Hybridkamera

Panasonic Lumix DMC-GH2 eignet sich für Fotografen und Filmer

2010-09-21, aktualisiert 2024-02-27 Panasonic hat die GH1 in vielerlei Hinsicht zur Lumix DMC-GH2 weiter entwickelt. So kommt nicht nur ein neuer Bildsensor mit physikalisch 18 und effektiv 16 Megapixeln zum Einsatz, sondern auch die Videofunktionalität wurde erweitert, u. a. mit FullHD-Videoausleserate von 50 Bildern/s oder der Ausnutzung der maximalen AVCHD-Bitrate. Aber auch der Bildschirm ist wie bei der G2 jetzt berührungsempfindlich. Doch der neue Sensor ermöglicht auch ungeahnte Geschwindigkeiten des Kontrastautofokus.  (Benjamin Kirchheim)

Die Geschwindigkeit des Kontrastautofokus wird maßgeblich durch die Ausleserate des Sensors bestimmt. Es wird gemessen, gestellt, gemessen usw., bis der maximale Bildkontrast erreicht ist. Bei 30 oder 60 Bildern/s Ausleserate sind also pro Sekunde maximal 30 oder 60 Messungen möglich. Innerhalb von 0,2 s, laut Panasonic die Autofokusgeschwindigkeit bisheriger Lumix-G-Modelle, sind also etwa 12 Messungen (bei 60 Bildern/s) möglich. Der neue Sensor der Lumix DMC-GH2 ermöglicht jedoch eine doppelt so schnelle Ausleserate von 120 Bildern/s zur Fokussierung: Damit soll der Autofokus laut Panasonic etwa 0,099 Sekunden schnell sein. Er kommt somit in den Geschwindigkeitsbereich von absoluten Profi-DSLRs (oder der sehr schnellen Olympus E3 bzw. E5). Auch beim neuen Sensor handelt es sich um einen "übergroßen", er löst 18 Megapixel auf. Je nach gewähltem Bildformat wird immer nur ein Teil des Sensors, maximal 16 Megapixel, genutzt. Als Resultat hat man bei den Seitenverhältnissen 4:3, 3:2 und 16:9 eine konstante Bilddiagonale und damit einen konstanten Bildwinkel. Nur bei 1:1 muss man auf etwas Bildwinkel verzichten. Auf Wunsch können alle vier Seitenverhältnisse mit nur einer Auslösung simultan gespeichert werden.

Ein Hauptfokus von Panasonic bei der Entwicklung der GH2 lag auf der Videofunktion. In den Augen vieler Profi-Filmer stellt der Four-Thirds-Sensor einen sinnvollen Kompromiss dar. Zwar erreicht man mit Kleinbild-Vollformatkameras eine geringere Schärfentiefe, aber das exakte Finden und Halten der Schärfeebene erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Bei Micro Four Thirds hingegen kann man zwar noch gut freistellen, die Schärfentiefe ist aber andererseits groß genug, um die Schärfe nicht versehentlich zu verlieren. Leider gab es bei der GH1 aber aus Sicht der Filmer noch einige Einschränkungen, die nun größtenteils behoben sind. Z. B. der Mikrofonlevel, der jetzt einstellbar ist. Oder die Kompressionsrate bei AVCHD: Sie beträgt bei der GH1 17 Megabit pro Sekunde, bei den maximal in AVCHD zulässigen 24 Megabit/s hingegen gibt es eine bessere Bildqualität gerade in kritischen Situationen, bei der GH2 ist sie nun einstellbar. Das geschieht über den "Cinema-Modus", der zugleich auch für eine Bildaufnahme im klassischen "Kino-Look" sorgt. Außerdem hat Panasonic bei FullHD die Sensorausleserate auf 50 Halbbilder/s erhöht – bei der GH1 wurden noch 25 Vollbilder auf 50 Halbbilder umgerechnet. So sind jetzt bspw. Bewegungsabläufe flüssiger. Bei 720p hingegen ist die volle Bildrate 50p möglich, was auch Zeitlupenaufnahmen ermöglicht, indem man die Filme einfach mit halber Geschwindigkeit immer noch flüssig abspielt. Aber auch Zeitrafferaufnahmen mit 80, 160, 200 oder 300 Prozent der Normalgeschwindigkeit ermöglicht Panasonic mit der GH2 – und neben 25 Bildern/s kann der Anwender auch auf 24p umschalten, der im Kino verwendeten Bildwiederholrate.

Um diese Leistung zu entfalten, bedarf es auch eines neuen Bildprozessors, namens Venus Engine VI FHD mit drei Prozessorkernen. Er ermöglicht die hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit, die Serienbildrate ist bspw. von 3 auf 5 Bilder/s angewachsen, bei 3 Megapixeln sind sogar 40 Bilder/s möglich. Aber auch der fixe Kontrastautofokus oder die hochauflösende schnelle Videobildrate erfordern eine hohe Rechenleistung. Der Bildprozessor ermöglicht mit dem neuen Sensor aber auch eine verbesserte Bildqualität bei geringerem Rauschen – so traut Panasonic der GH2 sogar ISO 12.800 zu. Erreicht wird dies einerseits durch das neue Sensordesign mit A/D-Wandlern direkt auf dem Chip. Dadurch gewinnt man über eine Blendenstufe an Rauschanfälligkeit, d. h. trotz höherer Auflösung rauscht die GH2 bei ISO 6.400 etwa in dem Maße wie die GH1 schon bei ISO 3.200. Andererseits wird wie in den kompakten Digitalkameras von Panasonic das Rauschen auf Flächen ind in Details unterschieden, um letztere zur Erhaltung weniger aggressiv zu behandeln. Der Prozessor kümmert sich aber auch etwa um die intelligente Automatik, die sowohl beim Filmen als auch bei Fotografieren den optischen Bildstabilisator, die Gesichtserkennung, die Motiverkennung, die Kontrasterkennung, die Bewegungserkennung sowie die AF-Verfolgung beinhaltet. Dieses Gesamtpaket sorgt für sorgenfreies Aufnahmen von Fotos und Videos. Der Fotograf hat aber auch die Möglichkeit, die Kamera teilweise oder komplett manuell zu steuern.

Apropos: Die Steuerung der Kamera erfolgt klassisch über zahlreiche Bedienelemente. Zusätzlich bietet der GH2 aber auch einen schwenk- und klappbaren 3"-Touchscreen (7,5 cm Diagonale) mit 460.000 Bildpunkten Auflösung. Statt des Fotografen wird also einfach der Bildschirm verrenkt, wenn es die Aufnahmesituation erfordert. Mit dem Finger können auf dem Bildschirm nicht nur Einstellungen vorgenommen werden, sondern es lässt sich auch der Autofokus inkl. Motivverfolgung aktivieren, sogar die Kameraauslösung ist über den Touchscreen möglich. Selbstverständlich kommt auch wieder der hervorragende Videosucher zum Einsatz, dessen Auflösung von 1,44 auf 1,53 Mio. Bildpunkte leicht gestiegen ist. Auch am Kontrast hat Panasonic gearbeitet, sodass der Sucher einem Spiegelreflexsucher noch näher kommt. Die gesteigerte Auflösung nutzt Panasonic ähnlich wie beim Bildsensor für eine größere Bildbreite im 16:9-Modus.

Gespeichert werden die Fotos und Videos auf einer SD-, SDHC- oder SDXC-Speicherkarte, genügend Kapazität für ausgedehnte Videoaufnahmen sollten also im Bereich des Möglichen liegen. An Schnittstellen bietet die GH2 u. a. HDMI, einen Stereomikrofoneingang, einen Fernauslöseanschluss und selbstverständlich USB und einen analogen AV-Videoausgang, den Videofilmer möglicherweise zur Tonabnahme bzw. Kontrolle mittels Kopfhörer während Videoaufnahmen verwenden können. Ob das geht, prüft Panasonic gerade. Für die HDMI-Schnittstelle trifft das bereits jetzt zu. Im Gegensatz zur GH1 kann die GH2 auch während einer Videoaufnahme den HDMI-Ausgang speisen, sodass ein Kontrollbild bspw. zur Schärfeprüfung auf einem externen Bildschirm möglich wird. Ab Ende November 2010 soll die Lumix DMC-GH2 in Schwarz für etwa 950 EUR ohne Objektiv erhältlich sein. Mit dem 14-42mm Setobjektiv steigt der Preis auf rund 1.050 EUR, mit dem 14-140mm-Video-Superzoom steigt der Preis auf voraussichtlich 1.550 EUR.

Update 2024-02-27: In der ursprünglichen Fassung dieses Artikels war von "FullHD-Videoausleserate von echten 50 Bildern/s" die Rede. Tatsächlich beherrscht die GH2 bei FullHD wohl nur 50 Halbbilder pro Sekunde (1080i50), bei HD sind es 50 Vollbilder pro Sekunde (720p50).

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 45, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.