Rubriken: Aufnahmeeinstellungen, Zubehör

Korrekturfilterfolien im Einsatz an Systemblitzgeräten

2012-10-08 Polarisationsfilter, Graufilter, Skylight und Schutzfilter kennen fast alle Fotoenthusiansten. Bei Farbfiltern für die Schwarzweiss Fotografie lichten sich sich die Reihen der Kenner indes bereits. Farbkorrekturfilter für Objektive sind so gut wie vergessen, da der kamerainterne Weißabgleich diese in den meisten Fällen überflüssig macht. Dass es Korrekturfilterfolien für Blitzgeräte gibt und wie diese eingesetzt werden, wissen nur noch die wenigsten. Wir möchten mit diesem Fototipp den grundsätzlichen Umgang mit diesen Folien erläutern und zeigen, dass es kein Teufelswerk ist, sondern ein Hilfsmittel für kreative Fotografie.  (Harm-Diercks Gronewold)

Olympus FL-50R mit Honl Photo Speed Strap und Full CTO Folie [Foto: MediaNord]Der Einsatz von Korrekturfilterfolien, kurz Korrekturfolien, für Blitzgeräte stammt aus der Zeit der analogen Farbfotografie und wurde nötig, wenn ein Fotograf mit Mischlicht arbeiten musste. In Zeiten des automatischen Weißabgleichs und der Bildverarbeitung am Computer scheint dieser Aufwand bei der Aufnahme nicht mehr nötig zu sein, doch das ist ein Irrtum. Denn nicht alles ist via Bildbearbeitung am Computer leicht zu korrigieren. In vorangegangenen Fototipps haben wir die Blitztechnik ein wenig ausführlicher beleuchtet (siehe weiterführende Links) und haben das Thema Korrekturfolien auch kurz angerissen.

Korrekturfolien werden als CTO (Color Temperature Orange) und CTB (Color Temperature Blue) bezeichnet und diese gibt es in verschiedenen Stärken. Vereinfacht gesagt macht der CTO das abgegebene Licht „wärmer“ und der CTB macht das Licht „kühler“. Die Korrekturfolien werden in verschiedenen Größen angeboten. Manchmal bietet der Blitzgerätehersteller passende Folien auch als Zubehör an oder liefert diese sogar mit dem Blitzgerät. Da hochwertige Filterfolien relativ hitzebeständig sind, können sie mit geringem Abstand auf dem Blitz montiert werden. Die Montage der Folien kann auf verschiedenste Art und Weise erfolgen. So kann man auf leicht lösbare Klebestreifen zurückgreifen oder man klebt sich Klettelemente auf die Folien und den Blitz. Eine andere Möglichkeit ist der gummierte Honl Speed Strap mit seinem großen Klettelement. Der Speed Strap hat den Vorteil, dass er jederzeit wieder vom Blitzgerät entfernt werden kann und mit knapp zehn Euro ein echtes Schnäppchen ist. Um eine Folie an dem Speed Strap zu montieren, kann man nun auf selbst konfektionierte Folien zurückgreifen oder man investiert knapp 30 Euro in ein Filterset des Speed Strap Herstellers Honl.

Fototipp Blitzen mit Korrekturfolie – Motiv ohne Blitzkorrekturfolie [Foto: Harm-Diercks Gronewold]Üblicherweise benutzt man Korrekturfilter dann, wenn man Blitzlicht mit einer anderen Lichtart kombinieren möchte. Die Farbtemperatur eines Blitzlichts liegt bei knapp 5.600 Grad Kelvin, dies entspricht ungefähr der Farbtemperatur der indirekten Mittagssonne. Möchte man nun ein Objekt in einer von Glühlampen beleuchteten Umgebung fotografieren, dann wird das vom Blitz abgegebene Licht nicht zum Umgebungslicht passen. Hier muss mit einer Korrekturfolie nachgeholfen werden. Dazu ist der Kameraweißabgleich auf die Voreinstellung Glühlampenlicht oder per manuellem Weißabgleich auf die Lichtfarbe einzustellen. Daraufhin montiert man eine CTO Korrekturfolie auf das Blitzgerät. Hier sollte man nun anhand von Testaufnahmen ermitteln, welche Stärke der Korrekturfolie die richtige ist, um so ein farblich ausgewogenes Bild zu erhalten.

Fototipp Blitzen mit Blitzkorrekturfolie – Motiv mit Blitz und Blitzkorrekturfolie und Reflektor angeblitz und Farben zu neutralisieren [Foto: Harm-Diercks Gronewold]Das Beispielbild links hätte, trotz ausreichendem Tageslicht, von einer Korrekturfolie auf einem Blitzgerät stark profitiert. Im Hintergrund ist ein von der untergehenden Sonne bestrahltes Feld, auf welches die Kamera den Weißabgleich gesetzt hat. Das Modell wurde in den Schatten gestellt, um eine weiche Ausleuchtung zu erhalten. Im Prinzip eine sehr gute Idee, dennoch ist das Bild nicht zu gebrauchen, da die Farbtemperaturdifferenz vom Hintergrund (ca. 2.300 Grad Kelvin) zum Modell im Schatten (ca. 7.600 Grad Kelvin) zu groß ist. So zeigt das Gesicht des Modells einen kalten Farbton, während der Hintergrund den gewünschten Farblook besitzt. Hätte sich die Kamera anders entschieden und das Gesicht als Weißabgleichsreferenz genutzt, dann wäre der Hintergrund zu warm geworden und hätte das Bild erneut unbrauchbar gemacht. Der Fehler hätte durch das Benutzen eines Zebra-Reflektors vermieden werden können, um das Gesicht mit passendem Licht zu versorgen (siehe Bild rechte Seite). Nachteil eines solchen Reflektors ist allerdings, dass zum einen reflektierbares Licht in der Nähe vorhanden sein muss und dass durch die starken Reflektionseigenschaften das Modell Probleme bekommt, die Augen unverkrampft offen zu halten. Die beste Methode wäre der Einsatz eines Blitzgerätes mit einer CTO Korrekturfolie gewesen, um die Gesichtsfarbe des Modells anzugleichen und um gleichzeitig den Farbcharakter des Hintergrunds nicht zu zerstören.

Doch was würde nun passieren, wenn der Weißabgleich absichtlich falsch eingestellt wird, um eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen? In unserem nächsten Beispiel wollen wir ein Porträt in der blauen Stunde machen. Um die blaue Stunde ein wenig blauer zu gestalten setzen wir den Weißabgleich manuell auf einen niedrigen Wert. Besitzt die Kamera keine Eingabemöglichkeit für einen Farbtemperaturwert, so kann man mit den in allen Kameras vorhandenen Voreinstellungen arbeiten. In diesem Beispiel wäre die Einstellung für Glühlampenlicht passend. Ist der Weißabgleich gesetzt, wird eine Korrekturfolie CTO auf dem Blitzgerät montiert. Danach wird das Blitzgerät aufgesteckt oder so platziert, dass es drahtlos ausgelöst werden kann. Anschließend stellt man das Modell in Pose, und der Blitz wird gegebenenfalls noch ausgerichtet. Dann fotografiert man seine erste Testaufnahme und analysiert diese:

  • Ist der Hintergrund zu dunkel, dann muss die Belichtungszeit verlängert werden (Achtung mögliche Verwacklungsgefahr).
  • Ist der Hintergrund zu hell, dann muss die Belichtungszeit verkürzt werden.

Danach schaut man sich die Blitzfarbe an:

  • Ist die Blitzfarbe zu „warm“, dann muss eine geringere CTO-Filterfolie benutzt werden. Ist schon die geringste Stärke erreicht, dann kann man versuchen ohne Korrekturfolie zu Blitzen. Ist das auch nicht von Erfolg gekrönt, muss der Weißabgleich der Kamera ein wenig "nach oben" angepasst werden.
  • Ist die Blitzfarbe zu „kalt“, dann muss eine stärkere CTO-Filterfolie benutzt werden. Ist die höchste CTO-Filterfolie schon verwendet worden, dann kann eine weitere CTO-Filterfolie über diese montiert werden.

 

Fototipp Blitzkorrekturfolie – Blitz ohne Korrekturfolie mit einem auf 3300 Grad Kelvin gesetzten Weißabgleich. [Foto: Harm-Diercks Gronewold] Fototipp Blitzkorrekturfolie – Porträt mit Blitzkorrekturfolie in der blauen Stunde [Foto: Harm-Diercks Gronewold]
Systemblitz ohne Korrekturfolie und einen auf 3.300 Grad
Kelvin gesetzten Weißabgleich. Um das Licht weicher zu machen, wurde durch einen Lastolite Triflip Diffusor hindurchgeblitzt.
Systemblitz mit mit CTO-Folie und einem auf 3.300 Grad
Kelvin gesetzten Weißabgleich. Um das Licht weicher zu machen, wurde durch einen Lastolite Triflip Diffusor hindurchgeblitzt.

Ist das Bild so wie man es sich vorstellt, kann man nach Herzenslust mit diesen Einstellungen arbeiten. Werden weitere Blitzgeräte verwendet, so kann man diese mit Farbfolien ausstatten, um besondere Effekte zu erzeugen. Hier sind dann der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Diese reinen Farbfilterfolien sind überwiegend nur als Effekt nutzbar und können nicht zur Neutralisierung von Farben benutzt werden.

Der Honl Photo Speed Strap, das Color Correction Kit und weiteres interessantes Zubehör sind übrigens im digitalkamera.de-Shop erhältlich.

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Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 50, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.