Spiegelreflexkamera, Systemkamera

Testbericht: Canon EOS 750D und 760D

2015-11-10 Mit der EOS 750D und der EOS 760D hält Canon gleich zwei nahezu identische Modelle im Hobby-DSLR-Bereich bereit, die sich aber im Bedieninterface voneinander unterscheiden. Auch vom 18-Megapixel-Sensor verabschiedet Canon sich und zieht mit einem eigenen 24-Megapixel-Sensor mit der Konkurrenz gleich. Zudem soll dank neuen Phasen-AF-Sensoren auf dem Sensor der Live-View-Autofokus endlich schneller werden. Die beiden DSLRs versprechen also viel, ob sie es halten können, zeigt der Test.  (Benjamin Kirchheim)

Ergonomie und Verarbeitung

So gleich und doch so verschieden geben sich die beiden Hobby-DSLRs Canon EOS 750D und 760D. Die Gehäuse bestehen aus gut verarbeitetem Kunststoff, der einen ordentlichen, aber nicht ausgesprochen hochwertigen Eindruck macht. Großzügige Gummierungen an der Daumenmulde, dem Handgriff sowie der linken Gehäuseseite sorgen für den nötigen Halt in einer oder zwei Händen. Wobei Handgriff und Daumenmulde für mitteleuropäische Hände gerne besser ausgeprägt sein dürften. SD-Speicherkarte und Lithium-Ionen-Akku werden in getrennten Fächern entnommen, was vor allem bei Verwendung eines Stativs einen leichten Zugriff auf die Speicherkarte bedeutet. Das Metallstativgewinde sitzt ohnehin ordnungsgemäß in der optischen Achse, nicht allzu große Stativwechselplatten gewähren sogar den Zugriff auf den Akku, der für 440 Bilder nach CIPA-Standard reicht. Wieder ein solider Wert, der aber von Rekorden weit entfernt liegt. Dank einer herausnehmbaren Aussparung am Akkufach lässt sich ein Dummy mit Kabelstromversorgung betreiben. Zudem bietet das Akkufach, die Plastikklappe lässt sich einfach entfernen, Anschlüsse für einen Multifunktionsgriff.

  • Bild Die Canon EOS 750D und EOS 760D sind aus gut verarbeitetem, aber nicht überbordend hochwertig wirkendem Kunststoff gefertigt. [Foto: MediaNord]

    Die Canon EOS 750D und EOS 760D sind aus gut verarbeitetem, aber nicht überbordend hochwertig wirkendem Kunststoff gefertigt. [Foto: MediaNord]

  • Bild Auf der Rückseite verfügen die Canon EOS 750D und 760D über einen dreh- und schwenkbaren Touchscreen. Dieser misst 7,5 Zentimeter in der Diagonalen und löst knapp eine Million Bildpunkte auf. [Foto: MediaNord]

    Auf der Rückseite verfügen die Canon EOS 750D und 760D über einen dreh- und schwenkbaren Touchscreen. Dieser misst 7,5 Zentimeter in der Diagonalen und löst knapp eine Million Bildpunkte auf. [Foto: MediaNord]

  • Bild Im Gegensatz zur 750D verfügt die Canon EOS 760D auf der Rückseite über ein zweites Einstellrad sowie einen Näherungssensor am Sucher, der das Display aber nur ohne aktiviertes Live-View abschaltet. [Foto: MediaNord]

    Im Gegensatz zur 750D verfügt die Canon EOS 760D auf der Rückseite über ein zweites Einstellrad sowie einen Näherungssensor am Sucher, der das Display aber nur ohne aktiviertes Live-View abschaltet. [Foto: MediaNord]

Apropos Anschlüsse: Diese liegen allesamt auf der linken Gehäuseseite. Neben einem Kabelfernauslöser lässt sich ein externes Stereomikrofon anstöpseln, die Mini-HDMI-Buchse sowie der USB-Anschluss sind fast schon obligatorisch. Auch dass sich der rückwärtige Bildschirm zur Seite schwenken und um 270 Grad drehen lässt, ist man von Canons dreistelliger DSLR-Serie bereits längst gewohnt. Es handelt sich um den üblichen 7,5 Zentimeter großen Touchscreen mit rund einer Million Bildpunkten Auflösung. Bis auf die Ablesbarkeit in extrem grellen Lichtsituationen macht der Bildschirm einen hervorragenden Eindruck. Dank der Beweglichkeit lässt er sich zudem verkehrt herum an die Kamera anklappen. Bei der 750D ist dies jedoch weniger zu empfehlen, wird der Bildschirm doch als Info-Display benötigt. Die 760D indes besitzt ein zusätzliches Info-Display auf der Oberseite, das sogar im Dunkeln über die wichtigsten Aufnahmeeinstellungen sowie den Akkuladestand informiert, da es per Taste beleuchtbar ist.

Die Menüs stellen Canon-Kenner vor keine Rätsel. Der japanische Hersteller arbeitet mit Registerkarten und verzichtet auf vertikales Scrollen, was das Durchblättern langer Menülisten erspart. Dafür ist das Individualmenü etwas versteckt, überhaupt arbeitet Canon bei einigen, weiterführenden Einstellungen mit Untermenüs, etwa bei der Blitzsteuerung. Gerade letztere ist durchaus nicht besonders übersichtlich geraten, was den zahlreichen Einstellmöglichkeiten geschuldet ist. In den Kreativprogrammen gibt es zudem ein Menü, das sich individuell mit bevorzugten Menüpunkten füllen lässt. Ein Quick-Menü gewährt den Zugang zu Einstellungen, die nicht über eine der zahlreichen Tasten erreichbar sind, das Hauptmenü muss also nur für tiefergreifende Grundeinstellungen herhalten. Wer mag, kann dieses alternativ zur Tastenbedienung auch über den Touchscreen aufrufen und bedienen.

Der optische Sucher ist bei einer DSLR nach wie vor das bevorzugte Instrument zur Bildkomposition, arbeitet er doch stromsparend, ist auch bei grellem Umgebungslicht verwendbar und bietet vor allem den schnelleren Autofokus. Im Gegensatz zur 750D verfügt die 760D über einen Näherungssensor am Sucher, der praktischerweise den Bildschirm abschaltet. Wenn man hingegen bei aktiviertem Live-View die 760D ans Auge nimmt, wird der Bildschirm nicht abgeschaltet, der Sucher bleibt durch den hochgeklappten Spiegel dunkel. Um einen "echten" automatischen Umschalter zwischen Live-View und Spiegelreflexsucher handelt es sich also leider nicht. Der einfach aufgebaute Sucher mit einer Spiegelkonstruktion anstelle eines Pentaprismas fällt leider recht klein aus, im Kleinbildäquivalent bietet er lediglich eine 0,5-fache Vergrößerung. Die mit 19 Millimetern kleine Austrittspupille stellt zudem Brillenträger vor das Problem, dass die Sucherecken deutlich abschatten, da man nicht nahe genug an den Sucher kommt. Die Dioptrinkorrektur fällt ebenfalls recht bescheiden aus. So richtig Freude kommt beim Blick durch den Sucher also nicht auf, aber man kann damit arbeiten.

Etwas unglücklich gelöst ist der Einschalthebel, der jeweils unter dem Programmwählrad sitzt. Die mittlere Einstellung ist zum Fotografieren, während der Ausschaltzustand und der Videomodus die Endanschläge darstellen. So schwer, wie der Schalter sich bewegt, aktiviert man im Eifer des Gefechts schonmal den Videomodus, statt in den Fotomodus zu gehen. Die Programmwahlräder der 750D und 760D unterscheiden sich übrigens leicht. Sie sitzen an verschiedenen Stellen, sind beide aber gut erreichbar. Die 760D bietet zudem eine Verriegelung gegen versehentliches Verstellen, obwohl dies auch bei der 750D dank der Schwergängigkeit und des ordentlichen Rastens gegeben ist. Bei der 750D kommt man fast komplett mit einer einhändigen Bedienung aus, nur der Menü- sowie der Infoknopf sorgen dafür, dass sich die linke Hand nicht überflüssig fühlt. Die 760D trumpft indes mit einem zweiten Einstellrad auf. Wer die kleine APS-C-DSLR als Zweitkamera zu einer größeren DSLR betriebt oder aber die 760D als alleinige Kamera und das fortgeschrittene Bedieninterface der 70D aufwärts bevorzugt, wird mit der 760D sicherlich mehr Freude haben als mit der 750D.

  • Bild Das Programmwählrad der Canon EOS 750D sitzt auf der rechten Schulter und kommt dank der festen Rastung ohne Arretierungsknopf aus. [Foto: MediaNord]

    Das Programmwählrad der Canon EOS 750D sitzt auf der rechten Schulter und kommt dank der festen Rastung ohne Arretierungsknopf aus. [Foto: MediaNord]

  • Bild Bei der Canon EOS 760D musste das Programmwählrad dem beleuchtbaren Info-Display weichen. Zudem will sie mit der automatischen Blockierung gegen versehentlichen Aufnahmeprogrammwechsel mehr Professionalität versprühen. [Foto: MediaNord]

    Bei der Canon EOS 760D musste das Programmwählrad dem beleuchtbaren Info-Display weichen. Zudem will sie mit der automatischen Blockierung gegen versehentlichen Aufnahmeprogrammwechsel mehr Professionalität versprühen. [Foto: MediaNord]

Ausstattung

Bei der Ausstattung geben sich die beiden Schwestern wieder nahezu identisch. Wir konnten nur einen Unterschied feststellen: Während die 760D immerhin über eine einfache Wasserwaage für die horizontale (nicht aber für die vertikale) Ausrichtung verfügt, fehlt diese bei der 750D. Ansonsten bieten beide Modelle für Einsteiger sowie diejenigen, die sich nicht mit der Technik auseinandersetzen mögen, entsprechende Automatikmodi von der Vollautomatik mit Motiverkennung bis hin zu wählbaren Motivprogrammen. Sogar im Live-View lassen sich die beiden DSLRs ganz gut verwenden, denn dem Autofokus hat Canon endlich auf die Sprünge geholfen. Die Auslöseverzögerung ist, egal ob im Live-View oder bei Verwendung des Spiegelsuchers, mit unter 0,1 Sekunden gleich schnell. Das liegt vor allem daran, dass der Spiegel im Gegensatz zu den meisten ersten DSLRs mit Live-View vor der Auslösung nicht noch einmal herunterklappt. Nebenbei sorgt das sogar für eine leisere Auslösung im Live-View verglichen mit dem klassischen Sucher, da der Spiegelschlag entfällt. Der mechanische Verschluss sorgt aber auch für eine hörbare Geräuschkulisse.

Kommt der Autofokus hinzu, spielt der Sucher wieder seine Vorteile aus. Nach maximal 0,4 Sekunden ist das Motiv fokussiert und aufgenommen, während im Live-View die doppelte Zeit vergeht. Verglichen mit den Vorgängermodellen, die sich im Live-View teilweise sekundenlang mit dem Fokussieren quälten, ist dies aber ein riesiger Schritt nach vorn. Auch die Fokusnachverfolgung während einer Videoaufnahme funktioniert nun besser, obschon spiegellose Kameras hier deutlich schneller sind. Die Domäne der DSLR ist und bleibt der verzögerungs- und pixelfreie Spiegelsucher.

Apropos Video: Die 750D und 760D nehmen maximal in Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel) bei lediglich 25 Bildern pro Sekunde auf. Schaltet man auf HD-Auflösung (1.280 x 720 Pixel) herunter, sind wahlweise auch 50 Bilder pro Sekunde möglich. Mit einem kleinen Trick gelangt man jedoch an weitere Bildwechseleinstellungen: Schaltet man in den Einstellungen das Videosystem von PAL auf NTSC um, so stehen in Full-HD-Auflösung 30p und 24p zur Verfügung, bei HD 30p und 60p sowie bei VGA 30p. Der Tonpegel der Videos lässt sich auf Wunsch manuell aussteuern, auch einen zuschaltbaren Windfilter gibt es. Anstelle des internen Stereomikrofons kann zudem auch ein externes angeschlossen werden. Auch die Motiv- sowie Kreativprogramme P, A, S und M stehen zur Auswahl, sodass der Videograf, genauso wie der Fotograf, Einfluss auf Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit nehmen kann. Bei manuellem Fokus steht allerdings lediglich eine Fokuslupe zur Verfügung, die moderne wie nützliche Funktion des Fokuspeakings fehlt.

Bei Serienbildaufnahmen kann der Fotograf von Bildwiederholfrequenzen wie 25 oder gar 50 Bildern pro Sekunde freilich nur träumen. Fünf Serienbilder pro Sekunde verspricht Canon. Ein Versprechen, das die 750D und 760D in der Praxis nicht ganz einhalten können. Um die 4,6 Serienbilder pro Sekunde schaffen sie, wobei in Raw bereits nach wenigen Aufnahmen die Geschwindigkeit einbricht. Interessanterweise schafft die 750D ein Bild mehr mit hoher Geschwindigkeit in Raw (sieben statt sechs), während die 760D in JPEG drei Bilder mehr schafft (19 statt 16). Auch im anschließenden Dauerlauf ist die 750D bei Raws mit identischer Speicherkarte leicht schneller, die 760D hingegen bei JPEGs.

  • Bild Zum Test fanden sich die Canon EOS 750D und die 760D mit dem EF-S 18-135 mm IS STM ein, das im Set mit der 750D erhältlich ist. Die 760D hingegen wird von Canon nur ohne Objektiv angeboten. [Foto: MediaNord]

    Zum Test fanden sich die Canon EOS 750D und die 760D mit dem EF-S 18-135 mm IS STM ein, das im Set mit der 750D erhältlich ist. Die 760D hingegen wird von Canon nur ohne Objektiv angeboten. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die zahlreichen Schnittstellen der Canon EOS 750D bzw. 760D sitzen auf der linken Gehäuseseite hinter Gummikappen. [Foto: MediaNord]

    Die zahlreichen Schnittstellen der Canon EOS 750D bzw. 760D sitzen auf der linken Gehäuseseite hinter Gummikappen. [Foto: MediaNord]

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Die Canons besitzen einen integrierten Pop-Up-Blitz, der in den Motivprogrammen sogar automatisch aufspringen kann, sobald die Automatik meint, dass das Blitzlicht nützlich wäre. In den Kreativprogrammen muss der Fotograf den Blitz mittels Knopfdruck selbst ausklappen. Bei aktiviertem Blitz und geringem Umgebungslicht wird übrigens das Autofokus-Hilfslicht in Form sehr unschöner Blitzsalven aktiv, die verbaute LED an der Kameravorderseite hingegen dient nur als Indikator beispielsweise bei Selbstauslöseraufnahmen. Glücklicherweise lässt sich die Blitzsalve als Autofokushilfslicht in den Tiefen des Hauptmenüs deaktivieren. Wem frontal totgeblitzte Motive mit Schlagschatten und womöglich roten Augen zu langweilig sind, der kann auf dem TTL-Blitzschuh einen externen Blitz von Canon oder einen kompatiblen verwenden. Noch interessanter wird es, wenn der oder die externen Blitzgeräte drahtlos per TTL ferngesteuert werden – das funktioniert sogar mit dem internen Blitz als Steuergerät, ein zusätzliches Steuergerät wird also nicht auf der Kamera benötigt.

Je nach Programm erlaubt die Canon eine Anpassung der Bildparameter. Neben diversen Vorgaben, die sich allesamt individuell in Kontrast, Farbe etc. anpassen lassen, gibt es auch Speicherplätze für individuelle Einstellungen. Auch Filtereffekte wie Weichzeichner oder Fisheye fehlen nicht. Im Wiedergabemodus wiederum lassen sich JPEG-Bilder nachträglich mit Filtereffekten, etwa Spielzeugkamera oder körniges Schwarzweiß, versehen. Dies ist auch die einzige Möglichkeit, Raw-Bilder in der Kamera in ein JPEG zu wandeln, denn die Filter lassen sich auch bei Raw-Bildern verwenden, das Ergebnis wird als neues Foto gespeichert. Nützlich ist vor allem die Möglichkeit, Bilder noch in der Kamera zu bewerten und so eine Vorauswahl für die spätere Bildbearbeitung am PC zu treffen, ohne auf den ersten Blick weniger gut geratene Bilder löschen zu müssen.

Wer möchte, kann die Fotos auch per WLAN an kompatible Geräte versenden. Dies kann etwa ein Smartphone oder Tablet, das mit der passenden Canon-App ausgestattet ist, sein. Die App gibt es kostenlos für iOS und Android. Sie erlaubt auch die Fernsteuerung der Kamera inklusive Livebildübertragung und allerlei Einstellungen direkt auf dem Bildschirm des Smartgeräts. Wer seine Canon hingegen lieber an der Kamera selbst zur Aufnahme konfigurieren möchte, kann sie trotzdem fernauslösen, wenn das passende Kabel verwendet wird.

Bildqualität

Was die Canon EOS 750D und 760D bei der Bildqualität leisten, mussten sie vor allem im digitalkamera.de-Labor unter Beweis stellen. Der jeweilige ausführliche Labortest, auf dem die folgenden Betrachtungen beruhen, ist gegen ein kleines Entgelt über die weiterführenden Links erreichbar. Die kostenpflichtigen Labortests enthalten viele ausführliche Diagramme und Erläuterungen dazu. Zwar weisen die Tests der beiden Modelle mit demselben Objektiv minimale Abweichungen auf, diese sind jedoch so gering, dass wir die Kameras im Folgenden gemeinsam betrachten. Der Labortest erfolgte jeweils mit dem 18-135 mm STM, das Canon auch im Set mit der EOS 750D anbietet. Die 760D hingegen wird nur ohne Objektiv verkauft.

  • Bild Akku und SD-Speicherkarte werden bei der Canon EOS 750D und 760D jeweils getrennt voneinander entnommen. So kommt man besonders einfach an die Speicherkarte heran. [Foto: MediaNord]

    Akku und SD-Speicherkarte werden bei der Canon EOS 750D und 760D jeweils getrennt voneinander entnommen. So kommt man besonders einfach an die Speicherkarte heran. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der APS-C-Sensor der Canon EOS 750D und 760D ist neu: Er löst nun 24 Megapixel auf und bietet Phasen-Autofokus-Sensor, die dem Live-View-Autofokus ordentlich auf die Sprünge helfen. [Foto: MediaNord]

    Der APS-C-Sensor der Canon EOS 750D und 760D ist neu: Er löst nun 24 Megapixel auf und bietet Phasen-Autofokus-Sensor, die dem Live-View-Autofokus ordentlich auf die Sprünge helfen. [Foto: MediaNord]

Typisch für ein Objektiv mit größerem Zoomfaktor zeigt das 18-135mm eine hohe Verzeichnung, die am kurzen Brennweitenende mit drei Prozent stark tonnenförmig sowie bei mittlerer und langer Brennweite mit 1,5 Prozent stark kissenförmig ausfällt. Diese Verzeichnungen wirken je nach Motiv stark störend. Auch eine Randabdunklung tritt je nach Blendenöffnung und Brennweite in den Ecken sichtbar in Erscheinung. Am stärksten fällt sie jeweils bei Offenblende auf. Insbesondere im Weitwinkel ist sie etwas kräftiger und bleibt auch bei deutlichem Abblenden stärker erhalten als bei längeren Brennweiten. Unschön fallen darüber hinaus die sichtbaren Farbsäume auf. Sie sind im Weitwinkel vor allem am Bildrand sowie in Telestellung, dort auch weiter zum Bildzentrum hin, deutlich sichtbar. Nur bei mittlerer Brennweite fallen die Farbsäume etwas geringer aus, sind aber dennoch sichtbar. Die Korrektur optischer Fehler gehört also nicht zur Stärke des Objektivs. Schaltet man hingegen die elektronische Korrektur in der Kamera hinzu, die werksseitig abgeschaltet ist, verringern sich diese optischen Fehler in den JPEG-Aufnahmen. Auch die Raws lassen sich mit entsprechenden Bildbearbeitungsprogrammen korrigieren.

Bei der Auflösung bei 50 Prozent Kantenkontrast werden bis zu 50 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) erreicht. Das ist eine gute Auflösung, aber auch kein Rekord für einen 24-Megapixler. Canon war einst bekannt für seine aggressive Bildaufbereitung, doch die ist inzwischen viel zurückhaltender als bei anderen Herstellern geworden, die eine Auflösung von 50 lp/mm auch schon aus 16-Megapixel-Sensoren herauskitzeln. Dafür fallen die Schärfungsartefakte bei der 750D und 760D nicht so stark aus. Die höchste Auflösung erreicht das 18-135mm bei kurzer und mittlerer Brennweite, jeweils um zwei Stufen abgeblendet. Die Teleauflösung fällt insgesamt etwas geringer aus, erreicht mit maximal 45 lp/mm aber auch noch gute Werte. Beim 18-135mm muss man allerdings mit einem hohen Auflösungsverlust zum Bildrand hin leben, der vor allem im Weitwinkel stark und damit sichtbar ausfällt. Am geringsten ist der Verlust an Auflösung zum Bildrand hin bei mittlerer Brennweite, insbesondere abgeblendet ist fast kein Unterschied mehr zur Bildmitte auszumachen.

Der Signal-Rauschabstand erreicht bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten einen guten Wert von über 40 dB, sackt jedoch bereits bei ISO 400 leicht darunter. Ab ISO 1.600 wird der Messwert mit knapp unter 35 dB bereits kritisch. Ab diesem Empfindlichkeitswert wird auch Helligkeitsrauschen leicht sichtbar. Es nimmt mit jeder weiteren ISO-Stufe zu und wird ab ISO 12.800 dominant. Das Farbrauschen hat Canon dagegen gut im Griff. Trotz des zunehmenden Rauschens bei höheren Empfindlichkeiten, das auf eine nicht zu starke Rauschunterdrückung schließen lässt, nehmen die Bilddetails hier stark ab. Bei ISO 400 ist ein leichter Verlust messbar, bei ISO 1.600 wird der Detailverlust bereits leicht sichtbar, bei noch höheren Empfindlichkeiten gehen deutlich Bilddetails verloren. Auch bei der Eingangsdynamik bekleckert sich Canon nicht mit Ruhm. Zwar ist diese bis ISO 1.600 mit knapp über zehn Blendenstufen gut, sackt dann aber rapide ab. Bei ISO 6.400 sind es nur noch neun Blendenstufen und bei der höchsten Empfindlichkeit von ISO 25.600 lediglich 7,5.

Die Tonwertkurve verläuft angesteilt, die Bilder wirken kontrastreich. Die Messung des Ausgangs-Tonwertumfangs zeigt jedoch, dass Canon bei höheren Empfindlichkeiten rapide an feinen Helligkeitsabstufungen verliert. Während bei ISO 100 und 200 noch über 224 von 256 möglichen Abstufungen bei 8 Bit erreicht werden und auch der Wert von über 192 Stufen bei ISO 400 noch im guten Bereich liegt, sinkt der Wert darüber rasch ab. Bis ISO 1.600 sind es aber immerhin noch akzeptable 128 oder mehr Abstufungen. Bei ISO 6.400 sind es jedoch nur noch unter 96 und bei höchster Empfindlichkeit gar nur noch 64 von ursprünglich 256 Helligkeitsstufen. Bei der tatsächlichen Farbtiefe sieht es immerhin bis ISO 3.200 gut aus, aber auch hier sackt der Wert bei höheren Empfindlichkeiten stark ab. Immerhin werden die meisten Farben recht genau wiedergegeben, größere Abweichungen zeigen sich lediglich im Bereich von Rot bis Magenta. Gelb-, Grün-, Blau- und Lilatöne werden dagegen sehr exakt wiedergegeben. Auch der Weißabgleich arbeitet sehr zufriedenstellend, insbesondere manuell gesetzt, wie im Labortest, arbeitet er tadellos.

  • Bild Hätte Canon den Akku im Handgriff untergebracht, wäre der Abstand zum Stativgewinde größer. Aber auch so reicht dieser bei der Canon EOS 750D und 760D zumindest bei der Verwendung kleiner Stativwechselplatten aus. [Foto: MediaNord]

    Hätte Canon den Akku im Handgriff untergebracht, wäre der Abstand zum Stativgewinde größer. Aber auch so reicht dieser bei der Canon EOS 750D und 760D zumindest bei der Verwendung kleiner Stativwechselplatten aus. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Handgriff der Canon EOS 750D und 760D ist großzügig und griffig gummiert, könnte aber gerne für mehr Halt etwas größer ausfallen. [Foto: MediaNord]

    Der Handgriff der Canon EOS 750D und 760D ist großzügig und griffig gummiert, könnte aber gerne für mehr Halt etwas größer ausfallen. [Foto: MediaNord]

Ihre höchste Bildqualität erreichen die Canon EOS 750D und 760D bei ISO 100 und 200, aber auch bei ISO 400 sind die Einbußen gering. Bis ISO 1.600 bleibt die Bildqualität akzeptabel gut, darüber jedoch zeigen sich deutliche Einschränkungen. Insbesondere bei höheren ISO-Empfindlichkeiten erreichen die Canons nicht ganz das Niveau der DSLR-Konkurrenz sowie der spiegellosen Systemkameras mit 24 Megapixel auflösendem APS-C-Sensor.

Fazit

Mit der EOS 750D und 760D teilt Canon seine Hobby-DSLR-Klasse in nunmehr zwei sehr ähnliche Schwestermodelle auf, was die Kaufentscheidung nicht gerade vereinfacht. Wer gerne öfter mal manuelle Einstellungen vornimmt, ist mit der 760D aber vor allem dank der zwei Einstellräder und des Info-Displays besser beraten. Somit ist diese Kamera auch eine sinnvolle Erweiterung der dreistelligen Serie von Canon. Ansonsten glänzen die beiden Modelle eher mit ihrer Ausgewogenheit denn mit Highlights. Sie bieten von der Ausstattung, Geschwindigkeit und Verarbeitung sowie bei der Ergonomie ein gutes Gesamtpaket, ohne sich besonders aus der (verbliebenen) Masse der Hobby-DSLRs hervorzutun. Der neue 24-Megapixel-Sensor liefert eine gute Bildqualität mit hoher Auflösung, bei hohen Empfindlichkeiten jenseits von ISO 1.600 jedoch hinkt Canon der Konkurrenz in Sachen Bildqualität leicht hinterher.

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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
HerstellerCanon
ModellEOS 750D
SensorCMOS APS-C 22,5 x 15,0 mm (Cropfaktor 1,6)
24,7 Megapixel (physikalisch)
24,2 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch3,7 µm
Auflösung (max.)5.328 x 4.000 (4:3)
Video (max.)1.920 x 1.080 30p
ObjektivCanon EF-S 18-135 mm 3.5-5.6 IS STM (Zoom-Objektiv)
SpiegelreflexsucherSpiegelsucher, 95 Prozent Bildfeldabdeckung, 0,82-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,51-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), 19 mm Augabstand, Dioptrienkorrektur von -3,0 bis 1,0 dpt, fest verbaute Mattscheibe
Monitor3,0" (7,7 cm)
  Auflösung1.040.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbarja
  schwenkbarja
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Mini (Typ C)
Vollautomatikja
Motivautomatikja
Motivprogramme12
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionnein
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung (63 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/4.000 s
Blitzeingebauter Blitz
  Synchronzeit1/200 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Canon, Standard-Mittenkontakt
WLANja
NFCja
GPSextern, kabelgebunden oder Aufsteck-Empfänger
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Infrarotauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I)
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-6.400
  manuellISO 100-25.600
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabe
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder19 Kreuzsensoren
  GeschwindigkeitPhasen-Autofokus: 0,24 s bis 0,36 s
Live-View-Autofokus: 0,64 s bis 1,04 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen133 x 100 x 79 mm
Gewicht (betriebsbereit)550 g (nur Gehäuse)
1.010 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit440 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
Steckbrief
HerstellerCanon
ModellEOS 760D
SensorCMOS APS-C 22,5 x 15,0 mm (Cropfaktor 1,6)
24,7 Megapixel (physikalisch)
24,2 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch3,7 µm
Auflösung (max.)5.328 x 4.000 (4:3)
Video (max.)1.920 x 1.080 30p
ObjektivCanon EF-S 18-135 mm 3.5-5.6 IS STM (Zoom-Objektiv)
SpiegelreflexsucherSpiegelsucher, 95 Prozent Bildfeldabdeckung, 0,82-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,51-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), 19 mm Augabstand, Dioptrienkorrektur von -3,0 bis 1,0 dpt, fest verbaute Mattscheibe
Monitor3,0" (7,7 cm)
  Auflösung1.040.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbarja
  schwenkbarja
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Mini (Typ C)
Vollautomatikja
Motivautomatikja
Motivprogramme10
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionnein
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung (63 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/4.000 s
Blitzeingebauter Blitz
  Synchronzeit1/200 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Canon, Standard-Mittenkontakt
WLANja
NFCja
GPSextern, kabelgebunden oder Aufsteck-Empfänger
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Infrarotauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I)
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-6.400
  manuellISO 100-25.600
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabe
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder19 Kreuzsensoren
  GeschwindigkeitPhasen-Autofokus: 0,25 s bis 0,39 s
Live-View-Autofokus: 0,63 s bis 0,86 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen132 x 101 x 78 mm
Gewicht (betriebsbereit)560 g (nur Gehäuse)
1.020 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit440 Aufnahmen (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • EOS 760D mit Infodisplay und zwei Einstellrädern
  • Geringe Auslöseverzögerung auch im Live-View
  • Gute Bildqualität mit hoher Auflösung bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten
  • Keine elektronische Wasserwaage in der 750D
  • Handgriff nicht ausgeprägt genug
  • Unglückliche Kombination des Ein-Aus-Schalters mit dem Videomodus
  • Oberhalb von ISO 1.600 etwas schlechtere Bildqualität als bei der Konkurrenz
  • Spiegelreflexsucher fällt ziemlich klein aus

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.