Praxistest

Olympus E-520 im maßgeschneiderten UW-Gehäusekit PT-E05

2008-12-17 Schon zu Analogzeiten genoss Olympus unter fotografierenden Tauchern einen guten Ruf. Den verteidigt der Kamerabauer bei den Digitalen recht erfolgreich: Er bietet wasserdichte Kompaktkameras ebenso an wie Unterwasser-Gehäuse für viele der normalen Modelle – und als einziger der großen Hersteller auch für Spiegelreflex-Modelle. Das aktuelle Modell, das PT-E05, ist für die E-520 maßgeschneidert. digitalkamera.de hat die Kombination in einem Praxistest im Roten Meer ausprobiert.  (Christian Fischer)

Olympus PT-E05 [Foto: MediaNord]Kompakte Maße von Body und Objektiv bei hoher Bildqualität – das verspricht die FourThirds-Technik, die Olympus (im Verein mit Panasonic) propagiert. Für Unterwasser-Equipment, bei dem es auf Handlichkeit ankommt, eigentlich optimale Voraussetzungen. Theoretisch. Tatsächlich erweist sich die E-520 als nicht wirklich kleiner denn vergleichbare Kameras der Konkurrenz mit größeren Sensoren, auch die Objektive gleichen einander von Gewicht und Abmessungen her. Einen Vorteil bietet dafür die Tatsache, dass das PT-E05 für die Kamera maßgeschneidert wurde und dementsprechend "eng anliegt". Es ist zwar deutlich größer als ein wasserfester Mantel für Kompakte, aber mit Objektiv-Port weniger wuchtig als Standard-Gehäuse, die in Kleinserien dem jeweiligen Kamera-Typ angepasst werden. Mit etwa 900 EUR – plus den Kosten für ein Objektiv-Port, etwa das PPO-E05 – ist es zwar ungefähr doppelt so teuer wie die Kamera selber, aber deutlich preisgünstiger als Produkte von Fremd-Herstellern. Die sind zwar oft bis 60 oder gar 80 Meter wasserdicht, doch die 40 Meter, die Olympus für das PT-E05 angibt, entsprechen auch dem Limit für Sporttaucher, die ihre Flaschen mit Luft oder Nitrox nutzen.

Taucher an einem Wrack im Roten Meer, durch das 8-mm-Fisheye von Olympus bei verfügbarem Licht fotografiert  [Foto: ScubaPhotoFactory]Schwarz, mit einem transparenten Rückteil, so präsentiert sich der ungewöhnliche Look des Polycarbonat-Gehäuses. Stabile, rote O-Ringe übernehmen die Dichtung. Die auf einem Schlitten fixierte Kamera gleitet fast von allein hinein, ein Drehknopf verschließt die ganze Angelegenheit wörtlich im Handumdrehen – leichter geht´s nicht.

Alle wichtigen Funktionen sind über Tasten mit klar definierten Druckpunkten zu erreichen. Ein Blitz – von Olympus selbst im entsprechenden Gehäuse oder von einem Fremdhersteller – lässt sich über mehrere Arten ankoppeln: mittels drahtloser Auslösung, via TTL-Buchse oder als Sklavenblitz über Glasfaser-Kabel. Hier erschließt sich auch der Sinn der in Schwarz gehaltenen Vorderseite, die Lichtaustritt des kameraeigenen Blitzes nur an den dafür vorgesehenen Öffnungen gestattet. Unter Wasser erzeugen Gehäuse und Kamera einen leichten Auftrieb, trotzdem – und dank eines großen, ausgeformten Haltegriffes – liegt das Gehäuse gut in der Hand.

Als klarer Schwachpunkt in der Ergonomie erweist sich der Hauptschalter. Er sitzt direkt unter dem Programmwahlrad und dreht dieses beim An- oder Ausschalten der Kamera unter Wasser häufig mit – so dass sich der Fotograf immer wieder vergewissern muss, ob sein gewünschtes Belichtungsprogramm noch eingestellt ist. Einzige Lösung für dieses Problem: Die Kamera angeschaltet lassen. Nach einiger Zeit wechselt Typischer Anwohner im Roten Meer: ein Rotfeuerfisch (29 mm, entspr. 58 mm Kleinbild) [Foto: ScubaPhotoFactory]sie in den Stand-By-Modus, was Strom spart – sonst würde der LiveView-Modus die Akkus schnell leeren.

Der Monitor mit Blick auf das Motiv, den Olympus lange vor der SLR-Konkurrenz entdeckt hat und auch in Einsteigermodellen konsequent einsetzt, erleichtert die Bildgestaltung erheblich. Der optische Sucher wird dementsprechend stiefmütterlich behandelt, ist schwer einsehbar und spielt in der Praxis keine Rolle. Das gilt auch für einen der beiden Autofokus-Modi des LiveView: Nämlich für das Kontrast-System, bei dem der Spiegel in Position bleibt, und das deshalb eigentlich besonders schnell arbeiten soll. Tatsächlich hat es beim schummerigen Umgebungslicht unter Wasser erhebliche Probleme, die Schärfe zu finden. Der konventionelle Autofokus dagegen arbeitet – obwohl er vor dem Messen erst den Spiegel wegklappen muss – in der Regel ausreichend zügig.

Eine Schildkröte auf einer Seegraswiese, eingefangen mit 8-mm-Fisheye [Foto: ScubaPhotoFactory]Bei der Ausleuchtung der Motive helfen Blitz oder Lampe; oder das Hochsetzen des ISO-Wertes, wenn man mit dem verfügbaren Licht arbeiten möchte. Bis ISO 400 bleiben Bilder der E-520 rauschfrei. Damit bleibt der relativ kleine FourThirds-Sensor mit effektiv zehn Megapixeln natürlich hinter den Werten der neuen Boliden von Canon oder Nikon zurück – aber für das Licht in bis zu ca. 30 Meter Tiefe reicht das völlig aus. Zumal eine Reduzierung der Belichtung um eine halbe oder ganze Blendenstufe empfehlenswert ist, da dies die verbleibenden Farben kräftiger erscheinen lässt.

Nun kommt auch der Vorteil des im Kameragehäuse verbauten Bild-Stabilisators voll zur Geltung: Er erlaubt 1/60, manchmal sogar 1/30 Sekunden Belichtungszeit selbst unter Wasser. Ein lichtstarkes Objektiv ist natürlich Voraussetzung für das blitzfreie Arbeiten. Die Kit-Linse 14-42 mm gehört eher nicht dazu: Für den Hai, der in einiger Entfernung nur mit Tele und somit Blende F5,6 zu fassen ist, wird es mit diesem Standard-Zoom schon wackelig. Aber das ist ja der Vorteil gegenüber einer Kompaktkamera: Die Wechselobjektiv-Fassung erlaubt die freie Wahl. Selbst mit dem Port PPO-E04 für professionelle Weitwinkel-Optiken bleibt das Olympus-System handlich – leider erhöht es die notwendige Investition um weitere 1.000 EUR.

Fazit Dem japanischen Hersteller ist mit der Kombination aus Kamera E-520 und Gehäuse PT-E05 ein Angebot gelungen, das ambitionierte Unterwasser-Fotografen ansprechen dürfte. Obwohl noch relativ handlich, bietet es neben zuverlässigen Automatik-Funktionen volle kreative Kontrolle; die Bildqualität entspricht professionellen Ansprüchen. Und die neue Panasonic Lumix DMC-G1 zeigt, welches Potenzial das FourThirds-System in der neuen "Micro"-Ausführung noch bietet. Bleibt zu hoffen, dass Olympus bei den zu erwartenden, besonders kompakten Gehäusen auch wieder an ein Unterwasser-Gehäuse denkt.

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