Geotagging – einfacher geht es kaum

Ricoh Caplio 500SE mit Bluetooth GPS-Maus ausprobiert

2008-02-08 Es gibt viele Wege, um Geotagging zu betreiben. Ein sehr einfacher ist der Anschluss einer Bluetooth GPS-Maus an eine Kamera. So hat man die Möglichkeit, auf eine Vielzahl von Geräten zurück zu greifen und diese auch für andere Zwecke wie z. B. Handynavigation zu verwenden. Momentan bietet nur der Hersteller Ricoh mit der Caplio 500 SE eine Bluetooth-Schnittstelle in der Kamera an. Die baugleiche 500G haben wir bereits einem ausführlichen Test unterzogen (siehe weiterführende Links), so dass hier nur die GPS-Funktionalität betrachtet werden soll.  (Benjamin Kirchheim)

Ricoh Caplio 500SE [Foto: MediaNord] Die Kamera im eigenwilligen "Baustellendesign" verfügt über ein eigenes GPS- und Bluetoothmenü. Hier können Bluetoothgeräte gesucht und eine Verbindung erstellt werden, auch die Eingabe eines Sicherheitscodes für sichere Bluetoothverbindungen ist möglich. Dieser Code ist bei vielen GPS-Mäusen, wie man die handlichen Bluetooth GPS-Empfänger nennt, fest vorgegeben. Die Verbindung mit einer Bluetooth GPS-Maus geht relativ schnell von statten und kann auch automatisch beim Einschalten der Kamera erfolgen, wo dann nach bereits bekannten Geräten gesucht wird – diese Suche ist aber jederzeit auch durch einen Tastendruck abzubrechen. So verlängert sich die Einschaltzeit auf etwa 7 Sekunden, was für eine Kamera zwar relativ lang ist, aber ein eingebautes GPS-Gerät würde ungleich länger brauchen, bis die Satelliten gefunden wären. Voraussetzung ist natürlich, dass die GPS-Maus schon einige Zeit vor der Kamera eingeschaltet wird und beispielsweise in der Tasche oder im Rucksack liegt.

  Richo Caplio 500SE GPS-Menü [Foto: MediaNord]
  Ricoh Caplio 500SE – Aufnahmemodus mit per Bluetooth übertragenen GPS Satelliten Informationen [Foto: MediaNord]
Beim Kauf einer GPS-Maus sollte man nicht zu geizig sein und lieber etwa 80-100 EUR anlegen. Die Investition gegenüber einem Billigmodell lohnt oft, da die Empfangsqualität oft besser und die Akkulaufzeit mitunter auch länger ist. Gerade in der Tasche oder im Rucksack sind die Signale der Satelliten ggf. etwas gedämpft, und es kommt dann auf ein gutes Gerät an – unter freiem Himmel wäre das nicht so kritisch (vielleicht wäre ein Hut mit eingebautem GPS-Empfänger eine Patentanmeldung wert).

Neben den Bluetootheinstellungen gibt es auch GPS-Parameter. Diese betreffen beispielsweise das Koordinatensystem, wobei WGS-84 in Europa am verbreitetsten ist. Es gibt verschiedene Koordinatensysteme, in denen eine GPS-Position leicht unterschiedlich interpretiert wird, da die Erde keine ideale Kugel, sondern eher eine unförmige Pflaume ist. Außerdem kann eingestellt werden, welche GPS-Daten direkt auf dem Monitor der Kamera eingeblendet werden. Hier kann dann abgelesen werden, wie viele (und ob überhaupt) Satelliten empfangen werden und wie die aktuelle Position ist.

Der Rest gestaltet sich ziemlich einfach. Man kann wie gewohnt Fotos machen und braucht sich kaum weiter um das GPS zu kümmern. Die Positionsdaten werden gleich in die EXIF-Daten der Bilder eingetragen, so dass man sie auf dem Rechner von entsprechender Software in der Karte platzieren lassen kann. Das lästige Herunterladen von GPS-Tracks vom GPS-Logger, Herunterladen der Bilder von der Kamera und die anschließende Synchronisation der Daten anhand der Zeit mit ggf. einzustellendem Zeitversatz entfällt.

Fazit Einfacher kann Geotagging kaum gehen. Gerade die Zielgruppe dieser Kamera ist auf einfaches Arbeiten mit dem Werkzeug Kamera angewiesen. So sind technische Dokumentationen von beispielsweise Baustellen problemlos möglich und man weiß zu Hause schnell, wo welches Foto aufgenommen wurde. Hinderlich für den Normalanwender sind die schlechte Bildqualität der Kamera und vor allem der hohe Preis von ca. 600 EUR – aber auch das Modell ohne Bluetooth ist ähnlich teuer. Wünschenswert wären Bluetooth-Schnittstellen in Konsumer-Komapktdigitalkameras und auch DSLRs, um einfach und komfortabel Geotagging zu betreiben.

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 44, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.