DxO Labs

Testbericht: DxO Labs DxO Optics Pro Elite Version 4.1 (mit DxO Filmpack)

2007-02-07 RAW-Dateien zu einem "Projekt" zusammenstellen, die Taste "Jetzt verarbeiten" drücken, dann bequem zurücklehnen oder gleich ans nächste Projekt gehen. So könnte ein typischer Arbeitsablauf mit dem RAW-Konverter DxO Optics Pro aussehen. Dabei werden nicht nur die üblichen Korrekturen vorgenommen, sondern mit DxO Optics Pro können auch kamera- und objektivspezifische Eigenarten bzw. Fehler ausgeglichen werden, sofern diese bei DxO Labs ausgemessen wurden und das entsprechende Modul für das SLR-Kameragehäuse wie auch das Objektiv zur Verfügung steht.  (Dr. Bernd Schäbler)

Ein "Projekt" wird erstellt [Foto: Dr. Bernd Schäbler]Gäbe es da noch ein Autoimport-Modul (wie bei Capture One von Phase One), hätte man in DxO Optics Pro einen bis auf wenige Mausklicks vollautomatischen Konvertierungs- und Korrekturvorgang vom Speicherkartentransfer bis zur Bildspeicherung auf Festplatte. Die Abfolge der Arbeitsschritte unterhalb der Menüleiste deutet ebenfalls an, dass der Arbeitsablauf – egal, ob mit vollautomatischen oder manuellen Korrekturschritten – wohldurchdacht ist. Zunächst müssen die Benutzer – und es kommen hier vor allem solche in Frage, die viele Bilddateien "auf einen Rutsch" verarbeiten und exzellente Ergebnisse erzielen wollen – aus den Dateien in verschiedenen Verzeichnissen eine Auswahl vornehmen, in der Sprache des Programms: ein "Projekt" erstellen und abspeichern. Zwei Spezifika sind hier bereits hervorzuheben; zum einen enthält eine solche abgespeicherte Projekt-Datei nur Querverweise auf die Originaldateien. Letztere werden weder verändert noch verschoben. Zum anderen ist DxO Optics unbedingt auf die in den intakten Originalen vorhandenen EXIF-Informationen angewiesen, damit kamera- sowie linsenspezifische Abweichungen verbessert werden können. Fehlen solche, wie etwa die Entfernungseinstellung bei Canons EOS 20D, zeigt das Programm dies an, und sie müssen auf einem Umweg – evtl. durch Stapelbildungen beschleunigt – manuell ergänzt werden. Bereits von hier aus kann man über zwei Schaltflächen entweder so genannte Voreinstellungen (vorgegebene oder vom Benutzer erstellte) für die spätere Bearbeitung und Speicherung der Bildauswahl hinzufügen oder über "Jetzt verarbeiten" einen automatischen Korrekturgang und die Abspeicherung als TIFF-, JPEG- oder DNG-Dateien initiieren.

DxO: Dateien werden in Stapeln zusammengefasst [Foto: Dr. Bernd Schäbler]Von dem Arbeitsfeld "Auswählen", das in Verzeichnisbaum, Thumbnail-Übersicht und Auswahl-Vorschau aufgeteilt ist, geht es zum Fenster "Organisieren", wo die Einzeldateien mit Bewertungspunkten – 1 bis 5 Sterne – versehen und in Dateien-Stapel gebündelt werden können. Dieses Arbeitsfenster ist gleichsam ein Leuchttisch, wo die Bilddateien für die manuelle Korrektur im nächsten Feld "Verbessern" vorbereitet werden. Manuell korrigiert werden alle Dateien, in denen wichtige EXIF-Informationen unwiederbringlich verloren gingen, für die kein Objektiv-Modul vorhanden ist oder die automatische Korrektur nicht ausreichend war. Hier steht dem Anwender eine üppige Palette von Arbeitsinstrumenten zur Verfügung, angefangen von einem Zoomfenster, einem Histogramm mit Clipping-Anzeige, Eingabefeldern zu Bildautor und Copyright, bis zum Erstellen und dauerhaften Abspeichern von Voreinstellungen. Erfahrene Benutzer werden, sobald sie das Programm genügend beherrschen und in ihren Aufnahmen immer wieder ähnliche Belichtungssituationen etc. verarbeiten müssen, sowohl von den Bilder-Stapeln wie auch der Anwendung von gespeicherten Voreinstellungen häufig Gebrauch machen.
 
DxO: Einzelbearbeitung im Arbeitsfeld "Verbessern" [Foto: Dr. Bernd Schäbler]Nach der Vorstellung dieser allgemeinen Hilfsmittel dürfen nun die "Handwerker" aufmerken, denn durch die Taste "Einstellung für Experten" werden eine Symbolleiste sowie acht Registerleisten aktiviert, die, je für sich angetippt, Arbeitsfelder mit Steuerungsinstrumenten freigeben und vollen Zugriff auf zahlreiche Bildparameter zulassen – sofern die passenden Objektiv- und Kameramodule zu den Bilddateien geladen werden konnten (es gibt inzwischen ca. 500 Module) und die EXIF-Daten vollständig vorhanden sind. Anderenfalls sind Einstellmöglichkeiten blockiert bzw. bleiben grau und können nicht benutzt werden.

An dieser Stelle sei gleich folgende Bitte an den Hersteller ausgesprochen: Gerade wegen der Fülle der Einstellmöglichkeiten und der diffizilen Justierung von Schiebereglern auf einen bestimmten Wert wären schnelle Rückstellungsmöglichkeiten wünschenswert, wie man sie in RawShooter oder Bibble Pro findet. Die Werkzeuggruppen im Einzelnen: Korrektur optischer Fehler, Bildschärfe und Bildrauschen, Weißabgleich und Belichtung, Farbe, Kontrast und Helligkeit, Bildgeometrie sowie Wahl des Bildausschnitts. Wegen der Vielzahl von Korrekturmöglichkeiten seien hier lediglich einige hervorgehoben: Ist ein entsprechendes Modul installiert, gleicht DxO Optics optische Schwächen aus, indem tonnen- bzw. kissenförmige Verzerrungen oder die optische Unschärfe beseitigt werden. Hier wie auch bei der Beseitigung von Unschärfe, DxO: Konvertierung in JPEG-, TIFF-, DNG-Dateien und Speicherung [Foto: Dr. Bernd Schäbler]Vignettierung und Randabschattung gilt, dass auch Aufnahmen mit nicht vermessenen Objektiven korrigiert werden können, etwa manuell mit der altbekannten "Unscharf Maskieren"-Methode. Im umfangreichen Teilbereich Farbjustierung sind neben Instrumenten zur Veränderung von Sättigung und Farbton und einem Tonwertkurvenwerkzeug sowie der Eingabemöglichkeit von kamera- und objektivspezifischen Farbprofilen auch neue Tools wie ein Mehrpunkt-Farbausgleich und – optional – das so genannte "FilmPack" vorhanden. Mit Letzterem geht man in die Zeiten analoger (Roll-)Filme zurück, denn ähnlich wie mit dem Photoshop-Plugin "Exposure" von Alien Skin können nun die Eigenarten von mehr als 20 Farbnegativ-, Dia- und Schwarz-Weiß-Filmen auf das digitale Bild übertragen werden. Auch für die Einstellung der  Intensität der Körnung gibt es einen Schieberegler. Bei dem einen oder anderen mag dies zu einem Stirnrunzeln führen, wenn man den Aufwand bedenkt, mit dem üblicherweise Luminanz- bzw. Chromarauschen aus Digitalfotos entfernt werden, weil sie stören und als unschöne technische "Macke" empfunden werden – andere hingegen werden die Simulation verschiedener Filmsorten und des Korns schätzen, weil es den Gestaltungsspielraum erweitert.
 
DxO: Einzelbearbeitung im Arbeitsfeld "Verbessern" [Foto: Dr. Bernd Schäbler]Nachdem die im Projekt versammelten Bilder automatisch oder manuell verbessert und bearbeitet wurden, führt der nächste Schritt im Workflow zum Arbeitsfenster "Verarbeiten". Gemeint ist die Wahl des Dateiformats, der Benennung und des Speicherorts. Obwohl DxO Labs sich ständig um die Beschleunigung des Verarbeitungsprozesses bemüht, beansprucht eine größere Datenmenge einiges an Zeit. Umso besser, dass man nicht nur unter drei Ausgabeformaten wählen kann – JPEG, TIFF und DNG –, sondern auch in einem Arbeitsgang mehrere Varianten ein und desselben Dateiformats – etwa (1) hoch auflösende und (2) für die Website geeignete JPEG-Dateien – speichern kann. Wurde eine Bilddatei nach der ersten Abspeicherung noch einmal verändert, weist ein blaues Häkchen auf der Thumbnail-Vorschau darauf hin, dass die neue Version noch nicht gespeichert wurde.

Während der Bearbeitung und Speicherung kann der Anwender bereits im nächsten und letzten Arbeitsfenster "Anzeigen" die Resultate prüfen und begutachten. Dies geht in Form einer Diashow oder einzeln bzw. auf geteiltem Bildschirm mit einer Ansicht des Bildes vor und nach der Bearbeitung. Für die Überprüfung von Details kann mit dem Mausrad schnell und stufenlos die Zoomfunktion gesteuert werden.

Resümee: DxO Optics Pro ist ein mächtiger RAW-Konverter, mit dem automatisch, halbautomatisch wie auch manuell alle wesentlichen Bildparameter bearbeitet und angepasst werden können. Darüber hinaus werden durch die fotografische Hardware bedingte, spezifische optische Fehler korrigiert, sofern die EXIF-Informationen vorhanden bzw. die entsprechenden Module für Kameragehäuse und Objektive zur Verfügung stehen. DxO Optics Pro Elite v 4.1 arbeitet unter Windows 2000, Windows XP; Macintosh OS X.3.9 oder X.4 und liegt als schnelle Universal Binary für Intel-Macs vor, was z. B. für Nikon-Fotografen interessant ist, da Nikon Capture NX nicht als UB vorliegt und extrem langsam ist.


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Kurzbewertung

  • die Zahl der Kamera- und Objektiv-Module wird ständig erweitert
  • mehrere Varianten eines Dateiformats können gleichzeitig abgespeichert werden
  • schnelle Bearbeitung durch Übertragung von Voreinstellungen auf Einzelbilder und Bilderstapel
  • "Hardware-Fehler" von Kameragehäusen und Objektiven werden ausgeglichen
  • manche Korrekturen werden erst bei 75-100% Vergrößerung sichtbar; das erschwert die Gesamtbeurteilung
  • Möglichkeiten für schnelle Rücksetzungen auf Nullwerte fehlen