Geotagging mit Nikon-DSLRs

foolography Unleashed GPS-Bluetooth-Adapter im Praxistest

2010-04-14 Geotagging, die Verortung von Fotos mithilfe eines GPS, ist in Zeiten einer globalisierten und vernetzten Welt ein immer größeres Thema. Besonders Nikon sticht mit einer GPS-Schnittstelle an zahlreichen DSLRs aus der Masse hervor, wobei das Originalzubehör allerdings an einer lästigen "Strippe" hängt. Der Diplom-Informatiker (TU) Oliver Perialis hat sein Wissen in die Praxis umgesetzt und mit dem Unleashed eine clevere Lösung entwickelt: Das winzig kleine (18,5 x 13 x 11 mm), 5 g leichte Zubehör wird in den Port gesteckt und nimmt per Bluetooth zu einem GPS Kontakt auf. Wir haben das an einer Nikon D2X in der Praxis getestet.  (Benjamin Kirchheim)

Foolography Unleashed GPS Geotagging Bluetooth-Adapter [Foto: MediaNord]Der 10polige Zubehöranschluss einer Nikon D200, D300, D300S, D700, D2X, D2Xs, D2Hs, D3, D3X, D3S und Fujifilm S5 Pro ist nicht nur für den Anschluss eines GPS vorgesehen, sondern auch für einen Kabelfernauslöser. Doch auch dafür hat foolography, wie die von Oliver Perialis gegründete Firma heißt, eine Lösung parat: Das Unleashed verfügt über einen 2,5mm-Klinkenanschluss, wie er auch bei Canon und Pentax zu finden ist – hier finden entsprechende Kabelfernauslöser Anschluss. Die Nikon D90 und D5000 besitzen ebenfalls einen Zubehöranschluss, der ist aber leider nicht kompatibel zu den größeren Nikons, sodass das Unleashed allein schon mechanisch nicht passt. Eine Lösung ist zwar schon seit Längerem geplant, aber noch nicht umgesetzt.

Im Unleashed, das von Hand zusammengebaut wird, was man dem Kunststoffgehäuse bei genauem Blick auch ansieht, befindet sich neben dem Bluetooth-Sender/Empfänger auch ein kleiner, selbst programmierter Mikrochip, der die entsprechende "Übersetzung" der Protokolle übernimmt. Über Blinksignale der zwei eingebauten LEDs (Rot und Grün) gibt das Unleashed Auskunft über den Betriebszustand bzw. den Status der Kommunikation mit dem GPS. Zumindest in der Anfangszeit sollte man die Seite der Bedienungsanleitung mit den Erklärungen der "Signalcodes" dabei haben.

Foolography Unleashed GPS Geotagging Bluetooth-Adapter [Foto: MediaNord]Die Inbetriebnahme ist recht einfach. GPS einschalten, Kamera in Betriebsart "S" (Einzelaufnahme) einschalten, dann den Auslöser drücken und gedrückt halten und dabei das Unleashed an die Kamera anstecken – der Auslöser muss noch etwa 10 Sekunden lang gedrückt gehalten werden, dann sucht das Unleashed nach Bluetooth-Geräten in der Umgebung und verbindet sich – man sollte also außer dem GPS keine anderen Bluetooth-Geräte in der Umgebung haben. Signalisieren einem die LEDs ein erfolgreiches "Pairing" (so heißt das, wenn zwei Bluetooth-Geräte miteinander verbunden wurden), kann man schon loslegen. Möchte man ein anderes GPS verwenden, muss man diese Prozedur wiederholen. Die Kamera, in unserem Fall die "betagte", aber keinesfalls zum "Alteisen" gehörende Nikon D2X, speichert die GPS-Koordinaten dann bei jedem Foto automatisch in die EXIF-Daten. Die D2X gibt lediglich über ein kleines Symbol auf dem oberen Info-LCD Auskunft, ob ein GPS-Signal anliegt – und das auch nur, wenn der Auslöser zumindest halb heruntergedrückt ist. In der Wiedergabe hingegen kann man die detaillierte Position einblenden lassen (siehe Screenshot).

Foolography Unleashed GPS Geotagging Bluetooth-Adapter [Foto: MediaNord]Das vielleicht größte Manko des Unleashed ist sein hoher Preis: 199 EUR soll es kosten, das ist der Preis für eine Eigenentwicklung in Kleinserie. Etwas unschön ist die Tatsache, dass das Unleashed an mancher Nikon etwas krumm sitzt – daran ist aber Nikon schuld, denn die Schnittstelle hat keine fixe Ausrichtung. Doch zurück zur Funktionalität: Das Unleashed verfügt über einen Speicher, der die letzte Position für 30 Minuten bereithält, auch wenn das GPS nicht mehr aktiv ist bzw. keine aktuelle Position sendet. So kann man auch in Gebäuden mit GPS-Position weiter fotografieren, in denen man in der Regel keinen Empfang hat. Die Position ist dann bspw. die Eingangstür. Auch einen Stromsparmodus hat das Unleashed, nach 15 Minuten Inaktivität seitens der Kamera schaltet es sich in einen "Schlafmodus", bei dem die Bluetoothverbindung getrennt und damit erheblich Strom gespart wird. Nach weiteren 30 Minuten, der Verfallszeit für die gespeicherte GPS-Position, geht das Unleashed in den Tiefschlaf – hier würde der Kameraakku für mehr als zwei Jahre reichen; man kann das Unleashed also getrost ständig an der Kamera gesteckt lassen.

GPS-Koordinatenanzeige der Nikon D2X im Wiedergabemodus [Foto: MediaNord]Normalerweise dauert das Verbinden bei aktiviertem Bluetooth-GPS nur rund 3-5 Sekunden, sodass man das GPS bspw. in der Brusttasche tragen kann, während die Kamera zwischen den Fotos in den Stromsparmodus schaltet. Aufpassen muss man, wenn das Bluetooth-GPS ebenfalls eine Energiesparfunktion hat, wie etwa der im Test verwendete GPS-Logger Wintec G-Rays 2. Dieser schaltet die Bluetoothverbindung nach einiger Zeit ab, wenn sie nicht gebraucht wurde. Schaltet man dann die Kamera wieder ein, kann sie sich nicht mit dem GPS verbinden. Ansonsten bietet ein GPS-Logger gegenüber einem reinen GPS-Empfänger den Vorteil, dass man neben den Positionen in den Fotos die gesamte Route aufzeichnet, was für eine spätere Kartendarstellung sinnvoll sein kann.

Da die GPS-Daten direkt von der Kamera in den Fotos abgelegt werden, sind diese sowohl in JPEG- als auch RAW-Dateien vorhanden, und man spart sich den Abgleich eines GPS-Tracks mit den Fotos am PC. Man kann die Bilder direkt archivieren, bearbeiten oder ins Internet hochladen, z. B. zu locr, einem der Pioniere im Bereich der Geotagging-Communities. Das Unleashed erlaubt sogar Firmwareupdates, die per Bluetooth durchgeführt werden können. Das erste Firmwareupdate, das noch nicht zur Verfügung steht, soll über eine Software die Konfiguration der "Kennzahlen" (Stromsparmodus, Gültigkeit der letzten GPS-Position) ermöglichen. Außerdem ist neben weiteren, bisher ungenannten Features geplant, die Kamera per Bluetooth auslösen zu können.

Fazit Zwar hat das foolography Unleashed einen mit 200 EUR relativ hohen Preis – schließlich muss man das Bluetooth-GPS auch noch separat kaufen –, dafür aber glänzt es mit seiner Kompaktheit und hohen Funktionalität. Geotagging für Nikon-Besitzer ist kaum einfacher hinzubekommen, zumal man bei Verwendung eines Bluetooth-GPS-Loggers auch noch parallel zu den Geoinfos der Fotos seine Route mit loggen kann. Noch interessanter dürfte das Unleashed werden, wenn das angekündigte Firmwareupdate mit Funktionserweiterungen wie der Bluetooth-Kameraauslösung kommt.

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  • (Zukünftige) Funktionserweiterungen über Firmwareupdates
  • Praxistauglichkeit bzw. Einfachheit
  • Hohe Kompaktheit
  • Nicht kompatibel zu Nikon D90 und D5000
  • Hoher Preis

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.