegen dürfte für immer verloren sein. Auch das Entnehmen und Fummeln in ein Kartenlesegerät macht keinen Spaß. Etwas ungünstig ist übrigens die Gurtbefestigung platziert, der dreieckige Ring hängt nämlich so vor der Klappe, dass man ihn zum Schließen anheben muss. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich noch ein Mikrofonanschluss mittels 3,5-mm-Stereoklinke.

Nikon 1 V3 [Foto: MediaNord]Geschickt in das Design eingebettet hat Nikon den 7,5 Zentimeter großen Klappbildschirm, der zudem berührungsempfindlich ist. Mit über einer Million Bildpunkten bietet er eine feine Auflösung, auch das 3:2-Format ist günstig gewählt, entspricht es doch dem Seitenverhältnis des Sensors, wodurch keine schwarzen Trauerränder auftreten. Viele Funktionen lassen sich mittels Touch bedienen, aber nicht alle. So muss das Menü beispielsweise per Taste aufgerufen werden, kann dann aber mit dem Finger bedient werden. Schade allerdings, dass sich das Autofokusfeld nicht per Touch festlegen lässt, die Kamera löst nämlich sogleich aus. Nur im erweiterten Videomodus lässt sich das AF-Feld per Fingertipper festlegen. Bei manchem Konkurrenten hingegen lassen sich Fokus und teilweise sogar die Belichtung für Fotos getrennt voneinander per Finger frei positionieren. Zum Glück lässt sich der Touchauslöser auch ganz abstellen und wer möchte, ignoriert die Touchfunktion gänzlich, die Kamera ist auch mittels Tasten voll steuerbar. Übrigens klappen die Tasten seitlich des Bildschirms mit um 90 Grad nach oben oder unten, ungewöhnlich, aber praktisch.

Nikon 1 DF-N1000 [Foto: MediaNord]Als erstes V-Modell verzichtet Nikon bei der 1 V3 auf einen eingebauten elektronischen Sucher. Wie der Zusatzgriff muss dieser separat oder im Set mit der Kamera erworben werden. 250 Euro Aufpreis für das Set oder 350 Euro einzeln sind nicht gerade ein Schnäppchen, aber der Aufstecksucher kann sich sehen lassen. Zum einen integriert er sich deutlich besser ins Kameradesign als bei allen Konkurrenten, der Sucher baut nur 2,5 Zentimeter auf und wirkt weniger wie ein Fremdkörper. Allerdings hat Nikon auf eine Klappfunktion verzichtet. Der Sucher bietet mit 2,36 Millionen Bildpunkten ein äußerst fein aufgelöstes Bild, auch die Größe des Suchers ist gut. Er besitzt eine Dioptrienkorrektur sowie einen Augsensor. Der integrierte Blitz lässt sich auch mit angebrachtem Sucher ausklappen, der Blitzschuh, für den es ohnehin keine große Blitzauswahl gibt, wird jedoch blockiert.

Ausstattung Anders als alle bisherigen 1er-Modelle besitzt die 1 V3 ein vollwertiges Programmwählrad, so dass der ambitionierte Fotograf direkten Zugriff auf die klassischen Belichtungsprogramme P, A, S und M hat. Dennoch bietet die V3 auch Einsteigern die volle Palette an Automatikfunktionen, die helfen sollen, den richtigen Moment einzufangen, etwa indem nicht nur Nikon 1 V3 [Foto: MediaNord]ein Foto beim Druck auf den Auslöser aufgenommen wird, sondern in schneller Folge auch welche davor und welche danach, die Kamera wählt davon automatisch die besten und einen Favoriten aus, was der Fotograf aber hinterher noch ändern kann. Wer allerdings seine Motivprogramme selbst einstellen möchte, schaut bei der V3 in die Röhre, denn es gibt nur eine Motivautomatik, die das Programm anhand einer Live-Analyse selbst wählt, sowie die erweiterten Programme für Serienbilder etc.

Die Nikon 1 V3 besitzt einen integrierten Pop-Up-Blitz, der allerdings nur auf Tastendruck aufspringt und keine Aufklappautomatik für die Automatikprogramme bietet. Auch wenn der Blitz eher zu den leistungsschwachen gehört, erlaubt es die Mechanik immerhin, ihn mit dem Finger Richtung Decke zu klappen und so indirekt eine kleine Szenerie etwas aufzuhellen. Was der Blitz leider nicht beherrscht ist eine Drahtlossteuerung der großen Nikon Systemblitzgeräte. Gerade wer die Nikon 1 als Zweikamera einsetzt, könnte von einer solchen Funktion profitieren. So bleibt es beim Aufhellblitzen, der Langzeitsynchronisation und dem Vorblitz gegen rote Augen. Immerhin gibt es auch die Möglichkeit, erst am Ende der Belichtung zu blitzen. Die Blitzsynchronzeit beträgt 1/250 Sekunde mit mechanischem Verschluss, mit elektronischen Verschluss ist es sogar nur 1/60 Sekunde. Immerhin löst die Kamera hier leise (eigentlich unhörbar) aus, und genau unter diesem Begriff ist der Nikon 1 V3 [Foto: MediaNord]elektronische Verschluss auch im Menü zu finden: "Leise Auslösung". Das ist natürlich besonders in Umgebungen wie Kirchen, Museen oder im Theater sehr praktisch, obwohl selbst der mechanische Verschluss der 1 V3 sehr dezent zu Werke geht.

Die Serienbildfunktion der 1 V3 bietet bis zu 60 Serienbilder pro Sekunde, allerdings nur für eine kurze Zeit. Immerhin wird der Auslöser wieder freigegeben, bevor der ganze Buffer geleert sein muss. Aktiviert man die normale Serienbildfunktion, so arbeitet noch der mechanisch Verschluss. Bei 10, 20, 30 oder 60 Bildern pro Sekunde hingegen wird elektronisch ausgelöst und die Kamera spielt einen Sound dazu ab, damit man überhaupt merkt, dass in schneller Folge ausgelöst wird.

Videos nimmt die 1 V3 wahlweise in 720p oder 1080p (Full-HD) auf, die Bildrate lässt sich bei beiden Auflösungen auf 30p oder 60p festlegen. Kleine Markierungen am Rand des Livebilds zeigen den Beschnitt schon vor der Aufnahme an, besonders bei Nutzung der Video-Sofortaufnahmetaste im Fotomodus ist das sehr praktisch. Wird der digitale Bildstabilisator zusätzlich zum optischen aktiviert, wird der genutzte Bildausschnitt kleiner, was wie ein leichter Telekonverter wirkt. Die vollen Möglichkeiten Nikon 1 V3 [Foto: MediaNord]erschließen sich aber bei der erweiterten Videofunktion, die mittels Programmwählrad ausgewählt werden muss. Hier lassen sich auf Wunsch dann auch Blende und Belichtungszeit manuell festlegen, es lässt sich aber auch die Motivautomatik verwenden. Ebenfalls interessant sind die Optionen für Zeitlupenaufnahmen mit bis zu 1.200 Bildern pro Sekunde oder die Time-Lapse-Videofunktion. Apropos: Die 1 V3 bietet sogar eine Intervallaufnahmefunktion für Fotos.

Während sich für die Aufnahme Kreativfilter aktivieren lassen, ist dies nachträglich bei der Bildwiedergabe nicht möglich. Immerhin bietet die 1 V3 aber ein eingebautes WLAN-Modul, womit sich die Fotos beispielsweise auf ein Smartphone oder Tablet übertragen lassen, hier hat man per Apps natürlich alle Bearbeitungsmöglichkeiten. Außerdem wird eine Fernbedienung der Kamera mit Livebildübertragung auf das Smartgerät geboten, allerdings sind die Einstellmöglichkeiten völlig unzureichend, auch an der Kamera lassen sich die vielen Funktionen in diesem Modus nicht nutzen.

Bildqualität Die Nikon 1 V3 besitzt wie alle Kameras des 1er-System einen 1"-Bildsensor, der 13,2 mal 8,8 Millimeter misst. Der Crop-Faktor gegenüber Kleinbild beträgt 2,7. Zwar zeigt Sony bei den RX-Modellen, dass man auch aus diesem Sensorformat eine erstaunlich gute Bildqualität herausholen kann, das 1er-System jedoch enttäuschte hier bisher, nicht zuletzt aufgrund mangelnder physikalischer Auflösung. In der 1 V3 kommt zwar nicht der hervorragende 20-Megapixel-Sensor von Sony Nikon 1 V3 [Foto: MediaNord]zum Einsatz, aber einer mit rund 18 Megapixeln. Tatsächlich zeigen die Tests verschiedener Objektive im Labor, dass mit diesem Sensor die Grenze von 50 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) bezogen auf Kleinbild spielend geknackt wird, insbesondere mit dem hervorragenden F1.2 32 mm Porträtobjektiv (kostenpflichtiger Labortest siehe weiterführende Links).

Allerdings kämpft der kleine Sensor naturgemäß ein wenig mit dem Rauschen. Immerhin beträgt der Signal-Rauschabstand bis hoch zu ISO 3.200 35 dB oder mehr, erst darüber wird er kritisch. Helligkeitsrauschen spielt ebenfalls erst jenseits der ISO 3.200 eine Rolle, das Farbrauschen steigt bei den beiden höchsten Empfindlichkeiten von ISO 6.400 und 12.800 zwar auch leicht an, bleibt aber ebenfalls unkritisch. Zudem ist das ohnehin geringe Rauschen bis hin zu ISO 3.200 sehr feinkörnig. Das zusammen klingt hervorragend, aber die Labormessung offenbart auch, dass die Rauschunterdrückung dafür verantwortlich ist. Schon bei der niedrigsten Empfindlichkeit von ISO 160 ist ein leichter Verlust bei feinen Texturen zu beklagen, bis ISO 800 bleiben die Bilder aber ausreichend fein texturiert. Darüber sieht man zunehmend, wie Details von der Rauschunterdrückung verschlungen werden. Sony bietet bei gleich großem Sensor und geringfügig höherer Auflösung eine vergleichbare Texturschärfe wie die Nikon 1 V3 bei ISO 800 sogar noch bei ISO 3.200. Bei Tageslicht, auch in Innenräumen, ist die Nikon 1 V3 also gut genug, wenn es Abend wird und das Licht eingeschaltet werden muss, stößt man mit brauchbaren ISO 800 aber früh an seine Grenzen.

Nikon 1 V3 [Foto: MediaNord]Die Eingangsdynamik ist mit rund zehn Blendenstufen bis hinauf zu ISO 3.200 gut, beim Ausgangs-Tonwertumfang nutzt die V3 hingegen vor allem bei höheren Empfindlichkeiten jenseits von ISO 1.600 bei Weitem nicht mehr das volle Spektrum von 256 Helligkeitsstufen. Die Tonwertkurve verläuft übrigens gut angesteilt, die V3 bietet also knackige Kontraste. Bei der Nachschärfung hält sie sich hingegen zurück und schärft nur moderat, so dass kaum Artefakte auftreten. Der manuelle Weißabgleich arbeitet absolut präzise, die Farbdarstellung ist ebenfalls erstaunlich genau. Die größten Abweichungen ergeben sich beim stärker gesättigten Magenta und beim Cyan, das Richtung Blau tendiert. Grün-, Gelb- und Rottöne werden hingegen außergewöhnlich neutral wiedergegeben.

Mit Ausnahme der zu starken Rauschunterdrückung liefert die Nikon 1 V3 also durchaus ein gutes Bild ab. Der gesamte Labortest, auf dem diese Betrachtungen beruhen, ist übrigens kostenpflichtig über die weiterführenden Links erreichbar. Bei der Bildqualität spielt aber nicht nur der Sensor eine große Rolle, sondern entscheidend ist das Objektiv. Hier bietet Nikon mit dem 3.5-5.6 10-30 mm VR PD-Zoom nun schon das dritte Setobjektiv, das sich insbesondere durch seine kompakte Baumform, das elektronische Zoom sowie das automatische Ausfahren und Aufklappen des Schutzvorhangs auszeichnet. Fast mutiert die 1 V3 Nikon 1 V3 [Foto: MediaNord]damit zur schnell einsatzbereiten und ulktraschnell auslösenden Kompaktkamera. Allerdings lassen sich dadurch weder Sonnenblende, noch optische Filter anbringen. Vom Druck auf den Auslöser bis zum Foto vergenen nur eine viertel bis eine achtel Sekunde. Die Schärfe des Objektivs ist für 20 x 30 Zentimeter große Abzüge bei allen Blenden und Brennweiten von der Bildmitte bis zum Bildrand völlig ausreichend. Lediglich bei F16 macht sich leichte Beugungsunschärfe bemerkbar. Die Randabdunklung ist insgesamt sehr gering, zeigt aber bei Offenblende im Weitwinkel in den Ecken einen etwas steilen Verlauf, wodurch selbst die nur 30 Prozent Helligkeitsverlust je nach Bildinhalt zumindest dem geschulten Auge auffallen können. Viel störender ist jedoch die starke Verzeichnung des Objektivs: Drei Prozent Tonnenform im Weitwinkel und über zwei Prozent Kissenform bei mittlerer und langer Brennweite wirken mit dem bloßen Auge schon bildstörend, vor allem wenn man geometrische Motive mit geraden Linien fotografiert, etwa ein Fachwerkhaus oder Fenster. Immerhin lässt sich im Menü optional eine Verzeichnungskorrektur zuschalten.

Nikon 1-Mount 32 mm 1:1.2 [Foto: Nikon]Farbsäume sind zwar in der Summe gering, im Weitwinkel gibt es an den Bildrändern zumindest bei F3,5 und F4 aber leicht sichtbare Aberrationen. Bei der Auflösung mit 50 Prozent Kantenkontrast knackt die 1 V3 als erste Kamera dieses Systems fast die 50 Linienpaare pro Millimeter, zumindest im Weitwinkel im Bildzentrum. Zum Bildrand hingegen fällt die Auflösung um rund ein Drittel ab. Das ist bei stärkeren Vergrößerungen kaum zu übersehen, für ein Setobjektiv ist das aber gerade noch im "normalen" Rahmen. Zum Vergleich: Die 1 V2 brachte es mit Setobjektiv gerade einmal auf 35 lp/mm. Zwar löst das Objektiv bei mittlerer und langer Brennweite absolut etwas geringer auf, knackt aber jeweils die 40 lp/mm und der Abfall zum Bildrand beträgt maximal 20 Prozent, bei den meisten Blenden sogar deutlich weniger. Insgesamt kann sich das Setobjektiv also sehen lassen und ist, mit Abstrichen bezüglich Verzeichnung und Randauflösung im Weitwinkel bei stärkeren Vergrößerungen, absolut alltagstauglich. Beugungsbedingt sollte man F11 jedoch nur selten einsetzen und F16 besser ganz vermeiden, vor allem bei kleinster Blende geht die Auflösung stark in den Keller.

Nikon 1-Mount 6,7-13 mm F3.5-5.6 [Foto: Nikon]Neben dem Setobjektiv konnten wir auch das 32 mm 1.2 sowie das 6,7-13 mm Ultraweitwinkel an der 1 V3 testen (die ausführlichen, kostenpflichtigen Labortests sind über die weiterführenden Links erreichbar). Die lichtstarke Porträt-Festbrennweite zeigt, was aus der 1 V3 herauszuholen ist. Im Zentrum werden fast 56 lp/mm erreicht, auch der Bildrand springt, abgeblendet, über die Marke von 50 lp/mm. Ab F4 bekommt man eine sehr gleichmäßige Auflösung von der Bildmitte bis zum Bildrand, bei Offenblende werden hingegen vor allem die Ecken unscharf; für ein Porträtobjektiv aber verzeihbar. Randabdunklung, Verzeichnung und Farbsäume sind hervorragend niedrig.

Auch das 6,7-13 mm kann auf sehr hohem Niveau überzeugen. Problematisch ist vor allem die hohe Verzeichnung bei 6,7 Millimeter (18 mm KB), die Auflösung ist aber hervorragend und die 50 lp/mm werden bei allen Brennweiten spielend geknackt. Im Weitwinkel ist die Randauflösung bei Offenblende zwar um fast 28 Prozent niedriger als im Zentrum, liegt aber mit 40 lp/mm auf hohem Niveau. Hier zeigt sich wieder einmal, dass die kleinen Sensoren vor allem bei den Ultraweitwinkelobjektiven Vorteile bieten, nicht nur optisch ist das 6,7-13mm gut, sondern es ist auch winzigklein. Nur die Verarbeitung bleibt sehr deutlich hinter der 32mm-Festbrennweite zurück.

Fazit Das Nikon 1-System wurde anfangs viel kritisiert, nicht nur wegen des vergleichsweise kleinen Sensors, von Nikon erwarten viele einfach etwas anderes, sondern auch vom Bedienkonzept her. Die 1 V3 macht vieles besser und zählt sicherlich zu den gelungensten Kameras des Systems bisher. Sie ist hochwertig verarbeitet und lässt sich bis auf kleinere Schwächen gut bedienen. Den Einsatz von Micro-SD-Karten mag man als Fauxpas sehen, aber damit lässt sich leben. Auf jeden Fall empfehlenswert ist der optionale elektronische Sucher, der sich gut ins Design einschmiegt und nicht so überdimensional wirkt. Sein Sucherbild überzeugt vollends und erweist sich immer dann als praktisch, wenn es für das Display zu hell wird. Das 10-30mm PD-Zoom Setobjektiv sorgt für eine kompaktkameraähnliche Handhabung: einschalten, auslösen. Die hohe Verzeichnung sowie die Randunschärfe im Weitwinkel trüben aber die ansonsten für ein Setobjektiv gute Bildqualität. Mit dem neuen 1,2 32 mm gibt es aber beispielsweise nun auch ein optisch wie mechanisch absolut hochwertiges, lichtstarkes Objektiv. Der neue 18-Megapixel-Sensor sorgt für vernünftige Auflösungswerte, allerdings sorgt die Rauschunterdrückung schon bei niedrigster ISO-Empfindlichkeit für leichte Detailverluste. Dies lässt sich mit dem Raw-Format umschiffen. Ansonsten bietet die Nikon 1 V3 aber für den Alltag eine durchaus gute Bildqualität in JPEG. Auch wenn es hier und da noch Verbesserungspotential gibt, ist die 1 V3 die bisher beste Kamera im 1er-System.


Weiterführende Links

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.


Steckbrief
Hersteller Nikon
Modell 1 V3
Preis ca. 900 EUR*
Sensor Auflösung 18,4 Megapixel
Max. Bildauflösung 5.232 x 3.488
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv 1 Nikkor 10-30 mm 3.5-5.6 VR PD-Zoom
Filtergewinde
Sucher optional (EVF)
  Sichtfeld 100 %
  Auflösung 2,36 Mio
  Dioptrienausgleich ja
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 1.037.000
  drehbar
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme nur Motivautomatik
  Porträt
  Kinder/Baby
  Landschaft
  Makro
  Sport/Action
  weitere
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Blitzanschluss Spezialblitzschuh
Fernauslöser Infrarot, WLAN
Intervallaufnahme ja
Speichermedium Micro-SD/SDHC/SDXC
Videomodus  
  Format MOV
  Codec H.264
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  bei Bildfrequenz 60p
Empfindlichkeit  
  automatisch ISO 160-6.400 (Obergrenze einstellbar)
  manuell ISO 160-12.800
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Blitz, Schatten, WB-Feinkorrektur
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
171
  AF-Hilfslicht grell-grün
  Geschwindigkeit ca. 0,15-0,25 s
Sprachen Deutsch
  weitere 35
Gewicht
(Betriebsbereit)
ca. 323 g (nur Gehäuse)
ca. 404 g (mit Objektiv*)
Zoom  
  Zoomverstellung elektronisch am Objektiv
Einhandbedienung (Zoom und Auslöser)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 310 Bilder (lt. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Objektiv 1 Nikkor 10-30 mm 3.5-5.6 VR PD-Zoom

Kurzbewertung

  • Mit Standardobjektiv schon fast Kompaktkamerafeeling
  • Hochwertige Verarbeitung und Design mit gut integriertem Klappbildschirm
  • Äußerst kompakter Aufstecksucher mit gutem Bild, wenn auch nur optional erhältlich
  • Rasanter Autofokus und äußerst hohe Serienbildgeschwindigkeit
  • Schwächen bei der Texturschärfe schon bei niedrigen Empfindlichkeiten
  • Fummelige Micro-SD-Karten
  • Standardobjektiv mit hoher Verzeichnung
  • Für eine Fortgeschrittenenkamera zu wenig Steuermöglichkeiten per WLAN

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 93 %
Ausstattung 12,5 % 94 %
Handhabung 12,5 % 91 %
Geschwindigkeit 12,5 % 92 %
Bildqualität 50,0 % 87 %
Gesamtnote 90 %