Kompaktkamera

Testbericht: Canon PowerShot G2

2001-12-04 Beim zweiten Versuch klappt immer alles besser: War die Canon PowerShot G1 noch in einigen Punkten (wie der Autofokus und die Belichtungsmessung) noch stark verbesserungsbedürftig, lässt das 4 Megapixel-Nachfolgemodell PowerShot G2 einige der "Jugendsünden" der G1 vergessen. Die PowerShot G2 ist eigentlich die Kamera, die die G1 von Anfang an hätte sein sollen und avanciert dank der vorgenommenen Verbesserungen zu einer der interessantesten und besten Digitalkameras auf dem Markt. Deshalb haben wir uns dieses Modell einmal näher angesehen.  (Yvan Boeres)

   Canon PowerShot G2 mit Blitz Canon Speedlite 500EX [Foto: MediaNord]
 
Bei ihrer Markteinführung war zweifellos bereits die Canon PowerShot G1 eine sehr interessante Digitalkamera und konnte viele Käufer bzw. Fans für sich gewinnen. Trotz ihrer zahlreichen Qualitäten ließ die G1 im Praxiseinsatz dennoch einiges vermissen, was wir auch in unserem damaligen Praxistest zum Ausdruck brachten. Genau ein Jahr, einen Monat und einen Tag später präsentierte Canon im August dieses Jahres anlässlich der Internationalen Funkausstellung in Berlin das Nachfolgemodell, die PowerShot G2. Klar, dass die G2 mit einer zeitgemäßen Auflösung von 4 Megapixeln kommen musste. Doch die PowerShot G2 wurde auch gründlich überarbeitet. Und siehe da: Praktisch alle Kritikpunkte, die wir an der G1 auszusetzen hatten, wurden bei der G2 korrigiert. So versteht sich dieser Erfahrungsbericht als Ergänzung zu unserem G1-Praxis-Test. Interessenten der G2 sollten in diesen ebenfalls einen Blick werfen (siehe "Weiterführende Links" am Ende dieses Artikels).

Damals hatten wir das Fehlen einer Matrixmessung und eines Mehrpunkt-Autofokus bei der G1 bemängelt. Nicht dass die mittenbetonte Integralmessung und der zentral arbeitende Autofokus der G1 unbrauchbar wären; doch besonders im Zusammenhang mit der E-TTL-Blitzsteuerung der Kamera stießen diese etwas "betagten" Technologien an ihre Grenzen. Dazu muss man wissen, dass im Gegensatz zur konventionellen TTL-Blitzsteuerung, wo zwei separate Messzellen (eine für das Blitzlicht und eine für das Dauerlicht) notwendig sind, die E-TTL-Blitzsteuerung dieselbe Messzelle sowohl zur Messung des Blitzlichtes als auch zur Messung des Tageslichtes benutzt. Mit anderen Worten: Bei E-TTL ist die Güte der Blitzbelichtung mehr denn je direkt von der Präzision der Belichtungsmesszelle abhängig. Kleinbild-Spiegelreflexkameras der EOS-Serie von Canon nutzen das Zusammenspiel von Mehrpunkt-Autofokus und Matrixmessung bei der E-TTL-Blitzbelichtungssteuerung schon seit einiger Zeit erfolgreich aus. Durch die einzelnen Messfelder des Autofokus kann die "künstliche Intelligenz" der Kamera auch nicht mittig angeordnete Motive erfassen und leitet diese Informationen an das Belichtungsmesssystem weiter. Canon PowerShot G2 - unten [Foto: MediaNord] Dieses kann dann – dank Unterteilung des Bildes in einzelne Messfelder – den Schwerpunkt der Belichtungsmessung dorthin legen, wo sich das Hauptmotiv auch befindet. Bei der Canon PowerShot G1 lag der Schwerpunkt jedoch immer in der Bildmitte, weil sowohl der Autofokus als auch die Belichtungsmesszelle der G1 mit nur einem Messfeld immer zentral arbeiteten.

Die PowerShot G2 dagegen wurde mit einem 3 Punkt-Autofokus und einer Matrixmessung ausgestattet (Canon schweigt sich leider über die genaue Anzahl der Messfelder aus). Diese Kombination erlaubt es ihr, fast genauso präzise wie ihre analogen EOS-Schwestern zu arbeiten. Und das ist nicht nur Wunsch, sondern auch Wirklichkeit. Im E-TTL-Blitzbetrieb (der immer noch ein E-TTL-kompatibles Blitzgerät voraussetzt) ist der Unterschied in der Bildqualität zwischen der PowerShot G1 und der PowerShot G2 wie zwischen Tag und Nacht. Kämpfte die G1 besonders im Nahbereich mit Überblitzungseffekten und verlaufenen Hintergründen, ist die Abstimmung zwischen Dauerlicht und Blitzlicht bei der G2 nahezu perfekt. Ganz deutlich wird dies, wenn man vom Langzeitsynchronisationsmodus des Blitzes Gebrauch macht (zu diesem Zweck verfügt die Kamera über ein spezielles Nacht-Programm). Motive im Vordergrund werden durch das Blitzlicht sauber ausgeleuchtet, während das Dauer- bzw. Restlicht im Hintergrund, und damit die natürliche Lichtstimmung, erhalten bleibt. Selbst im Makro-Modus (wo die G2 wie die G1 bis auf 6 cm an das Motiv heranfokussieren kann) lässt sich die G2 kaum zu Überblitzeffekten fehlleiten. Und Feinkorrekturen in der Dosierung des Blitzlichtes sind immer noch – dank Blitzbelichtungskorrektur – möglich. Canon PowerShot G2 Rückseite mit aufgeklapptem Display [Foto: MediaNord] Galt der Blitz lange als "Stimmungstöter", muss man dieses Vorurteil bei der PowerShot G2 und den analogen EOS-Kameras stark abschwächen. Passé ist auch der bei der G1 befürchtete Graustich bei Hauttönen auf Blitzbildern. Die G2 stellt Hauttöne korrekt dar; eine Rosa-Schweinchen-Haut sieht nicht mehr wie ein grau-blasses Zombie-Teint aus. Das ist nicht zuletzt der neuen Weißabgleich-Voreinstellung für Blitzlicht (die die G1 nicht hatte) der G2 zu verdanken.

Aber auch beim Fotografieren ohne Blitzlicht machen die Matrixmessung und der Mehrpunkt-Autofokus der G2 den Bildern alle Ehre. Die Matrixmessung führt selbst bei kontrastreichen Motiven bzw. Motiven mit ungleichmäßiger Lichtverteilung zu korrekt belichteten Bildern; da ließ sich die mittenbetonte Integralmessung der G1 öfter in die Irre führen. Da die Matrixmessung bei der G2 zusätzlich zur mittenbetonten Integralmessung und der Spotmessung einbebaut wurde, stehen die beiden anderen Belichtungsmessarten dem Anwender bei Bedarf weiterhin zur Verfügung. Eine ausgesprochen nützliche Sache ist natürlich auch der 3-Punkt-Autofokus. Damit wird es möglich, auch Motive scharf zu stellen, die sich nicht unbedingt in der Bildmitte befinden. Allerdings leider nur per "Handarbeit": Im Normalzustand ist das mittlere AF-Feld aktiviert. Will man auf das links oder rechts angrenzende AF-Feld zurückgreifen, muss man die entsprechende Taste zur Wahl des AF-Feldes drücken und mit der Cursor-Wippe das gewünschte AF-Feld anwählen. Bei den analogen EOS-Kameras, bei der Konkurrenz (gemeint ist die Nikon Coolpix 990/995) sowie auch mit der hauseigenen PowerShot S30/S40 erfolgt die Wahl des AF-Punktes sowohl automatisch (die Kamera versucht festzustellen, wo sich das Hauptmotiv befindet) als auch bei Bedarf manuell. Es ist schon traurig festzustellen, dass eine PowerShot S40 so etwas kann, während die – immerhin 300 DM teurere – PowerShot G2 (auch wenn sie etwas früher als die PowerShot S40 auf den Markt gekommen ist) ohne automatische Wahl des AF-Feldes auskommen muss. Wünschenswert wären auch zusätzliche AF-Bereiche ober- und unterhalb der Bildmitte. Canon PowerShot G2 - rechte Kameraseite [Foto: MediaNord] Bei der Nikon Coolpix 990/995 sind es beispielsweise fünf kreuzförmig angelegte Messfelder zur Erfassung vertikaler und horizontaler Motive, bei der Casio QV-4000 sogar neun und bei der Minolta Dimage 5/7 lässt sich der Fokussierpunkt gar frei über das ganze Bildfeld hinweg auswählen. Der Autofokus der G2 holt also auf, aber ist noch keineswegs "Maß der Dinge". Nützlich ist aber auf jeden Fall die Möglichkeit, die Spotmessung mit dem aktiven AF-Feld zu kombinieren. Allerdings sollte man diese Option nur mit entsprechenden Vorkenntnissen benutzen, da der Umgang mit der Spotmessung gelernt sein will. Einen Kritikpunkt, den wir an der manuellen Fokussierung bei der G1 angemerkt hatten, hat Canon ebenfalls "weggebügelt": Der im LCD-Bildschirm eingeblendete Entfernungsbalken ist nun auch mit entsprechenden Entfernungsmarkierungen versehen. Außerdem wird nun der mittlere Bildausschnitt beim manuellen Fokussieren vergrößert, so dass man die Schärfe bequem kontrollieren kann.

Was hat die PowerShot G2 denn sonst noch so neues (hauptsächlich im Vergleich mit dem Vorgängermodell PowerShot G1) zu bieten und wie wirken sich die Neuerungen in der Praxis aus? Zuerst mal ist die Kamera durch geschwungenere Linien und durch ein hervorstehendes Griffteil nicht nur optisch ansprechender (die G1 bekam von uns den nicht gerade schmeichelnden Namen "Ziegelstein"), sondern auch griffiger. Die Handlage ist deutlich besser geworden, was u. a. die ruhige Haltung der Kamera bei verwacklungskritischen Verschlusszeiten verbessert. Dann ist da auch noch die Bildqualität. Die PowerShot G2 löst nicht nur höher auf (der 4 Megapixel-CCD liefert Bilder in einer Höchstauflösung von 2.272 x 1.704 Bildpunkten), sondern filtert die einzelnen Pixel statt durch ein CYGM-Filter jetzt durch ein Bayer-RGB-Mosaikfilter. CYGM-Filter haben zwar den Vorteil der besseren Lichtausbeute, bei der Farbwiedergabe bzw. der Farbtreue hat aber das Bayer-RGB-Filtersystem die Nase vorn. Konnte die G1 bereits Bilder im RAW-Format, d. h. reine CCD-Rohdaten speichern, tut dies die G2 auf Wunsch ebenfalls, aber diesmal mit 10 Bit anstatt 8 Bit wie bei der G1. Canon PowerShot G2 - linke Kameraseite [Foto: MediaNord] Das bedeutet, dass jedes einzelne Pixel nicht mehr 256 (2 hoch 8), sondern gleich 1.024 (2 hoch 10) Informationswerte liefert. Das spricht wiederum für eine verbesserte Bildqualität. Das RAW-Bildspeicherungsformat ist überhaupt eine feine Sache: Es benötigt weniger Speicherplatz als TIFF (bei der G2 belegt ein RAW-Bild typischerweise ca. 3 MByte), arbeitet aber wie TIFF verlustfrei. Darüber hinaus erfolgt die Aufbereitung der Bilder im Computer. Die erforderliche Software liegt der Kamera bei, ebenso wie ein Softwareprogramm zur nachträglichen Umwandlung der RAW- in TIFF- oder Bitmap-Bilder. So kann man im nachhinein mit Bildeinstellungen, wie u. a. Weißabgleich, Scharfzeichnung und Farbwiedergabe, experimentieren und greift dabei auf den vollen 10-Bit-Bilddatenumfang zu.

Desweiteren kann die G2 nun etwas länger belichten (bis zu 15 Sekunden anstatt wie bei der G1 bis zu 8 Sekunden), wobei bereits seit der G1 bei längeren Belichtungszeiten ein Rauschunterdrückungsalgorithmus automatisch in Aktion tritt, sobald die Verschlusszeit länger als 1,3 Sekunden beträgt. Doch selbst bei Nachtaufnahmen mit kürzeren Verschlusszeiten ist so gut wie kein Bildrauschen auf den Bildern zu erkennen. Unser Beispielbild wurde freihand mit 1/10 Sekunden aufgenommen; von der leichten Bewegungsunschärfe mal abgesehen ist das Bild "sauber". Neu hinzugekommen ist auch die Möglichkeit, zwischen zwei verschiedenen Serienbildmodi zu wählen: Im Standard-Serienbildmodus nimmt die Kamera 1,5 Bilder pro Sekunde (in der Praxis erreichten wir 1,3 Bilder pro Sekunde)auf; im Highspeed-Serienbildmodus steigt die Bildfolgerate auf 2,5 Bilder pro Sekunde (wir erreichten sogar 2,7 Bilder pro Sekunde).

Canon PowerShot G2 [Foto: MediaNord]Zu guter Letzt besitzt die G2 noch ein Feature, von dem bei der G1 immer noch nicht klar ist, ob es per Firmware-Update nachgerüstet werden kann. Die Rede ist von der DirectPrinting-Funktion von Canon, mit der man – ohne Umweg über einen Computer – DirectPrinting-kompatible Drucker zur Ausgabe seiner Fotos bewegen kann. Zur Zeit kommt dafür nur der Miniatur-Thermosublimationsdrucker CP-10 infrage, ab Februar 2002 dann zusätzlich der Foto-Tintenstrahler S820D. Ansonsten bietet die PowerShot G2 alles, was man auch an der G1 zu schätzen gelernt hat. So zum Beispiel das dreh- und schwenkbare LCD-Display, den leistungsstarken BP-511 Lithiumionenakku (eine Akkuladung reicht bei der G2 für ca. 300-330 Bilder), den Stitch-Assistenten (zur möglichst nahtlosen Zusammenfügen von mehreren Einzelbildern zu einem Panoramabild), die Speicherung auf CompactFlash-Wechselspeicherkarten des Typs I und II (inkl. Microdrive) und die Möglichkeit, mit Ton unterlegte Videosequenzen aufzunehmen.

Canon PowerShot G2 - Unterseite [Foto: MediaNord]Gibt es denn bei allen Verbesserungen an der G2 (im Vergleich zur G1) überhaupt noch etwas an der Kamera zu kritisieren? Kaum etwas. Jedenfalls nichts, was richtig ins Gewicht fällt. Die PowerShot G2 fokussiert und belichtet anständig und die Bedienung lässt kaum etwas zu wünschen übrig. Das Objektiv der G2 ist nicht besser und auch nicht schlechter als das der G1, der Sony DSC-S75/85 oder der Casio QV-3000/3500/4000; kein Wunder, denn schließlich handelt es sich um das gleiche Objektiv. Lediglich das immer noch etwas zu linksbündig platzierte Stativgewinde und die immer noch nicht sehr feinfühlige Brennweitenverstellung (in beiden Fällen hat sich im Vergleich zur G1 nichts verbessert) könnte sich Canon bei Gelegenheit nochmals vornehmen. Unter dem Strich ist aber die PowerShot G2 eine der zur Zeit besten Digitalkameras auf dem Markt und stellt die PowerShot G1 nicht nur von der Auflösung her komplett in den Schatten. In einigen Punkten, wie z. B. dem Autofokus, besteht im Vergleich zur Konkurrenz und zu Kameras aus dem eigenen Hause noch ein wenig Nachholbedarf. In anderen Punkten wie z. B. der Blitzbelichtungsmessung und -steuerung setzt die G2 neue Maßstäbe. Die Canon PowerShot G2 ist aber auf jeden Fall hundertprozentig praxistauglich und sollte selbst den Ansprüchen von Kleinbildkamera-Umsteigern und/oder ambitionierten Fotografen gerecht werden. Selbst Vollblutprofis könnten in Versuchung geraten, die G2 als kleine und leichte Zweitkamera im Gepäck mitzunehmen. Canon hat mit der PowerShot G2 seine "Hausaufgaben" diesmal richtig gemacht und so verdient die G2 uneingeschränkten Beifall.

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